Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 76 (1912)
- Issue
- Heft 15 (12.4.1912)
- Date
- 1912-04-12
- Page
- Seite 180 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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Bänden abgedruckte Selbstbiographie,- die -freilich nur von der Jugend von Karl Philipp'Moritz erzählt,- von seiner inneren -Entwicklung, seinen Versuchen, als Schauspieler zu glänzen — er kam aber kaum über das Schauspielerelend hinaus —, sind von höchstem psychologischen Interesse und . von großem novellistischen Reiz.. Moritz', mythologische und sprachliche Werke sind heute ebenso veraltet wie' seine eigentümliche mystische Philosophie, aber seine ästhetischen und prosodischen Studien, denen Goethe viel verdankte — Goethe, der dem Armen in Italien wie ein Lichtspender erschien — und die vorliegende Selbstl'iographie machen ihn heute noch zu einer markanten Erscheinung des 18. Jahrhunderts. In unseren Kreisen verdient Moritz schon deshalb genannt zu werden, weil er ein Philosemit war, in jüdischen Kreisen viel verkehrte. Markus Herz hat über seine Krankfjett einen bemerkenswerten Aufsatz geschrieben. Henriette Herz gedenkt seines eigentümlichen Wesens und seiner merkwürdigen. Schicksale, besonders seiner tragikomischen Ehe: in einem anziehendem Kapitel ihrer Memoiren. Moritz hat auch Moses Mendelssohn gut gekannt, und das schöne Wort, daß er über den Weltweisen gesprochen: „Nie ist jemand ungebessert von ihm gegangen", ist uns nicht nur ein herrliches Zeugnis für Mendelssohns Wesen, sondern wirst auch einen verklärenden Schimmer aus den Armen, der sich nach der Sonne sehnte und im Dunkeln wandelte. L. G. * — (Stimmen aus Maria-Laach. Jahrgang 1911. 10. Heft.) Die d e u t s ch e L i t e r a t u r und die Juden von I. O v e r m a n s. Freiburg i. Br. 1911. Herdersche Verlagsbuchhandlung. Die Abhandlung des Jesuiten I. Overmans ist durchaus keine Behandlung des gewaltigen Themas, obwohl der Titel dies verheißt. Auch nicht einmal eine Darstellung des Themas in der neueren Zeit, obgleich der Verfasser mit Moses Mendelssohn beginnt. Vielmehr ist es im wesentlichen eine Rezension des 1910 von dem Wiener Studentenverein Bar-Kochba zur Feier seines 25. Semesters herausgegebenen jüdischen Almanachs. Dieser Besprechung gehen ein paar allgemeine Bemerkungen voraus. Der Standpunkt des Rezensenten geht am klarsten aus dem Satze hervor: „Man kann von den antisemitischen Uebertreibungen eines Adolf Bartels und erst recht von dem unwissenschaftlichen und unchristlichen Rassenfanatismus eines Houston Stewart Chamberlain sehr weit entfernt sein und doch entschieden festhalten, daß unserer Literatur das jüdische Element nicht zum Segen gereicht." Aber zum Beweise dieses nach meiner Ueberzeugung völlig falschen Satzes wird so gut wie gar nichts vorgebracht. Denn der Hinweis auf den Reichtum der Juden genügt nicht, da in keiner Weise bewiesen wird, auch nicht zu beweisen ist, daß jüdische Schriftsteller, die ja zumeist aus Armenkreisen entstammen und durchaus nicht alle Krösusse werden, die Macht des Geldes ausschließlich oder auch nur hauptsächlich preisen. Auch über die dem deutschen Wesen feindliche Schärfe der jüdischen Kritik werden nur recht landläufige Dinge vorgebracht. Darum kann die ganze Abhandlung keineswegs als eine sachgemäße Darlegung des wichtigen Themas gelten. L. G. Liicheremlsuk. Besprechung der Bücher Vorbehalten. Zurücksendung der Bücher findet in keinem Falle statt. Reines Menschentum, von August v. Reinhardt, Berlin, Verlag von Alfred Unger, 3. Ausl., Berlin 1911. Lazarusstudien, von Alfred Leicht, Meißen, Druck von C. E. Klinkicht u. Sohn. Philanthropin, Realschule und Lyzeum der israelitischen Gemeinde zu Frankfurt a. M. Programm Ostern 1912. Inhalt: Schulnachrichten. Von Direktor S. Adler. Eingefügt ist der Bericht des Oberlehrers Prof. Dr. Ferd. Michel über die Jahrhundertfeier der Emanzipation der jüdischen Bewohner Frankfurts. Frankfurt a. M., Druck von Kumpf u. Reis, 1912. Freie Jüdische Lehrerstimme, Wien, 15. März 1912. Nummer 1, 1. Jahrgang. Das Beranek-Shstem von Emanuel Beranek, Verlag E. Beranek, Wien 8. Druck von Schneider u. Lux, G. m. b. H., Wien 5. Achtzehnter Jahresbericht pro 1911 des Vereins für jüdische Krankenpflegerinnen in Berlin, gegründet 1894. Schwesternheim Auguststraße 17. Dem Andenken weil. Bela Güttmann, Oberkantors der israelitischen 'Kultusgemeinde Wien, geb. am 10. März 1872, gest. am 8. September 1911. Religionsschulen der Israelitischen Synagogen-Gemeinde (Adaß Jisroel) zu Berlin, 43. Bericht über das Schuljahr 1911/12. Berlin 1912. Druck von H. Jtzkowski, Auguststr. 69. Hosiannah dem Sohne Davids! von Constantia Wieland, kathos. Priester, 1912. Druck und Verlag von Theod. Lamport, Augsburg. Interessante Kriminalprozesse, von Hugo Friedlaender, eingeleitet von Justizrat Dr. Erich Sello, Band 6, Berlin, Hermann Barsdors Verlag, 1912. 3 Mark — 4 Mark. F. Seebaß, Eine. Sachfälligkeitserklärung Israels (Dibre Emeth, ein Vierteljahrsblatt für Israeliten und Freunde Israels, 1911, 67. Jahrgang, Nr. 3). F. Seebaß, Eine jüdische Anerkennung der Göttlichkeit des Christentums (Dibre Emeth Nr. 4). F. Seebaß, Zwei Anerkenntnisse der Göttlichkeit des Christentums durch jüdische Obere. (Sountagsblatt des „Reichsboten" Nr. 10, 12. März 1912.) The Jewish Review, Edited by Norman Bentwich and Dr. Joseph Hochman, Vol. II, No. 12, March 1912. London: Geo Routledg-e and Sons Ld., New-Yor.k: The Bloch Publishing Company. Seleeted Essays by Ahad Ha-’am, translated from the Hebrcw by Leon Simon, Philadelphia, the Jewish Publication society of America, 1912. Jüdische Skizzen, von Felix Perles. Leipzig, Verlag von Gustav Engel, 1912. Gehestet 4 Mark. Praktische Anleitung zur amerikanischen Buchführung, mit zahlreichen Beispielen und Bücherabschluß, von Max Lustig, kausmänn. Sachverständiger. Verlag: M. Vogel, Geschästsbücherfabrik, Frankfurt a. Main. Preis Mk. 1.50. Mitteilungen zur Jüdischen Volkskunde. Herausgegeben von Dr. M. Grunwald, Rabbiner der israelitischen Kultusgemeinde in Wien. 15. Jahrgang. 1. Hest. Wien 1912. Israel Wiesews Hauptgebete. 7. Ausl. Verlag von M. W. .Kaufmann, Leipzig 1912. Preis Mk. 1.25. Syrechsgal. n der im Verlage von Georg Wigand (Leipzig) erscheinenden neuen Zeitschrift: „Der Vortrupp" findet sich eine Arbeit des österreichischen Forschungsreisenden Mathias Zdarsky, aus der folgende Stelle (S. 106) die Leser der „Allg. Ztg. d. I." interessieren dürfte: „Wie imponierte mir ein Araber, mit dem ich in den wüsten Teilen des Atlas zusammentraf. Er wanderte von seinem Stamme zu einem anderen, mehrere Tagereisen weit. Seine ganze Verpflegung bestand in etwas Gerste, die er in einer, allerdings respektablen, Tasche seines Burnusses barg. ' Uls wir zu einer Quelle kamen, suchte eu allerlei verdorrtes Graswerk zusammen und machte aus einem großen, platten Stein ein Feuer an. Mit großer Geduld unterhielt er mit dem spärlichen Brennmaterial die Glut. Dazwischen nahm er immer eine Handvoll Gerste aus seiner Tasche und klopfte und zerrieb sie Zwischen zwei passenden Steinen zu Schrot. Dieses Schrotmehl sammelte er in einem Zipfel seines Burnusses. Als er davon genug hatte, schöpfte er mit der Hohlhand Wasser in den Burnuszipsel und rührte mit der Hand das Schrotmehl zu einem Teig. Dann Putzte er mit einem Grasbüschel die heiße Asche von dem Feuerstein und bestrich den heißen Feuerstein sehr dünn mit dem. Schrotteig, der sofort glasig und blasig verdorrte und mit der anderen Hand vom Stein abgezogen wurde. Das ging alles sehr schnell, und schon nach ein paar Minuten hatte er einen ganzen Stoß von papierdünnem gebackenen Teig zu seiner Mahlzeit." - Diese Schilderung bietet uns eine verblüffende ethnographische Erklärung für unsere Mazzoth. Dr. Kantorowicz, Hannover.