Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 76 (1912)
- Issue
- Heft 16 (19.4.1912)
- Date
- 1912-04-19
- Page
- Seite 187 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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genannt — schließen. In den Schulen wird je nach der Verwendungsmöglichkeit, und Zweckmäßigkeit Türkisch und Arabisch und auch Deutsch, soweit es erforderlich, gelehrt. Auf Initiative des Hilfsvereins ist das Indi sch e In sti tu t fü r tech ni sch e Er zi eh un g in Palästina zu.Haifa, dessen Grundstein in diesem Tagen gelegt worden ist, errichtet'worden, das gerade bei der Erschließung der türkischen Länder durch Heranbildung von Technikern und Handwerkern die größten Aufgaben zum Segen der Juden wie der Allgemeinheit und des Landes zu erfüllenchat, Und das das einzige seiner Art im ganzen Orient ist. Eine weitere wichtige und segensreiche Kulturmission sucht der Hilfsverein durch Heranbildung von R a b b i n e r n zu erfüllen, die den modernen Anforderungen entsprechen und dabei zugleich fest im überlieferten Judentum wurzeln. Es fehlt an . geeigneten Männern, und gerade in der neuen Aera in der Türkei sind sie für die jüdischen Gemeindewesen von vitaler Bedeutung. Solange die furchtbare Situation im Osten besteht, ist der Hilfsverein der Deutschen Juden eine Notwendigkeit für die osteuropäischen Juden, für die deutschen Juden, seine Existenz ist notwendig, damit die Welt nicht vergißt, daß man schreckliches Unglück durch humane Wirksamkeit zu lindern verpflichtet ist. Zur Durchführung der großen Aufgaben des Hilssvereins sind aber Mittel in verstärktem Maße nötig. Redner appelliert nochmals dringend an die Versammelten, Opsersinn zu bewähren und. zu erwecken. — Herr Bankdirektor S i m o n erstattete den Finanzbericht. Er teilt mit, daß aus ' Anlaß' des zehnjährigen Bestehens des Vereins der Vorsitzende Dr. James Simon 100 00 0 Mark, Herr Direktor G otz-Moskau 50000 Frank und Herr Manuel Sch w a r z 25 000 Mark gestiftet haben. Die Versammlung genehmigt den Geschäftsbericht und erteilt der Verwaltung-Entlastung. Herr Justizrat Dr. Hör Witz spricht unter lebhaftester Zustimmung der Leitung des Vereins Dank und Bewunderung aus und verbindet damit gute Wünsche für die Zukunft. Bei Schluß der Versammlung werden den Leitern des Vereins anhaltende lebhafte Ovationen dargebracht. Der Generalversammlung ging eine Sitzung des Zentralkomitees des Hilfsvereins der Demi schon Juden voran, die von Mitgliedern aus allen Teilen Deutschlands besucht war. In derselben wurden die Herren Professor Dr. Eugen M i t t w o ch -Berlin und Julius Basch -München kooptiert. Heinrich Leile als Khjlolrmit. Von Tr. Adolf K o h n t. eit Jahrzehnten lebt in Groß-Flottbeck bei Hamburg der am 19. April 1822, also grade vor 90 Jahren, in Altona geborene christliche Lyriker, Novellist und vortreffliche Uebersetzer aus der skandinavischen Literatur, Heinrich Zeise. Dieser geistvolle Poet, dessen Gedichte Jahrzehnte hindurch die Lieblingslektüre des Publikums bildeten, und der auch als naturwissenschaftlicher, volkstümlicher Schriftsteller viel gelesen wurde, hat sich allezeit als ein für Freiheit, Fortschritt und vor allem für konfessionelle Duldsamkeit schwärmender Mann erwiesen. Er hat so manches reizvolle und tiefempfundene Lied gedichtet, worin er in unumwundener Weise seiner philosemitischen Gesinnung beredten Ausdruck gab und zwar zu einer Zeit, als die Wogen des Antisemitismus sehr hoch gingen. Aus der Fülle dieser seiner Kundgebungen mag hier nur ein Poem mitgeteilt werden, das er zu dem Werk „Antisemitenhammer, eine Anthologie aus der Weltliteratur" (Düsseldorf, 1894) beisteuerte. Dasselbe, bisher unbekannt, erfüllt von tiefster Empfindung und wärmstem Gefühl für das israelitische Volt, hat folgenden Wortlaut: Ein Jude. . Ich ward verhöhnt, ich ward verstoßen. Ich ward getrieben her und hin, - Ich ward, verachtet von den Großen, Weil ich ein armer Jude bin. Ich habe keine. Ruhestätte, Nicht einen Ort nach freier Wahl — Du Gott der Liebe, du errette, Erlöse'mich von meiner Qual! Gepriesen hab> ich deinen Namen Im heißen,. brünstigen Gebet, Ich hab^ gefleht, wie Judas Samen In seinen stillen Tempeln fleht. Der Christen Haß schlang eine Kette Um mich und um 'mein Volk zumal, -- Du Gott der Liebe-du errette, Erlöse mich von meiner Qual! - Ist Gottes Sohn denn nicht gekommen. Damit er euch die Liebe brächt? Doch haltet ihr, ich rusts beklommen. Den Judenhaß für Pflicht und Recht. Euch blieb der Dorn nur und die Klette, Euch traf nicht seiner Liebe Strahl — Du Gott der Liebe, du errette. Erlöse mich von meiner Qual! Für Freiheit schlagen eure Herzen, Doch gebt ihr sie dem Juden nicht; Und ihr wollt schauw der Freiheit Kerzen? - Ihr wolltet schawn das etvge Licht? Erst müßt-ihr brechen unstre Kette Und unstrer Banden harten Stahl — Du Gott der Liebe, du errette. Erlöse uns von ünstrer Qual! Auch hat Heinrich Zeise, wie gesagt, ein meisterhafter Uebersetzer aus der. nordischen Literatur, unter anderen des Norwegers Henrik Wergeland , des Verfassers der Meisterwerke „Der Jude" und „Die Jüdin", ein Gedicht verfaßt, betitelt „Henrik Wergelands Denkmal". Anknüpfend an die Tatsache, daß der berühmte norwegische Poet bis zu seinem, letzten Augenblick in Wort und Schrift stets mannhaft für den Zutritt der Juden in Norwegen eingetreten, und daß. ihm aus Dankbarkeit die Juden Norwegens ein Denkmal setzen wollten, dichtete er einst zu Ehren seines nordischen Bruders in Apollo ein schwungvolles Lied, worin es unter anderem heißt: Du kennst das Land, die Küsten netzt das Meer, Es ragt ein Felsen, prächtig, stolz und hehr. Bis zu der Wolken lichter Azurbläue, Und seine Söhne üben Kraft und Treue, Die Kraft ist rauh, doch Herz und Arm sind stark, Ein Handdruck deutet dir der Helden Mark. Du. kennst das Land, streng saß es zu Gericht; Die Juden, nur die Inden duldete nicht, Sie dürfen nicht der Freiheit Land betreten, Nicht in den. heiligen Tannenwäldern beten. Du Land der Freiheit, werde gänzlich frei, , Die letzte Fessel brich der Tyrannei! Es hat dein Dichter, Henrik Wergeland Gerüttelt jener Fessel stählern Band, . Er hat gekämpft mit seinem Liederschwerte, Die Wahrheit und das Recht war sein Gefährte, Doch brach er nicht der Fessel hartes Erz, ’’ Er braches nicht, — dem Dichter brach das' Herz . . . Und sie, sie wollen dir ein Denkmal bawn, Doch deine Gruft darf nicht ihr Auge schau'n, Sie dürfen nie zu deinem Hügel treten. Sie dürfen nie an deinem-Grabe beten. Und dennoch soll das Denkmal Zeuge sein, Daß sie auch dir -des Schmerzes Zähren weihw. Könnest, Wergeland, aus deiner Gruft du gehn, .* Und würd' dein irdisch Aug" das Denkmal sehn. Wie würde Wehmut deinen Busen schwellen. Wie würd' die Zähre deinem Aug' entquellen — Doch eher steigst du aus dem Grabe nicht, Bis. jene, letzte, letzte Fessel bricht. . 1. Und wenn sie bricht, o heillge Wonnezeit! Dann werden Aller Herzen froh , und w.^it. Dann werden Jubellieder, Freudenzähren Den edlen. Dichter noch im Grabe chren. Dann steht auch jauchzend Henrik Wergeland I; Von ewigen Höh-n aufs freie Felsenland.