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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1912-03-29 · Heft 13 (29.3.1912) · p. Seite 5

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
76 (1912)
Issue
Heft 13 (29.3.1912)
Date
1912-03-29
Page
Seite 5 (sequence 17)
Language
German
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5 - f i ■i ■A. Hannover, 25. März. Der Vorstaud der Simon schen Stiftung hat kürzlich beschlossen, die in Peine in der Errichtung begriffene' Lehrerbildungsanstalt' zu nennen: „Simonsches Seminar für Gartenbau und Handfertigkeit." Der Minister hat der Stiftung für die dort errichteten Obstpslanzungen eine Beihilfe von 600 Mark gewährt. Bekanntlich ist ja "auch das Grundstück, aus dem die Anstalt entsteht, ein staatliches. — Die Ausgaben der Simonschen Stiftung betrugen im Jahre 1911 rund 208 000 Mark. Hiervon entfallen 65 000 Mark aus Beteiligung an gemeinnützigen Unternehmungen, der Rest fast <30113 überwiegend aus Darlehn und Beihilfen, insbesondere für Berufsausbildung und zu Unterrichtszwecken. NuszlÄNd. z. Kiew, 22. März. Unsere Gemeinde unb mit ihr die gesamte russische Judenheit hat einen schweren, fast unersetzlichen Verlust zu beklagen. Am 18. d. M. ist Professor Dr. Mandel stamm nach längerem Leiden gestorben. Der Dahingeschiedene, der ein Alter von 72 Jahren erreicht hat, war eine der interessantesten Persönlichkeiten unter den intelligenten russischen Juden. Sein ganzes Leben, von der frühesten Jugend an, stand im Dienste des jüdischen Stammes, für dessen Hebung und Fortbildung er seine volle Kraft einsetzte. Professor Mandelstamm entstammte einer aus Hannover nach Kurland eingewanderten Familie. Die Brüder seines Vaters, Leon und Benjamin, erfreuten sich in der hebräischen Literatur eines klangvollen- Namens. Bis zum 10. Jahre besuchte Max Nt andelstamm das Cheder und erhielt von seinem Vater Unterricht in der deutschen und französischen Sprache. Mit 12 Jahren bezog er das Gymnasium in Wilna, wo er als Jude von seinen nichtjüdischen Mitschülern viel zu leiden hatte. Sechzehnjährig bezog er die Universität in Dorpat, lvo er sich dem medizinischen Studium widmete. Nach Absolvierung seiner Studien praktizierte er einige Jahre in Tschernigow und ging dann nach Berlin und Heidelberg, wo er sich zum Zwecke seiner Fortbildung mehrere Jahre aufhielt und einen Kreis von hochangesehenen Freunden und Verehrern erwarb. Daraus verlegte er sein Domizil nach Kiew, wo er sich au der Universität als Privatdozent für Augenheilkunde habilitierte, in welcher Eigenschaft er zwölf Jahre wirkte und zugleich viei^ Jahre als Direktor der Universitätsklinik tätig war. Als jedoch die Fakultät ihn zum Professor vorgeschlagen hatte, wurde er als Jude von der. Regierung nicht bestätigt. Mandelstamm verließ nun seine Lehrtätigkeit au der Universität und betätigte sich als freier Arzt, dessen Ruf als Augenspezialist bald in die entferntesten Winkel des Reiches gelangte. Als im Jahre 1881 in Südrußland die Judenverfolgungen ausbrachen, widmete Mandelstamm den Bedrängten und schwer Heimgesuchten seine ganze Kraft und seinen ganzen Einfluß. Er stellte sich an die Spitze des Komitees zur Unterstützung der Geplünderten und reiste wiederholt nach Petersburg, um eine geregelte Emigration aus Rußland in die Wege zu leiten. Zusammen mit Dr. P i n s k e r in Odessa und Professor S ch a p i r a in Heidelberg bemühte er sich, in Palästina ein Zentrum für die verfolgten Glaubensgenossen zu schassen. Schon die erste Versammlung der Zionsfreunde in Kattowitz ernannte ihn zum Ehrenmitglieds; er unterstützte später das Komitee der Chobebbe Zion in Odessa und wandte sich dann mit großem Eifer dem von Theodor Herzl propagierten Gedanken eines Judenstaates zu. Aus dem 7. Zionistenkongreß, als die Territorialisten sich vom Zionismus trennten, schloß sich Mandelstamm ihnen an und gründete zusammen mit Z a n g w i l l die „Jto". Ebenso gründete er nachher das Komitee zur Leitung der Emigranten nach Galveston und beharrte in dieser Tätigkeit bis zu seinen letzten Tagen. An dem gestern stattgehabten Leichenbegängnis beteiligten sich zirka 40 000 Menschen, sodaß eine große Menge von Polizisten und Studenten erforderlich war, um die Ordnung aufrecht zu erhalten. An seinem Grabe wurden nach seiner letztwilligen Bestimmmung keine Reden gehalten und keine Kränze niedergelegt. Die aus nichtjüdischen russischen Gesellschaftskreisen gesandten Kränze wurden im Sterbezimmer zurückbehalten. Unter den Beileidstelegrammen befindet sich auch eins'von Jacob Schiff aus New-York. Der berühmte Rechtsanwalt G rufender g aus Petersburg schreibt: „Ich weiß, daß alle Trostworte diesem Unglück gegenüber nutzlos sind. Die unhaltbaren Zustände Liorielnune einer tterrsebaktslciiebe. Gebrüder Hammer Hoflieferanten Seiner Majestät des Kaisers und - Königs BERLIN W 8 Mohrenstrasse 56 Telephon: Amt Zentrum, 685 5457 Moderne Küchen für Schlösser, Villen, Landsitze, Hotels, Restaurants, . Caf6s, Krankenhäuser und Kantinen. Wäscherei-, Warmwasseru. 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