Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 76 (1912)
- Issue
- Heft 10 (8.3.1912)
- Date
- 1912-03-08
- Page
- Seite 3 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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der althebräischen Buchstaben zu der samaritanischen, aramäischen (hebräische Quadratschrift), der jüdisch-deutschen Schreibschrist, zur griechischen Schrift (in Spiegelschrift)-bis zur heutigen Schrift. Er zeigte die verschiedenen Zwischenstufen und wies die wesentlichen Bestandteile als aus der althebräischen Schrift stammend nach. So habe die'Welt den Israeliten nicht nur den Monotheismus und seine Ethik, sondern auch die Buchstabenschrift zu verdanken. Reicher Beifall lohnte den Vortragenden für die recht interessanten Ausführungen. $$$ Berlin, 5. März. Von den: Sekretär' des Vereins „ E sr a", Herrn I. Tuross, der durch seine wiederholten Reisen nach Palästina mit den dortigen Verhältnissen gut vertraut ist, erhalten wir nachstehende Mitteilung: Zwischen den Kolonien Petach-Tikwah auf der einen und E h e d e r e h aus der anderen Seite liegt, in nahezu gleicher Entfernung von beiden, ein jüdisches' Besitztum, das bereits im Talmud erwähnte Dorf Kusr-Saba. Dasselbe wurde Anfang der 90er Jahre von einer Gruppe russischer Juden gekauft, die sich daselbst als Kolonisten niederlassen wollte. Der Plan scheiterte jedoch, und der Boden wurde von Baron Edmund v. Rothschild übernommen, um zehn Jahre später in den Besitz einer Anzahl Kolonisten von Petach-Tikwah überzugehen. Die gezahlten Preise waren sehr minimal; dafür mußten sich die Käufer verpflichten, das erworbene Land sofort zu bearbeiten. In der Tat begann gleich darauf in Kusr-Saba eine lebhafte kolonisatorische Tätigkeit. Man baute Getreide, pflanzte viele Tausende von Mandelbäumen, und bald waren die ehemaligen Sandwüsten von Kusr-Saba mit ausgedehnten Mandelwäldern bedeckt. Alle diese Arbeiten mußten durch Nichtjuden ausgeführt werden. Arabische Arbeiter haben die Pflanzungen angelegt, von arabis.chen Wächtern wurden sie bewacht, und arabische — Diebe waren es auch, die den größten Teil der Früchte allnächtlich zu ernten pflegten. Die umfangreichen Diebstähle gingen so weit, daß die jüdischen Besitzer aus ihren Plantagen kaum noch die Selbstkosten herauswirtschasten konnten. Aus diesem Grunde ist der Beschluß des Vereins „Esra", in Kusr-Saba zwölf jüdische Tagelöhner anZusiedeln, in ganz Palästina mit Freuden begrüßt worden. Man hoffte so, das bisherige Besitztum Kusr-Saba in eine.. Kolonie Kusr-Saba umzuwandeln. Der Plan ist in allen Einzelheiten ausgearbeitet worden, die Ausführung desselben jedoch von den Behörden, die keine Bauerlaubnis für zwölf Häuser erteilen wollten, bis dato vereitelt worden. Alle Anstrengungen der Juden vermochten daran nichts zu ändern. Selbst eine von der Regierung, in Konstantinopel erteilte Bauerlaubnis wurde von den halsstarrigen, fanatischen Beamten in Nablus (denen Kusr-Saba resortiert) unbeachtet gelassen. Um den Widerstand der Behörde zu brechen, mußte schließlich eine weit ausholende Aktion eingeleitet werden.- Es wurde an der südlichen Seite Kufr-Sabas ein 4086 Dnnam — 367 Hektar —. umfassendes Terrain, „Schakälenebene" genannt, von den Kolonisten erworben. Dieselbe liegt im Bezirk Jaffa, dessen Behörden weniger fanatisch und den Juden nicht unfreundlich gesinnt sind.' Die Häuser der neuen Kolonie sollen nunmehr mit Hilfe des Vereins „Esra" auf Jafsaer Gebiet erbaut werden. Die Zahl der jüdischen Ansiedlungen Palästinas dürfte so demnächst um eine weitere, mehr als 1600 Hektar umfassende Kolonie bereichert werden. W. Posen, int März. Wie in den früheren Jahren war auch in dem abgelausenen Geschäftsjahr die Entwicklung des Vereins „Jüdisches Mädchen he im" eine stetig fortschreitende. Das Heim war während des Jahres voll besetzt und mußte leider wegen mangelnden Raums eine Anzahl an sich berücksichtigenswertex Aufnahmegesuche zurückgewiesen werden. Der Vorstand hat seit langem die Erweiterung des Heims ins Auge gefaßt' und mit Sorgfalt die Mittel zu ersparen gesucht, die zur Durchführung dieser Absicht notwendig sind. In den sieben Jahren des Bestehens des Vereins hat sich das Vereinsvermögen von 30Q00 Mark auf 46 580 Mark erhöht, so daß der Vorstand beschlossen hat, vom 1. Oktober 1912 ab das Heim um mindestens sechs Stellen zu vergrößern, und da die bisherigen Räume, in denen das Heim sich befindet, nicht ausreichen, eine neue Stätte für das Heim zu mieten. An Stelle von Frau Ephraim, welche aus Gesundheitsrücksichten ihr Amt, das sie seit der Gründung des Vereins innegehabt hat, niederlegte, ist Frau Lucie Hamburger in den Vorstand kooptiert worden. Von den jungen Mädchen des Heims sind zwei im Laufe des Jahres ausgeschieden, an deren Stelle sofort zwei andere Mädchen Aufnahme gesunden haben. Acht Pfleglinge sind in kaufmännischen Geschäften als Kassiererin, Buchhalterin, Kontoristin usw. tätig, ein Mädchen ist Putzmacherin, eines Wäschenähterin, eines besucht das Luisenseminar und eins ist Lehrmädchen in einem Geschäft. Der Gesundheitszustand im Heim war ein guter. Die Anstaltsleiterin Frau Salz versieht ihr Amt mit großer Umsicht und seltener Pflichttreue. Das Vereinsjahr schließt mit einem- Ueberschuß von 1819.76 Mark ab. An Spenden wurden 1014 Mark vereinnahmt. Die Mitgliederbeiträge beliefen sich auf 1912 Mark. Das Mädchenheim ist vor sieben Jahren gegründet worden. — Der Verein As ch ei Ch essed hielt in diesen Tagen seine diesjährige ordentliche Generalversammlung ab. Die Krankenpflege betreffend, wurde der Vereinsarzt in fast 150 Fällen in Anspruch genommen. Die Mitgliederzahl hat sich im vergangenen Jahre wesentlich gehoben. Ende 1911 war ein Mitgliederbestand von 268 vorhanden. Diese brachten an Jahresbeiträgen zusammen 1906,80 Mark aus. Mit dem Bestand am 1. Januar 1911 von 1927,45 Mark und anderen verschiedenen Einnahmen erreichte die Gesamteinnahme eine Höhe von 6485,50 Mark. Dieser Einnahme steht eine Ausgabe von 3659,14 Mark gegenüber, so daß ein Bestand von 2826,36 Mark verblieb. Das Vereinsvermögen betrug am 1.Januar 1912 im ganzen 22 826,36Mark. Der Verein ist vor 65 Jahren gegründet worden und zählt zil den größeren Vereinen innerhalb der israelitischen Gemeinde Posens. M. Hamburg, 29. Februar. Die Generalversammlung des Israelitischen humanitären F r a u e n v e r e i n s E. V. fand im Logenheim unter Vorsitz des Fräulein Sidonie Werner statt. Der erstattete Jahresbericht ließ erkennen, daß die Ziele des. Vereins lediglich darauf gerichtet waren, Frauen und Familien erwerbsfähig und wirtschaftlich selbständig zu machen. Gegen das Vorjahr wurden 1000 Mark mehr für Unterstützungen ansgewandt. Sie galten in 108 Fällen Studierenden, Schneiderinnen, Friseur innen und anderen gewerblich tätigen Frauen, denen die Möglichkeit einer Ausbildung gewährt wurde. Ferner ist auch mehrfach Handwerkzeng angeschafft und Beistand durch Milchlieferung für bedürftige Familien geleistet worden. Im Arbeitsnachweis ist 215 Personen Stellung in Geschäften, int Haushalt und sonstwie vermittelt worden. Die Säuglingssürsorge kam jüdischen und nichtjüdischeu Müttern zugute; sie wird durch eine Dame des Vorstandes auch in der staatlichen Säuglingspflege vertreten sein. Im neuen Erholungsheim in Segeberg haben im letzten Sommer 126 junge Mädchen und Kinder, darunter auch einige nichtjüdische, Stärkung und Kräftigung gefunden. Wie aus dem vom Herrn Paul Lascar erstatteten Kassenbericht ersichtlich war, steigerte sich nicht nur das Vermögen des Vereins im letzten Jahre, sondern auch seine Wirksamkeit hinsichtlich.der Stillprämien, der Stipendien usw. Die 1100 Sparbüchsen brachten allein das ansehnliche Kapital von 6197 Mark, und für das Pflegeheim liefen namhafte Spenden ein. Der Kassenbericht wurde genehmigt und dem Kassenführer Entlastung erteilt. Eine lebhafte Debatte entstand über folgende Anträge. 'Der erste bezog sich darauf, daß -Petenten, für die ein Mitglied eintritt, in Ausnahmesüllen, auch ohne ihren Namen zu neunen, eine Unterstützung erhalten sollen. Der Antrag wurde abgelehnt. Die Schaffung eines beratenden Rechtsbeistandes für Witwen und Waisen betraf den Inhalt des änderen Antrages. Nach lebhafter Diskussion wurde dieser Antrag dem Vorstand zur weiteren Beratung überwiesen. Im Auftrag der Jugendgruppe entwarf Fräulein Beer zum Schluß noch ein anschauliches Bild von der Hilssarbeit der jungen Mädchen in den Horten bei der Expedition der sommerlichen Pfleglinge, in der Hauspflege, im Gemeinschaftsheim, im Unterricht ausländischer . fremder Personen usw. Zum Schluß richtete die Vorsitzende noch einen Alppell an die Anwesenden, die Bestrebungen des Vereins in allen Zweigen der umfassenden Arbeit weiter zu fördern und für eine wirksame Propaganda in allen Kreisen der Gemeinde einzutreten. -- Leipzig, 29. Februar. Der hiesige Hilfsvere i n I s r a e l i -- t i s ch e r Gewerbetreibender feierte Sonnabend und ' Sonntag sein sünfundzwanzigjähriges Stiftungsfest. Der Verein, der in der Zeit seines Bestehens von 30 aus über 750 Mitglieder angewachsen ist, konnte das seltene Fest im Beisein vieler hiesiger und auswärtiger Gäste begehen.. Am Sonnabend fand im. Kristallpalast zur Vorfeier ein Kommers statt. Auf ein an König Friedrich August gesandtes Huldigungstelegramm lies folgende Antwort ein: „Se. Majestät der König läßt für dargebrachte Huldigung besten Dank sagen. Meister, Oberst und Flügeladjutant." .Am Sonntagabend begaunert die Feierlichkeiten im Kristallpalast mit einem Konzert der Curthschen