Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1912-03-08 · Heft 10 (8.3.1912) · p. Seite 113

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
76 (1912)
Issue
Heft 10 (8.3.1912)
Date
1912-03-08
Page
Seite 113 (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/3224737-3229015-3229026--68252-3280502
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Aus die viel verhandelte Frage: W o l i egt d e r G e - setzesberg Sinai?, die Pro.sessor- Gunkel .in Gießen vor einigen Jahren angeregt' hat, kommt Gunkel selbst in seinen vor kurzem in dritter Auslage erschienenen „Auserwählten Psalmen" ' (Verlag von . Äänderhoeck u. Ruprecht in Göttingen) zu sprechen. .' Er werft dort erneut daraus hin, daß nach den Beschreibungen der Erzählung von der Sinai-Offenbarung eist..'gewaÜiges Erdbeben den Berg erschüttert, daß Raüch vom Berge aufsteigt, wie von einem „Schmelzosen", .ja, daß es ausdrücklich heißtdie Flamme des brennenden Berges sei bis in die MM des Himmels emporgeschlagen, bei Finsternis, Gewölk und Dunkelheit. Diese Angaben lassen keinen Zweifel, daß es sich hier nicht um phantastische Ausschmückungen eines Gewitters handelt,- selbst wenn von Donner und Blitz die Rede ist, sondern daß alles auf einen Vulkanausbruch deutet. Bei solchen Annahmen ist es natürlich nicht die Absicht der biblischen Forscher, nach Art des alten rationalistischen Verfahrens ein Wunder natürlich zu erklären, sondern vielmehr. diese, das historische Ereignis, das damals Israel erlebt hat und in dem sein Glaube die herrliche Erscheinung, seines Gottes sah, zu verstehen.. Die biblische Forschung sucht nun seit langem mit großer Einmütigkeit den Sinai nicht mehr dorf, wo sein Name aus unseren heutigen Karten steht, denn dieser Sinai ist kein Vulkan, sondern im alten Lande Midian, östlich vom älanitischen Meerbusen (Busen von Akabah). Und in der Tat, hier erhebt sich nach den allerjüngsten Forschungen des Oesterreichers Aloys Musil inmitten der Ebene ein langgezogener grauer Tafelberg, aus dem ein pechswcharzer Krater hoch zum Himmel ragt. Sein Name ist Hala-al-Bedr, der Mondberg, was der Bedeutung von Sinai (Sin —Mond) gleichkommt. Er ist heute noch ein heiliger Vulkan, denn auch die Führer Musils haben ihn dringend gebeten, ihn nicht zu besteigen. .In seiner Nähe finden sich Siedlungen der Abed Musa, Diener und Jünger des Mose. Also deutet auch die volkstümliche Tradition sehr laut aus diesen Berg. Es ist erstaunlich, wie. sehr das Bild einer vulkanischen Eruption noch in der späteren biblischen Literatur immer wieder nachklingt. Nicht nur in den Bildern der Psalmen — diese geben Gunkel Veranlassung zu seinen Ausführungen in der oben zitierten Ausgabe —, sondern, auch bis in die Ausmalungen des Weltendes und Weltgerichtes der spätjüdischen und frühchristlichen Literatur ist noch die Wirkung der alten Eruptionsschilderung zu spüren. Ilrselitilche lanöpebonfmn? in Mdapelt. uf Initiative der SzübudkaerKaUusgemlindewinde am 20. Februar vormittags im Festsaale der Pest er Llohd-Gesellschast eine Landeskonferenz der ungarländischen israelitischen Kultusgemeinden abgehalten, lieber 600 Delegierte der Kultusgemeinden des Landes, die derzeit in drei Lager gespalten sind, hatten sich zu der Konferenz eingefunden, um die Frage zu erörtern, unter welchen Modalitäten eine einheitliche jüdische Autonomie geschaffen werden könnte. Der mit tropischen Gewächsen geschmückte Saal, in dem an der Hinteren Längsseite eine mächtige Tribüne erichtet war, erwies sich als zu. klein, um die große Anzahl der Delegierten auszunehmen. Auch die Galerien waren teils mit Neugierigen, teils mit den Damen der Delegierten dicht gefüllt. Die Menge bot ein interessantes Bild; man sah zahlreiche Rabbiner, würdige.Talmudgelehrte, deren Köpfe mit kleinen Samtkäppis bedeckt wärey. ' Als Vertreter der Polizeibehörde war Stadthauptmann HugoSzeßler anwesend. Die Beratungen begännen um H) Uhr, doch die Verifikationskommissionen walteten schon eine Stünde früher ihres Amtes; Als Präsidenten der Kommissioneü' fungierten: Dr. Alexander Fleischmänn, Dr. Siegmund Schäfer, Dr. Paul Bacher und Dr: Emerich Deäk. Mit der Ausrechterhaltung der Ordnung waren besondere Ordner betraut, die durch Armschleisen kenntlich waren. Als Majordomus fungierte Gemeindevorsteher Dr. Wilhelm Grauer.' Die Pester israelitische Religionsgemeinde war durch eine große. Anzahl Delegierter vertreten, unter denen sich die Gemeindevorsteher Hosrat Sigmund L'. Breitner, Max Grünbaum und Moritz Stiller befanden. Auch Generäl' Ritter" v'. Schweitzer hätte sich in Galauniform eingesunden.' : '' ' "' ' . V •. Die Konferenz wurde um 10^ Uhr vom Präsidenten der Szegedex Kultusgemeinde Dr. Jzso v. Rösa mit einer kürzen Ansprache eröffnet; zum Präsidenten empfahl er den Hofrat Franz Szekely, „diese' hervorragende Gestalt der ungarischen Judenschaft, diesen Förderer der jüdischen Kultürbestrebungen". (Applaus.) ' Eröf f nu n g s r e d e d esPräsid e n t en. . Hosrat Franz Szekely dankte für seine Wahl und begrüßte die.. Delegierten, die erschienen sind, um den Interessen ihrer Konfession, zu dienen, um zur Herstellung des Hrjedens beizutragen. Er dankte dem Präsidenten der Szabadkaer . Kultusgemeinde Dr. Adolf Klein und dem Redakteur. Mäx Szabolcski, dem ersteren, weil er die Kon-' ferenz angeregt, dem letzteren, weil er für die Idee große. Propaganda gemacht hatte. (Applaus.) / Dann fuhr dev Präsident wie folgt in seiner Rede fort: Liebe Brüder! Wir haben uns hier versammelt, um den ersten Schritt zur Begründung einer einheitlichen ungarischen israelitischen Gemeinschaft zu tun. Es ist fast unglaublich, daß wir hiernach noch streben müssen. Sind wir denn Nicht alle gleich im Glauben, im Gefühl? Nichten wir nicht zu demselben Gott ünser Gebet, und ist uns nicht dieselbe Thora gegeben worden? Gibt es in. unserer Jahrtausende alten Vergangenheit von zwei jüdischen Konfessionen auch nur eine Spur? Und wenn wir von Zeit zu Zeit, hören, daß im Innern Chinas oder im dunkelsten Afrika'eine uralte jüdische Kolonie gesunden wurde; gibt es dann jemanden unter uns, der nicht eine Glaubensverwandtschaft; eine Glaubensidentität' mit 'den"Chinesen oder den Afrikanern jüdischer Konfession, die zu demselben Gott beten und dieselbe heilige Schrift ehren, fühlen würde? ' Ein Gott, eine Thora, ein Israel! Und wenn dem so'ist, kann dann von zwei jüdischen Konfessionen gesprochen werden? Nur böse Menschen können so etwas behaupten und nur einfältige es glauben. .. Die heutige Konferenz hat einen doppelten Zweck; der erste ist demonstrativer Natur: eine feierliche Manifestation für die Einheit der ungarischen-Judenschaft, an die Ivir alle glauben und die mit sündhafter Hand entzw'eizureißen wir nicht gestatten werden. , Der zweite ist positiven Charakters: der erste Schritt zur Schaffung einet staatsrechtlichen Einheit der ungarischen Judenschaft, die für jeden heilvoll sein und niemanden belasten,- die religiöse- Ueberzeugüng nicht verletzen, , die unsere Konfession-nach außen hin zu einer geachteten, Nach innen zu einer starken machen, die materielle' Kraft der Kultusgemeinden heben und sie so in die Lage versetzen wird; für Lehrer und Geistliche besser zu sorgen als-bisher-.-- Mit einem Schlage wird sie der Judenschaft im-ungarischen Staatsleben, in den Reihen der ungarischen Konfessionen den ihr gebührenden Platz sichern. Schließlich sind wir erschienen,, um ein Werk-des . Friedens zu schassen. Seien, wir .'daher nicht kriegerisch,- reden - wirzu -.-einander mit Liebe und hören wir .einander mit Geduld an. - Suchen wir nicht die -Punkte, die uns voneinander trennen,. sonderndie,- die uns -.vereinigen,.... .. ..... .... ...... ••. - - Indemich nun, geliebte Brüder, Gottes' Segen aus unser- Beginnen herabflehe, eröffne ich die Konferenz. Die Rede des Hofrates Szokely wurde - mit lang-anhaltendem Applaus ausgenommen... - >. In der Debatte gab - Dr. Mols - Klern (Szäbadka); der' bekanntlich die Initiative zu der Einberufung ergriffen hatte, die Gründe^ an, die ihn zu seiner -Aktion veranlaßten.- Er schilderte unter großer Wirkung die tristen öffentlichen Zustände der Judenschaft, die" schön seit Jahrzehnten.'unsere hervorragendsten Männer beschäftigen.' Seit dreiundvierzig Jahren Haben diese vergebens einen Ausweg zur Entwirrung gesucht; all ihr Bestreben erlitt Schissbruch, was zum großen Teile aus die unverständliche Indolenz der Juden' Zurückzuführen ist.- Aus der ganzen Linieunseres konfessionellen Lebens ist'ein Rückfall eingetreten, inder . -Judenschaft ist eine Spaltung eim getreten, und - wie Anhänger der - verschiedenen" Lager stehen einander feindlich-'gegenüber. Die -eine Million 'Seelen zählende ungarische Judenschaft ist von dem Mißtrauen der anderen' Konfessionen umgeben. Unfrieden, Zwietracht; innerhalb, Mitztväüen :gegen ' uns

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.