Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 76 (1912)
- Issue
- Heft 15 (12.4.1912)
- Date
- 1912-04-12
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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76. Jahrgang Nr. 15 Der Gemeindebore. Berlin, 12. April 1912 Vellage zur „Allgemeinen Leitung deS Judentums". LorrklponÄrnrm und Kschrichten Deutschland. Berlin, 5. April. Don Herrn Kommerzienrat G a l - linger in Nürnberg erhalten wir folgende Zuschrift: Aus dringendes Ersuchen einer Anzahl angesehener Mitglieder hat am 26! März eine außerordentliche Sitzung der Deutschen Conserenz-Gemeinschaft der Alliance Isra61ite Universelle stattgefunden. Die Tagesordnung lautete: 1. Stellung zum.Deutschen Landes-Comite und Gründung verschiedener Bezirkskomitees; 2. Beschlußfassung über den weiteren Bestand der D.C.G. Don 18 Mitgliedern der D.C^G. waren 16 teils anwesend, teils vertreten. Außerdem wohnten 12 Herren des Berliner Lokalkomitees der Sitzung mit beratender Stimme bei. Nach zweistündiger Debatte zeigte es sich, daß das Präsidium eine Dreiviertelmehrheit (12 gegen 4 Stimmen) gegen sich hatte. Die an die beiden Präsidenten gerichtete Frage, ob sie angesichts dieses Stimmverhältnisses nicht freiwillig ihr Amt niederlegen wollten, wurde von den beiden Herren verneint. Darauf wurde die folgende von 12 Mitgliedern der D.C.G. unterstützte Resolution eingebracht: 1. Die D.C.G. spricht ihre schärfste Mißbilligung aus, daß das Präsidium den langjährigen Sekretär des deutschen Bureaus. Dr. Marcus sowie eine Bureauangestellte wegen Beiseiteschassung der Allianceakten (Herr Dr. Marcus als verantwortlicher Sekretär der Alliance hielt sich für berechtigt und verpflichtet die Akten des deutschen Bureaus auch fernerhin in seine Obhut zu nehmen.. Die Red.) bei der Staatsanwaltschaft unberechtigterweise angezeigt und Haussuchung bei denselben veranlaßt hat. Sie mißbilligt weiter aufs schärfste das Rundschreiben des Präsidiums vom 19. März, in welchem Herr Bigart in Paris und Herr Rechtsanwalt Dr. Bärwald in Frankfurt a. M. der Anstiftung zum Diebstahl bezichtigt werden. Die D.C.G. erblickt in dieser Kampfesweise die schwerste Gefährdung der Sache der Alliance. 2. Das geplante Landes-Comite widerspricht den Statuten der Alliance, insbesondere weil es entgegen Art. 19 der Satzungen den direkten Verkehr der Lokal-'Comites mit dem Zentral-Comite verbietet und entgegen Art. 20 der Statuten die bei ihm eingehenden Beträge nicht ohne weiteres an die Kasse des Zentral-Comites abführen will. Die Bildung des Landes-Comites mit derartigen Befugnissen ist uuzulässig und steht im Widerspruch mit dem universellen.Charakter der Alliance." Der Vorsitzende lehnte die Abstimmung ab mit der Begründung, ein solcher Antrag stehe nicht aus der Tagesordnung, und ließ auch bei Besprechung über Punkt 2 der Tagesordnung die zwei Resolutionen „1. die Versammlung spricht den beiden Herren Borsitzenden die Mißbilligung ihres Verhaltens aus, . durch welches der Fortbestand der D.C.G. gefährdet wird. 2. Der Fortbestand der D.C.G. ist durch das von der Versammlung gemißbilligte Verhalten der beiden Herren Vorsitzenden gefährdet" nicht zur Abstimmung zu. Nun wurde ein Antrag auf Auslösung der D.C.G. gestellt, der mit 12 Stimmen, der Herren Rabbiner Dr. Rosenthal in Breslau, Rabbiner Dr. Salvendi in Karlsruhe, Rabbiner Dr. Frank in Cöln, Rabbiner Dr. Porges in Leipzig, Justizrat Dr. Held in Nürnberg als Vertreter des Herrn Geheimrat Josephthal, Hermann Löb Stern in Mannheim, Eugen Fellheim in Stuttgart, Kommerzienrat Emil L. Meyer in Hannover, Senator Fischer in Hannover, C. Simon S a l o m o n in Metz, Heinrich. O s ch i n s k y in Breslau, Kommerzienrat Galling er. in Nürnberg, gegen vier Stimmen der Herren Justizrat Max Fuchs, Geheimrat Landau in Berlin, Rabbiner Dr. Werner in München und Hermann Wittner in Leipzig angenommen wurde. — Der Vorsitzende erklärte den Beschluß für ungültig, weil ein nicht eingetragener Verein nur durch einstimmigen Beschluß aller Mitglieder aufgelöst werden kann — trotz des Kündigungsrechts jedes Gesellschafters und trotz des § 8 Abs. 2 der Satzungen der D.C.G., nach dem stets die einfache Mehrheit der erschienenen Mitglieder entscheidet. Die Auslösung wurde dennoch mit 12 gegen 4 Stimmen beschlossen. Der Vorsitzende erklärte jedoch, „die D.C.G. besteht fort — ich schließe die Sitzung." Ein Antrag zur Geschäftsordnung, in das Protokoll das Stimmverhältnis auszunehmea, wurde vom Vorsitzenden abgelehnt. Ich halte es für meine Pflicht, den Mitgliedern der Lokalkomitees der Alliance diese Vorgänge zu unterbreiten, damit dieselben über die Art der Geschäftshandlung durch die Berliner Herren des Präsidiums sich ein Urteil bilden können. $$$ Berlin, 10: April. Im Gotteshause der I ü d j sch >e n R esormgemeinde fand am 7. d. M. die übliche Konfirmationsf e i e r statt. Es wurden 24 Kinder - konfirmiert: 13 Knaben und 11 Mädchen. Nach einer überaus wirkungsvollen Liturgie sprach das einleitende Gebet Lotte M a r c u s e , worauf Prediger Dr. Lev in die Ansprache hielt in Anlehnung an Amos 5, 4. 14., in welcher er den Weg beleuchtete, auf dem man Gott und das Gute zu suchen habe und die Mittel wies, wie man Gott und das Gute finde. Nachdem die Konfirmanden einzeln ihre, selbst gewählten Wahlsprüche verlautbarten, sprach Walter I a c o b i das Religionsbekenntnis. Mit dem großen Halleluja endete die erhebende Feier. Wir dürfen die Konfirmation, wie sie in der Reformgemeinde abgehalten wird, als eine mustergültige bezeichnen. Am nächsten Sonntag findet im Gotteshaus die Entlassung der Konfirmierten statt. Berlin, 7. Zlpril. Am Sonntag, den 31. v. M., fand die Hauptversammlung der Gesellschaft Mag ine Reim, statt, die erste unter der Herrschaft der neuen, im vorigen Frühjahr beschlossenen und im November vom Herrn Minister des Innern bestätigten Satzungen. Die Versammlung wurde, da der Vorsitzende Herr Moritz M a n - he im er erklärte, seine Stimme schonen zu müssen, .von Herrn Hermann Landsberger geleitet. Aber im Lause der Verhandlung zeigte sich, wie schon oft, daß der beinahe 86jährige Herr Manh e i m e r noch immer jugendsrisch genug ist, um in die Debatte ein- . zugreifen. Die neuen Satzungen haben eine geringe Erhöhung der Mitgliederbeiträge.und eine erhebliche Erhöhung des Höchstbetrages der Unterstützungen gebracht. Sie haben einige aus der guten alten Zeit stammenden Zöpfe abgeschnitten und dem weiblichen Elemen t eine größere. Wirksamkeit in der ursprünglich im Jahre 1804 als I u n g g es el l e nv e r e i n begründeten Magine eröffnet. Herr Landsberger leitete durch seine Rede den vom Schriftführer Direktor Dr. Minden erstatteten Jahresbericht ein. Letzterer erinnerte daran, daß im Archiv des Vereins sich auch die Protokoll- und Kassenbücher aus dem Emanzipationsjahre 1812 befinden, welche bis dahin in hebräischer Schrift mit schönen Quadratmajuskeln geführt, in der Neujahrsnacht zu 1813 umgedreht urib von links nach rechts in deutscher Schrift weiter geführt wurden, bis sich in der Mitte der Bücher die beiden Texte begegneten. Gewählt und wiedergewählt wurden die Herren Geh. Kommerzienrat Emil Jacob', Geh. Kommerzienrat Hermann Frenkel, Emil Pincus, Jsmar Hamburger, Dr. Eugen Hirschberg als Vorstandsmitglieder, und die Stellvertreter Salo C a s s i r e r , Siegfried Caro, Georg L a ch m a n n , Paul Langer, Dr. I. L e v h und Artur Z a m o r g. Die Versammlung schloß, wie stets, mit den von Herrn Emil Ury dem Vorstand ausgesprochenen warmen Dankesworten. 2/D Berlin, 7. 2lpril. Die diesjährige Generalversammlung des Hilssvereins der deutschen Juden, mit der das zehnte Jahr der Tätigkeit des Hilssvereins zum Abschluß gelangt, findet Sonntag, 14. April im Logenhaus der Logen U. O. B. B., Kleiststraße 10 (nicht, wie früher gemeldet, im Saal der Gesellschaft der Freunde, Potsdamer Straße 9) statt. Herr Dr. James Simon und Herr Dr. Paul Nathan werden den Bericht für das Jahr 1911 erstatten und Zugleich eine Uebersicht über die zehnjährige Wirksamkeit des Vereins geben. Berlin, 10 April. Die israelitische Synagoge n- Gemeinde (Adaß Jsroel) zu Berlin unterhält neben der Religionsschule in der Gipsstraße 23 a noch eine zweite in Charlottenburg, Bleibtreustraße 43. Wie aus dem uns Zugegangenen Bericht über das : Schuljahr 1911/12 ersichtlich ist, wurde im Berichtsjahre: die Schule in der Gipsstraße von 465 Kindern besucht, und zwar von 268 Knaben und 197 Mädchen. Auf die profanen Schulen verteilten sich die Schüler