Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 76 (1912)
- Issue
- Heft 19 (10.5.1912)
- Date
- 1912-05-10
- Page
- Seite 228 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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Ist es denn wahr, du stolze Tochter, Dns; sich vor dir die Schwerter stumpfen, Und daß du Gnade brachtest allen, Die gnadenlos in Schmach verdumpfen?" Es stellen auf gar ernste Zeugen , . Vor einem ernsten Tribunale; Es sitzt als Richter die Geschichte Auf einem mächtigen Totenmale. Und Blutgerüste Plötzlich werden Die Saatgefilde aller Orten, Und aus dem Blute spricht ein Zeugnis In stummen, schmerzenstiefen Worten, Und neue Zeugen nahen rasselnd. Die selber wohl geschwiegen hätten: Denn stumm sind lange schon die Sprecher, Doch sprechen laut für sie die Ketten. Und noch ein Zeuge naht zum Schluffe, Dle.-eig'ne Mutter, tiefbekümmert, Maiz hat die Nuhstatt ihr verweigert, Nachdem ihr ward das Haus zertrümmert. Und heimatlos seitdem sie irrte. Und trug die Welt entlang ihr Wehe; lind kein Erbarmen hatt' die Tochter, Und mied gar streng der Mutter Nähe. Das ist ein Zeuge, noch lebendig. Doch also klagen mag er nimmer; Denn einst zum neuen Bau sich einen Die weitzerstreuten Gottestrümmer. II. I esai as 11.. Und keimen wird ein Reis aus Jischas Stamme, Aus seinen Wurzeln neu ein Sprößling bricht; Aus seinein Munde sprüht des Geistes Flamme, In seinen Taten, weht des Geistes Licht. Und es wird sein das Recht der Gurt der Lenden, Und seiner Hüsten Gurt wird sein die Treu'; Des Mundes Geißel wird.die Fehden enden. Der Lippen Hauch erschaffen Sünder neu. Und Wolf und Lamm alsdann zusammen weiden, Es lagern Geis und Tiger sich und Rind; Und Leu und Kalb, — nur eine Wohnung beiden, Und allesamt, — es leitet sie ein Kind. Und spielen wird der Säugling ohne Fährde Am Pfuhl, wo das Gezücht der Natter ruht; Und niederstrebt entwöhntes Kind zur Erde, Sich tummelnd mit des Basilisken Brut. Sie tun kein Leid, und Schaden keins soll nehmen, So weit mein großes Herrschtum sich erstreckt; Und Einsicht wird die Erde überströmen, . Als wie die Flut den Meeresgrund bedeckt. III. O Sabbat-Fei'r! es füllt ein großes Ahnen Manch großes Herz von deiner Nähe Strahl; Und Boten ziehn auf unsichtbaren Bahnen Und flüstern Friedensworte sonder Zahl. Es sind die Werkstätt' nimmer noch geschlossen, . Und immer noch ist wohl der Sabbath fern! Doch mancher schon, das Oel aufs Haupt gegossen, Harrt still im Sabbatkleid der Näh' des Herrn. Doch ihr, die ihr so kurz euch abgefunden Mit eurer Heil'gung von dem Sündenbann, Und die ihr mitten unter Blut und Wunden Verkündet, daß der Sabbat längst begann; Fürwahr, euch werden einst die Schuppen fallen Vom Auge, mitten in dem Tagewerk, Wenn plötzlich auf sich tun die heil'gen Hallen, Und das Panier weht auf dem heil'gen Berg. Prophet, ruh' still in deinem ernsten Schreine, Noch lebt und harrt der alte Gottesbund. Und sammeln wird sich einst die Erdgemeine, Den Sabbat zu begeh'n zur rechten Stund'! Hhm ne. - Hallelujah! Herr der Höhen, alles Leben preiset dich, Ünd von deines Odems Wehen einen Erd' und Himmel sich. Droben über Sternenbahnen glänzet deine Majestät, Und. der Seele stilles Ahnen ist von deinem Hauch umweht. ' Allem Leben sind die Spuren deiner Hoheit aufgedrückt. Von den Blümlein auf den Fluren, bis zum Geist, von dir geschmückt. Und es zieht die Andacht leise durch den weiten Weltensaal, ' Und es wehn die Sternenkreise Frieden zu dem Erdental. ' Hallelujah! Hallelujah! Herr der Gnade, Herr der Macht,; Führe uns're Lebenspfade zu des Himmels ew'ger. Pracht, . Diese Hymne hat Lewändowski zweistimmig für den Schulgebraüch komponiert. Text und Melodie werden von den Schülern mit Begeisterung vorgetragen. " ' .' .' ■■ . ..... . . Syrechsaal. V er w altu n gsbeamt e j üd i schien Glaub en s. Von Bureauvorsteher N. C o h n. ie Ortsgruppe Charlottenburg des „Central-Vereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens" veranstaltete am 24.'April in den Kaisersülen. Dismarckstr. 84/85, eine Versarnlung, auf deren Tagesordnung als Punkt 2 stand: , . „Die Anstellung von Juden im städtischen Dienst Charlottenburgs". Ich will hier nur an die eine Stelle des Referates anknüpfen, an der es hieß, daß unter den Verwaltungsbeamten ü n t e r e n Und m i t t l e r e n Grades sich in Charlottenburg nicht ein einzi g e r Jude befinde. Die zahlreich anwesenden Stadtverordneten jüdischen Glaubens stellten die Tatsache nicht in Abrede; sie teilten vielmehr mit, daß sich jüdische B e w e r b e r n i ch t m e 1b e t e n. — Es ist so häufig versucht worden, für die Juden treue Betätigungsgebiete ausfindig zu machen; daher sehe ich mich veranlaßt, auf diese Gebiete hinzuweisen. Ich bin als Verwaltungsbeamter der hiesigen Jüdischen Gemeinde überzeugt davon, daß die Juden,'wie auf. allen anderen Gebieten, auch als Kommunalbeamte Tüchtiges leisten würden. Es wäre aber auch im Interesse des Ansehens der Juden gut, wenn eine größere Anzahl von ihnen sich der Beamtenlaufbahn widmen würde. Heute werden fast nur bei der geringen Anzahl von jüdischen Großgemeinden'Verwaltungsbeamte d e r o b e it e v w ä h n t e n A r t e n beschäftigt, und von diesen glaubt man leider immer noch fälschlicherweise in manchen Kreisen, daß sie nur angestellt worden sind, weil sie gerade beschäftigungslos waren. Ich habe zwar schon in meinem Artikel in Nr. 19 der Allgemeinen Zeitung des Judentums vom 13. 5. 1910 auf das Unzutreffende dieser Annahme hingewiesen,' aber Legenden lassen sich so leicht nicht zerstören Gäbe es aber erst eine größere Menge von unteren und m i t tl er e n Ko m m'u n a lb e a m t e n jüdischen Glaubens, dann würden sich auch die angefochtenen Anschauungen sehr bald ändern. Wenn auch die Anfangsgehälter der Beamten in der Regel kleiner sind, wie die in anderen Berufen, besonders im kaufmännischen, so bietet doch die Beamtenlaufbahn infolge der Ruhegehaltsgewährung und der Reliktenversorgung mannigfache Vorteile für die Zukunft, zumal jetzt, da das An g e st el l t e n - V er sicherungsgesetz am 1. Januar n. I. in Kraft tritt. Die Bezüge bei den. Verwaltungen find wesentlich höher als die durch das in Kraft tretende Versicherungsgesetz gewährleisteten, trotzdem die festangestellten Kommunalbeamten v ersicherungsfrei sind. Die großen liberalen Kommunen werden auch geeignete jüdische Bewerber ihres Glaubens wegen nicht von der Anstellung ausschließen dürfen. Sollten aber wiederholte Fälle der Zurückweisung des Glaubens wegen mit Sicherheit festgestellt werden, dann wäre es Sache der berufenen Instanzen, energisch auf Abhilfe zu dringen.' Also kann ich Personen in nicht zu weit vorgeschrittenem Lebensalter und mit entsprechender Vorbildung, die darauf bedacht sind, sich eine Lebensstellung zu erwerben, nur raten, sich auch um Kommunalämter unteren und mittleren Grades zu bewerben, und sich nicht davor zu fürchten, daß sie wegen ihrer Zugehörigkeit zum Judentume von vornherein ausgeschlossen werden würden. A u ch.für junge Leute, die — am besten nach Erreichung des Einjährigenzeugnisses, doch auch nach'Absolvierung einer Gemeindeschule — sich bei den städtischen Verwaltungen als Diätare melden, ist eine günstige Aussicht auf eine angenehme Beamtenlaufbahn gegeben.