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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1912-05-17 · Heft 20 (17.5.1912) · p. Seite 235

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
76 (1912)
Issue
Heft 20 (17.5.1912)
Date
1912-05-17
Page
Seite 235 (sequence 7)
Language
German
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235 die Regelung der jüdischen Kultusgemeinde'und konfessionellen Angelegenheiten, hauptsächlich im Sinne seiner Vorarbeiten und Entwürfe geschaffen. Die Abschaffung des Judeneides (moi-6 juäLieo) wird in kurzer Zeit legislatorisch erfolgen, was ebenfalls ein Verdienst des wackeren Mannes fein wird. Behufs Hebung des Volksschulunterrichts auf nationaler und religiöser Grundlage wurden vier Präparandisten-Stistungen auf feine Anregung gegründet. Im Jahre 1900 erbaute er der Kultusgemeinde ein Prächtiges Heim für die jüdische Schule und Beamtenwohnungen, errichtete mit Hilfe des israelitischen Frauenvereins eine jüdische Volksküche, im Jahre 1909 führte er die Renovierung des Kultustempels erfolgreich durch. . Das Vertrauen seiner Mitbürger berief den auf allen Verwaltüngsgebieten versierten Mann im Jahre 1901 in den Gemeinderat der königlichen Freistadt Essek, wo er bis zum Jahre 1907 verdienstlich, besonders auf dem Gebiete des Armenwesens,, wirkte. An der zionistischen Bewegung nahm, er lebhaften Anteil nnd ist feit Jahren Mitglied des großen Aktionskomitees und; Vizepräsident des Südslawischen Bundes der Zionisten. Jln Jahre 1906 wurde er zum korrespondierenden Mitgliede der Handels- und Gewerbekammer in Essek gewählt, wo er sich durch feine juristischen Gutachten und scharfsinnigen Arbeiten großer Wertschätzung' erfreut. Im November 1909 wurde dem' Dr. Hugo Spitzer für seine Verdienste auf dem Gebiet der öffentlichen Angelegenheiten durch Seine Majestät das Ritterkreuz des Franz-Josess-Ordens verliehen. Diese hohe Auszeichnung des verdienten Mannes wurde.im ganzen Lande mit allgemeiner Befriedigung begrüßt. Im Jahre 1910 regte er die Gründung eines jüdischen Kinderheims an und hätte auch dieses Unternehmen sicherlich schon unter Dach und Fach ge-,, bracht, wenn ihm nicht das Schicksal durch den Tod seiner am 1. November Heimgegangenen Frau Albine Spitzer geb. Biller die herbste und unverwindlichste Prüfung feines Lebens auferlegt hätte. Das kroatisch-slawonifche Judentum hegt trotzdem die gerechtfertigte Erwartung, daß dieser Mann Noch viel Schönes und Nützliches für die Förderung seiner Interessen leisten, wird, da nach seinen eigenen resignierten Worten^ nach dem Tode seiner edlen Gattin „nur das Wirken sür das Wohl' des kroatischen Judentums s e i n em a n so n st inhaltlos gewordenen Leben Z w e ck ü n d B e deutung zu geben vermag".' N a tch a n Sch w arz. Molk Filchhok ouk dem kremüerrr Seichstsse. dolf Fifchhof wurde am 8. Dezember 1816 in Altofen geboren, Seine Ahnen haben sich nach der Vertreibung der Juden aus Wien (1670) -in Eibenschütz (Mähren) niedergelassen. Wegen des damals herrschenden Familiengesetzes, laut welchem nur der älteste Sohn heiraten durftewanderte sein Vater Joses, ein Talmudgelehrter, nach Ungarn; aus. Adolf besuchte das Piaristengymnasium in Pest , vom Jahre 1829 bis 1834 und ging dann 1836 nach Wien, wo er unter großen. Entbehrungen medizinische Studien betrieb und am 27. Mai 1845 zum Doktor promoviert wurde: /Er bekleidete eine* Assistentenstelle im Allgemeinen Krankenhause. Im Jahre 1848 entstand unter den Studenten eine mächtige Bewegung. Sie wählten Fifchhof zum Redner. Am 13. März sprach er im Landhau.se, für das Recht und. die Freiheit des Volkes. Seine Rede erweckte eine solche Begeisterung, daß er. zum Führer der Bewegung, zum Präsidenten des Sicherheitsausschusses gewählt? wurde./,Als solcher bewies er in. den schwierigsten Situationen Takt und Selbstbeherrschung. So blieb er als Jude der Fronleichnamsprozession fern, um nicht als erster gleich nach dem TräghiüMel gehen zu müssen. Wenn er auch mit der jüd^chdn RÄigion wenig Fühlung unterhielt, zeigte er dennoch seine Anhänglichkeit am Judentum und lehnte das ihm angebotene Ministerportefeuille ab, weil er seinen Glauben nicht wechseln wollte... ,Er war auch in einem Verein tätig, der sich zur Ausgabe stellte, die Juden in Galizien zum Ackerbau heranzubilden.. Seine Haupttätigkeit als Volksvertreter entfaltete er im Kremsierer Reichsrate, auf welchem er zwei bedeutende Reden hielt, die eine für die Grundrechte und Volkssouverä- nität, die andere für die Abschaffung der Todesstrafe: . Besonders die letzte machte auf die Abgeordneten einen überwältigenden Eindruck. Er sprach die Repräsentanten des Maates /mit / folgenden Schlußworten an: „Ihr, die die Vorsehung auf den Gipfel der Gesellschaft gestellt hat, ihr Metterniche und Konsorten, ihr habt den Gott in uns. und euch verleugnet, und wenn irgend jemand zu sterben verdient den Tod des seid ihr es. Aber vor der gerechtem Strafe schützt euch unsere Gutmütigkeit und der Paragraph: „Die Todesstrafe ist abgeschafft." Fifchhof gehörte zu den bedeutendsten Persönlichkeiten des Kremsierer Reichrates (1848 bis 1849). Wie kein anderer'Abgeordneter, erwarb er sich durch sein freimütiges Wesen die Sympathie des Parlamentes sowohl als auch der Bevölkerung. Mit Begeisterung sprechen noch heute alle, die ihn kannten, von der Reinheit und Makellosigkeit seines Charakters.' Schon von Wien aus, wo er der Abgott der Studenten und der Liebling der Bürger war, ging ihm der Ruf eines Gentlemens voraus. Trotz seiner bescheidenen Haltung wurde er mit allen Würden und Ehrenbezeugungen überhäuft. Die größten Ovationen wurden ihm im Wiener Rathause -von der Bürgerschaft und von der Nationalgarde dargebracht. Die Vorstädte Wiens,' in denen damals fast gar keine Juden wohnten, . wählten ihn zum Abgeordneten. Im Abgeordnetenhause, wo er gleich den anderen jüdischen Abgeordneten-aus, der linken Seite saß, nahm er regen Anteil an den Arbeiten, in den verschiedenen Abteilungen. Er war der Referent über die Grundrechte, die auf die Vermehrung der Volkssreiheit hinzielten, und für die er mit der ganzen Kraft seiner ungewöhnlichen Beredsamkeit eintrat. Gewiß war die- .vorherrschende judenfreundliche Stimmung der damaligen "Ubgeordneten,. welche ihn achteten, obwohl sie mit . seinen politischen Anschauungen nicht übereinstimmten, seinem persönlichen Einflüsse zuzuschreiben. . Direkt als Anwalt der Juden trat er nicht aus; denn er erwartete von der Hochherzigkeit der Mitbürger, daß sie diese vott dpr einmal errungenen Rechtsgleichheit nicht ausschließen werden. In seinem Optimismus und im Vertrauen aus mündliche Zusagen hielt er die Majorität für die Emanzipation der Juden gesichert, und. noch im Greisenalter war er von diesem.Glauben durchdrungen, wie dies aus folgendem, an mich kurz vor seinem Tode gerichteten Schreiben vom 8. Mai 1892 ersichtlich ist. Euer Ehrwürden! ' Gäste, die ich bei mir beherbergte, uyd die Erledigung. drin- . gender Geschäfte hinderten mich in den. letzten Tagen an der Beantwortung Ihres Schreibens, und so kann ich Ihnen erst heute. Mitteilen, daß ich sehr gern .Ihre Fragen exakt beantworten möchte; aber mein hohes Alter hat mir das Gedächtnis sehr ge-. schwächt und macht es mir unmöglich, befriedigende Auskunft zu erteilen. Nehmen Sie daher mit dem Wenigen vorlieb, das mir noch in Erinnerung ist: Jüdische Reichtagsabgeordnete waren/ wenn mein Gedächtnis mich nicht trügt, nur fünf in Kremfier: Der Rabbiner' - Weisels (Krakau) und der Kaufmann Halpernin Galizien,.

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