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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1912-04-05 · Heft 14 (5.4.1912) · page 13

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
76 (1912)
Issue
Heft 14 (5.4.1912)
Date
1912-04-05
Page
– (sequence 13)
Language
German
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7S. Jahrgang Dkl ‘ “ Vellage zur „Allgemeinen Leitung deK Judentums. Sorrelpondrnrrn und Mackrichten. Deutschland. J. Berlin, 31. März. Der „Verein für jüdische Krankenpflegerinnen" hielt heute im Hause des Brüdervereins seine XIX. Generalversammlung ab. Dem vom Vorsitzenden Herrn Louis Sachs erstatteten Jahresbericht entnehmen wir, daß der Verein nach. achtzehnjähriger Wirksamkeit das neue Jahr mit 84 Schwestern und 13 Schülerinnen begonnen hat. Trotz einer Anzahl von Abgängen, die zum Teil durch Verheiratung von Schwestern, zum Teil aber auch aus anderen Ursachen erfolgten, ist die Schwesternzahl stetig gewachsen, an Meldungen von Schülern ist ein Mangel nicht hervorgetreten. Im Krankenhause der jüdischen Gemeinde ist wieder eine innere Frauenstation mit Schwestern des Vereins besetzt worden, desgleichen hat sich die Einstellung von zwei Schwestern als Gemeindeschwestern recht zufriedenstellend entwickelt. — Die staatliche Prüfung, der sich im Berichtsjahre 11 Schülerinnen unterzogen haben, wurde von allen Prüflingen mit dem Prädikat „sehr gut,, respektive „gut" bestanden. Das Vereinsdiplom konnte sechs Schwestern, die goldene Verdienstbrosche (für zehnjährige Zugehörigteit zum Verein) sieben Schwestern verliehen werden. In dankenswerter Weise erhielten die Schwestern des Vereins durch die Güte der königlichen Charitedirektion ihre Ausbildung in der Wöchnerinnen- und Säuglingspflege und einen besonderen Unterricht in der Massage durch den Oberarzt der königlichen Universitätsklinik für orthopädische Chirurgie, Herrn Dr. Peltesohn. Besonderer Dank gebühre aber auch den Herren ärztlichen Direktoren des Krankenhauses, den Assistenzärzten und der Oberin Rose Blau für die tadellose Ausbildung der Schwestern. Nach einem ausführlichen Bericht über die Tätigkeit der Schwestern fuhr der Vorsitzende fort: Die finanzielle Lage sei leider keine glanzende, alles in allem müsse man das Defizit auf 26 000 Mark bemessen, wenn man die Miete, die ja nicht zu zahlen war, hinzurechne. Man sei also arm, hilfsbedürftig. Die Zinsen, die eigentlich dem eisernen Fonds zugeführt werden müssen, seien zur Verwendung gelangt. Man weise vielfach aus das Vermögen des Vereins hin, um seinen „Reichtum" zu markieren,/ allein man vergißt, daß die Zeit, da man den Schwestern Pensionen werde zahlen müssen, immer näher rücke, außerdem wachsen die Ausgaben des Vereins andauernd und auch an eine Erhöhung der Gehälter werde man nicht vorüberkommen, da die Besoldung hinter, derjenigen in den städtischen Krankenanstalten zurückbleibe. Darum gelte es,neue Mitglieder zu werben und neue Gönner zu finden. Zum Schlüsse widmete Herr Louis-Sachs noch dem verblichenen Vorstandsmitglied und Lehrer der Krankenschwestern, Professor Dr. Senator, einen warmempfundenen Nachruf. Die Versammlung ehrt sein Andenken durch Erheben von den Sitzen. — Den Kassenbericht erstattet gleichfalls Herr Louis Sachs. Der Abschluß, der in Einnahmen und Ausgaben mit 83140,06 Mark balanciert, ist von den Kassenrevisoren geprüft und als richtig befunden worden. Die beantragte Entlastung wird debattelos erteilt und zu Kassenrevisoren die Herren Lach mann, Zamprh und Loewenwald wiedergewählt. Ebenso findet der neue Etat Pro 1912, der in Einnahmen und Ausgaben mit 79300 Mark abschließt, die einstimmige Annahme der Versammlung. Schließlich wurden die turnusmäßig ausscheidenden Vorstandsmitglieder Regierüngsrat Dr. Fritz Rathenau, Richard Sachs, Frau Rosa Sachs und Frau Dr. Frankl wieder- und an Stelle des verblichenenLerrn Geheimrat Professor Dr.. Senator Herr Professor Dr. Strauß vom jüdischen Krankenhaus neu gewählt.. Damit schloß die Generalversammlung, der sofort eine Sitzung des Vorstandes zum Zwecke der Konstituierung' folgte. Zum Vorsitzenden wurde wieder Herr Louis Sachs gewählt und auch sonst traten keinerlei. Veränderungen in der. Aemterverteilung ein. 8. Berlin, 31. März. Die letzte in der Reihe der Montags- Vorlesungen, die zum Besten des Stipendienfonds der „Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums" stattfanden, hielt am 18. d. M. Herr Dr. Sußnitzki, der liebenswürdigerweise für den vor einiger Zeit so plötzlich verstorbenen Züricher Privatdozenten Dr. Georg Caro eingetreten war. Das Thema lautete: „Die Juden und das Wirtschaftsleben." In der Einleitung gab der Redner der Ansicht Ausdruck, daß jeder, der sich mit dem gestellten Thema befassen wollte, bei Sombart anfangen müsse, der in seinem bekannten Buche „Die Juden und das Wirtschaftsleben zum ersten Male diese Frage aufgestellt und sie zum Problem erhoben ^hnt. Der Redner gab dann, ganz kurz einen U eberblick über die Gründe, die Sombart bewogen hatten, die These aufzustellen: Die Juden haben den Kapitalismus geschaffen. Und zwar führt Sombart erstens objektive Gründe an: Die Diaspora, die Fremdheit, das Halbbürgertum und der Reichtum des Juden. Dazu kommt als subjektives Moment ihre kapitalistische Gesinnung, die sich durch ihren Intellektualismus, Teleologismus und Energismus und schließlich auch durch ihren Mobilismus sich erworben haben. Alle dieseMomente zeigen sich am reinsten nachS.ombart in der jüdischen Religion, die der Professor der Nationalökonomie als eine reine Verstandesreligion darstellt. Dr. Sußnitzki unternahm es nun, in seinem Vortrage nachzuweisen, wie verkehrt Sombart alles darstellt, und wie er dazu gekommen, indem er falsch zitiert und sehr Wichtiges überhaupt nicht in den Kreis seiner Betrachtungen zieht, indem er die innere Religiosität, die allen Menschen gleichmäßig inuewohnt, mit der Religion, die sich in äußeren Handlungen kundgibt, und die bei allen Völkern verschieden ist, verwechselt, und auch nicht zwischen jüdischem Wesen und jüdischer Religion unterscheidet. Im zweiten Teile seiner Ausführungen beschäftigte sich der Redner mit der Frage nach den Ursachen, die die große Beteiligung der Juden am Kapitalismus, die ohne Zweifel vorhanden ist, bedingt haben. Und er kam zu dem Ergebnis, daß dies in der eigentümlichen Art der Juden, zu denken, begründet liegt. Der Arier denkt kompilatorifch-synthetisch, und das Produkt seines Denkens ist die Neuschöpfung; der Jude geht analytisch-kritisch vor und denkt konsequent bis zu Ende durch. Das gibt einen weiten Blick, und daher ist er zum Großkausmann geschaffen. Dr. Sußnitzki gab hierzu ein recht drastisches Beispiel aus der Wirklichkeit. Er zeigte, wie das Passage- 'kaufhaus in dem nördlichen Teile der Friedrichstraße, da in falscher Gegend begründet, eine verfehlte Spekulation, dagegen das bekannte Warenhaus von Tietz am Alexanderplatz ein Geniestreich sei, da die Lage mitten in der City hervorragend sei. Im Schlüsse seines überaus klaren und in das Wesen der Materie tief eindringenden Vortrages, den er mit vielen geistreichen Beispielen recht zu würzen verstand, gab er der Hoffnung Ausdruck, daß die Juden vermöge ihrer Weitsichtigkeit auch die. Schäden, die der Kapitalismus trotz , vieler VorzügeJn enormem Maße hervorgebracht hat, erkennen und Mittel zu ihrer Bekämpfung finden werden. Das gespannt lauschende Publikum lohnte mit freundlichem. Beifall. 22 Berlin, 29. März. Am 23. d. M. fand im Zweiten Verwaltungsgebäude der Jüdischen Gemeinde die „Ordentliche Mitgliederversammlung" des Vereins der Beamten der Jüd. Gemeinde statt. Der Verein übt satzungsgemäß seine Tätigkeit im Sinne der Verbesserung der materiellen und sozialen Verhältnisse seiner Mitglieder aus und gewährt diesen, soweit sie Spareinlagen machen, eventuell zinsfreie Darlehen. Nachdem der Vorsitzende, der Rendant und die Revisoren ihre Berichte erstattet hatten, wurde dem Vorstande Entlastung erteilt. In den Vorstand für das Wahljahr 1912/13 wurden sodann gewählt: Herr Nathan Cohn als Vorsitzender, Herr Bruno Silberberg als stellv. Vorsitzender, Herr Wilh. R a w a ck als Kassensührer, Herr Emil G o l d st e in als Rendant, Herr Albert Schwarz als Schriftführer, Herr' I. C a s p e r und Herr I. Schmelz als Beisitzer. Zu Revisoren wurden die Herren S. Loewenthal und P. R u b e n s o h n gewählt. L/D Berlin, 29. März. Der Jsraelitische-Frauenunterstützungs-V er ein hielt am 21. d. M. seine ordentliche Generalversammlung ab. Die Vorsitzende des Vereins, Frau Henriet.teMay, berichtete über die 30jähr. Tätigkeit des Vereins und zeigte in einem längeren Referate, wie die Tätigkeit der jüdischen Frau, die von jeher die Gebote der Nächstenliebe im engsten Kreise ausgeführt hatte, nach der Emanzipation der deutschen Juden

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