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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1912-03-08 · Heft 10 (8.3.1912) · p. Seite 117

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
76 (1912)
Issue
Heft 10 (8.3.1912)
Date
1912-03-08
Page
Seite 117 (sequence 9)
Language
German
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Polizei und Gendarmerie stellten, die an der jungen Dame acht-und arglos vorübergingen. - In Paris faßen zu einem Konvent vereint die Ueberbleibsel der letzten polnischen Revolutiondie-daheim Lu ekll^Lo hingerichtet und ihrer Güter beraubt wurden, verarmte, aber angesehene Edelleute, die einigen. -Einfluß besaßen, bei den fremden Negierungen gegen Rußlandkonspirierten und namentlich beim'französischen Herrscherpaar, das selbst aus dem Schaum der Revolution aufgestiegen war, williges Ohr fanden. Diese in einem patriotischen Klub vereinten Emigranten aus dem Königreich nahmen nach und nach den Charakter, die Stllung und die Autorität einer Nationalregierung an, der man im fernen Osten gehorchte und die im geheimen herrschte. Die Erlässe und Verfügungen dieser Geheimregierung waren ein Evangelium für die geknechteten Provinzen des Mutterlandes und eine Nichtbefolgung ein Hochverrat am Vaterlande, das wie ein Leichenfeld dalag, still, freudlos, tatlos, fast hoffnungslose Der Moment, die harte und verhaßte Herrschaft Rußlands abzuschütteln, schien den Häuptern /der Revolution, welche es versäumten, den für Rußland ungünstigen Krimfeldzug zur Organisierung eines polnischen Aufstandes zu benutzen, gekommen, obschon überall Frieden herrschte. Sie wurden in den Kampf gehetzt wie die Gladiatoren in die Arena, wo raub- und blutgierige Tiere zähnefletschend der Opfer warten. Es war eine langsame, wohlerwogene Einleitung, ein leises Präludium zu einer donner- und blitzreichen Revolution,, die im Osten heraufzog und kundigen Augen bereits deutlich war, wenn sie auch erst kaum am Horizont sichtbar war. Zuerst kam die Weisung, daß alle Festlichkeiten abzustellen seien, daß die einheimische Bevölkerung Polens Trauerkleider trage, daß in den Gotteshäusern für die Wiederaufrichtung des Vaterlandes gebetet werde, daß die Gräber der in den Jahren 1830/1831 gefallenen Opfer zu besuchen und zu schmücken-seien, daß überall nur Polnisch, öffentlich und im Familienkreise, gesprochen und mit den. jüdischen.Einwohnern des Landes ein gutes Einvernehmen,' ein freundliches Zusammengehen hergestellt werde. Diese Instruktionen wurden allgemein bekannt und befolgt, obschon die. Erlässe 'Heine Unterschriften trugen; sie waren darauf angelegt, die Bevölkerung auf kommende Ereignisse, auf eine nahe Umwälzung vorzubereiten, den schlummernden Patriotismus zu wecken, ihy in den unteren Schichten zu heben und zu beleben In der Tat füllten sich die Kirchen mit.Andächtigen wie die Kirchhöfe mit Wallfahrern, welche auf die Gräber gefallener Patrioten Kränze niederlegten. Die Hellen Töne waren erloschen wie jede Aeußerung' von Freude und Zufriedenheit. Stumme Händedrücke, bei denen man sich kleingefaltene Proklamationen und Instruktionen zuschob, waren nun der verständnisvolle Gruß unter den Geheimbündlern.- Es kam aber auch sehr oft vor, daß solche Annäherungen- oder geheime Zeichen von Personen von in allen Ecken und Enden postierten, in allen Gassen patrouillierenden Gendarmen und 'Kosaken bemerkt und' die Schuldigen sofort in die Zitadelle abgeführt wurden, obschon man ihnen selten etwas Nachweisen konnte. Der geringste Verdacht, die unbestimmteste-Denunziation genügten. Daher auch die grausige Ueberfüllung det entsetzlichen Kasematten, daher die häufigen -Abschiebungen nach Sibirien ohne Untersuchung und Urteil, bloß um für die Neueingelieferten Platz zu machen. Es bürgerte sich nach. und nach ein Schreckenssystem auf beiden Seiten ein. In der Bevölkerung) war niemand seiner Freiheit und seiner Glieder, kaum seines Lebens sicher;/ man ,hatte jede Nacht, ohne sich eines Fehlers bewußt zu sein, zu befürchten, durch die —A. Os

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