Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 76 (1912)
- Issue
- Heft 14 (5.4.1912)
- Date
- 1912-04-05
- Page
- Seite 4 (sequence 16)
- Language
- German
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eigens zu dieser Veranstaltung aus Berlin herbeigeeilt war, das Wort und sprach zunächst in äußerst aggressiver Weise gegen die Absonderungsbestrebungen der liberalen Jugendvereine, während er hingegen seiner Freude Ausdruck verlieh, daß die Orthodoxen und Zionisten endlich eingesehen hätten, daß das Festhalten am Neutralitätsprinzip in den Jugendvereinen unbedingt erforderlich sei. Des weiteren sprach der Redner über den Berliner Jugendbund (I. I- B.), dessen Auslösung er in der letzten Generalversammlung beantragt hatte, aber nicht die hierfür erforderliche Majorität erhalten hätte. Er werde nunmehr in den einzelnen Stadtteilen Berlins Jugendvereine gründen und glaube hoffen zu dürfen, daß durch die Dezentralisation in der Reichshauptstadt schließlich noch gesunde Zustände eintreten werden. — Hieraus wurde nach kurzer Debatte der bisherige Vorstand wiedergewählt. Der Nachmittag wurde mit Referaten über Verbandssragen ausgefüllt, von welchen nur der Vortrag des Herrn Paul Gottschalk (Köln): „Was sollen die Mädchen und Frauen in unserer Bewegung?" besondere Erwähnung verdient. Der Redner betonte, daß es in Deutschland 60 000 erwerbstätige Frauen gebe, die zur Mitarbeit herangezogen werden müßten. Dieselben sollen in den bestehenden Jugendvereinen Aufnahme finden, während er gesonderte Vereine für das weibliche Geschlecht nicht für opportun erachte. Der Verbandstag fand seinen Abschluß in einer Festveranstaltung, in welcher u. a. Rabbiner Dr. Frank, Dr. Rosenthal und Dr. Apfel zu Worte kamen. — — Weimar, 29. März. Das Amtsblatt der weimarischen Regierung, die „ W e i m a r e r Z e i t u n g ", hat in den letzten Monaten wiederholt Anlaß zu öffentlicher Kritik wegen seiner ausgesprochenen antisemitischen Haltung gegeben. Jetzt haben die liberalen Parteien durch ihre Fraktionsgemeinschaft im Landtage die Regierung interpellieren lassen, was diese gegenüber der Tatsache, daß das Amtsblatt der Negierung zu einem antisemitischen Parteiblatte umgeändert. sei, zu tun gedenke. In Beantwortung der Anfrage mißbilligte die Regierung entschieden das in Form und Ton unqualisizierbare Verhalten des Amtsblattes und sprach auf das bestimmteste die Erwartung aus, daß künftig dem amtlichen Charakter auch im allgemeinen Zuschnitt des Blattes mehr Rechnung getragen werde. Y. Frankfurt a. M., 29. März. Der hiesige „Verein für jüdische Krankenpflegerinnen", der bekanntlich der älteste in ganz Deutschland ist, versendet soeben seinen 18. Jahresbericht. Durch den Heimgang der Herren Sally Löwe nick und Eduard Cohen hat der Vorstand im letzten/Jahre zwei Mitglieder verloren, die zu den unvergeßlichen Förderern der guten Sache zählen. Von Herrn Eduard Cohen ist dem Verein ein Legat von 20000 Mk. zugewandt worden, das dem Pensionsfonds der Schwestern zugewiesen wurde. . Zum Ersatz dieser hochverdienten, durch den Tod abberufenen Vorstandsmitglieder wurden in die Leitung die Herren Rudolf von Golds ch m i dt- Rothschild und Theodor Heinrich Schlesinger neu berufen, die die Wahl auch angenommen. haben. — Bei Beginn des neuen Geschäftsjahres 1910/11 waren 5 Lehrschwestern in der Ausbildungbegriffen, Laufe des Jahres 3 die staatliche Prüfung als Schwestern mit der nommen, von denen indessen 3 wieder ausschieden, da sie den Anforderungen dieses schweren Berufes doch nicht zu entsprechen vermochten. Von den hier noch verbleibenden 9 Lehrschwestern haben im Laufe des Jahres drei die staatliche Prüfung als Schwestern mit der Note 1 bestanden. Am Beginne des Geschäftsjahres hatte der Verein einen Bestand von 32 staatlich approbierten und geprüften Schwestern, eine von diesen schied, da sie sich verheiratete, aus, dazu traten die 3, die die Prüfung ablegten, so daß die Zahl der Schwestern sich insgesamt auf 34 belief, eine Z-ahl, wie sie der Verein bisher noch nie erreicht hatte. ■ Da die Anforderungen für die Privatpslege stetig gewachsen sind, mußten die Schwestern, die dem „Jüdischen Krankenhaus" in Basel, also im Auslande zur Verfügung gestellt waren, zurückberufen werden. Ebenso wurde die bisherige Gemeindepslege in Heilbronn und die Tätigkeit im jüdischen Krankeninstitut in Bad Neuenahr im Laufe des Jahres aufgegeben. Dagegen gelangte man nach langen Beratungen zu dem Entschlüsse, dein wiederholten dringenden Ansuchen des israelitischen Krankenhauses in Straßburg i. E. um Uebernahme seines gesamten Pflegedienstes zu entsprechen. Seit dem 1., Juli vorigen Jahres sind dort drei Schwestern des Vereins tätig, eine als Oberin. Ferner ist dem neu gegründeten Frankfurter Verband für Säuglingsfürforge für seine gemeinnützige Tätigkeit im Interesse der Stadt eine Schwester kostenlos zur Der- «Ile neue Unübertroffen in