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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1912-03-08 · Heft 10 (8.3.1912) · page 13

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
76 (1912)
Issue
Heft 10 (8.3.1912)
Date
1912-03-08
Page
– (sequence 13)
Language
German
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76. Jahrgang Nr. 10 Der Berlin, 8. März 1912 Beilage zur „Allgemeinen Leitung deK Judentums". lkorrrlpöndrn?en und Oschrichtm, DemWaud. y. Berlin, 5. März. Die Sitzung der Repräsentantenv e r s a m m l u n g mit vergangenen Sonntag wurde vvn Herrn Louis Sachs mit einigen geschäftlichen'Mitteilungen eröffnet. Der Vorstand gab der Versammlung davon-Kentnis, daß am nächsten Sonntag, den 10. dieses Monats, mittags 12 Uhr, eine Gedenkfeier stattfindcn wird aus Anlaß der hundertsten Wiederkehr des Tages, an dem das. .Edikt betreffend. die Emanzipation der Juden in Preußen erschienen ist. Der Zentralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens lädt die Repräsentanten zu einem anläßlich der Jahrhundertfeier der Emanzipation in Krolls Etablissement am Dienstag den 12. März abends 8-4 Uhr stattfindenden Festkommers und bittet um die Entsendung von zwei Ehrengästen. Dazu wurden die Herren L ew i n fki und K uznitz ky designiert. Ein 45 Jahre der Ge-, meinde augehöriges Gemeidemitglied beschwerte sich darüber, daß ihm eine freiwillig an die Gemeinde gezahlte Steuer zurückgesandt worden ist. Er'bittet um Reinedur. Herr Louis Sachs betonte, daß es sich hierbei um eine recht wichtige Sache handle. Es scheine, als ob es sich hierbei um die. Zahlung einer Steuer seitens eines Mannes handle, der wegen seines geringen Einkommens vielleicht von der Steuerpflicht befreit sei, und der dennoch es für seine Pflicht halte, nach seinem Vermögen eine kleine Steuer zu zahlen. Er schlage vor, und die Versammlung stimmte dem zu, die Petition dem Vorstand zu überweisen, der der Repräsentantenversammlung daun über seine Entschließung berichten ntöge. — Angenommen wurde sodann die Zuwendung der Frau. Gertrud M o s s e in Höhe von 5000 Mark zur Aufrechterhaltung - der Siegmund-Meher-Stiftung für bedürftige Zöglinge der beiden Gemeiudeschulen mit der Maßgabe, daß nur die Zinsen des Kapitals alljährlich zur Verteilung gelangen sollen. Ferner wurden, die Zuwendungen des Herrn J o s e p h S e l ig in Höhe von 10 000 Mark zur Begründung einer Joseph- und Lilli-Selig-Stiftung zu wohltätigen Zwecken, derjenigen des Herrn Jakob M and e lb a u m im Betrage von netto 12 000 Mark' und 600 Mark für die Steuer zur. Begründung einer Jakob- und Rosn-Mandelbaum- Stiftuug für die Altersversorgungsanstalt, des weiteren die Zuiveudung der Frau Martha F ü r st in Höhe von 350 M. zur Errichtung einer Jahrzeitstistung bei der Armenkommission und eine Zulveudung des Herrn George Zacharias zu Grabeserhaltungszwecken angenommen. Zu Mitgliedern des wissenschaftlichen Beirats der Biblivthekkommission wurden die Herren Direktor Dr. Holzman, Tr. Käst an, Prof. Dr. Maybaum und Rabbiner Dr. Weiße wieder und Prof. Dr. Horowitz neugewählt. Der Rechnungsabschluß des Krankenhauses wie derjenige der Koscherfleischkommission wurden genehmigt und dem Vorstand Entlastung erteilt. Ueber die llrankenhausabrechnüng' reseriete Herr Lewinski. Mit den gesteigerten Anforderungen haben die Einnahmen nicht gleichen Schritt gehalten. Hier sei-der Wohltätigkeit noch ein weites Feld gegeben. Der Gemeindezuschstß hat eine Steigerung um fast 50 pCt. erfahren. Er ist von 75 445 M. im Vorjahre auf 112 059 M. im Berichtsjahre gestiegen. Fast ein Drittelaller Kranken hatte unentgeltliche Ausnahme gefunden. Für die Beliebtheit des jüdischen Krankenhauses spreche die Tatsache, daß 12i4 PCt. der Pfleglinge Nichtjuden waren, die aber durchweg die vorgeschriebenen Sätze zahlten. Die Einnahmen der Kvscherfleischkommission haben eine kleine Steigerung um 1170 Mark auf 14 889 M. ersahrem Der Referent Herr Siegfried Sachsa sprach den Wunsch aus, der bisher keine Berücksichtigung gefunden habe, daß dahin gewirkt werdest''möge, daß sich in Charlottenburg loenigstens ein unter der Aufsicht der Gemeinde stehender Koscherfleischhündler niederlassen möge. Nach einer sehr lebhaften Debatte, an der sich die Herren Dr. C o h n, Pros. Blaschke, Siegfried Sachs und Herr L e will s k i beteiligten, erklärte Herr Aron H i r s ch, der stellvertretende Vorsitzende, der Koschersleischkommission, daß er den Gegenstand aus die Tagesordnung einer Sitzung der Kommission fetzen werden Man war der- Ansicht, daß die öffentliche Mitteilung von dem Bestehen eines solchen -Bedürfnisses.für Charlottenburg vielleicht zur Befriedigung desselben durch einen Koschersleifchhäudler führen werde. Debattelos wurde, die Summe von ins- . gesamt 915 M. als Vergütung für die bei der Zwangseinziehung, der Kuttussteuern beteiligten Berliner Polizeibeamten bewilligt. Aus Grund einer sehr eingehenden, umfassenden Feststellung, die sich auf alle zum Bezirk der Berliner Gemeinde gehörigen Ortschaften erstreckte, hat sich als erwünscht ergeben, daß in einigen der Vororte, die nur eine ganz geringe Anzahl schulpflichtiger jüdischer Kinder, zählen, in denen aber die Möglichkeit eines jüdischen Religionsunterrichtes den Kindern nicht gegeben ist, Religionsunterricht durch Wanderlehrer erteilt werde. Abgesehen von Tegel, wo die Angelegenheit anders geregelt werden soll, hat sich die Notwendigkeit und Möglichkeit der Erteilung eines Wanderunterrichtes in Treptow und Großbeeren ergeben. Der Schulvorstand hat daher vorgeschlagen und der Vorstand ist dem beigetreten, zunächst für Treptow, wo bisher drei Kinder ohne jüdischen Religionsunterricht und für Großbeeren, wo nur zwei Kinder vorhanden sind, Wanderlehrer zu bestellen, die drei Mark pro Stunde und Ersatz der Reisekosten erhalten sollen. Der hiernach einstweilen erforderliche Betrag vvn 635 M. jährlich wurde von den Repräsentanten bewilligt, wobei Herr Prof. Blaschke noch den Wunsch aussprach, daß die Teilnahme an diesein Religionsunterricht der Wanderlehrer auch jenen Kindern sreigestellt werden möge, die vielleicht privat oder in einer entfernt liegenden Relrgionsschule Unterricht erhalten oder auch vielleicht das schulpflichtige Alter von 14 Jahren bereits überschritten haben. — In Pankow ist bekanntlich durch ein Schadenfeuer am 24. Mai vorigen Jahres ein Teil des Dachstuhles in dem Gebäude des zweiten Waisenhauses zerstört worden. Aus der von der Preußischen National-Versicherungsgesellschaft gezahlten Entschädigungssumme von 4000 M. sollen die bisher für die Reparatur verausgabten 3962,49 M. bewilligt iverden. Die Versammlung gab dazu ihre Zustimmung. Bewilligt wurden ferner 206,50 M. für zwei Religionslehrerinnen, denen dieser Betrag infolge der von den Gemeindebehörden beschlossenen Erhöhung des Ansangsgehaltes vom 23. Aug./17. Septbr. v. I. zusteht. — Dem Verein „Mekize Nirdanim", der es sich bekanntlich zur Aufgabe gestellt hat, Schriften aus allen Gebieten der jüdischen Literatur herauszugeben, wurde für die nächsten beiden Jahre ein Beitrag von je 100 M. bewilligt. Ebenso stimmte die Versammlung dem Anträge zu, für die Neupflasterung des Weges vom Portal der Wörthstraße des Friedhofes in Weißensee bis zum ersten Toreingang des Gärtnereigeländes einen Kostenbetrag bis zu 1554 M. zu bewilligen, und zwar unter der Bedingung, daß die Arbeiten von der Vaukommisfion aus dem Wege der Submission vergeben werden sollen. Der als dringlich beantragten Vorlage des Vorstandes, dem „Tiergarten-Shnagegen-Verein" für das Jahr 1911/12 eine Jahressubvention in der bisherigen Höhe von 3500 M. und außerdem zur Deckung eines Fehlbetrages eine einmalige Beihilfe von 2000 M. zu bewilligen, stimmte die Versammlung zu. Eine sehr ausgedehnte Debatte knüpfte sich dann an die Vorlage, dem „Verein der unter Aufsicht stehenden Koscherfleischhändler" zu den Kosten eines gerichtlichen Vorgehens gegen mehrere wilde Koscherfleischhändler einen Beitrag bis zu 500 Mark zu bewilligen. Das, was der Referent dieser Vorlage, Herr Justizrat Dr. C o h n, über den argen Mißbrauch, der selbst von angesehenen Firmen, denen man das nicht zutraut, mit dem Wort „koscher" getrieben wird, vorbrachte, muß allerdings allgemeines Befremden eregen. Der hier genannte Verein der Koscherfleischhändler, dem die unter Aufsicht der Adaß Jisroel wie die unter Aufsicht der Gemeinde stehenden Koscherfleischhändler in Berlin und Charlottenburg angehören, und die sich auch durch die wilden „Koscherfleischhändler" geschädigt fühlen, hat mehrere Personen beauftragt, in/den verdächtigen Geschäften Ware einzukaufen. .Diese gekaufte Ware ist dann von autoritativer Seite auf das Vorhandensein von Schweinefleisch untersucht worden. Die Untersuchung hat ein positives Resultat ergeben. Nach den Mitteilungen des Herrn Dr. Cohn haben diese von dem gerichtlich vereidigten Sachverständigen Herrn Hosschlächtermeister Hübnec-Charlottenburg und dem Leiter der Untersuchungsstation für animalische Nahrungs- und Genußmittel im königlichen Polizeipräsidium, Herr Dr. Kurt Schern, .vorgenom-

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