Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 76 (1912)
- Issue
- Heft 14 (5.4.1912)
- Date
- 1912-04-05
- Page
- Seite 167 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3224737-3229015-3229030--68344-3280598- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Gehungert haben die Väter, Die Freiheit war ihr Lohn, Und jagst du nach wohligem Leben, Die Freiheit entflieht dir, mein Sohn. Die Väter brachen die Ketten . Und keuchten durch Wüstensand, Sie vergaßen Tod und Verderben Und gewannen der Freiheit Land. 1. Den Jungen. Es rollt dir durch die Adern,. Mein Sohn, der Väter Blut, Drum darfst du nicht verschachern Der Freiheit stolzes Gut. Und dürstet dich, trink Wasser! Kau mühsam trocken Brot! - Streck dich auf dürst'gem Lager Und trage Spott und Not! II. Buch Mose 13 Vers 8: Und du sollst deinem Sohne künden. Doch nimmer darf dich locken Mit Hellem Klang der Sold, Verschmähe Sklavenketten, Und wären sie von Gold! Frei muß er sein und bleiben. Der mut'gen Väter Nest S o feiere ihrer würdig. Mein Sohn, das Passahsest! ■ Die Blumen recken leise Die bunten Köpfchen empor. Die Vögel stimmen die Kehlen Emsig zum Frühlingschor. Der Sturm verkündet Freiheit Allem, was sestgebannt; Es rauschen die Wipfel der Bäume Willkommen dem Frühling im Land. Die Sonnenstrahlen scheuchen Die bangen Sorgen sacht, , Und's Herz durchzieht ein Ahnen Von kommender Frühlingspracht. 2. Den Alten. So zog einst auch den Vätern Ins Herz der Frühling ein. Mit Vogelfang und Knospen, Mit Sturm und Sonnenschein. Aus reckten sich die Leiber, Von Sklavenarbeit nratt. Hoch schlugen da die Herzen, Der Knechtesdemut satt. Und rings am Roten Meere Erdröhnte Freiheitssang, Und von der weiten Wüste Klirrt's hell wie Schwerterklang. Die damals so gesungen, Ihre Asche ist längst verstreut,' Doch braust in unsre Ohren Der Freiheitssang noch heub. Der Herr will keine Knechte, Fort jede Sklaverei! Noch drückt uns manche Fessel, Noch sind wir nicht ganz frei, Noch null man uns nicht geben Der Bürger volles Recht, Man speist uns äb — mit Worten So wie der Herr den Knecht. Der Frühlingssturm bricht nieder. Was schwach in Stamm und Mark, Doch wer ihm beut dre Stirne, Den macht sein Odem stark. So laßt uns kraftvoll ringen Zu Boden der Knechtschaft Rest, Und strahlend steigt vom Himmel Der heillgen Freiheit Fest. Isidor B o r ch a r d t. Litersrilchr Mitteilungen. — Der Zusammenbru ch des Vatikans. Von Joses S o n n t a g. Frankfurt a. M. 1912. Neuer Frankfurter Verlag. G. m. b. H. Der Zusammenbruch des Vatikans. Die Herren Propheten machen sich die Sache wirklich sehr leicht. Wie oft ist namentlich auch in den jüngsten Tagen von dem Ende oder dem Untergange des Judentums geredet worden. Ebenso ertönen seit Jahrhunderten Prophezeihungen über den Untergang oder das Aufhören des Papsttums. Der sehr naive Verfasser unseres Schriftchens meint, die Unsittlichkeit einzelner italienischer Pfaffen bedeute oder kündige an das Aufhören der Priesterherrschaft. Hat er denn wirklich die italienischen Novellen und Chroniken von Boccaccio und Sacchetti an bis zum Ende des 16.' Jahrhunderts nicht gelesen? Dagegen erscheinen die Scandalosa, die hier im zehnten Kapitel zusammengestellt sind, als harmlose Anekdoten. Solange das Zentrum die herrschende Partei in Deutschland ist, und das bleibt sie auch nach diesen Wahlen, wenn man die Sozialdemokraten ausnimmt, kann trotz der Losreißung Frankreichs und Portugals, trotz des Wankens päpstlicher Autorität in Spanien und trotz der Irreligiosität und der Abneigung gegen die weltliche Herrschaft in Italien von einem Zusammenbruch des Vatikans wirklich nicht gesprochen werden. So wenig der wirklich aufgeklärte Religionsfreund es begreifen kann, daß nicht nur die Massen, sondern auch die gebildeten Katholiken an dem Papst sesthalten— unsere Wünsche und Hoffnungen bedeuten nichts oder herzlich wenig gegen eine Macht, die nun beinahe zwei Jahrtausende hindurch besteht. . Ob wir als Juden überhaupt wünschen müssen, daß das Papsttum aufhöre? Nicht nur die Erwägung, daß die Juden es manchmal unter den Päpsten sehr gut hatten, hindert uns daran, sondern auch die Erwägung, daß einer festgefügten Institution gegenüber der. Kampf leichter ist, als gegen eine Menge ohne Haupt und Führer. L. G. * Predigt, gehalten am fiebenten Tage des Pesachfestes von Herrn Rabb. Dr. Ho ch fe ld in Berlin, ver- I öfsentlicht vom Vorstand der „Hilfskasse" der Kantoren in Deutschland. Berlin 1912. Im Anschluß an das Bibelwort.- „Sie glaubten an den Ewigen und dann fangen Mose und die Kinder Israel" wird sehr fein und sinnig der Zusammenhang des Gesangs mit festlicher Erhebung und gottesdienstlicher Weihe auseinandergesetzt. Sehr wohltuend ° wirkt die straffe und klare Gliederung des, Stoffes, und die wohllautende und edle Sprache. Da die Predigt zu einem wohltätigen Zwecke gedruckt worden ist, so fei sie auch aus diesem Grunde bestens empfohlen. L. G. * — Friedrich Delitzsch, der Apostel' der neubabylonischen Religion. — Ein Mahnruf an das deutsche Volk. Von Dr. H e r m a n n Klüger, Breslau. Leipzig, Krüger & Eo. 1912. Wir haben es mit einer Streitschrift zu tun. Der Angreifer ist der bekannte Asshriologe Fr. Delitzsch. Diesem ist seine Wissenschaft nicht Selbstzweck, sondern nur Mittel, um den babylonischen Polytheismus zu verherrlichen und Israels Prophetenreligion zu profanieren. Darüber ist Dr. Klüger empört, und mit Recht empört/ Darum hat er sich in seinem Buche die Aufgabe gestellt, aus dem-reichen Material der assyrisch-babylonischen Inschriften zur Belehrung des Lesers in knapper Form „das Zusammenzustellen, was dort an religiösen Lehren und Vorschriften enthalten ist, um so die Ignoranz dieses neuen Apostels ans Licht zu ziehen und die Bibel, dieses göttliche Vermächtnis an die Menschheit, von dem babylonischen Schutte, mit dem dieser Gelehrte sie beworfen hat, zu reinigen." .— Daß der Verfasser dieser, Aufgabe vollauf gewachsen ist, ergibt sich aus jeder Seite seines Buches. Er geht so zuwege, daß er die Lehren der Babylonier, ihre Götterfabeln, die Berichte über Schöpfung, Sintflut u. a. aus einer Kolumne wiedergibt, während er auf einer dieser parallel laufenden Kolumne die Lehren der Bibel darstellt, „damit der Leser von der unwahren, völlig erfundenen Behauptung von Delitzsch: „Wie ist doch alles so gleich in Bibel ^und Babel" sich selber überzeugen kann." — lieber die Form ließe sich manches sagen. Zieht 'man aber in Betracht, daß es sich um eine Streitschrift handelt.