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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1912-05-10 · Heft 19 (10.5.1912) · page 13

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
76 (1912)
Issue
Heft 19 (10.5.1912)
Date
1912-05-10
Page
– (sequence 13)
Language
German
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76. Jahrgang Nr. 19 Berlin, 10. Mai 1912 DetlsIe zur „Allgemeinen Leitung Heß Judentums". Korrespondenzen und Mschrichten. Deutschland. Berlin, 7. Mal. Das deutsche Bureau der Alliance I s r a L l i t e U n i v e r s e l l e (Berlin-Charlottenburg, Grolmanstraße 48, Vertreter Dr. Markus) sendet uns nachstehenden Bericht über die am 30. April in Paris stattgehabte außerordentliche Sitzung des Zentralkomitees. Außer den meisten Pariser Mitgliedern sind erschienen: die Herren Rabbiner Dr. Frank, Köln, Gumpertz, Hamburg, Philippson, Brüssel. Den Vorsitz führte Herr Professor Dr. Netter. Der Sekretär Herr I. B i g a r t verliestden Bericht über die Tätigkeit der Alliance im Jahre 1911 (die Uebersetzung dieses Dokuments wird in einigen Tagen den Mitgliedern des Zentralkomitees geschickt werden). Auf pen Vorschlag des Herrn Gumpertz wird beschlossen, daß' der Bericht, der der jährlichen außerordentlichen Sitzung des Zentralkomitees vorzulegen ist, in Zukunft sämtlichen Mitgliedern des Zentralkomitees etwa zehn Tage vor der betreffenden Sitzung -zugestellt werden wird. Hieraus wird zur Ersatzwahl für das ausscheidende Drittel und zur Designation von neuen Mitgliedern geschritten. Auf Vorschlag von mehreren Herren findet die Abstimmung geheim statt. Gewühlt werden die Herren: Carvallo in Paris, ausscheidendes Mitglied, mit 16 Stimmen; Oberrabbiner Dreysus, Paris, ausscheidendes Mitglied, mit 16 Stimmen; Georges Leven, Paris, ausscheidendes Mitglied, mit .16 Stimmen; Gaston Mayer, Paris, ausscheidendes Mitglied, mit 16 Stimmen; Ferd.-Meyer, Paris, ausscheidendes Mitglied, mit 16 Stimmen; Raoul M o n t e s i o r e, Paris, neues Mitglied, mit 16 Stimmen; Eugen See,' Paris, ausscheidendes Mitglied, mit 16 Stimmen; Dr. Baerwald, Frankfurt a. M., neues Mitglied, mit 15 Stimmen; Dr. Blau, Frankfurt a. M., neues Mitglied, mil 16 Stimmen: Oberrabbiner Dr. Löw, Szegedin, ausscheidendes Mitglied, mit 16 Stimmen; Cl. M o n t e s i o r e , London, ausscheiden- . des Mitglied, mit 16 Stimmen; Rabbiner Dr. M os es, New Port, auSscheidendes Mitglied, mit 16 Stimmen; Rabbiner Dr. Nobel, Frankfurt a. M., neues Mitglied, mit 16 Stimmen; Rabbiner Dr. Salven di, Karlsruhe, ausscheidendes Mitglied, mit 16 Stimmen; M. de Sola, Cttra^ao, ausscheidendes Mitglied, mit 16 Stimmen; Rabbiner Dr. B o g e l st e i n, Königsberg, ausscheidendes Mitglied, mit 16 Stimmen; außerdem erhält Herr Rabbiner Dr. Werner in München 1 Stimmt. Bei Punkt 3: Wahl des Vorstandes, weist Herr See haraus hin, daß, wenn es Herr Reinach seinerzeit für zweckmäßig gehalten habe, infolge der heftigen und ungerechtfertigten Angriffe, die gegen ihn gerichtet worden-sind, das Mandat als stellvertretender Vorsitzender niederzulegen, es nunmehr die Pflicht des . Zentralkomitees sei, diese Ungerechtigkeit gegen einen um die Alliance so hochverdienten Mann wieder gut zu machen. Infolgedessen schlägt er vor, daß Herr Reinach zum stellvertretenden Vorsitzenden gewählt werde. Herr Reinach erklärt, daß er auf alle Fälle auf die Ehre verzichten werde, das Amt eines Vizepräsidenten zu bekleiden, seine Ernennung'könne für die Alliance keinen besonderen Vorteil haben, da er auch als einfaches Mitglied des Zentralkomitees wie stets zuvor sich in den Dienst der Alliance stellen werde. Im Gegenteil könnte seine Ernennung der Sache der Alliance nur schaden, da diejenigen, die ihn bekämpft haben, diese neue ihnen gebotene Gelegenheit benutzen würden, um gegen die Alliance aufzutreten. Aus Antrag des Herrn See wird beschlossen, das zum Ausdruck gebrachte Bedauern der anwesenden Mitglieder über den unwiderruflichen Entschluß des Herrn Reinach'zu protokollieren. Zur Wahl in den Vorstand werden alsdann vorgeschlagen: Als Vorsitzender: Herr Narcisse Leven; als stellvertretende Vorsitzenden: die Herren Dr. N e t t e r und F. See; als Schatzmeister: Herr I. Machiels. Herr Narcisse Leven wird durch Zuruf zum Präsidenten wiedergewählt. Die Wahl für die sonstigen Mitglieder des Vorstandes erfolgt durch geheime Abstim- . mung. Es werden gewühlt: die Herren Dr. Netter mit 15 Stimmen, F. Söe mit 13 Stimmen, I. Machiels mit 16 Stimmen. Außerdem erhielten Herr Rabbiner Israel Levi 2 Stimmen, die Herren Schulinspektor A. Cahen und Professor S. Levi je eine Stimme. Es wird bekanntgegeben, daß gerade an diesem Tag ein Vertrag zwischen dein Zentralkomitee und dem Verlag von „Ost und West" definitiv äbgeschlossen worden ist. Die Hauptbestimmungen des Vertrags werden zur . Verlesung gebracht. Von Herrn Rechtsanwalt Dr.Baerwald, dem Vorsitzenden des Lokalkomitees Frankfurt, werden nachstehende Anträge gestellt: 1. Die Einladung zu jeder Sitzung des Zentralkomitees soll sämtlichen auswärtigen Mitgliedern des Zentralkomitees etwa acht Tage vor jeder Sitzung zugestellt werden. 2. Die jetzige Anzahl der in Deutschland wohnhaften Mitglieder 'des Zentralkomitees soll nicht vermindert werden. 3. Jede Kooptation von Mitgliedern des Zentralkomitees soll der darauffolgenden Generalverscnnmlung der Alliancemitglieder unterbreitet werden. Da diese , Anträge, weil nicht rechtzeitig eingegangen, den auswärtigen' Mitgliedern des Zentralkomitees zur Begutachtung nicht zugeschickt werden konnten, hält es das Zentralkomitee aus Rücksicht für diese Herren Kollegen für geboten, von einer Abstimmung über die betreffenden Vorschläge Abstand zu nehmen. Von den anwesenden Mitgliedern wird jedoch das Bureau beauftragt, Herrn Dr. Baerwald mitzuteilen, daß, da über die beiden ersten Punkte keine Meinungsdisferenz bestehen kann, sich das Zentralkomitee mit ihm über diese beiden Konzessionen einverstanden erklärt. Nach einer Beratung über den dritten Vorschlag hält es das Zentralkomitee nicht für möglich, der Anregung des Herrn Dr. Baerwald zu entsprechen. Ganz besonders von den drei anwesenden nicht Pariser Mitgliedern wird auss nachdrücklichste betont, daß ein derartiger Vorschlag den Statuten geradezu widerspreche, und daß dessen Annahme sich als rein wirkungslos erweisen würde. — Dem Verein für Arbeitsnachweis in Berlin wird eine Bewilligung von 500 Mark votiert. — Zum Schluß berichtet der Vorsitzende über den Tags vorher von einer Delegation des Zentralkomitees dem französischen Ministerpräsidenten betr. die Geschehnisse in Fez abgestatteten Besuch und gibt bekannt, .daß sich der Minister bereit erklärt hat, alles Mögliche aufzubieten, damit den Opfern dieser fürchterlichen Ereignisse aus ihrer verzweifelten Lage herausgeholfen werde. K. Berlin, 5. Mai. Am 25. Älpril wurde hier nach mehrmonatigen, schweren Leiden Herr Joseph E P st e i n, Kantor der hiesigen jüdischen Gemeinde, zu Grabe getragen. Herr E. war vor 27 Jahren aus Beuthen (Oberschlesien) hierher berufen worden und hatte sehr bald die Herzen seiner Zuhörer durch seine wohlklingende .Stimme und seinen stilgerechten Vortrag der Gebete gewonnen. Für seinen Beruf war er mit nicht gewöhnlicher musikalischer Bildung und., erforderlichen hebräischen Wissen ausgerüstet. Sein Amt versah er mit großer Hingabe. Mit regem Eifer trat er für die Interessen seines Standes ein, und namentlich war er als langjähriges Vorstandsmitglied der „Hilsskasse für israelitische Kantoren und Kultusbeamte"- stets bemüht, ratend und helfend das vielfach herrschende Elend seiner Standesgenossen und deren Hinterbliebenen zu lindern. In Anerkennung dieser seiner Verdienste wurde er anläßlich seines vor 'zwei Jahren stattgefundenen Amtsjubiläums als Kantor der hiesigen Gemeinde zum Ehrenmitgliede dieses Vereins ernannt. Er lebte mit seiner vortrefflichen, einer angesehenen Gleiwitzer Familie entstammenden Gattin zirka drei Jahrzehnte in glücklichster Ehe. Drei in geachteten Stellungen lebende Kinder betrauern den Verlust eines zärtlichen, fürsorglichen Vaters. Die Beisetzung legte Zeugnis von der Wertschätzung ab, deren sich der Heimgegangene in weiten Kreisen erfreute. Die Trauerrede hielt Rabbiner. Dr. B l u m e n t h a l, der in warmen Worten die beruflichen und allgemein menschlichen Verdienste des Entschlafenen hervorhob. Herr Kantor Kalischer rief namens des Kantvrenkollegiums der hiesigen jüdischen Gemeinde dem verblichenen Amtsgenosfen einen tiefempfundenen Scheidegruß nach, und Herr Rentier Louis Jonas, der Vorsitzende der Kantorenhilsskasse, wurde in seinem Nachruf den Verdiensten Epsteins um genannten Verein gerecht. Herr Kontor Stabinski rezitierte in ergreifender Weise das „El mole rachamim". Der Chor der Kaiserstraßensynagoge unter Leitung seines Dirigenten Herrn Baruch führte die Trauergesänge stimmungsvoll aus. Die

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