Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 76 (1912)
- Issue
- Heft 20 (17.5.1912)
- Date
- 1912-05-17
- Page
- Seite 236 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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ifi Weniger -Msunheimer,: Dt: Goldmark . und/ ich aus Niederösteri Mch.r- Rabbiner Meisels sprach nie im Reichstage, Mannheimer ein einziges Mal, wie ich.glaube aus Anlatz der Beratung der /Glaubensfreiheit. - B ez ü g Lid), d e r konfessionell en G l eichber ech - t.i g u n g g a b e s i m K r e m s i e r e r. R ei ch s ta g e keine Konflikte. Sie erschien damals als selbstverst a n d l i ch. In den §§ 11 bis inklusive 15 ist diese Gleichberechtigung vollständig gewährleistet. Sa heißt es im § 11/ „Den österreichischen Staatsbürgern ist die Freiheit des Glaubens gewährleistet" rc. In § 12: „Keine Religionsgesellschaft (Kirche) genießt vor anderen Vorrechte durch den Staat" rc. In § 14: „Die Religionsverschiedenheit begründet keinen Unterschied in den Rechten und Pflichten der Staatsbürger." In § 15 unter anderem: „Die Religionsverschiedenheit ist keim bürgerliches. Ehehindernis. . Es gnügt ferner, daß . diesem Paragraphen zur bürgerlichen Gültigkeit der Ehe die förmliche Einwilligung beider Brautleute vor der vom Staate Zur Ausnahme des Ehevertrages bestellten Behörde. ' " -/ Nach diesem Paragraphen kann die kirchliche Trauung erst nach Schließung der Zivilehe stattsinden. Ich muß bemerken, daß die angeführten Paragraphen, die vom Verfassnngsausschusse dem Hause unterbreitet' wurden, infolge der gewaltsamen Auflösung , des--Reichstages ..nur bis exklusive § 14 im Plenum beraten wurden.. : -lieber die Eindrücke, die ich von Kremsier empfing, kann ich nur wenig sagen. Sie leben ja in diesem Orte und wissen, falls er nicht Aenderungen . zu seinem Vorteile erfuhr, daß er weder in architektonischer, noch in sozialer Beziehimg etwas besitzt, was Interesse zü wecken, vermag. ' Bezüglich des Architektonischen ist mir nur noch im Gedächtnisse, baß der Stall im fürstl. erzbischöflichen Gebäude äußerlich einem griechischen'Tempel und das Volksschulhaus äußerlich einem Stallgebäude gleiche. Die Sitzungen des Reichstags fanden im prächtigen Resek- . torium des erzbischöflichen Palastes statt. Die Wände dieses Saales waren aber nicht mit Heiligenbildern, sondern mit mythologischen Figuren geschmückt. So wenig wie der Mägen, wurden die Augen in diesem Raum kasteit. Entschuldigen Sie, hochgeehrter Herr Rabbiner, die Kost, Wie ich Ihnen biete; mein Gedächtnis bietet keine reichere. Mich Ihnen bestens empfehlend, bin . ich mit dem Ausdrucke vorzüglicher Hochachtung - . Euer Ehrwürden ergebener Emmersdorf, am 8. Mai 1892. Dr. Fischhos.. Der Idealismus, mit dem Fischhof andere beurteilte, täuschte ihn über die humane, judensreundliche Gesinnung vieler^ Abgeordneten, welche aus dem Wege von der Klubsitzung zum Parlamente von den Klerikalen und antisemitischen Gegenströmungen sich beeinflussen ließen. Die bei den Banketten und Verbrüderungsfesten gegebenen Versicherungen waren von kürzer Dauer. Auf politische Treue hielt man schon damals nicht viel. Antwortete doch .der Führer der Tschechen, Palacky, auf die Intervention den Deputierten, daß er nur konsequent fei, wenn dies seiner Partei zum Vorteil gereiche. Seine Losung sei: Jeder zu den Seinen. Der Humorist Saphir, welcher im Hause des mit ihm verwandten Gelehrten Rafael Kohn, des Großvaters des Dr. Hans' Gideon Heymann in Berlin, Gastfreundschaft genoß, verglich die Parteiführer mit den feindlichen Brüdern, welche am Beginn des Versöhnungsfestes sich miteinander ausgleichenam Schlüsse desselben aber in die alte Feindschaft zurücksallen.. Tatsächlich verhielt es sich so mit den Zusicherungen der Abgeordneten. Wäre im Kremsierer Reichstage die Judenemanzipation, noch zur Verhandlung gekommen, dann -hätte Fischhof noch eine bittere Enttäuschung mehr erlebt. Zum Glücke wurden die „Krämerbuden" früher -geschlossen. AlH die Israeliten am,7. März 1849, am Purim, zum MorgengoAesdienst gingen, lasen sie an den Gassenecken ein. kaiserliches Manifest, welches dem Reichstage für aufgelöst erklärte uni> die Polle Gleichberechtigung verkündete. Gleichzeitig kam eilt; Haftbefehl gegen alle, die der Umsturzpartei angehörten. Goldmark, der Bruder des Komponisten, flüchtete mit Hilfe der Mutter Em. Baumgartens in ein nahes Dorf, von wo er nach Amerika entkam. L. A. Frankl unterstützte den liberalen P. Füster bei feiner Flucht ins Ausland. Fischhof allein, der jüdische Kavalier, wie er allgemein genannt wurde, zeigte sich^standhaft. Obwohl ihm Baron Pillersdorf die ihm bevorstehende Verhaftung vertraulich mitteilte und seine ' Freunde den Plan zur Flucht vorbereiteten, wollte er doch -. nicht fliehen, weil ihm dies als Bekenntnis der Schuld ausgelegt werden konnte, deren er sich nicht bewußt war. Er wollte lieber vom Gerichte als vom Volke verurteilt werden. Er wollte trotz aller Zuslüsterungen nicht einmal den Schein . einer Flucht erregen, welch mit feiner Würde und seinem >; Rechisbewüßtsein unvereinbar wäre. Fifchhof wurde auch wirklich um Mitternacht in der Wohnung des Dichters L. A. Frankl verhaftet Und von einer Eskorte, sechs .Soldaten mit aufgepslanzten Gewehren, in das Bureau Stadions geführt. .Alle seine Freunde fanden . Ich auf dem Bahnhofe ein, und manches Auge wurde bei seinem Anblicke feucht. Furchtlos blickte er um sich her und nahm von jedem Bekannten herzlichen Abschied. Vor ein Kriegsgericht gestellt, wurde ihm zur Last gelegt, daß er den Empörern in der Festung Graz Vorschub geleistet hätte. Er wies jedoch nach, daß er im Gegenteil den aufrührerischen Heist ins rechte Gleise führte. Lasser und Dobelhoff bezeugten, daß' Fischhos und Goldmark mit eigener Lebensgefahr verbrecherische Taten zu verhindern suchten.. Nach sechsmonatlicher, Hast wurde F. aus Mangel an Schuldbeweisen freigesprochen. Doch erhielt er erst unter dem Ministerium Belkredi seine Politischen,Rechte zurück. Er lebte; dann zurückgezogen, Werken der Humanität sich widmend., Er starb am 23. März 1893 und wurde in Wien begraben. Viele Gemeinden legten Kränze als Zeichen der Dankbarkeit auf das Grab dieses Freiheitskämpfers, welcher durch seine Werke sich ein unvergängliches Andenken im Herzen der Menschen errichtet hat. . ■ . ■ F. G. . Lin MiMonsramsn? Besprochen von Ludwig Geiger. ©chon der Titel des Romans, den ich hiermit meinen Lesern anzeige, aber nicht empfehle, zeigt, was man in dem Buche zu erwarten hat. Der Roman ist die Geschichte des Rabbi Joseph ben Jisroel. Der Genannte wirkt zuerst in Wilna, dann in der Hafenstadt Namir. Er wird'zwar als Wunderrabbi bezeichnet, seine Wunder äußern sich aber nur in einer heilsamen Tätigkeit für seine Gemeinde und in erfolgreichen Heilversuchen, die er auch an Christen übt. Nach einer gesegneten Tätigkeit in Wilna wird er nach der Gemeinde Namir berufen, die innerlich gerissen von Zeit zu Zeit auch durch Pogrome bedroht wird. Einen besonders schrecklichen Ausbruch der Volksleidenschaft-muß der Rabbi selbst durchmachen, einen fürchterlichen Angriff, wobei seine Mutter und fein Kind getötet, fein Weib geschändet und er selbst furchtbar gepeinigt wird. Aber er weiß, sich mit herkulischer Kraft loszureißen (freilich sündigt die Schilderung gegen alle Gesetze der Wahrscheinlichkeit) und erschlägt (er, der schwächliche) mehrere riesenstarke Angreifer. 4) Dein Reich komme! Roman Mus der Gegenwart von Peter Zorr. Literarischer Verlag, Frankfurt (Oder).