Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 76 (1912)
- Issue
- Heft 14 (5.4.1912)
- Date
- 1912-04-05
- Page
- Seite 161 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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jenes erhabene eheliche Glück, jene beispiellose Aufopferung seiner selbst, jene merkwürdige Selbstverleugnung zugunsten ihrer Kinder, jenes seltene Mitgefühl für alles Leiden und innige Teilnahme an dem Schicksal anderer, jenes stete Trachten nach einer Gelegenheit, anderen Helsen und nützen zu können — all dies und noch mehr werden und können wir in diesem Hause und Wohl nirgends mehr in diesem Grade wiedersinden." Eine schwere Zeit begann nun für den Alleingelassenen, der 7 Kinder zu ernähren und zu erziehen hatte. Nach schweren Kämpfen war er ein bekannter, ja berühmter Schriftsteller geworden. Seit dem Jahre 1849 hatte er begonnen in der „Urwählerzeitung", seit 1855 in der „Volkszeitung" Politische Artikel (Leitartikel) zu schreiben, die oft unter den größten Schwierigkeiten — mehrere Male mußte Bernstein ins Gefängnis wandern — in den gefahrvollen Zeiten der schlimmsten Reaktion Al. Sernttkin. Ein Gedenkblatt von Ludwig Geiger?) ron Bernstein ist am 6. April 1812 geboren. Ein Gelehrter hervorragenden Ranges, obgleich er niemals einen akademischen Grad erworben, ein Dichter von Gottes Gnaden, ein Schriftsteller von einer ungemeinen Vielseitigkeit, ein Mann, der dem Judentum außerordentliche Dienste geleistet hat. A. Bernstein ist in Danzig geboren. Seine Eltern waren schlichte Leute, der Vater Kaufmann, aber ein gelehrter Mann. Der Stolz der Familie war die Großmutter, die von „Schaul" abstammte, der nach einer weit verbreiteten, heute freilich abgetanen Sage einen Tag König von Polen gewesen sein soll. Sie und ihren Ausspruch: „Mein Kind ärgere dich nicht, wir sind von königlichem Geblüt", hat Bernstein in einer seiner Novellen verewigt. Lmanuel Wurm. Im 4. Jahre las Bernstein die hebräische Bibel, im 5. begann er seine Talmudstudien. Diese Art der Ausbildung setzte er später in Jnowrazlaw, dann in Fordon fort. Frühzeitig begann er zu schriftstellern. Er übersiedelte als Jüngling nach Berlin, wo er seine literarischen Arbeiten unter dem Pseudonym Rebenstein im „Gesellschafter" und sodann in anderen Berliner Wochenschriften veröffentlichte. Als 25 Jähriger verheiratete er sich mit einer heißgeliebten Frau. Die Gattin starb nach siebzehnjähriger glücklicher Ehe. Von allen, die sie gekannt hatten, wurde sie als das Ideal einer Frau gekennzeichnet. Bernstein selbst hat einmal seine Gattin (1853) mit folgenden Worten geschildert: „Mein Schnelläuserdasein begleitet Carolinchens ruhiger, ewig-sinniger, ewig-vorsorglicher, ewig-gleichmütiger und ewig-gleichtätiger Muttergang, eine ewig-durchsichtig klare Mutterseele, ein ewig-ebenmäßiges Mutterleben" und einer der zahlreichen Hausfreunde hat unmittelbar nach dem Tode der Frau (1854) über die. Treffliche geschrieben: „Wir Freunde vermissen nur zuviel; wir vermissen die unaussprechliche mütterliche Liebe, *) Zu der folgenden Skizze habe ich außer dem gedruckten Marerial einzelne Briefe und die als'Manuskript gedruckte „Zum 6. April 1912", von einer Tochter Bernsteins geschriebene Gedenkschrift benutzen können. Georg Davidsohn. geschrieben, unendlich viel zur Stärkung der liberalen Partei beigetragen haben. Dieser Tätigkeit blieb er fast bis zu Ende seines Lebens treu. Betrachtungen der Ereignisse des Tages wechselten mit historischen Rückblicken, mit naturwissenschaftlichen Darlegungen, mit wissenschaftlichen Auseinandersetzungen. Am 12. Februar 1884 ist er nach vielen schweren Leiden, auch nach manchen eigenartigen widrigen Schicksalen, die hier im einzelnen nicht berührt werden sollen, gestorben. Aron Bernstein war ein Mann von ungemeiner Vielseitigkeit. Außer der journalistischen Tagesarbeit, die manchen . anderen völlig in Anspruch genommen hätte, war er auch auf praktischen Gebieten tätig, plante Erfindungen, insbesondere auf dem Gebiete der Photographie und Telegraphie, die aber trotz mancher geschickter Neuerungen und genialer Einfälle doch nicht die Resultate erlangten, die Bernstein erhofft hatte. Was er praktisch nicht leisten konnte, tat er als Schriftsteller. Er wurde der populäre Klassiker der Naturwissenschaft. In seinen „naturwissenschaftlichen Volksbüchern" hat er die Entdeckungen anderer auf mannigfachen Gebieten der Naturwissenschaften sinnig begleitet, durch selbständige Forschungen und praktische Versuche die großen Leistungen der Zeit bereichert und in einer höchst anziehenden, niemals in Banalität ausartenden Darstellungsweise die großen Massen zum Verständnis weltbewegender Lehren erzogen. Außer Dr. Ludwig Frank, Mannheim.