Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1912-03-29 · Heft 13 (29.3.1912) · p. Seite 2

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
76 (1912)
Issue
Heft 13 (29.3.1912)
Date
1912-03-29
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3224737-3229015-3229029--68326-3280579
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

jährlich, ferner für die innere Einrichtung der Synagoge Fasanenstraße ein Betrag von 17 700 Mark, wobei Herr Geheimer Baurat Landsberg darauf — zur - gesl. Nachahmung — hinweist, daß einige Wohltäter Teppiche, silberne Leuchter usw. dankenswerterweife für die Synagoge gestiftet hätten. 'Bewilligt wurden'ferner zur Beköstigung der jüdischen Strafgefangenen in N aiv lisch — es kommen deren 13 in Frage — am Pässahsesie 130 Mark, dem Louisenstädtischen Brüderverein wird unter Ablehnung weiter gehender Anspr üche ein letztmaliger Extrazuschuß von 1000 Mark bewilligt unter der ausdrücklichen Bedingung, daß der Verein die Kosten für den Chor auf 2500 Mark pro Jahr reduziert und den Nachweis führt, -daß das Defizit gedeckt und das Chorpersonal entsprechend vermindert worden ist. — Zur Ausführung von '800 laufenden Metern Schwellenfundamenten auf dem Friedhof in Weißenfee werden antragsgemäß 8333 Mark zur Verfügung gestellt und der Neligionsgemeinde zu Charlottenburg für das Etatsjahr 1912/1913 eine Subvention in der bisherigen Höhe von J1 500 Mark bewilligt. Schließlich stimmte die Versammlung dem Vorstandsantrage zu: den Gemeindebeschluß betreffend die von Frau Jen n y OPP enh e i m und Frau Dr. Toni Abel - OPPen - h e i m im November 1911 gespendeten Beträge von je 300 Mark dahin abzuändern, daß diese Beträge nicht der Louis-Ostpenheim-Stiftung bei der Waifenkommission, sondern der gleichnamigen Stiftung beim Krankenhause überwiesen werden. — Das Jahresgehalt der Hilfsorganisten wird vom. 1. April ab auf die Dauer zunächst eines - Jahres von 300 Mark auf 400 Mark erhöht. Der Mietung des Saales des „Schwarzen Adler" in Schöneberg für die Jahre 1912 bis 1916 zur Veranstaltung von Jugendgottesdienst an den hohen Feiertagen stimmte die Versammlung zu und wählte schließlich noch Herrn Bankier Carl Chrambach zum Mitgliede des Schul- und Talmud - Thora - Vorstandes an Stelle des Herrn Julius Meyer. Die übrigen Gegenstände der Tagesordnung, darunter die definitive Wahl der Herren Dr. Marcus P etuch o w f ki-Berlin und Dr. Le o Bäck-Düsseldorf zu Rabbinern der jüdischen Gemeinde in Berlin, ~ wurden in nichtöffentlicher Sitzung erledigt. Berlin, 26. März. Das Zentralkomitee der Alliance Jfräälite Universelle in Paris versendet an die deutschen Komitees der A. J.U. /folgendes Rundschreiben: Sehr geehrter Herr! Im Anschluß an unser Rundschreiben vom 11. März beehren wir uns, Ihnen mitzuteilen, daß das Zentralkomitee in seiner ordentlichen Sitzung vom 20. März nachstehende Beschlüsse gefaßt hat, die Sie gütigst den Mitgliedern Ihres Komitees zur Kenntnis bringen wollen: 1. Diejenigen Komitees, die ihren Anschluß an das Landeskomitee, dessen Statut im Widerspruch mit den Statuten der Alliance steht, vollzogen haben oder vollziehen werden, gehören nicht zu den Komitees der Al liance.Jsrnetite Univ er selle. . 2. Wer seinen Beitrag . entweder direkt oder indirekt, an das Landeskomitee abführt, gehört nicht, zu den Mitgliedern der A l l i a n c e Jsraelite U n i ver - sel l e. 3. Tief entrüstet über die Gewalttaten des Herrn F u ch s und L and a u gegen die von dem Zentralkomitee mit der Leitung des .Deutschen Bureaus der Alliance Jsraelite U n i Verse l l e beauftragten Beamten beschließt das Zentralkomitee, die Alliancemitglieder aus em solches widerrechtliches Verhalten hinzuweisen. Mit vorzüglicher Hochachtung. Der . Präsident N.. Leven. Der Sekretär L. Bigart. - . Berlin, 26. März. Auch von. nachstehender Zuschrift glauben wir unseren geschätzten Lesern Kenntnis geben zu müssen: Nachdem die dem Deutschen Landeskomitee anwschlofsenen Lokal-' komitees die Wahlen zum Präsidium vollzogen hatten, ist das Deutsche Landeskomitee in der am 24. März in Berlin abgehaltenen Sitzung konstituiert worden. Znm Vorsitzenden wurde einstimmig Herr Justizrat Fuchs, Berlin, zu Stellvertretern die Herren Geheimer Medizinalrat Professor Dr Landau, Berlin, und Rabbiner Dr. Werner, München, zu Beisitzern die Herren Rabbiner Dr. Kopfstein, Beuthen, Rechtsanwalt Dr. Apfel, Cöln, Hermann Wittner, Leipzig und Justizrat Wolfs, Lissa, gewählt. Die Versammlung nahm von den; seitens des Zentralkomitees in Paris verbreiteten Rundschreiben Kenntnis und stellte einstimmig fest, daß die von Paris ausgestellten Behauptungen in dem Zirkular vom 12. März unrichtig und statutenwidrig seien. Die Satzungen des Deutschen Landeskomitees verstoßen keineswegs gegen die allgemeinen Alliance-Satzungen, und das Zentralkomitee in Paris hat keinerlei Recht, den Lokalkomitees oder Mitgliedern, die sich dem Landeskomitee anschließen, den Ausschluß anzudrohen. Ein Ausschluß aus. der Alliance kann nach den Statuten nur diejenigen treffen, die sich nicht mehr würdig' zeigen. Alliancemitglieder zu sein, daß aber Lokalkomilees und Mitglieder sich darum unwürdig erweisen, weil sie sich aus satzungsgemäßer Grundlage zu einer Landesorganisation' (Oomitö löxio'nnl) zusammenschließen, wird' wohl niemand behaupten wollen.' Tie Tagung 'des Deutschen Ländeskomitees tritt deshalb derartigen irreführenden Behauptungen der Pariser' Leitung mit aller . Entschiedenheit entgegen. Die Versammlung beschloß ferner unter- Darlegung der Verhältnisse in eine intensive Propaganda für die Alliance einzutreten, um den Mitgliederbestand in Deutschland weiter zu stärken. Der Vorstand wird mit den erforderlichen Maßnahmen beauftragt. Das Bureau des Deutschen Landeskomitees wird nunmehr unter Leitung des Herrn Redakteur Lazarus als Geschäftsführer in Berlin errichtet werden; Zuschriften sind vorläufig an die Adresse des Vorsitzenden, Herrn Justizrat Fuchs, Berlin, Potsdamer Straße 13, zu senden, Geldsendungen ausschließlich an das Bankhaus A. H. Heymann '•& Co.. Berlin NW 7, Unter den Linden 59, ans Konto des Schatzmeisters Gideon Heymann zu richten. Dem Deutschen Landeskomitee haben sich bisher 121 Lokalkomitees und Ortsgruppen mit über 7000 Mitgliedern angeschlossen. Weitere Beitrittserklärungen nimmt das Bureau oder der Vorsitzende entgegen. 8. I,. Berlin, 26. März. Der Verein für jüdische Gesch icht e und Li ter atu r hatte aus Dienstag, den 19. März zu einem Vortrage des Herrn Kapellmeisters Albert Keller mann, Berlin, über „Entwicklung der hebräischen Musik vom Mittelälter bis zur Gegenwart" eingeladen. Der Redner betonte die Verschiedenartigkeit zwischen der Entwicklung der sephardischen und der deutschen Synagogenmusik im Mittelalter. Die Juden in den sephardischen Ländern seien, in enger Gemeinschaft mit den Wirtsvölkern lebend, bald dazu gekommen, deren musikalische Gedanken und Weisen für den eigenen Gottesdienst zu adoptieren. Die synagogale Musik-der deutschen Juden dagegen hätte sich infolge des Ghettolebens und stetig wiederkehrender Judenverfolgungen unter dem Zeichen scharfen Gegensatzes und lebhafter Abneigung der Juden gegen alle, auch die musikalischen Einflüsse der andersgearteten Umgebung vollzogen Und desto strenger an die Traditionen ihrer Väter, der ersten jüdischen Einwanderer, und besonders der Priester mit ihrem kultuellen Sprechgesange angeknüpft. Jedoch sei an schriftlichen Denkmälern aus jener Entwicklungsstufe ein bedauerlicher Mangel. Erst Maharil habe die ersten Fixierungen vorgenommen. Der Vortrag kennzeichnete fernerhin die synagogal-musikalische Dürre des Resormationszeitalters, wie ihre Unterbrechung durch Salomou Rossi, wie die zeitweilige Alleinherrschaft der Steiger in den kantoralen Vorträgen, schließlich die Wechselbeziehungen zwischen jüdischer und deutscher' 'Musik (Wandermelodien, Haydn, Mozart) und würdigte eingehend die Verdienste der synagogälen Klassiker des 19. Jahrhunderts: Naumburg, Sulzer, Weintraube Deutsch, Lewandowski, ohne doch die Arbeit zeitgenössischer Komponisten zu vergessen. Der Vortrag gipfelte in der Mahnung, die ästhetischen und religiösen Werte der Musik für unseren Gottesdienst nichtzu unterschätzen, sondern in allen ihren Teilen zu pflegen, trete sie nun als kantoraler Vortrag, Chorgesang oder Gemeindelied aus. Die anregenden, von intimer Sachkenntnis mit tiefem persönlichen Interesse' getragenen Ausführungen fanden bei der zahlreich erschienenen Zuhörerschaft wohlverdienten, begeisterten Beifall, desgleichen die hervorragenden künstlerischen und stimmlichen Leistungen des Herrn Kantor Klein, der durch Gesänge von Nossi, Sulzer, Weintraub, Bauer u. a. den Abend schmückte und bereicherte. — Am 12. d. M. sprach im Verein für jüdische Geschichte und Literatur in der Aula der Knabenschule Große Hamburger Straße Herr Dr. Kluger aus Breslau über: „Biblische und babylonische Religion." Der Vortragende brachte nur einen Auszug aus seinem neuerschienenen Buche: Friedrich Delitzsch, der Apostel der neübabylonischen Religion. Delitzsch hatte in drei Vorträgen unter der Aufschrift: Babel und Bibel, die Behauptung von der Minderwertigkeit der Bibel gegenüber der babylonischen Religionslehre ansgestellt. Die Bibel s.ei nur ein Plagiat, und alle ihre Lehren und Erzählungen von der Schöpfung,, von Adam und Eva, von der Sintflut u, v. a. fänden sich bereits tausend'Jahre vor der Bibel in der Schatzkammer der babylonischen Keilinschriften. Ebenso enthalte'die: ausgeftmdene Gesetzgebung Hammuräbis bereits alle die großen ethischen Satzungen, die im Dekalog vorhanden 'seien. : Alles dieses behauptete D., aber er hütete sich wohl, für seine Behauptungen

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.