Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 76 (1912)
- Issue
- Heft 11 (15.3.1912)
- Date
- 1912-03-15
- Page
- Seite 126 (sequence 6)
- Language
- German
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MH WeinHHM, D56-Filiälgemeinden, dtfo/'fHnS» gefami 1671. "Die Größe dieser Gemeinden wird jedoch' stark .. beeinträchtigt-durch, das andere statistische. Moment, Daß in /diesen Gemeinden.nur 253 Rabbiner und 969 RabbinatZstellvertreter wirken, also 400 Gemeinden sich Gemeinden nennen, tpößdem sie so klein sind, daß sie nicht einmal einen Rabbinäts- ' stellverireter erhalten können. Demgegenüber stehen 246 nichtorthödoxe Gemeinden und 434 Filialgemeinden mit 154 Rabbinern und 372 Rabbinatsstellvertretern und 154 rabbinerlosen Gemeinden. Es darf dabei nicht übersehen werden, daß in Budapest alleirr zumindest 150 000 nichtorthodoxe Inden wohnen, und daß die großen Gemeinden zumeist nichtorthodox sind. Diese Ziffern sollen beweisen, daß die oft erwähnte Behauptung, als ob die Orthodoxen die große Majorität der ungarischen Juden bilden, der Wahrheit sehr widerspricht. Eines 'ist gewiß. Die Fürsprecher der einheitlichen Organisation 'werden in Wort und Schrift begeistert für ihre Bewegung eintreten, die Orthodoxie wird mit denselben Mitteln, wie es in ihrer Konferenz schon verkündet wurde, für ihre Sonderstellung ' kämpfen, und d a m a n in Ungarn schon oft die h eißesten p o l i t i s ch e n K a m Pfe m.i t e i n e. in ehrenvollen Frieden enden , s ä h, s o darfdie Hof s n U n.g n i ch t au s g e ge ben wer den, daß dieses in d er Polit ik o ft erprobte Mittel auch in den jüdischen k o n s e s s i onellen An gelegenh e i t e n z u m gewünschten Ziele führen w i r d. Durch Kamps zum Frieden! - ' Georg Caro. Gestorben am ly. Januar lyl2. er Tod des tüchtigen. Forschers,, dem unsere.Zeitung manche Abhandlung und Rezension verdankt, und dessen Buch „Wirtschaftsgeschichte der Juden im. Mittelalter" (I. Band), zu den wertvollsten . '. Publikationen der Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Juden- ■ tums gehört, ist schon . kurz an anderer Stelle erwähnt worden: Wir betrauern von Herzen . das frühe Hinscheiden des bedeutenden Gelehrten, der sein Leben ernster und gediegener wissenschaftlicher . ..Arbeit' weihte, der die Anerkennung seiner Fachgenossen und Schüler in hohem Grade erwarb, und der lange vor Erfüllung seiner Lebensaufgabe aöberufen wurde. Es ist-glücklicherweise zu hoffen, wie ich aus einem ^Briefe der Witwe des Frühvollenedten entnehme, daß der II. . Band: des oben , genannten, wichtigen Werkes'bald zum Druck gebracht werden kann, da er im Nachlaß fast druckfertig vorliegt. Um unseren Lesern ein Bild von dem Wesen und der Arbeitsart des Heimgegangenen zu geben, sei hier ein Artikel abgedruckt, den einer seiner Schüler, Dr. Earl Meyer - Luzern, in der Züricher Zeitung veröffentlicht hat. Er lautet so: ' < „Die Historiker aus der Züricher Schule gedenken alle.mit - größter Dankbarkeit des - ausgezeichneten und doch so anspruchslösen Lehrers, der seit 1896 der Universität uneigen- - nützig als Privatdozent diente. Seine akademische'Tätig- ..keit wirkte nicht'in.die-Breite, umsomehr in die'Tiefe:, er be- . saß relativ wenig Hörer, entbehrte einer faszinierenden Bor- ' trägswefte Undträt völlig hinter den' Stöfs zürück, den er - 'in LuMsichtiger^GliederUNg und sorgfältiger, die 'treibenden - FaktEMpläsUfch-modellierender Auswahl böt. Den hohen, inneren Wert seiner Kollegien lernte-man vielfach erst in der Praxis der Wissenschaft vollauf würdigen - Weit unmittelbarer offenbarte sich die Persönlichkeit des Verblichenen in dem Semi-. narünterricht, Hier böt er den Teilnehmern sein Eigentlichstes und Bestes/ offenbarte er seine ungewöhnlichen pädagogischen Qualitäten und zeigte sich als ein großer Meister-der Methode. Er verstand es vortrefflich, die Hörer anregendst in die wissenschaftliche Technik , einzusühren und den Blick,der Schüler auf das Wesentlichste zu richten; wir bewundertenseine kri? . tisch exakte, beinahe mathematisch präzise und doch, höchst fesselnde Arbeitsweise, die feinsinnige Art, in der er auch die erkenntnistheoretische und logische - Seite des Problems zu berühren/wußte. Wer sich in seine Gedankengänge einzuleben vermochte, trug hohen und anhaltenden Gewinn davon." Die wissenschaftlichen Publikationen brachten Caro , in den Fachkreisen des In- und Auslandes den Ruf eines hervorragenden, in -mehrfacher Richtung sogar bahnbrechenden Forschers. Ein Geschichtsschreiber, der durch ausgeprägte Persönlichkeit und glänzende. Darstellung brilliert, war er nicht, er fand seine höchste Befriedigung in der. reinen Forschertätigkeit; alle seine Arbeiten tragen den Charakter der. Untersuchungen. Neben den großen Werken über Genua und den Mächten am Mittelmeer sowie die wirtschaftliche und soziale Stellung der Juden im Mittelalter, beschäftigten ihn hauptsächlich Vorstudien .zu einer deutschen wirtschaftlichen Verfassung. Mit besonderer Vorliebe ging er dabei den lokalen Institutionen nach, den Wurzeln, aus denen der moderne Staat sich aufgebaut hat. (Nach einigen Bemerkungen über die spezifisch schweizerischen Arbeiten, die für unsere Leser weniger Interesse haben dürften, fährt der Nekrolog fort): Caro hat in diesen Arbeiten seines Forschungsgebietes das Höchste geleistet, was die Geschichtswissenschaft vonihren Jüngern fordern darf. Ihm eignete die Gabe, in dem Gewirr > der mittelalterlichen Zustände mit sicherem - Griff die wesentlichen, historisch wirksamen Elemente herauszuschälen und bis auf den Grund; durchzudenken, um schließlich das Resultat in präziser und treffender Formulierung festzulegen. Seine umfassende fachmännische Bildung gestattete ihm, von allen Seiten politisch, Verfassungs¬ und wirtschaftsgeschichtlich, rechts- und agrarhistorisch an den Stoff, heranzutreten. Es., liegt ein tragisches. Moment darin, daß dieser -Gelehrte, von dem noch so manche reise Geistesfrucht zu erhoffen war, der Wissenschaft vorzeitig, im Alter von kaum 44 Jahren, entrissen wurde,'noch bevor der Staat, zu dessen historischer Würdigung Georg Caro so Eminentes beigetragen, dem Heimgegangenen die äußere Anerkennung zollte." Der jüdische OstionsUsMUS. Von Elife Orz eszko., (Aus deren literarischem Nachlaß.) V II.; . W:" ' '' ' «nächst also, .entspringt die Idee, eines jüdischen Rationalismus demkatsächlichenVorhandensein einer abgesonderten Nationalität und nicht nur aus einer"kätsächlichen, sondern unwiderstehlichen Notwendigkeit der Konservierung, Be-. Dr. G. Laro. .28. November 1867 bis 16. Januar 1912 -rj