Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 76 (1912)
- Issue
- Heft 12 (22.3.1912)
- Date
- 1912-03-22
- Page
- Seite 138 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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-dL'v k4e i neu un d - M i t t e l g eme dn d en , d en en ja die g anze Arb ei t und Tät'ig ke üt^br^' G'eur diu d ebnndes : fxJ i t 4 V I a h re n g:e w i b:m'e zu-wqhren. Sie 'behalten die überwiegende.Mehrheit., und sie fert bsvsollen durch einen der ihrigen, nicht, durch unbeteiligte Dritte aus -den-Mroßgemeinden, aus dem Gemeindetage vertreten sein. Dnmrt,sölü zugleich die sichere Gewähr für einen sachlichen und ersprießlichenVerlauf der Gemeindetage ge-; schaffen, und vermieden werdendaß sie, wie leider die letzten Tagungen zeigten, auf das würdelose . Niveau wüster und turbulenter Volksversammlungen herabsinken, die dem jüdischen Namen zur Unehre gereichen. Nur so ist die Möglichkeit einer ruhigen, durch.kein Parteigezänk gestörten Fortsetzung der segensreichen Arbeit des Gemeindebundes, .wie sie sich durch vier Jahrzehnte bewährt hat, gewährleistet. ' . .. Von vm Juden im Lrichstag, d. h. den Reichstagsabgeordneten jüdischen Bekenntnisses oder jüdischer Herkunft, wurde jüngst aus mehreren Anlässen seit langer Zeit wieder einmal öffentlich wie privat mannigfach gesprochen. Zunächst bei den Januar-Neuwahlen selbst. Es war da schon eine ebenso ausfällige wie gewiß erfreuliche Tatsache, daß zum erstenmal wieder eine bürgerliche Partei Israeliten als ernstliche Mandatsbewerber, und zwar, in sehr heiß umstrittenen Wahlkreisen zum Reichstage aufzustellen wagte, nachdem das preußische Abgeordnetenharis im Lause der letzten Jahre sogar eine ganze . Anzahl Juden unter die Mitglieder der Freisinnigen, jetzt Fortschrittlichen Volkspartei, vereinzelt auch der Nationalliberalen Partei eintreten sah (in Bayern, Sachsen, Hessen sind bürgerliche Abgeordnete jüdischer Konfession schon seit etlichen Jahren verschwunden, in den kleineren Bundesstaaten — außer Anhalt und Hansastädten — kaum je vorhanden gewesen, ein paar wohl im württembergischen und im badischen Landtag bei den Linksliberalen jetzt noch, die neue elsaß-lothringische Volksvertretung dagegen besitzt trotz der Menge und Bedeutung des dortigen jüdischen Bevölkerungsbestandteils als einzigen Repräsentanten nur den als offiziellen Vertreter des mosaischen Klerus in.die erste Kammer berufenen Oberrabbiner Urh von Straßburg). Die tatsächlich in der Stichwahl durchgedrungenen Abgeordneten der Fortschrittlichen Volkspartei Justizrat David Felix W a l d st e i n, Rechtsanwalt und Notar in Altona, für den fast rein evangelischen (über 98 Prozent), gleichsam „judenreinen" Wahlkreis Schleswig-Eckernförde und Dr. Ludwig Haas, Rechtsanwalt und Stadtrat in Karlsruhe, für den I konfessionell halbierten Wahlkreis Karlsruhe-Bruchsal — beide bezeichnen sich im Reichstagsalmanach als „israelitisch" > — haben geradezu glänzend äbgeschnitten. Waldstein, schon seit 1908 Mitglied des preußischen Abgeordnetenhauses, hat schon im ersten Wahlgang eine ungleich größere Stimmenzahl als alle seine christlichen Vorgänger auf sich vereinigt und ° den stets etwas unsichern Wahlkreis für seine Partei rühmlichst gehalten; Haas hat in einem ungemein erbitterten Wahlkampfe die badische Hauptstadt nach 14 Jahren in heißer Stichwahl der stegesstolzen Sozialdemokratie entrissen und dabei sogar noch die teils direkte, teils stillschweigende Förderung der Konservativen und eines fanatischen Ulträmontanis- Mus — sei die des letzteren auch nur ein „Gewehr bei Fuß!" gewesen — gefunden. Was aber das Wesentliche und Wichtigste: weder Waldstein in seinem fast rein protestantischen Schleswiger Wahlkreise noch Haas , in seinem von konfessionellen Gegensätzen arg durchwühlten mußten irgendwie über ernstliche antisemitische Angriffe klagen. Es scheint also -tatsächlich diese häßlichste Tendenz aus den Wirrnissen der deutschen inneren Politik allmählich aüsgeschaltet zu werden, .oder mindestens stark abzuflauen, wie ja auch der schreiende Mißerfolg des rabiaten judensresserischen Antisemitismus bei den diesmalgien Reichstagswahlen sonnenklar beweist. Allerdings, die Zeiten, da man im Deutschen Reichstage E d u a r d. Lasker, gelegentlich auch Dr. Ludwig B amb erger atemlos lauschte und dabei völlig vergaß, daß ein „Jude" sprach, sind Wohl unwiederbringlich dahin. Neben jenen zwei Juden innerhalb der Fraktion der Fortschrittlichen Volkspartei des neuen Deutschen Reichstages stehen nun noch fünf Juden, die, wie konservative, zentrümliche, agrarische Zeitungen auf Grund der Wahlergebnisse nachdrücklich und gleichsam mit Genugtuung seststellten, der sozialdemokratischen Partei 'zugehören. Diese Konstatierung erfolgte Mitte Februar, als die Redaktion von „Kürschners Deutschem Reichstag 1912—1917" aus dem Anhängebogen dieser Neuausgabe des kleinen praktischen Handbüchleins (60 Pfg.) den Tagesblättern einzelne statistische Angabenreihen zugänglich machte. Man erfuhr daselbst — was jetzt auf- Seite 44 im Ueberblick „Religionsverhältnisse" -zu lesen steht — -daß im Reichstage von 1903—1907 drei, in dem 1907 gewählten vier Juden saßen; dagegen ist dort bloß von den „Israeliten" (so die offizielle Rubrik) die politische Parteiangehörigkeit nicht ausgeschieden, ja vielmehr völlig unterdrückt. Man muß sie sich also selber zusammensuchen. Und da findet man denn bei den 110 Sozialdemokraten die fünf inkriminierten. Nämlich 1 die sturmerprobten Dr. Frank (Mannheim), Haase (Königsberg), Wurm (Reuß-Gera) und die parlamentarischen Neulinge Dr. Cohn (Nordhaufen) — dem konservative Bosheit und Wut zum Siege über den Freisinnsführer Dr. Wiemer verholfen haben soll — und D avidsohn (Grünberg-Freistadt), welch beide letzteren diese Wahlkreise zum ' erstenmal für ihre Partei gewonnen haben. Haase, Dr. Cohn, Dr. Frank bezeichnen sich in ihren Lebensabrissen als „jüd.", Davidsohn als „isr.", Wurm als „mos.". Der bekannte Abgeordnete Arthur Stadthagen (Niederbarnim), der in den früheren Reichstagsälmanachen sich als Israelit angab, erscheint nunmehr als religionslos, während der neue Vertreter Magdeburgs, Rechtsanwalt Otto Landsberg, konfessionslos ist. In Stichwahl gekommen sind mehrere Juden, so z. B. in Leipzig, dem alten Mittelpunkte des Antisemitismus, der sozialdemokratische Kaufmann Cohen. Als Kuriosum sei noch erwähnt, daß im rheinländischen Wahlkreise Mörs-Rees ein christlicher Staatsanwalt Dr. Rosenfeld als Nationalliberaler, im Fürstentum Schwarzburg-Sondershausen ein israelitischer Rechtsanwalt Dr. Rosenfeld als Sozialdemokrat in der Stichwahl unterlag, letzterer aber mit ungewöhnlichem ziffernmäßigen Erfolge. Es bedarf noch des kurzen Hinweises aus das merkwürdige Vorkommnis, daß bei der vielumstrittenen endgültigen Präsidentenwahl des neuen Reichstags am 8. März, und zwar wiederholt bei der Wahl der einzelnen Präsidenten, je eine Stimme auf die sämtlichen sozialdemokratischen Reichstagsabgeordneten sielen. Dabei haben aber einige der Urheber dieses „geistreichen" Scherzes — man dürfte sie in den Reihen der arg zusammengeschmolzenen antisemitischen Grüppchen (8 Mann Wirtschaftliche Vereinigung, 3 Mann Reform- Partei) kaum vergebens suchen — danebengehauen, indem sie, durch den Namen irregeleitet, z. B. den evangelischen Kreisrentmeisterssohn Dr. Ed. David (Mainz) ebenso für einen Juden hielten, wie sogar das größte und sonst bei weitem nobelste und auch duldsamste Zentrumsblatt, die „Kölnische Volkszeitung", den Eroberer der Residenz Potsdam, Dr. Karl Liebknecht, der in ihrem spöttischen Erguß über diese „Ehrung" der jüdischen Sozialdemokraten beim Entscheid über den Präsidiumswirrwarr unrechtmäßig den Neigen führen muß. . L. F. . -! 1