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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1912-03-08 · Heft 10 (8.3.1912) · p. Seite 115

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
76 (1912)
Issue
Heft 10 (8.3.1912)
Date
1912-03-08
Page
Seite 115 (sequence 7)
Language
German
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115 Dr. Gencsi: Der Zwischenrufer hat vollkommen recht. Denn was würden die Katholiken dazu sagen, wenn ihre Angelegenheiten ein jüdischer Referent behandeln würde? Redner weist auf die Nachteile der Separation hin und erklärt zum Schlüsse seiner mit treffenden Argumenten bewaffneten Rede, daß. er die Resolution annehme. (Lebhafte Eljenruse.) Auf Antrag des Reichstagsabgeordneten Dr.. Edmund Mayer wurde beschlossen, die Redezeit auf zehn Minuten zu beschränken. Hieraus Wurde die Beratung aus eine halbe . Stunde suspendiert. Nach Wiederaufnahme der Beratungen sprach Ignaz Hofmeister, Präsident der orthodoxen Gemeinde in Halas; er begrüßte mit der ganzen Wärme seines Herzens die Bewegung und meldet den Anschluß seiner Kultusgemeinde an dieselbe an. (Applaus.) Josef Lebowits, Rabbiner in Baranhamägocs, erklärte, daß die Statusquo-Gemeinden stets auf der Basis der Einheit standen. (Eljenrufe.) Redner teilt sodann den Beschluß der Konferenz der Rabbiner der Statutsquo-Gemeinden mit. Die Konferenz protestiert gegen alles, was gegen die Einheit der Judenschast gerichtet ist. (Applaus.) Die Statusquo-Gemeinden sind bereit, im Interesse des Friedens zu intervenieren. Redner schließt sich der Resolution an. Dr. Adolf Kelemen (Fogaras) spricht die Hoffnung aus, daß die auf eine Vereinigung der Juden abzielenden Bestrebungen von Erfolg gekrönt werden. Es.sprachen noch Dr. Bernstein, Dr. Kunitz (Eger), Dr. Jordän, Dr. Albert Szekely (S.-A.-Ujhely), worauf die Resolution einstimmig angenommen wurde. Zum Schlüsse wurde ein Hunderterkomitee zur Vorbereitung des Kongresses gewählt. Zu erwähnen ist, daß, wiewohl das Unterrichtsministerium offiziell nicht vertreten war, sich dennoch ein höherer Beamter des Ministeriums, Sektionsrat Dr. Stefan Balassa, aus der Galerie des Saales eingefunden hatte, von wo er dem Gange der Beratungen folgte. Liberales Judentum in Lngland. Ein Brief des Herrn C l a u d e G. M o N t e f i o r e. er bekannte Verfechter des jüdischen Liberalismus in England, Herr Claude G. Montefiore, sendet mir zwei Exemplare seines eben erschienenen Buchest und richtet bei dieser Gelegenheit einen Brief an mich, über das liberale Judentum in England, der so wichtig ist, daß es mir passend scheint, ineinen Lesern von diesem Briefe Kenntnis zu geben. Der Brief lautet: „Ich weiß nicht, ob Sie davon gehört haben, daß wir einen Rabbiner für unsere neue liberale Synagoge in London gewonnen haben. Er heißt Israel Mattuck und kommt aus Rockawah, einer New York nahe belegenen Stadt. Wir hoffen und haben guten Grund zu glauben, daß er der rechte Mann für unsere Bedürfnisse ist. Es ist mir schon längere Zeit ausgefallen, wie schlecht die deutschen jüdischen Zeitungen über das unterrichtet sind, was im englischen Judentum und besonders in der jüdisch-liberalen Bewegung in England vorgeht. Es ist mir ebenso ausgefallen, wie schlecht wir in England über die Vorgänge in Deutschland und besonders über die innerhalb des jüdischen Liberalismus in Deutschland unterrichtet sind. Dasselbe gilt von den Vorgängen in den Vereinigten Staaten in Amerika. Was England betrifft, so liegt der Grund darin, daß die hauptsächliche jüdische Zeitung, und zwar das relativ beste, orthodox und zionistisch ist, nämlich das „Jewish Chronicle", das andere gemäßigte ist durchaus nicht ausschließlich liberal und hat sehr geringe Hilfsmittel (The Jewish World). In Deutschland dai) Outlines of liberal Judaism for the use of parents and teachers. By Claude G. Montefiore. Macmilian & Co., Limited, St. Martins Street, London 1912. Herr Claude Montefiore, Portmanus Square, London UV., ist bereit, denen, die sich für das Werk interessieren, ein Exemplar zu übersenden. gegen gibt es zwei ausgesprochen liberale Organe, die Monätsschrift „Liberales Judentum" und die „Allgemeine Zeitung des Judentums", aber beide sind über England und Amerika nicht gut unterrichtet. Das ist höchst traurig. Wie viel, könnten wir in jeder Beziehung von Ihnen lernen. Wenn unser Rabbiner weniger zu tun hat (wenn auch die auf ihm ruhende ArbeitAast für einige Zeit ziemlich groß sein wird), so hoffe ich, .daß wir und er imstande fein werden, unsere Aufmerksamkeit auf die Punkte zu lenken, die ich in diesem Briese berühre. Wir denken imstande zu sein, Ihnen regelmäßige Nachrichten zu senden. Ebenso sollten die amerikanischen liberalen Juden Ihnen Nachrichten mitteilen. Und nicht nur Nachrichten, sondern Artikel. Liberales Judentum sollte sich, nicht in ein amerikanisches, englisches und deutsches zersplittern, von denen keines weiß, was das andere sagt und tut, sondern wir sollten uns Helsen und anregen. Da wir so viele Feinde haben, müßten wir Hilfe und Anregung von unseren Freunden erlangen. Wir denken binnen kurzem imstande zu sein, in London eine liberale jüdische Monatsschrift zu veröffentlichen, welche Notizen und Artikel aus Deutschland, Amerika und auch aus der liberalen Pariser Synagoge enthalten soll, Israels Abrahams, der treffliche Professor der rabbinischen Literatur in Cambridge, hat wiederholt von der. dringenden Notwendigkeit einer solchen Monatsschrift gesprochen,' aber er war und ist zu sehr in Anspruch genommen, um einer solchen Organisation Zeit zu gewähren. Auch ich bin zu beschäftigt. Meine einzige Hoffnung ist, daß unser neuer Rabbiner, Herr Mattuck, in einiger Zeit fähig sein wird, diese Ausgabe zu übernehmen." . Herr Claude Montefiore schließt diesen Brief mit der Bemerkung, daß er im Laufe des Frühlings nach Deutschland kommen wird, um mit. Herrn Seligmann und mir zu konferieren. Ich verspreche mir von einer solchen Unterredung sehr viel, denn wir wissen wirklich herzlich wenig von dem, was im liberalen Lager in England, Frankreich und Amerika vorgehü Meine oft wiederholten Bemühungen, ständige Korrespondenten in diesen drei Ländern zu gewinnen, die uns nicht nur über allgemein Jüdisches,,.sondern speziell über die Vorgänge im liberalen Lager Kenntnis geben, sind bisher resultatlos verlaufen. Es wäre sehr schön, wenn durch eine persönliche Verbindung der freiheitlichen Sache genützt werden könnte, denn nur durch eine Vereinigung können wir den Gegnern gegenüber stark werden. - . - L. G. . Ssksr Mummthal. Geboren am 13. März 1832. skar Blumenthal, der in diesen Tagen seinen sechzigsten Geburtstag feiert, von dem wir in dieser Nummer ein Bild und einige uns gütigst zur Verfügung gestellte Verse im Faksimile bringen, ist ein geborener Berliner. Er besuchte zuerst die jüdische Knabenschule, dann das Friedrich-Werdersche Gymnasium und absolvierte seine Studien in Berlin und Leipzig. Er redigierte zuerst in Leipzig die „Deutsche Dichterhalle", seit 1874 in Dresden die „Neuen Monatshefte für Dichtkunst und Kritik" und verlegte 1875 seinen Wohnsitz nach Berlin. Dort war er zuerst als Feuilletonredakteur deä „Berliner Tageblatts", dann lange Jahre als Leiter des Lessingtheaters, das er begründet hat, tätig. Seit 1898 widmet er sich nur schriftstellerischen Arbeiten. Diese sind zweifacher Art. Es sind teils kleine Satiren, Sprüche, Plaudereien, Skizzen, in denen er mit liebenswürdigem Humor, gelegentlich auch mit großer Schärfe allerlei lachende Wahrheiten sagt. Von seiner ersten Sammlung an, „Allerhand Ungezogen- 'S

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