Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 76 (1912)
- Issue
- Heft 14 (5.4.1912)
- Date
- 1912-04-05
- Page
- Seite 168 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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und das; wir es mit einem Verfasser zu tun haben, der nicht für seine eigerie Ehre eifert, sondern für die Ehre Gottes, so wird man ihm manche Entgleisung zugute halten müssen. Von einer heiligen Liebesglut zu Israels Monotheismus erfüllt, schwingt er die Geißel der Entrüstung, der Satire, der Ironie und des beißendsten Witzes gegen denjenigen, der das Heiligste Israels, das sich so segensreich in der Geschichte der Kulturvölker erwiesen, in der verinessensten Weise entweiht. Als Stilprobe möge folgendes dienen: „Nicht bloß weit hinten in Asien, nicht nur im dunkelsten Afrika, sondern allch in der Metropole der Intelligenz, an den Ufern der Spree wird das alte babylonische Heidentum mit großen Worten der Welt verkündet. Wie einst die Priester in Assur und Babylon hebt unser Apostel, der große Assyriologe Friedr. Delitzsch, ein babylonisches Götzenbild aus Tonerde empor und ruft dem Volke zu: „Sehet diesen 'Marduk, diesen Gott in Majestät und Glorie strahlend! Und laßt euch von diesen Juden mit ihrer Idee von Jahve, von dem einen und bildlosen Gotte, dem Schöpfer der Welt nicht beirren. Auch Marduk, der Sohn des Gottes Eva, der Urenkel der Drachen-Göttermutter Tiamat und Vater des hochverehrten Gottes Nebo, auch er ist Jahve gleich, er hat seine Urgroßmutter in zwei gleiche Teile zerschnitten und aus denselben Himmel und Erde geschaffen. Dieser Marduk kann uns als Gott nicht unsympathisch sein, er ist allmächtig und geht ganz in Erbarmen auf. Er ist das Licht der Wahrheit, er erhört die Gebete der Menschen, und mit seinem Zauberkräftigen Speichel spukt er auf die Toten und sie werden wieder lebendig." Da der Raum dieser Zeitung es nicht gestattet, auf einzelnes näher einzugehen, so verweise ich nur noch ganz besonders auf S. 63 ff. Delitzschs babylonischer Katechismus, S. 11t, der babylonische Samariter und der Jesus der Babylonier. Nicht minder wichtig sind die Beilagen. Nur in eine m Satze hat der Zorn des Verfassers die Grenze des Erlaubten fast überschritten. Er hätte für seine subjektive Ansicht, daß der Gottesname Jahve für die Juden bedeutungslos sei, eine andere Form sinden können,' als: „Für die Juden ist Jahve Hekuba" usw. Hoffentlich wird die nächste Auflage, die das Buch verdient, dieses Monstrum nicht bringen. > So sei denn Dr. Klügers Buch, das sich als Mahnruf an das deutsche Volk wendet, zunächst den Lesern dieses Blattes em?- pfohlen. Ganz besonders aber möchte ich es der studierenden Jugend empfehlen. Das hier zusammengestellte Material dürfte genügen, um sich rasch über die Bibel- und Babelsrage zu orientieren und um Interesse für weitere Studien zu erwecken. Die Ausstattung des Buches ist gut. Für die nächste Auflage sind Inhaltsverzeichnis und Register zu wünschen. G. Klein. . Lücherkiliisuk. Besprechung der Bücher Vorbehalten. Zurücksendung der Bücher findet in keinem Falle ftät^t. Einiges zur jüdischen Fleischhygiene. Vortrag, gehalten mif der Internationalen Hygiene-Ausstellung zu Dresden von Dr. med. Kallner (Spandau). Berlin 1912, Verlag des Zentralvereins deutscher ' Staatsbürger jüdischen Glaubens, Berlin SW 68, Lindenstraße 13. Die Rvsenkreuzer, ihre Gebräuche und Mysterien von H. Jennigs. Mit zirka 300 Illustrationen und 12 Tafeln. Erster und zweiter Band. 1912, Verlag Hermann Barsdors, Berlin W 30. Dokumente zur Emanzipation der Juden. Vier Reden von Th. B. Macaulay, Gabriel Rießer, Suter und Freiherrn Georg v. Vincke. Druck und Verlag von Otto Hendel, Halle a. S. Der Staatsbürger. Halbmonatsschrift für politische Bildung. Herausgeber: Prof. Dr. Hanns Dorn in München. Nr. 5, 1912 Verlag von Ernst Reinhardt in München und Leipzig. Freie Jüdische Lehrerstimme, Monatsschrift für die Pflege der Interessen des Judentums in Schule und Haus, Organ des „Oester. Israelit. Neligiouslehrerbundes". 1. Jahrgang, Nr. 1, Wien, 15. März 1912. : Predigt, gehalten bei der Trauerfeier für den Oberrabbiner Dr. Nathan Ehrenfeld S. A. am 7. Adar (25. Februar) 1912, im Tempel (Geistgasse) von Dr. Emanuel Schwartz, Prediger am Prager Tempel. Prag 1912, Verlag von Jakob B. Brandeis. : E Syrechsaal. Paritätische Schulen. achdem das Judentum zu den anerkannten Religionen im preußischen Staate gehört, sollte man meinen, daß unter p a r i t ä t i - sch e n Schulen solche verstanden werden, in denen katholische, evangelische und jüdische Schüler Zugleich unterrichtet werden und in denen in gleicher Weise auf das Judentum wie auf das Christentum Rücksicht genommen wird. Aber das ist leider nicht immer der-Fall. Es gibt sogar eingeführte Lesebücher für höhere Mädchenschulen, welche sich für jüdische Schülerinnen nicht vollständig eignen. Da kommt mir beispielsweise gerade in die Hand ein „Lehrbuch der Geschichte für höhere Mädchenschulen" von Professor Dr. Heinrich Christensen, und zwar das erste von den fünf Heften des Lehrbuchs, in welchem auf Seite 65 folgendes zu lesen ist: „Das griechisch-römische Heidentum hatte sich ausgelebt. Die Menschheit (!) suchte den wahren Gott .... Da sandte Gott seinen Sohn Jesum Christum, den Heiland der Welt, der von sich sagen konnte: ,Jch bin der Weg, die Wahrheit und das Leben'. Er ist der Mittelpunkt der Weltgeschichte; er brachte die Wahrheit, die das Altertum vergebens gesucht hatte, er lehrte besser "als Sokrates und besser als alle Gesetzgeber den Menschen ihre Pflichten. Nachdem seine Lehre durch den Kreuzestod besiegelt und durch die Auferstehung bestätigt war, wurde sie seit dem ersten Psingstfeste durch die Apostel und ihre Schüler im Morgenlande und im Abendlande verbreitet." — Es ist zweifellos eine unbegreifliche Zumutung, wenn verlangt wird, daß j ü d i s ch e Mädchen von 10 bis 12 Jahren lernen sollen, was selbst von christlichen Mädchen nicht gerade in der Geschichtsstunde, sondern nur in der Religionsstunde gelerm werden müßte, und man darf daher wohl annehmen, daß der Verfasser dieses Geschichtsbuches für paritätische Schulen nur an katholische und evangelische, nicht aber auch an jüdische Schülerinnen gedacht hat, zumal vom Judentum nicht mit einer Silbe dort die Rede ist, wo sie erwartet wird. Es kann und soll freilich auch in einem Geschichtsbuch für paritätische Schulen vom Christentum und Judentum die Rede fein, aber nur in erzählender Form und auf wissenschaftlicher Grundlage, keineswegs in dem positiven bestimmten und religiösen Sinne des oben zitierten Passus. Es darf daher der Wunsch ausgesprochen werden, daß bei einer neuen Auflage das Kapitel über dos Christentum wesentlich geändert werden möge. Rabbiner Dr. Friedmann, Lublinitz. # nt. Gegensatz zu den Ausführungen des Herrn Dr. S. Feist bin ich der Ansicht, daß es höchst bedauerlich und ganz verkehrt wäre, wenn wir die deutsche Aussprache des Hebräischen durch die sogen, portugiesische ersetzen würden. Unsere Aussprache ist die ursprüngliche und viel richtiger als die portugiesische. Ich verweise in dieser Hinsicht auf meine Arbeit „Die Aussprache des Hebräischen" in der Festschrift z. E. des Rabb. Dr. Carlebach, Berlin 1910. Hier sei nur -kurz bemerkt: 1. Daß die Masforeten, denen wir unsere.Vokalzeichen verdanken, gleich uns p£p wie o gelesen haben, das unterliegt keinem Zweifel. D'as geben alle Grammatiker zu, mich Gefenius und Ewald. 2. Ebensowenig kann bezweifelt werden, daß das Hebräische ursprünglich, wie die anderen semitischen Dialekte, die Doppellaute au und ai besaß, und daß erst in nachbiblischer Zeit unter dem Einfluß der aramäischen Volkssprache im Kreise der Hellenisten sich aus au und ai die- Vokale ö und e entwickelten. Vgl. z. B. Nöldeke, Z.D.M.G. 32, 593. - 3. Für die portugiesische Aussprache sind und ganz überflüssig, wie Efodi richtig gesuhlt hat. Man beachte die eigentümliche Punktation in Zuckermandels Ausgabe der 8NL2HN, wo diese Vokale konsequent durch uns und ersetzt sind. 4. Um richtig nach der portugiesischen Methode lesen, besonders zwischen pftp und Fp^n 'p unterscheiden zu können, muß man erst eine gründliche Kenntnis der Sprache und Grammatik besitzen. Und selbst dann wird man oft im Zweifel sein, ob o oder a zu lesen ist. Ich erinnere nur an den Namen der nach deutscher und portugiesischer Aussprache Noomi zu lesen ist, aber vielfach von solchendie die deutsche Aussprache durch die portugiesische verbessern wollen, Naemi und Naami geschrieben wird. Dr. Cohn (Eschwege). -'s