Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 76 (1912)
- Issue
- Heft 15 (12.4.1912)
- Date
- 1912-04-12
- Page
- Seite 2 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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K dieser Religionsschule wie folgt: In höheren Lehranstalten Ovaren 178 Knaben und 136 Mädchen, in- Geineindeschulen 90 Knaben und 71 Mädchen. Die im November 1910 eröfsnete zweite Religionsschule in. Chartottenburg wurde im /vergangenen Jahre von nur 40-Zöglingen .besucht. Im Sommersemester waren 3 Klassen, im Wintersemester 4 Klassen eingerichtet worden. Die Ausstellung eines Lehrplanes hat sich hier dadurch als schwierig erwiesen, daß die Vorkenntnisse der angemeldeten Schüler und Schülerinnen.völlig ungleiche gewesen sind. Bemerkenswert ist die Mitteilung, daß die Religwnsschule in der Gipsstraße von 35 Schülern und Schülerinnen besucht wird, die/ obgleich sie höheren Schulen (Gymnasien, Realgymnasien, höhere Mädchenschulen) angehören, vom Schulbesuch am Sabbat gänzlich befreit sind, ohne dadurch in ihren ' Leistungen beeinflußt worden zu sein. An beiden Schulen unterrichten außer dem Schulleiter,' Rabbiner Dr. Meier Hildes- Heim e r / 9 Lehrer und 2 Lehrerinnen, Ü. Berlin, 5. April. Der an der Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums bestehende „Jüdisch-theologische Verein" erstattet 'seinen' Berich tüber das Wintersemester 1911/12. Im abgelaufenen- Semester, dem sechsten seines. Bestehens, war die Arbeit sehr rege und erfreulich. Zum ersten.Male fanden regelmäßige Kurse statt. Ein Mischnah- und ein Talmudkurs, welch letzterer von Herrn Spanier geleitet wurde. Vorträge hielten Herr Rabbiner Dr. Ludwig Rosenthal über „Eleasarha-Kalir" und Rabbinatskandidat Siegbert Neufeld über „Jüdische Historiker". Außerdem referierte Herr Rabbiner Dr. Warschauer über: „Ziele und Wege des theologischen Studiums, S. Neuseld über: ),Die Stellung des Rabbiners zum Zerernoniälgesetz", L ew in über: „Die Zukunft der Juden". An diese Referate schlossen sich lebhafte Diskussionen | an. Gemütliche Zusammenkünfte und Ausflüge ergänzten das Programm. Wir wünschen dem „Jüdisch-theologischen Verein" eine gesunde Weiterentwicklung) 8. Tilsit,-'5. April. Anläßlich des Uebertritts unseres bisherigen Rabbiners', Herrn Dr. Adolf Ehrlich, in den Ruhestand, fand am Donnerstag vor dem Passahseste im Kasino eine Abschiedsfeier statt, die Zeugnis .ablegte für die hohe Wertschätzung und Verehrung, deren sich der Scheidende in seiner Gemeinde erfreut. Gegen hundert Gäste — Damen, und Herren — hatten sich zum Festmahle eingesunden. Herr Dr) Ehrlich und Gemahlin nähmen aus den mit Girlanden geschmückten Sesseln Platz. Der Vorsitzende der Kreis-Synagogen-Gemeinde,' Herr Dr. meci. R o s e n k r a n z feierte in schwungvollen Worten namens der Gemeindeverwaltung den scheidenden Rabbiner. Er rühmte sein reiches jüdisches, wie profanes Wissen, seine Herzensgüte, Geradheit und Bescheidenheit, seine Pslichtreue und Pünktlichkeit, hob sein hervorragendes Walten auf der Kanzel, in der Schule und im Vereinsleben hervor, schilderte den. Adel seiner Gesinnung als Seelsorger. Herr Repräsentantenvorsteher Eugen L aas er toastete auf Frau Dr. Ehrlich, sie als die wahre Räbbinersrau feiernd, allen Frauen der Gemeinde als edles Vorbild wahrer jüdischer' Tugend voranleuchtend. Namens der Chewra-Kadischa - dankte Herr Moritz Rosenthal für. das rege Interesse, das der Scheidende dieser edlen Institution stets entgegenbrachte. Daun sprach Kantor Lemke dem gütigen und gerechten Vorgesetzten den Dank -der. Beamten aus. Lehrer S ü ß k i n d überreichte darauf. namens des Jugendvereins ein Ehrendiplom und bat den geliebten Lehrer auch fernerhin dem Verein das bisherige Interesse entgegenzubringen. Kultusbeamter Stramin feierte dann den Rabbiner im Aufträge des Lernvereins „Mekor-Chajim" als Priester und Prophet. Herr Justizrat Cohn schloß den Reigen der Redner, nachdem noch ein von .Frau Rechtsanwalt Dr. Gr um ach gedichtetes Festlied gesungen worden war, mit einem Hoch auf den Gefeierten als Mensch. Tiefgerührt hätte derselbe bereits den Gmeindeverwaltungen in kurzen Worten gedankt, während sein Sohn, Rechtsanwalt Dr. Ehrlich nochmals allen Rednern, und Erschienenen den Dank des Vaters Und der Familie abstattete. Nachdem Aufheben der Tafel erfreuten musikalische und deklamatorische Darbietungen die- Erschienenen. Ein kurzes Tänzchen beschloß den harmonisch und stimmungsvoll -verlaufenen Festabend. Mögen die herzlichen Wünsche, die alle für den scheidenden Rabbiner in dem einem Wunsche zusammengefaßt wurden, der Allmächtige möge ihm einen langen und glücklichen Lebensabend au der Seite seiner edlen Gattin und im Kreise seiner Kinder und Enkel gewähren, in Erfüllung gehen. - 22 Briefen (WprH> 7: April. Am vorigen Sonntag fand in dem: festlich erleuchteten Gotte'shause die feierliche Einführung unseres neugewählteu Rabbiners Herrn Dr. H alp e r s o h n statt, der beide Körperschaften, wie auch ein großer- Teil der.Gemeindemitglieder beiwohnten. - In herzlichen/Worten entbot im Namen des Vorstandes dessen Vorsitzender, Herr. C a.l I m ann, demneuen Seelsorger der: Willkommensgruß,.; während der. Repräsentanteüvorsitzende, Herr. At i ch a lo witsch , die Glückwünsche der Gemeindevertretung überbrachte. Herr Dr. Halp ersahn legte daraus die Ziele dar, die den Leitstern seiner Bestrebungen bilden sollen. Ihren Abschluß.fand die Feier in einem gemütlichen Beisammensein, das am Abend weite. Kreise der Gemeindemitglieder mit ihren Damen vereinte, und auf;|i dem die obengenannten Vertreter -beider Gemeindekörperschaften herzliche Ansprachen hielten, aus die der Rabbiner in launiger Weise erwiderte. .. : W. Posen, 5. April. Die vierzehnte ordentliche Generalversammlung des Verband e s der S y n a g o g e n g e m einde n des Regt e r u n g s b e z i r k s Pos an fand hier im jüdischen; Gemeindesitzungssaale statt. Der Verbandsvorsteher Bankdirektor; Goldschmidt begrüßte die Erschienenen und eröfsnete die Ver- ' sammlung. Von den Bezirksgemeinden waren vertreten: Birnbaum/ .; Buk, Dobrzyca, Jarotschin, Krotoschin, Lissa i. P., Pleschen, Posen,. . Rawitsch, Schwersenz und Zerkow. Die Umfrage bei den Vorständen! sämtlicher jüdischen Gemeinden des Regierungsbezirks Posen, inwie- <- weit bei den einzelnen Stadtgemeinden Steuerfreiheit für Kultus-.ni; beamte besteht, hat ergeben, daß überall — mit sehr wenigen Aus- - nahmen— die Kultusbeamten zu den Kommunalabgaben herangezogen werden. Die Rabbiner sind in manchen Gemeinden teils gänzlich, teils von der Hälfte dieser Abgaben befreit. Die vom Verbände angestellten Erhebungen, ob die Möglichkeit vorhanden ist) ) eine Dispensation der jüdischen Referendare im diesseitigen Ober-!'! landesgerichtsbezirk von der Tätigkeit an Sabbaten und jüdischen ä Feiertagen zu erwirken, haben zu der Feststellung geführt, daß eine; derartige Dispensation generell nicht nur nicht zu erzielen wäre, son-. dern es würden diese Bestrebungen zu der Mißdeutung führen, als " ob die Juden eine Ausnahmestellung für sich beanspruchen. In-den'- letzten Etat der Posener Synagogen-Gemeinde sind auch fürdas lau- ,;j sende Geschäftsjahr 300 M. als außerordentliche Beihilfe für den Ver-^ , band eingestellt worden. Zum Anschluß sind neu gewonnen worden / die Gemeinden Rogasen, Xions, Miloslaw und Borek. Zurzeit ge-!' hören dem Verbände 39 Bezirksgemeinden an. Der Antrag des Ver-sw eins jüdischer Lehrer der Ost-Provinzen wegen Gewährung von Sitz-? und Stimme an ein Mitglied des Vereins wird abgelehnt, weil erüj den Statutbestimmungen und den Tendenzen des Verbandes, der nur-- j die-Interessen der Gerneinden des Regierungsbezirks zu vertreten hat, fj. widerspricht. Es soll dem Verein anheimgegeben werden, durch Zählung eines Betrages ordentliches Mitglied des Verbandes mit dem'!-! Rechte der Teilnahme an den Generalversmnmlungen und beratender -! Stimme zu werden. Zur Abhaltung von Ferienkursen in den Re-ch ligionswissenschasten jür jüdische Lehrer in Breslau ist ein Zuschiiß Sl| geleistet worden; an diesem Kursus haben sich auch Lehrer -aus dem-; diesseitigen Bezirk beteiligt. Was die Ausbildung von Kultusbe- / amten unter der Leitung des Herrn Gemeinderabtziner Dr. W. Feil--!" chenfeld betrifft, sind seit 1910 fünf junge Leute auf Grund ihrer er-^! langten Autorisation in Aeintern entlassen worden; vier Kändidäten^ befinden sich gegenwärtig in Ausbildnug. Es folgten Berichte über' .H4 die Bezirksrabbinate, aus denen hervorging, daß in den-Gemeinden W Predigten und Prüfungen der Neligionsschnlkinder ftattgesunden haben. Außerdem wurden rituelle Anfragen beantwortet, überall hak'"' eine seelsorgerische ersprießliche Tätigkeit in den Filialgemeinden statt-'' gesunden. In jüngster Zeit hat der Deutsch-israelitische Gemeindebund'^ das Interesse der Shnagogeuverbände aus den inzwischen vom Reichs--"' tage angenommenen, die Privatbeamtenversicherung. betreffenden '" Gesetzentwurf zu lenken gewußt, in dem er daraus Hinzuwirken suchte, ", daß die einzelnen Gemeinden für ihre Beamten der vom Gesetze zuä gelassenen Ersatzkasse beitreten, wodurch den Beamten bezüglich ihrer Versorgung weit'größere Vorteile gewährleistet werden, als bei der Zugehörigkeit zur Reichsversicherungskasse. Im abgeläufenen Berichtsjahre sind, im ganzen 2460,80 M. vereinnahmt worden. Die Gesamtausgabe belief sich aus 2457,10 911. V ' — Rybnik, 5. April. Zu einer erhebenden Feier gestaltete sich dieam 31. v. M. stattgehabte Einführung' des neuen Rabbiners Herrn Dr. B r a u n s.ch w e i g e r als Seelsorger der hiesigen israelitischen Ge-