Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 76 (1912)
- Issue
- Heft 14 (5.4.1912)
- Date
- 1912-04-05
- Page
- Seite 160 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3224737-3229015-3229030--68337-3280591- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
-'V-^5#-bm am 16; August 1875 in Freiburg i. Brg. geboren. Ich besuchte die-.Volksschule in Freiburg und Landau (Pfalz) , und die Gymnasien in Landau i. Pfalz und Bruchsal. Während meines Universitätsstudiums "war ich Mitglied der Verbindungen im K. C. Vadenia in Heidelberg, Licaria in München und der Freiburgia in Freiburg i. Brg. Ich hatte mich diesen Verbindungen angeschlossen und für sie gearbeitet, weil ich schon als Student der Auffassung war, daß der Kamps gegen den Antisemitismus Pflicht eines selbstbewußten deutschen Studenten jüdischer Konfession sein mützte. Ich habe auch die in den Verbindungen im K. C. geleistete Erziehungsarbeit als wertvoll erkannt. Nach beendigtem Staatsexamen promovierte ich in Freiburg' i. Bd. und war dann badischer Rechtspraktikant. Seit 1901 bin ich Rechtsanwalt in Karlsruhe und seit dem Jahre 1909 ehrenamtlicher Stadtrat. Ich bin Expräsioent der Carl-Friedrich-Loge U. O. B. B. und im Vorstand des badischen Landesverbandes des Vereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens. Unter Ablehnung zionistischer Anschauungen erblicke ich im deutschen Judentum eine historisch gewordene Gemeinschaft, die dem deutschen Volksganzen wertvolle Dienste geleistet hat und wertvolle Dienste leistet. Das deutsche Judentum darf nicht aus Gründen des Rechts und der Gerechtigkeit, sondern auf Grund seiner wertvollen wirtschaftlichen Leistungen die endliche Durchführung der Gleichberechtigung in der Praxis verlangen. Ehrenpflicht eines jeden deutschen Juden ist es, gerade im Hinblick auf die mannigfachen Kränkungen und Zurücksetzungen, nicht nur die Zugehörigkeit zum Judentum zu bewahren, sondern für seine Gleichberechtigung und soziale Hebung zu arbeiten." Dr. L. Haas. II. Jüdisch e Mitglied er d er sozialdemokratischen Par tei. G e o r gDavidsohn, Schriftsteller, Redakteur der Zeitschrift „Der abstinente Arbeiter", geboren 20. August 1872 in G.nesen; übersiedelte 1878 mit seinen Eltern nach Berlin, besuchte drei. Jahre die (damals sogenannte Hocwitzsche) jüdische Gemeindeknabenschule, später Gymnasium und Universität Berlin (Philosophie, neuere Sprachen, Kunst- und Literaturgeschichte usw.); war als Student als Privatlehrer, Uebersetzer und.Mitarbeiter an Zeitungen und Zeitschriften tätig; seit 1903 Schriftleiter der Zeitschrift „Der mbstinente Arbeiter", 1905 bis 1910 Redakteur am „Vorwärts", davon neun Monate verantwortlich und in diese r Tätigkeit des öfteren wegen „Preßvergehen" mit Geldstrafen belegt. 1911 Korrespondent des Brüsseler „Peuple", 1912 als Vertreter der sozialdemokratischen Partei im Reichstagswahlkreis Grünberg- Freystadt gewählt. Letzte größere Publikation (Broschüre) 1910: „Das Braukapital und seine Knappen" (Verlag Deutscher Arbeiter-Abstinenten-Bund, Berlin, Engelufer 19).. Genügte der Militärpflicht 1897/1898 beim zweiten Grenadierregiment zu Stettin. . „Von den Riten- Dogmen und allen Ae u ß e r l t d) t e 11 e rt des Judentums habe ich mich längst losgelöst. Den Austritt vollziehe ich nicht angesichts des wüsten und.des verkappten Antisemitismus, der mir die Solidarität mit den zu Reichs¬ und Staatsbürgern zweiter Klasse gemachten Juden zur Pflicht macht. Innerlich jedenfalls bin ich konfessionslos." D r. F r a n k i n M a n n. h e i m. „Ich bin am 23. Mai 1874 in Nonnenweier in Baden geboren. Seit 1900 bin ich Rechtsanwalt in Mannheim., Dem badischen Landtage gehöre ich seit 1905, dem Reichstage seit 1907 an." Eman u el Wurm, geboren 16. September 1857 zu Breslau,' Sohn des Kaufmanns Pincus Wurm, der 1834 das erste „Israelitische Handlungsdiener- Jnstitut" zu -Breslau begründete (seit 1867: Breslauer Handlungsdiener-Jnstitut. „Ich besuchte in Breslau und Berlin das Gymnasium, studierte 1876—1880 an der Universität in Breslau Naturwissenschaften, insbesondere Chemie, war von 1880 bis 1884 in Deutschland, Rußland und Oesterreich als Chemiker in der Spiritusindustrie tätig, dann in Deutschland als Schriftsteller, Redakteur und Politiker. 1888 habe ich in Dresden den Konsumverein „Vorwärts" begründet, den ich bis 1890 leitete (jetziger Umsatz 12 Millionen Mark), von 1890 bis 1893 war ich in Hannover Redakteur des sozialdemokratischen Tageblattes „Volkswille", 1894 bis 1898 Herausgeber und Ausarbeiter des fünfbändigen „Volkslexikon", Nachschlagebuch für sämtliche Wissenszweige. Seit 1902 bin ich Redakteur der in Stuttgart er s ch einend en wiss ens chaftlich en Wochenschrift der deutschen Sozialdemokratie, „Die Neue Zeit". Verfasser von: „Die Volks¬ und wie sie sein soll" (1888), im Lichte des Darwinismus" „Die Lebenshaltung der deutin s Russische übersetzt 1896), ernährung, wie sie ist „Die Naturerkenntnis (1888 3. Auflage 1892), scheu Arbeiter" , (1892; „Gesundheitsschutz in Staat und Familie" (1901), „Alkoholsrage und Sozialdemokratie" (1907; englische Ausgabe 1909), „Die Finanzgeschichte des Deutschen Reichs" (1910), „Die Alkoholgefahr und ihre Bekämpfung" (1912). Mitglied des N e i ch s t a g s für Neuß j. L. von 1890 bis 1906 und seit 1912. Mitglied der Berliner Stadtverordneten seit 1900. Stellvertretendes Mitglied des Zweckverbandes für Groß-Berlin seit 1912. Erster Vorsitzender des" Vereins Arbeiterpresse seit 1907. Meine Stellung zum Judentum: Obwohl ich als Anhänger der Entwicklungslehre mich nicht mehr zur mosaischen Religion bekennen kann, bin ich Mitglied der jüdischen Gemeinde geblieben, um nicht den Anschein zu erwecken, daß ich mich von ihren Mitgliedern lossage, weil diese — außerhalb meiner Partei — ihrer Abstammung wegen zurückgesetzt werden und minderen Rechtes sind."