Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 76 (1912)
- Issue
- Heft 17 (26.4.1912)
- Date
- 1912-04-26
- Page
- Seite 2 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3224737-3229015-3229033--68412-3280669- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Arbeiter - 31t einer meist andauernden Beschäftigung zu verhelfen, so ist ein erheblicher Teil der im Bormonat unplaciert gebliebenen Bewerber einer Betätigung zugeführt worden. In der Abteilung schreib st ube konnte der größte Teil der uns übergebenen Arbeiten an vorübergehend beschäftigungslose Bewerber unter voller Auszahlung der in Ansatz gebrachten Löhne übergeben werden. H Berlin, 20. April. Am 16. d. M. beging die Nomanschriststellerin Klara Steinitz ihren sechzigsten Geburtstag. Frau Steinitz, die am 16. April 1852 zu Kobylin in der Provinz Posen geboren wurde, ist eine Schwester des vor efroa Jahresfrist verstorbenen Max Albert Klausner. Sie hat eine Reihe von Romanen und Erzählungen geschrieben, die zuin größeren Teile unter dem Pseudonym Hans Burdach erschienen sind. Die bekanntesten sind: Des Volkes Tochter (1878), Die Häßliche (1884), Im Priesterhause (1890), Irrlicht (1895). Auch schrieb sie ein biblisches Trauerspiel: „ T h a m a r ", das bei Publikum und Presse eine freundliche Ausnahme fand und bereits mehrere Auslagen erlebt hat. Seit einigen Jahren ist Frau Steinitz Witwe und lebt in Charlottenburg. Wir wünschen ihr einen recht langen und recht glücklichen Lebensabend. Eli. Thorn, 19. April. Am 16. d. M. beging der erste Vorsteher der hiesigen Synagogengemeinde, Herr D. Wolfs, in engstem Kreise seiner Familie seinen 70. Geburtstag. Der Vorstand und das Repräsentantenkollegium sowie Deputierte anderer humanitärer Vereine haben es sich nicht nehmen lassen, dem Jubilar die ihm gebührenden Ehrungen zu erweisen, denn er ist im Vorstand bereits über 30 Jahre vertreten und den Vorsitz in demselben hat er seit dem vor zehn Jahren erfolgten Tode des Herrn N. Leiser übernommen. Mit unermüdlichem Fleiße, seltener Hingabe und Pflichttreue waltet er alle Zeit seines verantwortungsvollen Amtes und versteht es durch einsichtsvolle Ratschläge die Gemeinde nach innen und außen auf das würdigste zu vertreten. Ausgestaltet mit guten Eigenschaften und gerechter Gesinnung wendet er nicht nur allen in der Gemeinde bestehenden Wohltätigkeitsvereinen, deren Vorsitzender oder Vorstandsmitglied er ist, seine größte Fürsorge zu, sondern stellt auch seine reiche Erfahrung aus kommunalem Gebiet in den Dienst der städtischen Verwaltung, der er über 30 Jahre angehört. — Am Vormittag des Jubeltages überbrachte dem Jubilar eine Abordnung des Magistrats und der Stadtverordneten, bestehend aus den Herren Erster Bürgermeister Dr. Haase, Syndikus Kelch, Stadtrat R i t t w e g e r und Geheimer Justizrat T r 0 m m e r die Glückwünsche der städtischen Kollegien unter Ueberreichung eines schönen Vlumengebindes. Als Vertreter der Synagogengemeinde erschienen Herr Reprüsentantenvorsteher A. Jacob und das Vorstandsmitglied Herr Justizrat H. Radt, überreichten im Aufträge der Gemeindevertretung ein kostbares Ehrengeschenk und wiesen in ihren Ansprachen aus die großen Verdienste des Jubilars um die hiesige Gemeinde hin. Herr Rabbiner Dr. R v s e übe r g gratulierte namens der hiesigen Gabriel-Rießer-B.-B.-Loge, Herr Sanitätsrat Dr. Wolpe verlas ein Glückwunschschreiben des Hilssvereins der deutschen Juden. Herr Rechtsanwalt W i l k drückte seine Wünsche im Namen des hier bestehenden Jugendvereins aus. Aus dem Graudenzer jüdischen Waisenhaus, zu dessen Vorstand Herr D. Wolfs gehört, erschienen zwei Waisenkinder, ein Knabe und ein Mädchen, und erfreuten den Jubilar durch ihre Grüße und Glückwünsche. Den ganzen Tag wechselten Gratulanten ab, und abends wurde ihm von dem jüdischen Mannergesangverein „Liederhort" unter Leitung des königlichen Musikdirektors, Herrn F, Ehar, ein Ständchen gebracht. — Möge es dem Jubilar vergönnt sein, noch viele Jahre in körperlicher und geistiger Frische seine Kräfte in den Dienst der Gemeinde und Stadt zu stellen. 6. Culm, 21. April. Die hiesige Synagogengemeinde beging am Montag, den 15. d. M. das 25 jährige Amtsjubiläum unseres Rabbiners Herrn Dr. Guttmann, der seit dem 8. April 1887 in unserer Gemeinde zur allgemeinen Zufriedenheit und segensreich wirkt. Die Gemeindevertretung, die Vorstände der jüdischen Vereine, die verschiedenen Behörden sowie Vertreter der Geistlichkeit und der Schulen übermittelten dem Jubilar im Lause des Vormittags ihre Glückwünsche und überreichten wertvolle Geschenke. Eine Deputation des Magistrats der Stadt überbrachte ein herrliches Blumenarrangement. Auch Vertreter des deutschen und westpreußischen Rabbiner- Verbandes sowie Amtskollegen aus Danzig, Elbing, Thorn und Bromberg und zahlreiche ehemalige Schüler des Jubilars waren herbeigeeilt. Um 3 Uhr nachmittags fand in der festlich dekorierten Synagoge eine Festandacht statt, bei welcher Rabbiner Dr. Rosenberg | ans Thorn die Festpredigt. hielt. Verschont wurde die Feier durch Gesnngvortrüge eines, Chors sowie durch Orgel- und Solivorträge. Abends 8 Uhr fand eine Feier in den Räumen des Hotels „Schwarzer Adler" .statt, bei der der Jubilar sowie besten Gattin in verschiedenen Toasten gefeiert wurden. M. Aus der Provinz Posen, int April. Posen. Vvur Verbände d e r S y n a g 0 g e n g e m e i n d e n unserer Provinz wird dahin gestrebt, daß die einzelnen Gemeinden zu einem Rabbinat vereinigt werden sollen. Dadurch werden Rabbinatsbezirke entstehen, so daß jede Gemeinde einen Seelsorger aufzuweisen hat. — In dem Verwaltungsbericht der Stadt Ostrowo über das Jahr 1911 heißt es betreffs der Schulabgaben: „Die Schulabgaben in Ostrowo sind schon lange ein Stein des Anstoßes, vor allem deshalb, weil die verschiedenen Konfessionen nach Maßgabe ihrer Leistungsfähigkeit auch verschieden hohe Schuläbgaben zu zahlen haben; die Katholiken also die höchsten. Dazu kommt, daß die Beamten und Militärpersonen bei den Schulabgaben keine Ermäßigung haben. Gegenwärtig schweben ernste Erwägungen über eine Kommunalisierung der Volksschulen. Sie werden mit Interesse erfahren, wie sich nach der gegenwärtigen Höhe der Aufwendungen für die Schulen die Belastung der Stadt im Falle einer Kommunalisierung stellen würde. (Die katholischen Schulväter zahlen gegenwärtig 100, die evangelischen 60 und die jüdisch e n 30 v. H. Schulabgaben.) In den Trägern der Schullasten würde eine wesentliche Verschiebung insofern eintreten, als die älteren Beamten und die Militärpersonen, sowie die Geistlichen und Lehrer nur mit dem halben Diensteinkommen herangezogen werden könnten (die vor dem 1. April 1908 angestellten Lehrer zahlen keine Kommunalsteuer), was nach dem neuen Haushaltungsplan einem Ausfall von etwa 21000 Mark entsprechen würde. Dafür würde nunmehr die Besteuerung der Forsten usw. und der Eisenbahnfiskus mit einem Steuersoll von etwa 14 500 Mark eintreten. Das Defizit von rund 7000 Mark würde von den Nichtbeamten gedeckt werden müssen. Würden alle Steuern voll belegt werden können (also einschließlich der Beamten usw.), so würde sich eine Belastung von rund 62 v. H. ergeben; der Ausfall bei den Beamten erhöht diesen Zuschlag aus rund 71 v. H. Alles in allem würde das Ergebnis der Kommunalisierung der Volksschulen das sein, daß eine bedeutende Entlastung der katholischen, eine wesentliche Mehrbelastung der jüdischen und eine geringe Mehrbelastung der evangelischen Einwohner eintreten würde." Ein Gutes würde vor allem dadurch geschaffen werden, daß endlich die ungleichmäßige steuerliche Behandlung der einzelnen Konfessionen aufhören und damit die berechtigte Unzufriedenheit verschwinden würde. — Der Todestag des vor zehn Jahrenverstorbenen Geheimen Justizrats Orgler wurde im israellti'schen Knabenwaisenhau-ses in Posen in ehrwürdiger Weise begangen. --Zur Feier der Grundsteinlegung für den Neubau der kgl. Reichsbank sind auch die Herren Konunerzienrat Mar Kantorowicz, Bankdirektvr Wolfs, Großkaufmann Hugo Brodnitz und Kommerzienrat N. Hamburger erschienen. — Hierselbst ist die verwitwete^ Frau Feilcheu Wiener geb. Asch im Alter von 88 Jahren, gestorben. Die Dahingeschiedene besaß ein bedeutendes pädagogisches Wissen und zeichnete sich durch wahre Nächstenliebe aus. — Birnbaum. Warenhausbesitzer Tietz-Berlin, ein Kind hiesiger Stadt, welcher im Vorjahre 5000 Mark der Vaterstadt zum Ankauf des ehemaligen Gutsparkes spendete, schenkte kürzlich wieder 10 000 Mark zur Anlegung eines Promenadenweges. — Schönlanke. Die Mazzenverladungen erreichten zum Pessachfeste diesmal ihren Höhepunkt, ^m ganzen gelangten 400 000 Kilogramm zum Versand, von denen ein Teil nach außerdeutschen und überseeischen Ländern ging. 2XD Hannover, 22. April. Der Ausschuß des P r 0 v i n zial- Verbandes hannoverscher S y na g0 g e n - G e m e i n d e u hielt gestern eine Sitzung ab, um zu den Satzungsänderungen d e s D. I. G. B. Stellung zu nehmen und einen Bevollmächtigten zu dem am 16. Mai in Berlin stattsindenden Gemeindetag zu ernennen. Der Ausschuß hatte bei der Wichtigkeit der Tagesordnung die Delegierten des D. I. G. B. (darunter den Vorsitzenden und Schriftführer des Vereins jüdischer Lehrer in der Provinz Hannover) und die Vorsteher der Bundesgemeinden der Provinz bezw. deren Lehrer eiugeladen. Das Resultat war die einstimmige Beschlußfassung der nachstehenden Resolution. Zum Vertreter des Provinzial- Verbandes auf dem deutsch-israelitischen Gemeindetag wurde Herr Senator Fischer gewählt. Ferner fanden die Vorstandswahleu des Provinzialverbandes für die Jahre 1912 und 1913 statt. Zum ersten Vorsitzenden des Verbandes wurde Herr Senator F i s ch e r -