Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 76 (1912)
- Issue
- Heft 11 (15.3.1912)
- Date
- 1912-03-15
- Page
- Seite 2 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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17. August 1750 von Friedrich dem Großen bestätigt und ''erweitert wurde. Unter ihrst war das Leben der Juden in gewissem Umfange ein leidliches. Der Redner schildert dann die Kämpfe um das Staatsbürgerrecht, das mit der Zeit der Aufklärung einsetzte und zu dem Hardenbergschen Edikt führte. Dieser Staatsmann.kannte die Juden. Er wußte, daß es nur der Aufhebung des Druckes bedurfte, um sie zu guten Staatsbürgern werden zu lassen. Er weckte den Meüschen im Juden. Es folgte die Schilderung der Etappe bis zum Juden-' gesetz von 1847 und der weiteren Entwicklung bis zum Jahre 1869, wo das Bundesgesetz die letzten Schranken der Zurücksetzung der Juden im ganzen deutschen Vaterland niederriß. ' Dann fetzte die häßliche Bewegung von 1879 ein, die bis heute noch nicht überwunden ist. Ueberblickt man die Entwicklung der jüdischen Gemeinden, so findet man, daß überall das System und die Preußische Ordnung auch in unseren Gemeindeverwaltungen herrschen. In der Praxis zeige sich, daß es einen Unterschied in der Tüchtigkeit nicht gibt. Jüdische Stadträte und Stadtverordnete, jüdische Armenpfleger, und überall, wo.jüdische Persönlichkeiten in den Verwaltungen tätig sind, zeige sich kein Unterschied, der aus das Glaubensbekenntnis.zurückzuführen wäre. Die Geschichte manchen Regimentes enthalte die Anerkennung von Soldaten und Vorgesetzten als Juden. Ebenso, haben hie Lehrer die allgemeine Anerkennung wie ihre nichtjüdischen Kollegen bei den Vorgesetzten gefunden. Man sagel die Juden seien politisch nicht zuverlässig. Das ist durchaus nicht zutreffend. Auch im Judentum seien alle politischen Richtungen vertreten, auch, die konservative. Aber .man könne nicht verlangen, daß man mit jenen gemeinsam.Ziele verfolge, die uns unsere Rechte schmälern wollen. Dankenden Herzens erkennen wir die große Tat Hardenbergs heute an, aber den Dank müssen wir betätigen, auch wenn wir noch viele Wünsche unerfüllt haben, deren Erfüllung der Zukunft Vorbehalten bleibt. Mit dem Väterlande schmollen wir nicht, treu und innig erfüllen wir alle Pflichten, die wir gegen das Vaterland haben. Aber auch für unseren Glauben werden wir einstehen und ihm Treue wahren. Das Judentum ist nur eine'Glaubensgemeinschaft, die mit unserem Deutschtum durchaus in Harmonie steht. Diesen Glauben aber werden wir uns nicht rauben lassen und brauchen das nicht, um gute Deutsche und gute Preußen zu sein." Dann sprach Rabbiner Dr. Weiße noch das Gebet für Kaiser und Reich, und mit dem Gesang des Hallelujäh (Psalm 160) und einem Orgelnachspiel schloß die Gedenkfeier im Gotteshause. . 22 Berlin, 12. März. In den nächsten Wochen erscheint aus der Feder des Herrn Dr. Jsmar F r e u n d-.Berlin ein umfangreiches Werk, das die Geschichte der Emanzipation der preußischen Juden, insbesondere im Hinblick auf das Edikt vom 11. März 1812 ausführlich und quellenmäßig behandelt. Das ,aus zwei Bänden bestehende Werk wird eine größere Reihe von Urkunden enthalten, die zum ersten Male der Oeffentlichkeit übergeben werden und ein interessantes Licht aus die innerstaatlichen Verhältnisse in Preußen im Anfang des vorigen Jahrhunderts werfen. Das Werk wird auf Veranlassung einer Reihe von jüdischen Verbänden vom Zentralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens herausgegeben und erscheint im Verlage von M. Poppelauer. §2 Berlin, 12. März. Der Hilfsver.ein für jüdische S t udi.e rende hielt am 7. d. M. in der Kunsthalle des Herrn Dr. James Simon, Tiergartenstraße 16, seine Generalversammlung ab. Der Vorsitzende, Justizrat Dr, A. Seligsohn hob ausdem Berichte des Schriftführers Professor Dr. F. Lieberm a n n hervor, wie der Verein in diesem Jahre 166 Studenten der Medizin, Jurisprudenz, Philosophie und der-Künste mit über 35 000 Mark unterstützen konnte und, da er von früheren Stipendiaten über 11.000 Mark Zurückempfing, doch sein Vermögen von einer halben Million nicht verringerte. Nur kann er noch immer nicht mehr denn etwa ein Fünftel des zum Lebensunterhalt Nötigen dem einzelnen Studierenden gewähren, also die Last des Slundengebens ihnen nicht abnehmen. Bis Australien, Argentinien und Neuguinea wohnen die einst vom Verein Unterstützten und ihm jetzt Helfenden.. Und der glänzende Erfolg der. Preisaufgaben läßt hoffen, daß, wie bisher,^ der Verein würdigen Vertretern deutscher Wissenschaft' zur Ausbildung verhelfen werde. ' Berlin, 12. März. Das Kuratorium der Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums versendet das Programm der Vorlesungen für das Sommersemester 1912. Herr Dr. Baneth wird' lesen: 1. Talmud kablvKetubot, (Fortsetzung), 4 Stunden, Mvistag'und^ Donnerstag 10—12 Uhr. 2. lalmuä babli, Hullin, III (Fortsetzung),- 4 Stunden, Montag und Donnerstag 8—10 Uhr. 3. Mischne Tora, Buch 10 (Fortsetzung), 2 Stunden,. Sonntag 10—12 Uhr. 4. Jore De‘a, Ililch. Mikwaot. (Fortsetzung), „L,, Stunden, Mittwoch. 8—10 Uhr. 5. Eben ha'ezer, Hilch. Ketubot (Fortsetzung), 1 Stunde, Donnerstag 12^1 Ahr.. . 6. lalmuä jer^ Eesabim, VII, 1. Stunde, Montag 12^-b Uhr' " Herr 'Dr.' E l b 0 g e n wird' lesen: 1. Einleitung in die Wissenschaft des Judentums, -P -Stunde, Mittwoch 10—11 Uhr. 2. Hagiographen mit alten Kommentaren, 1 Stunde, Mittwoch 11—12 Uhr. 3. lalmuä, Neg. Kap. III, 4 Stunden, Mittwoch und. Sonntag 8—10 Uhr. 4. Geschichte her Juden im tannaitischen Zeitalter, 2 Stunden, Dienstag und Freitag 10—1'1 Uhr. 6. Probleme bes'-jMschen''GHesdienstes an.' per Hand der -Ünellen, 2 Stunden, Dienstag 11—1 Uhr. Herr Dr. Rah u d a wird lesen: 1. veuteronömium, 2 Stunden, Dienstag 11—1 Uhr. 2. Hebungen über Esra und Nehemia, 2 Stunden, Donnerstag 6—8 Uhr nachmittags. 3. Die kleinen Propheten Micha bis Zacharia, 2 Stunden, Mittwoch'10—11, Freitag 11—12 Uhr. 4. Bibel, kursorisch, 2 Stunden, Mittwoch 11—1 Uhr. 6. Arabisch: Ausgewählte Korantexte mit Berücksichtigung der jüdischen Quellen, 1 Stunde, Donnerstag 5—6 Uhr'nachmittags. Herr Dr. W.a r sch a u e r wird lesen: 1. Ausgewählte Kapitel der-- jüdischen Homiletik, 1 Stunde, Dienstag 6—7 Uhr. 2. Homiletische Uebungen, 2 Stunden, Freitag 8—10 Uhr. Herr Äx. Freund wird lesen: .System des Staatskirchenrechts der Juden in Preußen, 2 Stünden, Mittwoch. 5—7 Uhr. Herr Dr. Hochfeld wird lesen: Propheten und Psalmen im Unterricht, 2 Stunden, Montag 6—8 Uhr. Herr Dr. Täubler wird lesen: 1. Antisemitismus und Apologetik' im Altertum, 1 Stunde, Donnerstag 8—9 Uhr. 2. Uebungen über die antike Streitschriftenliteratur im Anschluß an Josephus, contra Apionem, 2 Stunden,.Dienstag 8—10 Uhr. Präparandie: Herr Dr. Baneth: lalmuä babli, Laba blezia, 2 Stunden, Sosintag 8—10 Uhr. ' Herr Dr. Elbo.gen: Zedner, Auswahl, 1 Stunde, Freitag 9—10 (oder 11—12) Uhr. Herr Dr. Pahuda: Haftaroth, 1 Stunde, Freitag 12—1, Uhr. Herr Dr. B a r o l: 1. Pentateuch, 2 Stunden, Mittwoch 9—11 Uhr. 2. Raschi zum Pentateuch, zwei Stunden, . Mittwoch und Freitag 8—9 Uhr. 3. Mischna: Ausgewählte Traktate aus Ordnung Naschim und Nesikin, 2 Stunden, Dienstag 6— 7 Uhr nachmittags, Freitag 9—10 Uhr. Herr Dr. B i r a m: 1. Hebräische Grammatik, 2 Stunden, Montag und Mittwoch 7—8 Uhr abends. 2.. Lektüre der .Königsbücher, 2 Stünden, Donnerstag 7— 9 Uhr abends. 3. Lektüre, des Gebetbuchs, 2 Stunden, Montag und Donnerstag 6—7 Uhr abends. Alle Vorlesungen und Uebungen sind unentgeltlich. Die Eröffnung des. Sommersemesters . erfolgt Dienstag, den 23. April, 12 Uhr mittags. . Als Zuhörer für die Vorlesungen sind in erster Linie rite immatrikulierte Studierende der hiesigen Universität — und zwar ohne Unterschied der Fakultät — in Aussicht genommen. Auch andere Personen können auf Grund besonderer Ermächtigung an den Vorlesungen teilnehmen. Die Anmeldung erfolgt bei dem derzeitigen Vorsitzenden, des Lehrerkollegiums,' Herrn Dr. Hahuda, am Dienstag, Mittwoch und Freitag 12—1 Uhr im Sprechzimmer der Lehranstalt. Berlin, 12. März. Am 10. März fand hier die Ge ne ra lve r s a m m lu ng d er B e r li ner A llian c-emi tglieder statt, die trotz der gleichzeitigen Hundertjahrfeier in der Neuen Synagoge einen recht stattlichen Besuch aufwies. Die Versammlung wählte die . bisherigen Mitglieder des Lokalkomitees durch Zuruf wieder und als neue Mitglieder die- Herren Rechtsamvalt 5 ch a ch t e l, Lichtenberg, Profesior K a r l L e w i n, Oskar Löwen- . b e rgSanitätsrat Dr. E u g e n C o h n und Syndikus Dr. Feitelberg. Nach dem vom Vorsitzmden Herrn Justizrat Fuchs erstatteten Bericht über die Lagedem sich eine Aussprache anschloß, nahm die . Versammlung. die nachfolgende Resolution an: 1. Die Generalversammlung bestätigt den Beschluß des Lokalkomitees m seiner letzten Sitzung betressend die Verwendung der in Berlin, einlaufenden Beiträge und beauftragt die zur Bildung des Landeskomitees eingesetzte Kommission, die Konstituierung des Landeskomitees nwglichst zu beschleunigen. Die Generalversammlung erblickt in der Organisation "des Landeskomitees, die einzige Möglichkeit, -den deutschen-Mitgliedern der Alliance die ihnen nach Zahl und, Bedeutung. gebührende. Einflußnahme auf die Leitung der A. I. U. zuverschafsen. 2. Die Generalversammlung der Berliner Allianeemitglieder nimmt mit Entrüstung davon Kenntnis, daß die Pariser