Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 76 (1912)
- Issue
- Heft 16 (19.4.1912)
- Date
- 1912-04-19
- Page
- Seite 2 (sequence 14)
- Language
- German
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t" hat. —?Die. feierliche Eröffnung des Logenhauses erfolgte dann anForm^. einer Festloge am folgenden Abend. An ihr nahmen etwa 400 Logen-?, brüder teil, darunter das Exekutivkomitee des Ordens mit dem Präsi- ' - denten des Ordens Kw a u s an der Spitze. Daneben die Vertreter der Gemeinde Berlin, des Gemeindebündes und einer Reihe anderer Kor- ‘ porationen, deren Tätigkeitsgebiet dem der Logen verwandt, und -von . diesen, gefördert wird'. Unter den Klangen derBeethovenschen Hymne „Die Himmel rühmen des Ewigen Ehre" erfogte der Einmarsch der Logenbrüder. Für das Exekutiv-Komitee war ein'- besonderer Tisch reserviert. Die Reihe der Reden wurde mit einem Kajserhoch eröffnet. Die Begrüßungsansprache namens der Logen hielt Herr.Rechtsanwalt Story.? Dann sprachen der Herr Präsident der Großloge- Geh. Justizrat T i men d o rf e r, der die Geschichte der Heimstätte, der Logen in. Berlin skizzierte und feiner Freude über das wahrhaft 'glänzende neue Heim Ausdruck lieh, das ' man nun. bezogen .habe. Eine sehr eindrucksvolle Ansprache hielt dann namens aller geladenen Korporationen Herr Prof. Dr M, Philippson, der das große Gebiet der segensreichen Arbeit des Bne Brith Ordens, hervorhob, die sich auf allen Gebieten menschlicher Wohlfahrt und.Tugenden erstrecke. Namens des Ordens Bne Brith und des Exekutiv-Komitees sprach dann der O r d e n s p r ä s i - de.nt Herr Adolf Kraus, der sich insbesondere auch in Ausdrücken der Bewunderung über den prächtigen Bau erging,' der seinesgleichen nicht in der ganzen Welt hätte. — Dann sprachen noch die Herren Sanitätsrat Dr. F e i l ch e.n f e l d namens des Vorstandes der Berliner Gemeinde, Herr Rabbiner Dr. Eschelbach er namens der Rabbiner, Herr Wisloch-Frankfurt a. M. namens der auswärtigen Gäste, ferner die Herren Kommerzienrat Max Stein und der amerikanische Oberrichter Philipp Stein vom Exekutivkomitee u. a. Einer Tatsache sei hier zum Schluß noch gedacht: Das neue glänzende Logenheim wird in der allernächsten Zeit die Ausnahme von.nicht weniger als zirka 100 neuen Brüdern sehen.. 8. Berlin, 14. April. Am heutigen Sonntag fanden in den Synagogen in der Lindenstraße und Oranienburger Straße Mä id ch e n e i n s e g n u n g e n - statt. In dem erstgenannten Gotteshailse begann die Feier, zu der sich ein zahlreiches Publikunv ei »gefunden hatte, bereits um 10 Uhr. Nach einem Orgelpräludin.m und dem Gesang „Dies ist mein Bund mit . ihnen" hielt Rabbiner Dr. . Bl um ent ha l. die Predigt über den Satz: „Das ist es, was der Ewige . geredet hat: durch die mir Nahestehenden will ich geheiligt,. will ich vor allem Volke verherrlicht werden". . (Lew. Kap. X , 3.) Er wies die Konfirmandinnen (es waren ihrer zwölf) auf die Bedeutung . dieser Stunde hin, die sie . zu Priesterinnen des einizigen Gottes weiht, er sprach von den Pflichten, die-sie als Glieder der Familie, als Angehörige der Gemeinschaft Israels und endlich als Kinder Gottes zu erfüllen haben, und führte im Schluffe seiner eindrucksvollen, begeistert vorgetragenen Predigt aus, daß in unserer heutigen Zeit es vor allem Allsgabe der Frau ist, durch fleißige, fromme Uebung heiliger, altehrlvürdiger Gebräuche an der Erhaltung der Religion mitznwirken. Sodann sagten die Konfirmandinnen ihren gewählten Spruch auf, woraus nach dem Gesang des Liedes „Es keimt, von Gottes Hand gesät; die Saat in tiefem Grnude", die Verteilung der Bibel aus der Apolant- Stiftuug erfolgte.^ Hierauf erteilte der Rabbiner denSegen, und mit Gesang.des Psalms 115 schloßdi^ erhebende Feier. In der Neuen Synagoge fand die Feier nun 10Yi Uhr statt. Die große Synagoge war bis in die letzten Bänke gefüllt. Hier wurden von Rabbiner ' Dr. B e r g in a n n neunzehn, Schülerinnen eingesegnet. Dieser hatte sich zum Thema seiner Predigt das Wort unserer Weisen gewählt: . „Siehe, ich gebe euch drei Gaben mit: Glaube, Arbeit, Liebe. Nehmet sie; sie werden euch ein Segen sein." Nach der Predigt, die einen tiefen Eindruck machte, behandelte jede der Konfirmandinnen in kurzem Ueberblick eine' religionsgesetzliche beziehungsweise geschichtliche Frage,- um hierauf den Spruch' aufzusagen, den sie sich als Wahlspruch genommen. Dannsprach der Rabbiner ein Gebet. und erteilte den Segen, nachdem zuvor die Konfirmandinnen durch'das Sprechen des Schma Israel sich zur isrealitischen Religionsgemeinschaft bekannt hatten. -Gesang und Orgelspiel beendete die würdig verlaufene Feier.. Berlin, 14. April. Dem Ko n f i r m a ti o n s u n terr i ch t der jüdischen Reform-Gemeinde sind Borkkassen für - jüngere Schüler angegliedert. — Schülern,, die am jüdischen Religionsunterricht in den allgemeinen Schulen teilnehmen', wird gestattbt, sich an der hebräischen Stunde allein zu beteiligen. Zur' Teilnahme am Unterrichtwerden 'auch Kinder -zugelassen, deren Eltern nicht- Mitglied , der Reform-Gemeinde. sind. ' Der Unterricht ist unentgeltlich und ., findet statt:. W., Joachinisthalerstr. 31, Mittwoch 1^—6 Uhr, Beginn' 17. April? Ni, Johannisstr. 16, Sonnabend 4-^6, Beginn 20. April. Anmeldungen können schriftlich oder, mündlich im Sekretariat, Joliannisstr. 16) 'oder bei Schulbeginn in den Schullokalen erfolgen. - er. Berlin, 16. .April. Am 14. d.. M. .-fand in der Israelitischen Taubstummen-Anstält zu Weißensee die Einweihungsfeier der erweiterten ' Anstalt und die Gedächtnisfeier für. dem verstorbenen Direktor M a r c ü's Reich statt. In der neuen Aula)-die der Weihe des Tages entsprechend ausgeschmückt war, versammelten sich außer dem Vorstand, den Mitgliedern des Vereins zahlreiche Freunde der Taubstummen und verschiedene Ehrengäste, darunter Geheimer- Re-, gierungsrat Ullmann, als Vertreter des' Kgl. Prov.-Schulkollegimns, Major W e s e n e r, als Vertreter des erkrankten Bürgermeisters von Weißensee; ferner Ämtsgerichtsrat Dr. Friedeber g, Erziehungsinspektor Pi ep er , Rens ch e rs. von der Kgl. Taubstummenanstalt, Frau Direktorin Kau; von jüdisch. Anstalt Direktor Dr. G ö tz und die ehemaligen Lehrer der Anstalt. Nachdem der' vom Kapellmeister K e l l e r mann geleitete Männerchor „Wie lieblich ist deine Wohnung" Lesungen hätte, betrat der Vorsitzende des Vereins Geheimrat Dr. Boas das. Podium. Er begrüßte die , Gäste unb führte alsdann aus, wie der Bau zustande gekommen ist. Der Grund für die verspätete Einweihung sei der Tod des Direktors Reich und der Schmerz über dessen Heimgang. Er sprach dann allen, die am Ban mitgeholsen haben, seinen Dank aus: dem Baurat B r o n i a t o w s k.i, der Firma Fränkel und allen denen, die die Mittel freiwillig gespendet haben. Nach ihm ergriff Geheimrat Ul l mann das Wort, um namens der Behörden dem Verein, den Dank auszusprechen für die Mühe und Opersreudigkeit, die er seit Jahrzehnten geübt und besonders durch diesen Bau, der sich würdig an die Seite der besten Taubstummenanstalten unseres Vaterlandes stellen kann, bekundet hat. Er selbst babe bei einer Revision auf die Notwendigkeit einer Erweiterung der Räume hingewiesen und'sei erfreut, daß seine Wünsche so schnell und über alle Erwartungen in Erfüllung gegangen sind. Nachdem wie-, derum herrlicher Ehorgesang (Pf. 91) eingesetzt, und geendet hatte, hielt Rabbiner Dr. Blumenthal die tiefempfundene Weih- und Sedenkrede. In meisterhafter Weise führte er die ganze Persönlichkeit Marcus Reich vor: wie er sich zum Berns vorbildete, wie er die Anstalt begründete und den Verein ins Leben rief. Er zeigte, wie dieser edle Mensch, Marcus Reich, wahrhaft Edels geschaffen. -Einzelzüge aus, den letzten Tagen, die ihn bis zum letzten Atemzuge als treuen liebenden Vater seiner taubstummen Kinder kennzeichneten, rührten jeden Zuhörer. „Er ist dahingegangen, aber sein Werk besteht für alle Zeiten." Dann weihte er die Anstalt mit den Worten: „Ein Ort, den ein guter Mensch betreten hat, ist gej weiht." Der Geist des edlen Entschlafenen möge auch ferner an dieser Stätte walten, „denn die Edlen leuchten wie des Himmels Glanz und alle/die zum Wohle der Gesamtheit gewirkt haben, wie die Sterne für und für." Gebet.und Gesang -beschlossen die Feier. Anschließend an die Einweihungsfeierlichkeit fand dann die Generalversammlung des Vereins „Freunde der Taubstummen Jedide Jlmim" statt. Der Vorsitzende erstattete den Bericht über die Tätigkeit des Vereins, woraus die einzelnen Punkte der Tagesordnung erledigt wurden In den zum Schluß vollzogenen Wahlen.wurden die turnusmäßig ausscheidenden Vorstandsmitglieder nebst " Revisoren wieder- und Rab-. binep Dr. B l u m e n t h a l in den Vorstand neugewählt. — Der segensreich' wirkende Verein verdient auch ferner die weitgehendste Förderung. ' — Berlin, 16. April. Am vergangenen Sonntag beging derStadtverordnete H. W i t k o w s k i, der im vorigen Jahre seinen 75. Geburtstag feiern konnte, sein - 25jähriges Jubiläum als Stadtverordneter von. Berlin. Der Jubilar ist seit vielen Jahren Mitglied der Armendirektion, der Deputation für das Arbeitshaus und städtische Obdach, des Kuratoriums für die städtischen Heimstätten, der Deputation für die Jrrenpflege, für die Kränkenanstalten und die öffentliche Gesundheitspflege, des Kuratoriums der Webeschule, der Zentrale in Buch, Mitglied der Einkommensteuer-Berufungskommission und vieles andere. Trotz seines Alteks ist er besonders auf dem Felde der Wohltätigkeit eifrig tätig, u. a. im Verein gegen Verarmung, im Krankenhaus der jüdischen Gemeinde, im Genesungsheim Lehnitzusw, Während des - deutsch-französischen - Krieges war Herr Witkowski bemüht, für die Verwundeten und Erkrankten zu sorgen. Bei der Rückkehr des Gardekorps und beim Einzug der siegreichen Truppen