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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1912-03-22 · Heft 12 (22.3.1912) · p. Seite 135

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
76 (1912)
Issue
Heft 12 (22.3.1912)
Date
1912-03-22
Page
Seite 135 (sequence 3)
Language
German
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Verbindung mit der Zentrale Zu fein; jedem Lokalkomitee in- Deutschland blieb es seit Gründung der Alliance, llnbenommen, einem Bezirkskomitee, dem. es. sich nach der.geographischen.Lage hätte anschließen .können,, sich. anZuschließen oder mit der'.Zentrale direkt zu verkehren. - So wird es auch von jeher in anderen Ländern gehandhabt, zum Beispiel, in Belgien, wo, obgleich in Brüssel ein Bezirkskomitee besteht, das Komitee Antwerpen stets direkt und ausschließlich mit der Zentrale korrespondiert; in Ungarn, wo.in Budapest ein .Bezirkskomitee besteht, und . die Lokalkomitees Arad, Baja, Fünskirchen, Vukovar direkt mit uns verkehren und dergleichen mehr. Auch in der Türkei ist unter den .zahlreichen Lokalkomitees kein einziges dem Bezirkskomitee in Konstantinopel angeschlössen. 3. Artikel 20 der Statuten der A. I. U. lautet: „®te Bezirks- und Lvkalkomitees veranlassen und sammeln die Subskriptionen und führen deren Ertrag an die Kasse des Zentralkomitees ab." Aus dieser Bestimmung ergibt sich, daß kein Komitee über die bei ihm eingehenden Beiträge srei verfügen oder, aus eigenem Ermessen aus den bei ihm eingegangenen Mitteln Ausgaben für lokale oder allgemeine Zwecke veranlassen darf, ohne die Zustimmung des Zentralkomitees eingeholt zu haben. Es würde zur völligen Vernichtung des universellen Charakters der Alliance führen, wenn die Komitees in den einzelnen Ländern das Recht hätten, über die Verwendung der von ihnen gesammelten Beträge selbständig zu bestimmen. Nach wie vor muß vielmehr dem Zentralkomitee die alleinige Verfügung über die Mittel der Alliance zustehen. Wünscht ein Komitee Mittet zur Bestreitung besonderer Aufgaben im Sinne des Artikels I der Statuten der Alliance zu erhalten, so hat es das Zentralkomitee um Bewilligung des erforderlichen Betrages zu ersuchen, der dann nicht aus den lokalen Einnahmen, sondern aus den allgemeinen Mitteln der Alliance genommen wird. Jede Verletzung dieses Prinzips wäre eine Verneinung des Gedankens, in dem die Alliance gegründet und geleitet worden ist. Das Zentralkomitee kann daher nicht gestatten, daß eine Gruppe von Komitees, welche Bezeichnung sie auch führen mag, einen eigenen Etat aufstellt und sich die freie Verfügung über die bei ihnen eingehenden Betrüge beimißt. Das Statut des geplanten Landeskomitees steht also in den wesentlichsten Punkten im Widerspruch mit den Statuten der Alliance. Wer sich nach Maßgab'e dieses Statuts dem Landeskomitee anschließt, stellt sich damit außerhalb des Bodens der Alliance, diejenigen Komitees, welche ihre Beiträge an das Landeskomitee absühren werden, können nicht als Komitee der Alliance Israelite Universelle betrachtet werden. Mit tiefster Betrübnis sehen wir uns veranlaßt, eine so ernste Erklärung abzugeben, doch erachten wir es als unsere unabweisbare Pflicht, in den bedauerlicherweise herbeigesuhrten traurigen Zuständen die bewährten Freunde der Alliance in Deutschland über den wirklichen Sachverhalt und über die daraus entstehenden Folgen auszuklären." - ■; . . ' . * Die Hundertjahrfeier der Em au z ip ä t i o n d er I u d'e n in Preußen hat unendlich, viele Federn in Bewegung gesetzt. Farblose Blätter haben einfach die Entwicklung. .der Befreiung dargestellt, literarische" Zeitungen wiesen bisweilen mit Wärme hin auf das, was die Juden für Deutschland geleistet haben und sprachen die Hoffnung aus, daß das. aus dem Papiere Gewährte endlich zur Tat werde; der antisemitisch-konservativ-bündlerische Blätterwald ließ Hohn und Beschimpfungen hermederrauschen. Am schlimmsten'tat es Fritz B l e y in der Montagsbeilage der „Deutschen Tageszeitung", dessen Artikel schon durch seine Aufschrift: „Geht, sperrt sie wieder in die alten Gassen" seine.niedrige Tendenz verrät. Es freut uns, daß ein politisches Blatt, die „Freisinnige Zeitung" gegen diese Ungebühr auftritt, und wir geben gern dieser kräftigen Abwehr hier Raum. . Sie lautet: Was in diesem Anssatz an gemeinstem Radauantisemitismus geleistet wird, das sollte man im zwanzigsten Jahrhundert kaum für glaublich halten. Noch unglaublicher-ist es, daß sich der publizistische Vertreter des Bundes der Landwirte in seinen. Angriffen, aus die jüdische Religion mit einer-Leichtfertigkeit. sondergleichen über dre Tatsachen hinwegsetzt und alle Aufklärungen'lMd-Berichtigungen, die den herkömmlichsten antisemitischen Lügen zuteil..geworden..sind, einfach ignoriert. Da heißt es beispielsweise:. v „Deshalb, ist und bleibt es die oberste Pflicht eines jeden ernsten Schriftstellers und Politikers^ aus den unerhörten Schimpf hinzu-- weiseu, der. unsdamit angetan ist, daß man. die jüdisch-politische Ge- . meinschaft, die auf dem Talmud,fußt und abgesondert vom Leben der Wirtschaftsvölker bleiben will, als eine „jüdische Religion" staatlich anerkannt hat, obgleich der Staat nicht einmal hinreichend Kenntnis, ja man darf wohl sagen, gar keine Ahnung von ihren Lehren hat. Und daß man den Unterricht in dieser sogenannten „Religion" in hebräischer Sprache gestattet, was wiederum ausschließt,. daß der Staat von der dort gelehrten Religion auch nur einen- Schimmer erführt! -Schon der Hinweis «auf das Kol Nidre-Gebet, das alle von Juden gegen Andersgläubige geschworenen Eide. lösbar macht, -zeigt die Tragweite dieses verhängnisvollen Mißgriffs unserer Gesetzgebung. Die Steppemnoral, wie der Talmud sie gegenüber Nichtjuden, rechtfertigt, erklärt zur Genüge, warum diese Fremdart es auf allen Gebieten so leicht zu Erfolgen bringt, die dem Deutschen verwehrt sind." Kem Satz in diesem Gefasel, der nicht längst als.unrichtig machgewiesen ist! Aber dergleichen geniert, einen großen Geist nicht. Und welches sind die Erfolge der „Fremdärt"? Bley weiß --darüber zu berichten: - ' . ..,U : „Wenn man sich vergegenwärtigt, daß die Juden in der kurzen Zeit von 1869 bis heute nicht nur die Herrschaft über das ganze geistige deutsche Leben in Presse, Literatur, Theater, Wissenschaft und Kunst, sondern zugleich über Börse und Geldverkehr und den größten Teil der Warenerzeugung und des Warenverkehrs an sich gerissen haben, daß'sie die Drahtzieher des Reichstags sind und selbst an den höchsten Richterstellen über die unterjochten Deutschen Rocht sprechen, so wird man ohne weiteres erkennen, daß solche Erfolge nur mit Mitteln erreichbar waren, die der deutschen Art gänzlich versagt sind." Ist..sich der./bündlerische Journalist, der dies schrieb, wirklich nicht darüber klar geworden, daß er mit solchen Ausführungen den Juden eigentlich das höchste Lob spendet, das Deutschtum aber in Grund und Boden verurteilt? Wenn es tatsächlich so wäre, wie Bley schreibt, wenn also in der Tat innerhalb weniger Jahrzehnte ein^bis dahin vollständig unterdrücktes Bevölker.uklgssplitterchen von wenigen hunderttausend Mann die vielen Millionen der.Deutschen sich vollständig dienstbar gemacht hätte, dann wäre das eine.Leistung, die in der Weltgeschichte ohnegleichen' wäre und die Fähigkeiten des Unterdrückers in dem hellsten, den Charakter des Unterdrückten aber in dem traurigsten Lichte erscheinen ließe. Indessen, die Dinge liegen ganz anders, wie jederman weiß. Wie auch Fritz Bley weiß. Aber ihm paßt es nun einmal, nach Kräften Mißstimmung gegen das Judentum zu erzeugen und .sie für alles verantwortlich zu machen, woran die Unzufriedenen -- und wo gäbe es die nicht? — Anstoß nehmen. Und selbstverständlich ist das nicht eine persönliche Liebhaberei von ihm, sondern er bewegt sich dabei in dem Aktionsprogramm, das der Bund der Landwirte vorgezeichnet hat. Woher aber das Bestreben der Bündler, eine Renaissance des Radauantisemitlsmus herbeizusühren? Die Motive sind unschwer zu erkennen. Alle anderen Versuche, das wackelnde Fundament des Bundes zu stützen, sind mißlungen. Längst hat der größte Teil derjenigen Städter, die früher konservativ wählten, eingesehen, daß die Mittelstandssreundlichkeit der Agrarier nur eine schöne Redensart ist, die mit ihren mittelstandsfeindlichen Taten, der Gründung von großen genosfenschastlichen Warenhäusern und anderen kaufmännischen.-und gewerblichen Unternehmungen in krassem Widerspruch steht. - Allmählich beginnen auch die Bauern einzusehen, daß sie im Bunde der Landwirte weiter nichts darstellen sollen als Nullen, um dervorderen Ziffer, dem Junker, Bedeutung zu verschaffen. Sv flüchten nun die Führer des Bündlertmns zu dem letzten Hilfsmittel, mit dem sie ihre Macht wieder glauben stäbilieren zu können, zu dem Antisemitismus, der ihnen ja von Anfang an vertrant gewesen ist. . Aber die -Dinge haben sich-doch feit.-beu neunziger Jahren geändert. Die wüste Demagogie eines Ahlwardt und Grasen.Pückler hat schließlich ja nur Neugierige und Sensationslüsterne in die Volksversamml'ungen .gelockt. Abernachhaltige Spuren in der Bevölkerung hat sie nicht'hihterlässen, und.noch weniger wird das den Epigonen jener Radäumenschen beschieden.sein. Wie die Wähler über den Antisemitismus urkerleh, .haben die letzten Wahlen -deutlich.gezeigt: neben den anNseMtisch

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