Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 76 (1912)
- Issue
- Heft 15 (12.4.1912)
- Date
- 1912-04-12
- Page
- Seite 3 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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mei.nd^.-/Um? Z45 Uhr-/betrK^Heru-.Dr:^ Braunschweiger-ryit-dmi . Vorstand'. und ben. Rabbinern. Dr.. Dienemann,Natibor/ Winter, Myslowitz, Dr. Nitschkowsky und, geleitet von .den Repräsentanten der Gemeinde das. mit Blumen festlich geschmückte Gotteshaus, wo ihnen ein herrlicher . Kinderchor mi t dem Liede „Gott grüße - dich, kein andrer Gruß ist dem auf Erden gleich" empfing. Dem Chorlied föchte , ein Gebet des Kantor N a t h a n, worauf der Vorsteher der Gemeinde, Herr Kaufmann Ar o n ade. das Wort zu.folgender Begrüßungsrede ergriff: „Hochgeehrter Herr Rabbiner! Nachdem die Repräsentanten und der Vorstand einstimmig beschlossen hatten, Sie zum Rabbiner, und Lehrer unserer Gemeinde zu berufen, nachdem per Herr Regierungspräsident die Genehmigung zu Ihrer Anstellung erteilt hat, sind Sie unserem Ruse gefolgt und übernehmen mit dem heutigen Tage die geistliche' Führung unserer Gemeinde. Freudig bewegten Herzens vertrauen wir Ihnen an das Seelenheil unserer Alten und ganz besonders das Seelenheil unseres kostbarsten Schatzes, der Jugend. Möge Ihr Wirken der Gemeinde zum Heil und Segen gereichen." Mit. herzlichen Worten des Dankes erwiderte Herr Dr. Braunschweiger die warmherzigen Empsangsworte und sprach die Hosfmmg aus, daß es ihm gelingen möge, das Vertrauen der Alten, die Liebe der Kinder, die ihm schon jetzt aus den leuchtenden Augen entgegenstrahle, zu erringen, denen er nicht nur Lehrer, sondern Führer und Freund sein wolle. Er . knüpfte daran die Bitte, daß man ihn in seinem Wirken nicht allein lassen, daß-man ihm auch mit der Tat beistehen möge, wenn es einmal gelte, Gutes zu tun und Gutes zu stiften, daß man gemeinsam auch mit ihm.wirken möge zum Wöhle des Ganzen. Ein weiteres Gebet und der Kinderchor „Hebe deine Augen auf zu dem Herrn" beschlossen die weihevolle Feier. Der Einladung waren gefolgt Herr Landrat Lentz, Herr Ghmnasiäldirektor Dr. Wahner, Herr Rektor Schauder, die Vorsteherin der höheren Töchterschule Fräulein L a s k o w i tz. Anwesend war ferner der Vertreter des Verbandes der Oberschlesischen Synagogengemeinden, Herr Schiel aus Natibor. g/*s Kattokritz O.-S., 5 April. Zum ersten Male wird in Oberschlesien eine Ausstellung der Kunstgewer b e s ch u l e B e z alel im großen Stile veranstaltet. Hier wird der oberschlesischen Judenheit Gelegenheit geboten sein, Gegenstände , dieser interessanten und. für die. Entwicklung des heiligen Landes hoch bedeutsamen Anstalt in größerer Auswahl kennen zu lernen. Der Ausstellung wird auch ein Musterlager des „jüdischen Kulturverbandes für Frauenarbeiten in Palästina" angegliedert. Hier werden die künstlerischen Erzeugnisse der Spitzenindustrie, die für einen großen Teil der palästinensischen Frauen und Mädchen eine. reichliche Erwerbsquelle zu werden verspricht/ zu schauen sein. Alles in allem-ein erfreulicher Anblick, für unsere Damenwelt, welche hoffentlich die Kaufgelegenheit ausgiebig benützen wird./ Möge die 'Ausstellung dazu beitragen, daß , die 'hervorragende..Bedeutung des Kunstgewerbes und der. Hausindustrie für die wirtschaftliche Entwickelung in Palästina von der oberschlesischen und der in den Grenzbezirkett wohnenden Judenheit nach Gebühr gewürdigt wird und dies äu'ch'-iN'eine^nanziellen.Unterstü^üng des Bezalel und des Kulturvereins zum Ausdruck gelangt. Der bekannte .Maler und .Radierer H e r m an n Strn ck 'wird bei dieser Gelegenheit Originälarbeiten und Radierungen äusstellen und voraussichtlich wird sich . bet. - namhafte Schwarz-weiß-Zeichner. Lilien anschließen. Auch hier werden in.der Hauptsache jüdische Motive und palästinensische Landschaftsbilder ausgewählt werden. Das Aus- stellungsbild wird durch die Beigäben aus der Malörei-bereichert:-und sicherlich noch interessanter gestaltet-werden. Die. Ausstellung findet im Hotel. Kaiserhof,. Kattowitz, Teichstraße 19, statt und wird am Donnerstag, den 11. April, eröffnet. Dem Komitee gehören an: die Herren Rab. Dr.- E o h n, Dr. E h r e n f r i e d, Stadtrat Gut t - mann, Georg Hi r s ch', Bankier Kl.e.e m ann ,Franz K o ch - m a n n, Stadtältester W i e n e r ,. Lehrer W i l l n e r und , ein , größeres Damenkomitee, welches aus" allen Kreisen' der Gemeinde zusammengesetzt est. . - M. Hamburg, 5. April.. Der Verenn selbständiger j ü d i s ch er Hand Werker und G e w e r ü e t r e i b en.d er hielt seine Mitgliederversammlung unter Vorsitz des Herrn L. H ein e - mann im Logenheim/ Hartungstraße ab. Nach der Aufnahme einer Reihe neuer, Mitglieder hob der Vorsitzende hervor, daß .das Jahr 1911 dem Verein, die Genugtuung gebracht habe, daß erfreulicherweise seine Bestrebungen immer mehr Anklang in der Gemeinde gefunden haben und eine größere Slnzähl Mitglieder Won. hiesigen Gemeinedinstitutionen mit Aufträgen bedacht worden sind.' Auch das 1. Quartal des lausenden Jahres; habe dem Verein nicht nur einen bedeutenden. ./Mitgliederzuwachs gebracht, sondern wiederum, wurden mehrere Vereinsmitglieder, -mit größeren.Arbeiten berücksichtigt. Eine längere Aussprache ries der Antrag auf Eintragung des Vereins in das Vereinsregister des Amtsgerichts hervor. Der Antrag wurde bis zur nächsten, Hauptversammlung vertagt und der Vorstand beauftragt, sich zunächst mit dem Vereinssyndikus behufs eventueller Abänderung der, Statuten in Verbindung zu setzen, Der Antrag ^auf Gründung einer Bibliothek wurde nach" längerer Aussprache äbgelehnt, dagegen wurde der Vorstand beauftragt, die be- - reits im Besitze des Vereins befindlichen Werke Her jüdischen Bib- . liothek und Lesehalle unter Vorbehalt des Eigentumsrechts zur Aufstellung leihweise .zu überlassen. Herr Nissensohn wies dann noch daraus hin, daß man chem Nachwuchs des'jüdischen Handwerkerstandes mehr Aufmerksamkeit widmen müsse, Ihm seien neuerdings zwei Fälle bekannt geworden, in denen zwei junge Leute nach kaum beendeter Lehrzeit sich selbständig gemacht hätten und zwar mit Hilfe eines religiösen Vereins. Gegen ein derartiges Gewahren, das man als Krebsschaden des jüdischen Handwerks bezeichnen könne, müsse mit aller Entschiedenheit protestiert werden. Die Versammlung stimmte diesen Ausführungen zu und beschloß, den Punkt auf die Tagesordnung der nächsten -Versammlung zu setzen. 22 Köthen i. Anh., 5 April. Auf eine 25jährige Tätigkeit als Vorsteher der israelitischen Kultusgemeinde zu Köthen i. Anh.. konnte am 1. d. M. Herr Kommerzienrat Oskar S o n n e n t h a l zu.rückblicken. Derselbe hat es verstanden, durch seine taktvolle und .vornehme. Art und. Weise der Geschäftsführung zwischen Vorstand und Repräsentanten ein angenehmes Verhältnis zum .Wohle. der. Gemeinde zu wahren. Letztere ehrte seine großen Verdienste dadurch, daß sie dem Jubilar durch eine Deputation, bestehend aus. den Herren- S. K r o n h e i m , Max M e n d e r s h a use n und. Max E p P e n - heim, eine künstlerisch ausgesührte Adresse überreichen ließ, wofür der Herr. Kommerzienrat in bewegten Worten seinen Dank-zum Ausdruck brachte,..mit'der Bekanntgabe einer größeren Stiftung seinerseits für die Gemeinde. 22 Köln, 5. April. Am 28. v. M., um 9 Uhr abends fand im großen Saale der Rheinland löge eine vom hiesigen Lokalkomitee des H ilf 8 ve r e i n s d e-rw e u t s ch e n Jü d e n' veranstaltete -.Versammlung,. die außerordentlich stark besucht'war, statt. Nach einer, kurzen Ansprache.des Vorsitzenden des hiesigen Lokalkomitees, Herrn . /Bankdirektor-,, S a l o mon Simonberichtete Herr Dr. James S i m o n - Berlin über die. Tätigkeit des Hilsspereins, und im Zusammenhänge damit über die.Lage der Juden-in. Rußland, Rumänien ' und Galizien. Dem interessanten Referat entnehmen wir folgende bemerkenswerte Angaben: Der Hilfsverein der'deutschen Juden, der jetzt sein zehnjähriges Bestehen feiern darf, wußte nach verschiedenen Richtungen hin arbeiten, da die Ausgaben, die ihm aus den Zeitereignissen erwachsen, keineswegs einheitlicher 9'chtur. sind. Ein großes - Arbeitsgebiet bildete , zunächst die Regelung der jüdischen Auswanderung aus Rußland, Ruinanien 'und-'Galizien, - uw so . mehr, als. auch Deutschland durch diese Auswanderung in Mitleidenschaft gezogen; war. Die Judenpogrome in Rußland veranlaßten deü -Hilfsverein, eine großzügige Aktion -Zugunsten der Opfer zu unternehmen, und es gelang ihm, die großen 'jüdischen Körperschaften' zu. einer gemeinsamen Arbeit zu.dereimgen-und die erste Hilfe zu leisten. Hin ferneres Arbeitsgebiet des. Hilfsvereins ist die Entwicklung der Schulen in den Balkanländern und inder. Türkei. ' In Rmnänien ist die Willkür der. Regierung andauernd feindlich gegen die -Juden gerichtet. Der . jüdischen Jugend ist dort der Zutritt zu M/Staatsschulen so gut wie verschlossen, die Erwerbswöglichkeiten sind' für die jüdischen -Bürger äußerst beschränkt. In j'Gälizien'..DÄcwf...Lnsbesondere/cdie kulturelle Lage der Juden einer $ eingreifenden Umbildung. Wenn man aber in Betracht zieht, daß es in' Rumänien üngefähr 250 000, iw Galizien 800 000 und in- R u ßl a n d aber 6—7 Millionen Juden gibt, so sieht man gleich ein, daß unser größtes und.schwierigstes Problem die Lage der'Juden in Rußland bildet/-'um so mehr, als die unfreundliche Haltung wer Regierungskreise und der Beamten gegenüber der jüdischen Bevölkerung,sich gerade in allerletzter Zeit außerordentlich verschlechtert hat, so daß in..der . Tat heute nirgends »ein Hoffnungsstrahl leuchtet. Die Regierung geht ganz systematisch vor, um den Juden alle Lebensbedinguugen zu entziehen, undstattderen . kulturelles Niveau zu heben, es möglichst zu senken.' 'Hsist daher nicht nur eine jüdische, sondern auch eine rein menschlicheHskicht/dre'7 Will.