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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1912-03-15 · Heft 11 (15.3.1912) · p. Seite 124

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
76 (1912)
Issue
Heft 11 (15.3.1912)
Date
1912-03-15
Page
Seite 124 (sequence 4)
Language
German
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Die Zulassung zur Prüfung ist davon abhängig: -1. daß der Kandidat das -18. Lebensjahr zurückgelegt, hat, , 2. daß er nach amtsärztlichemZeugnis! für-den -Lehrerberus taüg- - lich ist, - .... 3. daßsein Leumundszeugnis entspricht, . 4. daß er gute Zeugnisseaus der -Werktag- und-Sountagschule oder aus einer Mittelschule ausweisen kann, '' 5. daß er mindestens einen zweijährigen regelmäßigen Vorberei- ' tungsunterricht von sechs Wochenstunden beieinem Rabbiner, öder einem tüchtigen israelitischen Volksschullehrer genossen . -hat. ' ...... Die-Prüfung selbst wird sich erstrecken aus: a) die Elementarunterrichtsgegenstände, . . b) die hebräische und deutsche Sprache, ., e) den. israelitischen Lehrbegriss, die jüdische, besonders biblische .Geschichte, die Auslegung der heiligen Schrift, die Kenntnis . ihrer besonders wichtigen und schönen Stellen, die gewöhnlichen Gebete, die Erläuterung und Deutung des jüdischen re- ' ligiösen Zeremoniells und Rituals, den. Talmud und seine ein-; zelnen Teile nach Zusammenhang. und verschiedenen Werte, ■ die Verhältnisse der Juden zu. Staat und Gemeinden. Ferner ' hat jeder Prüfungskandidat, seine. Lehrbefähigung durch eine Lehrprobe darzutun und sich über seine. Kenntnis der Hauptgrundsätze. der allgemeinen Erziehungs- und Unterrichtslehre, sowie der. speziellen. Unterrichtslehre im Religionsunterricht auszuweisen. , Me.-schriftliche. Prüfung dauert.drei.Stunden,, die mündliche einschlseWch-der Lehrprobe eine Stunde. Zu letzterer wird das Thema rechtzeitig vorher mitgeteilt. Sonderprüsungen werden nicht zugelassen. Für den Fall, daß ein Kandidat die Prüfung nicht bestehen sollte,, kann er sie noch einmal wiederholen. In besonderen Ausnahmesällen können als Religionslehrer ungeprüfte Bewerber zugelassen werden.unter der Bedingung, daß sie sich der nächsten Prüfung mit. Erfolg unterziehen. . .. Die Anmeldung zur Prüfung hat jeweils. bis 1. Mai vor der Seminarschlußprüsung bei dem Seminardirektor ' in Kaiserslautern - zu'erfolgen,'welcher auch über die Zulassung (vorbehaltlich des Beschwerderechts zur königlichen Regierung) entscheidet. Etwa entstehende. Kosten, haben die Prüflinge zu trägen; dieselben werden 'eventuell von der königlichen Negierung festgesetzt. .: . .... . . Einen höchst eigentümlichen Artikel „ Pr e sse u n ix Po - grame" bringt der „Türmer". Er ist symptomatisch dafür, daß das durch, den Kriegstark auflodernde nationale Ge fü h li n I t a l i en den Juden sehr abträglich werden kann. Aus-diesem Grunde -wird man ihm leider Bedeutung beimesfen.müssen. Der Artikel hat folgenden" Wortlaut: - - Dir ,,Vossische Zeitung" meldet aus Wien: „Der italienische'Botschafter-am .Wiener Hof ersuchte im Aufträge der italienischen Regierung den' Vertreter der Wiener israelitischen Kultusgemeinde, Dr. Alfred Stern, die Gemeinde möge ihren Einfluß auf die Wiener Presse geltend machen, um im Interesse der Abwehr des Antisemitismus-von Italien die freisinnigen Zeitungen von kritischen Bemerkungen über die italienische Kriegsführung abzuhalten." ' Gerade das Höchst-Plausible dieser abenteuerlichen Maßregel, welche die Federn, der Wiener-Presse-von der israelitischen Kultusgemeinde aus dirigieren will, bemerkt hierzu zum ersten der „Mürz", sichert ihre eine beträchtliche. Humorwirkung. Zweitens: die italienischen Diplomaten, sind aus dieses Mittel verfallen. Drittens: die italienische Negierung.scheut sich nicht, durch dieses Hintertürchen zu schlüpfen, um nur die .„Kritik" - abzustellen: .Daß die italienische- Scheu vor Kritik, solche Formen annimmt, muß als ein -trostloses Symptom eines nationalen Zustandes gemerkt werden: . Die italienische Regierung versucht also, eine bei aller:Komik sehr interessante Pression auf das weltbekannte jüdische Nassengesühl..-:auszuüben. Das Interessanteste an dem Verfahren ist, daß das israelitische:.Volk seinerseits-wohl nicht so. genau informiert sein dürfte über den Zusammenhang zwischen Judentum und freisinniger. Presse in. Oesterreich. Man müßte wohl erst eine Devise ausgeben, sind das italienische .Volk würde voraussichtlich.. dj'esec-.Devise.gefior'chen.-'So daß nmnsich nüt einiger Phantasie folgende hü,hsche Wechselwirkung ausdenkenkönnte: .Kritik in Wiener Zeitungen und Pogrome in Italien . . ." . Aus Rußland bringt; das „Berl. Tagebl." trübe 5lunde. In einem Petersburger Telegramm wird Nach-, stehendes, gemeldet.:'. . /, : . . . Der hier . tagende erste allrussische Kongreß der Nationalisten oder Stolhpinisten, die (auch von der gegenwärtigen Regierung unter-' stützt werden und die nach Wunsch eine führende Rolle in der künftigen Reichsduma spielen'sollen, faßte eine Resolution, nach der die Rechte der Juden unter keinen Umständen erweitert und mit allen Mitteln gegen die Juden angekämpft werden soll. Die bisher geltenden Bestimmungen' für die Juden sollen' verschärft, die Wehrmacht - Rußlands verstärkt werden. - : - Ausführlicher Gericht über die löerstung des Gesetzentwurfs hrtrxffrnd Vertretung ° der Berliner Svnagogengrmeinde. Plenarsitzung des peeiiß'sch'N Helreuhanses vom 7. März 1912. m Ministertisch Koinnlissare. Das Haus ist schwach besetzt. Auf den Tribschen sieht man fast ausschließlich bekannte Vertreter der verschiedenen Richtungen in der Berliner Gemeinde. Auch ihr Syndikus ist erschienen. - Präsident v. Wedel-Piesdorf ( erteilt Herrn Oberbürgermeister Kirschner-Berlin das Wort als Berichterstatter. Oberbürgermeister K i r sch n e r: Das Gesetz vom Jahre 1847 reicht für die Bedürfnisse der Berliner Synagogengemeinde nicht mehr aus. Sie schließt einen großen Teil der Berliner Vororte ein und umfaßt 140 000 Seelen. Kirschner gibt dann die Zahlen aus , dem Betriebe der Verwaltung, wie sie die Begründung zu der Vorläge bereits genannt hat. Bei der großen Seelenzahl und der Füllender Geschäfte ist nicht mit Sicherheit zu erwarten, daß sich stets. Herren in genügender Zähl finden lverden, die die Geschäfte der Gemeinde ohne Besoldung führen. Ich habe als Referent gegen die im Entwurf - geforderten - Erweiterungen in der - Vertretung,' der Berliner , Synagogenmeinde nichts .einzuwenden. - Die.. Verhältnisse sind derartig, daß sie die neuen Bestimmungen rechtfertigen. Die königliche. 'Staatsregierung ist auf den.Antrag der. Synagogengemeinde eingegangen und hat den Gesetzentwurf vorgelegt.. - Ich-bitte um unveränderte Annahme. H - Es sind zu dem Entwurf eine Reihe von Petitionen eingegangen. Zunächst vom Vorstand der Synagogen g e m e i n d e in. Breslau. Auch dort hat sich. die Zahl der Vorsteher auf die Länge der. Zeit alszu gering erwiesen. Breslau .hat .über 20 000 Seelen und .einen umfangreichen Verwaltungsapparat. In Breslau liegt das Bedürfnis nach besoldeten Vorstandsmitgliedern nicht vor. Der Antrag geht dahin: Bei S.ynagogengemeinden mit m ehr a l s 10 0 0 0 S e.e len soll, unter Wegfall der Stellvertreter, die Zahl der. V o.r st a n d s m i t g l i e d e r nach den G e m e i n d e s a tz ung e n auf 10,die der R e p r ä - s äUst ante n a u f 2 5 erhöh t w e r de n .k ön n e n. Diese Petition deckt sich im wesentlichen mit dem Antrag des H e r r n O b e r b ü r g e r m e i st'e r s Bender- Breslau. Ich glaube, daß wir den Wünschen dieses Antrages, entsprechen können. Neben der Petition aus Breslau liegen weitere Petitionen aus den Vororten Berlins, dem jüdischen Bruderverein Neukölln (Rixdorf), dem Verein zur Vertretung der jüdischen Interessen Ch arlottenburgs, dem Verein zur Erhaltung des überlieferten Judentums und des neuen jüdischen Gern e i nd e v e r e i n s vor. Sie h ab en alle d i eselb e Tendenz. Die-Vorlage der Regierung möge am eine Kommission zur Durchberatung verwiesen werden, - da die Gesichtspunkte in den Petitionen dringend der Berücksichtigung bedürften. Es wird ausgeführt: Die Bestimmungen, wonach Vorstandsmitglieder besoldet werden können, sind äb'zu lehnen. Das ist den T ratz itionen-der jüdischen Gemeinde vollständig zuwider. Es lverden sichimmer ausreichend Mitglieder finden, die bereit sind,; ohne Besoldung den Vorsteherposten zu übernehmen. Eine Vergrößerung der Zahl-der Vorstandsmitglieder würde die Uebelstände nur verstärken.

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