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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1912-05-03 · Heft 18 (3.5.1912) · p. Seite 211

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
76 (1912)
Issue
Heft 18 (3.5.1912)
Date
1912-05-03
Page
Seite 211 (sequence 7)
Language
German
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In Den Münchenec „Ordentlichen Wöchentlichen Post- Zeitungen.. Nuw. 33. Den 14. August: 1700" wird dann noch aus „Wienn, Den - b.^August" geschriebene ... Die Juden'bekommen ihre meinste Sachen durch Die Geistlichkeit wider zurück/weil selbiges einen jeden, durch die scharffe Kayserl. .Edicten, nachdrücklich eingebunden, auch von allen CanßleN recommandiert worden; indessen ist nun alles still, doch wird Vas Häüß 'noch' mit einer staccken Wacht bewachet." .... ... Lektor Meir Wiedmann. (Aus Anlaß der Enthüllung einer Gedenktafel in den Räumen des Wiener Beth ha-Midrasch am Lag-Boomer (Sonntag, 5. Mai 1912.) m Lag-Boomer (5. Mai 1912) findet im Wiener Beth- Ha-Midrasch, der Schöpfung Friedmanns und der. bevorzugten ^Stätte seiner Wirksamkeit, eine dem Andenken des großen Talmud- und Midraschforschers gewidmete Feier statt. Eine Gedenktafel, welche mit dem norae de guerre dieses unerschrockenen Kämpfers aus geistigem Gebiete, mit dem Namen Bal Mair Ajin geschmückt ist und von der liebevollen Freundeshand des Philanthropen Moses Alexander Pollak gestiftet wurde, wird im Beisein aller jener, welche mit Dem dahingeschiedenen Freunde nicht auch die Freundschaft begraben-haben, enthüllt werden. Den Fachgenossen, Den Rabbinen, Lehrern und Lehrern von Rabbinen ist Friedmanns wissenschaftliche Tätigkeit, feine Neueditionen der Quellenwerke, Siphre, Mechilta, Pesikta Rabati, Tanne de R. Eliahu u. a. m. .zu wohlbekannt, um in einer, nichtwissenschastlichen Schilderung dieses Mannes mehr als erwähnt werden Zu sollen. Allein Friedmann war eine Individualität von solcher Besonderheit und Prägnanz, daß seine Persönlichkeit als die eines der merkwürdigsten Juden des 19. Jahrhunderts in ausgedehnterem Rahmen konterfeit werden müßte, um alle Züge dieses in sich geschlossenen (aber nicht verschlossenen, sondern - liebenswert freimütigen) Charakterbildes aufzunehmen. Gewöhnlich sucht man. besondere seelische Erscheinungen aus'Dem Milien.Ihrer Jugend, aus Eltern und Voreltern, Nachbarn und Kameradschaften oderanderen Zufälligkeiten zu erklären. Diese Methode schlüge bei Friedmann gänzlich fehl: - Nicht er istdas Produkt irgendeines seine Anlage und-Entwicklung beeinflussenden Milieus, sondern er ist es, der mit vollem Bewußtsein feines mächtig nach Betätigung ringenden Selbst sich ein Milieu geschaffen hat, er ist es, von dem Impulse und Initiativen ausgingen, er allein gestaltete sein Leben so, wie es ihm einzig lebenswert erschien,—lernend und lehrend. Meir Friedmann wurde am 15. Juni 1831 in dem Dorfes Harati im Kaschauer Komitat, Oberungarn, als Sohn eines Schankpächters geboren. ..Seine Kindheit und erste Jugend pflegte er selbst als zu sehr von nebensächlichen Aeußerlichkeiten abhängig, zu bezeichnen, um minutiöse Details davon zu bewahren. .Doch scheint, feine, hervorragende geistige Begabung ihm selbst und seiner Umgebung schon frühzeitig kenntlich geworden zu sein. Denn Während seine Brüder sich teils dem Handelsstande, teils, dem Handwerke zuwendeten, war er es, der die Jeschibah seiner Heimat bezog. Wollen wir aber auch Friedmanns.. Begabung aus Vererbung zurückführen, so treffen wir in seiner. Ahnenreihe auf den Urgroßvater mütterlicherseits, R. Joabh, welcher durch seine Werke: Maudoöh Rabbäh, MaudoH Zuta, Schaare Binah und Chen Tobh in der rabbinischen Literatur bekannt ist, und welchen er selbst' mit Stolz seinen Ahnen nennt. . Der junge Friedmann, stach , schon auf der Jeschibah des R. Meir Asch .(Eisenstadt) durch seine eigene Auffassung und^ spezielle Behandlung des Lehrstoffes hervor.. Es würde zu weit führen. Dies aus den Zeugnissen (Hatoroth) Nachweisen zu wollen. Bei späterer Veröffentlichung derselben wird esfür den Kenner ein leichtes sein, die von der-Konvenienz sich abhebenden Ausdrücke der Anerkennung aus ihren Schwergehalt zu prüfen. Doch hören wir, was Seine Ehrwürden Herr Oberrabbiner Dr. Moritz Klein in Nagy-Bersterak über die Tätigkeit Friedmanns auf der Jeschibah des R. Chajim Szendrö aus seiner Erinnerung festhält. Wier muß bemerkt werden, daß Friedmann, als bewährter Talmudjünger der berühmten Ungvärer Jeschibah unter der Leitung des Rabbiners Meir Eisenstädter über die Jeschibah des Rabbiners Chajim Szendrö längst hinausgewachsen, des letzteren Jeschibah nicht besuchte, sondern dessen Schüler, zu denen ich, ferner, der gegenwärtige Hohensalzaer Rabbiner Dr. Jakob Kohn, Kaufmann Hermann Weiß in Rima- Szämbath und Bezirksarzt Dr. Joseph Springer gehörten, zum Schiur vorbereitete, privatim aber unabhängig vom Unterrichte der Miskolczer Jeschibah) in der uns zur Verfü-. gung stehenden Zeit in Talmud und Kommentatoren statarisch unterrichtete. Friedmanns sonnenklarer Methode hätten ich, Dr. Kohn und Dr. Springer zu verdanken, daß wir als nachmalige Schüler Rapaports, Rabbiner Schmuel Freunds und Rabbiner Simeon Laschs als ungarische Bachurim in Prag die Aufmerksamkeit der dortigen Gelehrten Dr. Kaempf, Professore Wessely, Simeon Ausch, R. Jehuda und R. Hirsch Teweles, ferner R. Simeon Kuranda und R. Amschel Fischels aus uns lenkten und uns ihrerseits besonderer Sympathie und Wertschätzung erfreuten." „Das damals weithin leuchtende Dreigestirn am Firmament des ungarischen Judentums, R. Moses Szafer in Preßburg, dessen Schüler R. Meir Asch in Ungvär und des letzteren Schwiegervater R. David Deutsch in Waagneustadtel überboten einander an Nachsichtslosigkeit und Unversöhnlichkeit allen denen gegenüber, die auch nur die fünf Bücher Moses in der deutschen Übersetzung des geächteten R. Mosche DessauJ lasen. Dieser repulsiven Kraft der damals sonst landesberühmten Ungvärer Jeschibah verdanken wir das stolze Selbstgefühl, uns Schüler des Lektors Meir Friedmann nennen zu dürfen." Der hier geschildert wird, ist der kaum 20jährige Friedmann, und nichts Anders, nichts Besseres können wir von dem im. 78. Lebensjahre entschlafenen .Lektor Friedmann sagen, der im Anfang seiner Laufbahn schon vollendet war, keinerlei Wandlungen unterworfen, von keinerlei Strömungen beein-" stützt, durch mehr als 69 Jahre ein Lehrer in Israel gewesen, der allen seinen Schülern, groß und klein. Gelehrten und Laien, arm und reich, hoch und niedrig, gleich unvergessen und gleich teuer blieb. Mit der Kraft einer Naturgewält trat, er auf den Plan, etwas ursprünglich Quellendes, etwas unmittelbar Zwingendes lag in seinem Wesen und wirkte in seinen Worten nach, unverlierbar und unzerstörbar für den Empfangenden. . Dem in Stagnation verharrenden orthodoxen Judentum trat er „repulsiv" entgegen, und er war doch durch den Umfang seines talmudischen Wissens berechtigt, sich irgendeinem Orthodoxenführer an die Seite zu stellen. Sein Jugendfreund R. Markus Hirsch, zuletzt Oberrabbiner in Hamburg, kennzeichnete die Verschmelzung von Friedmanns fortschrittlich-kritischem Geiste und seinem Anhängen an die aus. dem alt-traditionellen „Lernen" beruhende jüdische Wissenschaft dadurch, daß er anläßlich Friedmanns Verheiratung ihm in folgender Weise ein symbolisches Geschenk machte: Er ließ das Werk „Lew Hmwri" des R. Moses Szofer mit dem Werke Abraham Geigers „Das Judentum und seine Geschichte" durch den Buchbinder in einen Band binden, um damit zu sagen, daß Friedmann den für den Fortschritt eintretenden Geiger Moses Mendelssohn.

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