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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1912-04-19 · Heft 16 (19.4.1912) · page 13

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
76 (1912)
Issue
Heft 16 (19.4.1912)
Date
1912-04-19
Page
– (sequence 13)
Language
German
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J“r!“'Nr “ Wer Oemrindebote. m Detlagr zur „AHtzemetnen Leitung drK Judentums. SarrrlMNÄm?rn und Mschrichtrn. Deutschlsnd. y. Berlin, 16. April. Stimmungsvoll und intim, vornehm und geschmackvoll elegant wirken die Architektur und künstlerische Innendekoration der großen Flucht von Räumen, die in praktischer Gliederung sich durch drei mächtige Etagen irr dem neuen seitwärts vom Straßengetümmel errichteten Heim der Berliner Logen des U. O. B. B. in der Kleiststraße 10 hinziehen. Der Blick aus die durch Ornamente nicht beladene Fassade im Barockstil, aus der ein kleiner Eingangsvorbau hervorspringt, läßt mit ihren hochstrebenden Fenstern, die dem Aeußeren des Gebäudes einen gotteshausähnlichen Charakter verleihen, von der gediegenen Pracht der behaglichen Jnnenräumc wenig ahnen. Jarey der Schöpfer des Kainzdenkmals hat für die Fassade ein Relief geschaffen, das die Einführung eines Bruders in die Loge symbolisiert. Im weiten und mächtig hohen Treppenhause, das sich aus dem Vestibül erhebt, empfängt man erst den Eindruck einer vornehm eleganten Behaglichkeit. Rechts vom Eingänge die Garderoben, inmitten des freien Raumes zierliche Sessel und ein paar fteine Tischchen, links durch einen kleinen Vorsaal betritt inan den glänzend ausgestatteten Festsaal, der zu geselligen Veranstaltungen, Vorträgen, Hochzeiten nsw. dem Oekonomen zur Verfügung steht, auf der anderen Seite ein Zweiter Saal, der als Trauungssaal für Hochzeitsfeiern gedacht ist. Die Empfangs- und Gesellschaftsräume ins Parterre gelegt, sind vollständig für sich abgeschlossen, so daß die Räume für die ernste Arbeit, die in der zweiten Etage liegen, durch kein Geräusch der lauten Geselligkeit berührt werden, lieber einer breiten Marmortreppe mit schweren Teppichen belegt, steigt man zum ersten Stockwerk empor. Dort haben die Klubräume, ausnahmlos in ihrer Eleganz und von edler Kunstaufassung diktierten prächtigen Ausstattung ihren Platz gesunden. Eine 5 Meter breite und 27 Meter lange Wandelhalle ist den Räumen vorgelagert. Sie bietet in ihrer stimmungsvollen Ausstattung mit Polstersitzen und kleinen Tischchen längs der Innenwand Gelegenheit zum Promenieren. Von der Wandelhalle betritt man den wunderbar, in heiteren Hellen stnrbentönen gehaltenen großen Speisesaal, der mit schönen Marmorarbeiten, Bronzen und farbenprächtigen Wandgemälden von Oscar H nberer, das eine „Vorbereitung zum Feste", düs andere „das Fest" darstellt, ausgestattet ist. Die Gemälde sind ein Geschenk des mit den Bau besonders hochverdienten Herrn Kreslawskh.. Der Speisesaal ist so gebaut, daß er durch Hinzunahme von Nebensälen jederzeit vergrößert werden kann. Ein Spielsaal und ein Billardiaäl schließen sich an, und daneben reiht sich ein wundervolles intim ivirkendes Damenzimmer mit prächtigen Statuen und Statuetten ivie Bronzen ausgestattet. Das Großartigste jedoch ist der entstickende Wintergarten. Zwischen duftenden Blumenbeeten und reichem Grün laden geschmackvoll arrangierte Ruheplätzchen aus bequemen Korbmöbeln zu behaglichem Verweilen ein. Den Abschluß des Wintergartens, durch den eine Fülle elektrischen Lichtes aus modernsten Glühkörpern auf mächtigen. Kandelabern flutet, bildet ein von der Meisterhand des Bildhauers Jakob Pleßner entworfener und ansgeführter Brunnen, der von einer lieblichen Knabengestalt, die in der Hand ein Nest von jungen Vögeln hält, gekrönt wird. Drei Schildkröten am Rande des Brunnens speien das Wasser in das Bassin. Das Werk stellt dem Können dieses glaubensgenössischen Künstlers das beste Zeugnis aus. Es wurde auch von den zahlreichen Ehrengästen, die der Eröffnungsfeier des Hanfes beiwohnten, allseitig bewundert. Das Großartigste des Logenhauses aber befindet sich in der zweiten Etage. Auch hier ist den Räumen eine Wandelhalle vorgelagert. Von ihr aus gelangt man in den Prachtraum des Gebäudes, in den Logentempel. Durch mächtige hohe mit entzückenden Glasmalereien versehene Fenster ergießt sich das Sonnenlicht in den weiten hohen Raum, der gekrönt wird von einer farbenprächtigen flachen Kupppel, die den Sternenhimmel mit den Zeichen des Tierkreises darstellt/ Anden Wänden Prangen zwei Gemälde des Meisters Lesser Ury. Das eine „Rebekka und Elieser", das andere „David und Jonathan" darstellend. Sie sind ein Geschenk des Bruders Oscar Tietz und atmen die große Kunst, die Lesser Ury auszeichnet. Die Glasmalereien von der. Firma Schmidt, Inhaber Blau st ein, ausgeführt, symbolisieren vier Grundprinzipien der Logen: Bruderliebe, Eintracht, Barmherzigkeit und Wohltätigkeit. An den vier Längswänden erheben sich die Sitze derAräsidenten. Der Tempel bietet für etwa 400 Logenbrüder Platz. Eine Orgel und Chorempore erheben sich an der östlichen Wand. Neben dem großen Tempel ist für kleinere Veranstaltungen ein Nebentempel für etwa 70. bis 80 Personen gebaut.. Erwähnenswert ist auch der wunderbare Bibliothekssaäl, dessen eine Wand die Oelgemälde der Präsidenten der Großloge Fendel, Timendorfer, Maretzki zieren, die der Loge zum 25. Jubiläum gestiftet worden sind. Für die Innendekorationen aller Räume sind nur echte Hölzer verwendet worden. Die Stückarbeiten und Reliefs sind das Werk des Bildhauers Eugen Caspary. Zahlreiche Bronzen und Kunstgegenstände schmücken die Räume, darunter eine Prächtige Schnitterfigur, gestiftet von den Frauen der Loge. Der ganze Bau dieses prächtigen Logenheimes ist vom Regierungsbaumeister Max Frankel nach sehr eingehenden Beratungen mit der Baukommission, in der die Herren Kreslawskh, Oscar Tietz und S i l b e r st e i n mitwirkten, entworfen und ausgeführt worden. An dem Grundriß hat Herr Kreslawski einen besonderen Anteil. Die Kosten des Baues sollen sich auf mehr als 1A Millionen Mark belaufen. Zu dem Besichtig un gs abend, der am 10. d. M. stattsand, war eine Anzahl geladener Ehrengäste erschienen, die im Vestibül von den Präsidenten der Großloge. Geheimrat Timendorfer und Kreslawski bgrüßt wurden. Neben einer großen Anzahl Mitglieder der Logen, insbesondere der Logen-Präsidenten waren u. a. auch der Herr Po - l i z e i p r ä s i d e n t v o n I a g o w , der Stadtverordneten-Vorsteher K a u f in a n n-Charlottenburg sowie mehre höhere staatliche und kommunale Baubeamte erschienen. Nachdem die. Gäste sich in dem unteren Festsaal versammelt hatten, begrüßte sie Herr Kreslawskh, besonders den Herrn Polizeipräsidenten. Er betonte in seiner Ansprache, daß die in diesem Hause befindlichen Räume den edlen Logenzielen der allgemeinen Wohltätigkeit, Bruderliebe und Eintracht dienen sollen, und dankte schließlich, insbesondere den Behörden für die Förderung des Baues und die vielfachen wohlwollenden Difpense, die sie gewährten. Dann übernahm er die Führung, die sich über alle drei Etagen erstreckte. Nach der Besichtigung gab es einen kleinen Imbiß, wobei der Präsident der Großloge Herr Geheimrat Timend o r s e r namens des gesamten Ordens der großen Befriedigung Ausdruck gab über das, was man hier gesehen. Er dankte den Ehrengästen, besonders dem Herrn Polizeipräsidenten, für ihr liebenswürdiges Erscheinen, sowie den städtischen Behörden, der Bauleitung und den Künstlern, allen, die am Bau initgewirkt haben, auch den Handwerkern. „Die hier geschaffenen Räume reden und lehren auch zum Gemüte." Er dankte wärmstens ferner den Vertretern der Presse. „Die Presse hat ja im großen und ganzen die gleiche Aufgabe wie wir: für Wahrheit, Friede und Liebe zu allen Menschen-zu wirken. Kein liebeloses Wort möge in diesen Räumen laut werden! Mögen in diesen Räumen nur Worte der Bruderliebe, der Eintracht, der Liebe zu Menschen und zum Vaterlande erklingen." Kurz darauf erhob sich der Herr Polizeipräsident von Jagow und gab namens der Ehrengäste dem Danke für die freundliche Begrüßung und Bewirtung Ausdurck. Er spreche den Wunsch aus, daß in diesem Hause alle Werke der Menschenliebe gedeihen mögen und auch die Erholung zu ihrem Rechte käme. Mögen Sie alle belebt sein von dem Gedanken: Alle für einen und einer für alle. — Damit schloß der offizielle Akt. Nach dem Essen begab man sich in den Wintergarten. Der Herr Polizeipräsident verweilte dort längere Zeit in anregendstem Gespräche mit den Herren Geh. Kommerzienrat Eugen Landau, Geheimrat Tim endo rf er, Direktor Dr. Mi n d e n, Dr. G i n s be r g und Herrn K r e - slaw sky und ließ sich auch die Künstler Lesser Ury und Pleßner vorstellen; er zeigte sich auch von einer außerordentlichen Liebenswürdigkeit, die ihm gewiß die Sympathien aller eingetragen

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