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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1912-03-22 · Heft 12 (22.3.1912) · p. Seite 144

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
76 (1912)
Issue
Heft 12 (22.3.1912)
Date
1912-03-22
Page
Seite 144 (sequence 12)
Language
German
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144 Kommentar und Uebersetzung liefern uns ein Zeugnis der lebhaften bibelexegetis.hen Tätigkeit, wie sie im 10. und 11. Jahrhundert unter den Juden in den Ländern deS Islam anläßlich 'der religiösen Streitigkeiten zwischen Rabbaniten und Karäern entfaltet wurde. Wenn auch in der hier zum erstenmal publizierten Arbeit eines der fruchtbarsten karäischen Schriftsteller des 10. Jahrhunderts Angriffe gegen die rabbinische Tradition nicht Vorkommen, so wirft dieses bibele^egetische Werk immerhin einige interessante Schlaglichter auf die damalige Zeitgeschichte, so daß seine Veröffentlichung nicht nur dem Arabisten, sondern auch dem Historiker willkommen sein wird. Einleitend behandelt der Herausgeber diese zeitgeschichtlich bedeutsamen Momente und gibt eine klare Charakteristik der Uebersetzungs- resp. Erklärungsweise Jefets. Nach karäischem Prinzip übersetzt auch dieser Autor ganz wortgetreu und erläutert den Text mit philologischer Nüchternheit. Nur dort, wo aus dem Text eine Andeutung für eine bevorstehende, von seinen zeitgenössischen Glaubensbrüdern sehnsüchtig herbeigewünsckte Aenderung der politischen Verhältnisse heranszulesen war, bedient er sich der allegorischen Auslegungsweise. Gut begründet hat Hirschfeld die Notwendigkeit der Annahme, daß die jüdisch-arabischen Werke Jefets von Anfang an in hebräischen Lettern geschrieben waren. Die gegenteilige Annahme, daß ursprünglich arabische Schriftzeichen zur Anwendung gelangten, die erst später hebräisch tran'kribiert wurden, sei schon aus dem Grunde zurückzuweisen, weil sich Jefet in seinen Kommentaren, auch in dem vorliegenden zu Nahum, ziemlich unzweideutig als politischen Gegner des abassidischen Kalifats bekannte, was er nur wagen durfte, wenn er seine Erklärungen durch die Anwendung hebräischer Schriftzeichen, ja zuweilen sogar durch den Uebergang vom Arabischen ins Hebräische, für Nichtjuden unleserlich machte. Für die eigenartige Vokalisation der hebräischen Textworte gibt Hirschfeld eine beachtens werte Erklärung. Danach lehren uns diese Vokalzeichen, die denen der Massora nicht immer entsprechen, wie das Hebräische im Munde eines Karäers geklungen hat. Nehmen wir noch hinzu, daß, wie der Herausgeber mit Recht bemerkt, auch die moderne Bibelforschung die Arbeit des Karäers Jefet ben Ali mit Nutzen verwenden kann so müssen wir in der vorliegenden Edition eine dankenswerte Bereicherung der jüdischen Wissenschaft erblicken und dürfen von dem Fleiße. und der Sachkenntnis Hirschfelds wohl noch weitere uns willkommene Gaben erwarten. I. Grünthal. * — A. H. He h manu. L e b e n s e r i n n e r u n g c n. Nach seiner Niederschrift im Aufträge seiner Kinder herausgegeben von Heinrich Loewe. Berlin, Eigentum der Familie. (Für den Buchhandel durch M. Poppelauers Buchhandlung, 1909.) Eine Kritik dieses Buches, das mir, obgleich schon vor fast drei Jahren erschienen, erst jetzt bekannt geworden ist, soll hier keineswegs geliefert werden. Denn das Werk ist eine Familienchronik und von ihrem ehrenwerten Verfasser, einem sehr hervorragenden Mitgliede der jüdischen Gemeinde, einem Manne alten Schlages, durchaus konservativ gesinnt, einem Mitbegründer der Adaß Jisroel-Gemeinde, ohne jede literarische Ambition verfaßt. Es bietet daher in erster Linie Material für die weitverzweigte Familiengeschichte, erst in zweiter und dritter Reihe Mitteilungen über die Geschichte der 'Berliner Gemeinde und das alte Berlin. Der Herausgeber hat über seine Tätigkeit in einem kurzen Vorwort berichtet. Er hat viel gekürzt, ändern durfte er naturgemäß nichts. Da er aber so vieles ausgelassen, hätte er die beiden über meinen Vater handelnden Stellen S. 267 und 387 ff. wohl nuslassen dürfen, denn was hier mitgeteilt wird, entspricht keineswegs der- Wahrheit, sondern ist aus lügnerischen Schmähschriften entnommen. Auch häßliche und nicht, immer der Wahrheit entsprechende Bemerkungen über I. Aub, den kürzlich verstorbenen Rabbiner Ungerleider, desgleichen über die Entstehung der Reformgemeinde und über die Gesellschaft der Freunde hätten ohne Schaden getilgt werden können. Meiner Auffassung nach wenigstens hätte ein Werk, das den sehr zahlreichen Mitgliedern der Familie eine liebe Erinnerung an ein wertes Haupt sein soll und in diesem Sinne gewiß Bedeutung besitzt, nur gewonnen, wenn derartige in Unmut geschriebene, zwar der Neberzeugung des Dersaffers entstammende, aber der geschichtlichen Wahrheit entbehrende Bemerkungen entfernt worden wären. L. G. * ■ ■ — Die Geschick)te von der Königin Esther. Verlag, des Bar-Kochba in Prag. Purim, das fröhliche Gedenkfest berechtigt, ja zwingt geradezu zur heiteren, Aussprache. Darum mag man das Büchlein, das ich leider nicht rechtzeitig anzeigen konnte, das aber seinen Reiz auch für das nächste Jahr beibehält, recht wohl empfehlen. In leicht verständlichen, müheloszu behaltenden Versen erzählt der Verfasser etwas frei, die Geschichte der Esther und begleitet die Erzählung abwechselnd in Prosa und in Versen mit . netten Bildchen. Ein für die Kinder höchst geeignetes Buch, an dem auch Erwachsene harmlose Freude haben mögen. L. G. löücheremlauk. Besprechung der Bücher Vorbehalten. Zurücksendung der Bücher findet in keinem Falle statt. Homiletische Zeitschrift, herausgegeben von Rabbiner Israel Nobel, Filehne. Filehne, den 1. Mürz 1912. Nr. 3, 1. Jahrgang. Philosophische Betrachtungelt, Fragmente aus dem literarischen Nachlaß von Gustav Levinsteiu. Berlin SW. 48, Verlag von Leonhard Simion Nf. 1912. Mitteilungen des Verbandes der jüdischen Jugendvereine Deutschlands. Berlin, 11. März 1912. Nr. 3, 3. Jahrgang. Veröffentlichungen des Bureaus für Statistik der Juden, Heft 8. Jüdisches Genossenschaftswesen in Rußland. Von Anselm Hillmann, Dr. der Staatswissenschaft. Berlin, Verlag des Bureaus für Statistik der Juden, 1911. Die Lese, Literarische Zeitung für das Deutsche Volk. Nr. 5 und 6. Februar 1912. Die Lese Verlag G. m. b. H., München. Gerneindeblatt der jüdischen Gemeinde zu Berlin. 2. Jahrgang. Nr. 2. Ost ultd West. Illustrierte Monatsschrift für das gesamte Judentum. Organ der Alliance Isra61ite Universelle. Februar. Heft 2, 12. Jahrgang. K. C. Blätter. Montsschrift der in Kartell-Convent vereinigten Korporationen. 2. Jahrgang. 1. Februar 1912. Nr. 5. Gedichte religiösen Inhalts von Anna Salzberger. Frankfurt a. M. Verlag von I. Kauffmann. 1912. Die Zurücksetzung der Juden an den Universitäten Deutschlands. Denkschrift, im Aufträge des Verbandes der deutschen Juden gefertigt von seinem ersten Schriftführer Justizrat Bernhard Breslauer. Berlin 1911. Druck von Berthold Levy, Berlin C. Karl Philipp Moritz, Anton Reiser. Ein psychologischer Romgn. Neu herausgegeben und eingeleitet von Dr. Fred B. Hardt, mit den vier Titelvignetten der Originalausgabe und zwei Porträtkupfern. Erster und zweiter Band, München und Leipzig 1911. Verlegt bei Georg Müller. Wegweiser für die Jugendliteratur, herausgegeben von der Großloge für Deutschland, redigiert von Dr. M. Spanier in Magdeburg. Jahrgang VII, 1912. Nr. 1/2. K. C. Blätter, 2. Jahrgang Nr. 6. Der Sabbath, 12. Jahrgang Nr. 1 und 2, Januar—Februar 1912. Monatsblatt zur Förderung der Sabbathheiligung im sozialen und wirtschaftlichen Leben der Gegenwart. Verlag: Jsr. Stellend ermittlnngs- und Versicherungsverein, Frankfurt a. M. Redaktiou: Dr. Ed. Biberfeld, Berlin. Letzte Nachrichten. Das „Berl. Tagebl." bringt unter der Aufschrift: „D i e Unterdrückung der Juden in Rußland" folgendes Telegramm aus Petersburg: In Kiew veranstaltet,die Polizei allnächtlich große Streifzüge, um die Juden, die wie in früheren Jahren zur Messe hier eingetroffen sind, ausfindig zu machen. In diesem Jahre geht die Polizei besonders scharf vor. Sie verlangt den Nachweis, daß die angereisten Juden Geschäfte bei der Meffe zu , erledigen haben, widrigenfalls sie verhaftet und ausgewiesen werden. In der vergangenen Woche sind über 800 Juden ausgewiesen worden.

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