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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1912-03-01 · Heft 9 (1.3.1912) · p. Seite 108

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
76 (1912)
Issue
Heft 9 (1.3.1912)
Date
1912-03-01
Page
Seite 108 (sequence 12)
Language
German
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Zunz nicht gedenkt (Zunz, den der Verfasser.schon aus.Strodtmanns Biographie Heines hätte kennen können)-, ist keine Kulturgeschichte. Bon diesen und gar manchen anderen.Mängeln abgesehen, ist aber das Buch als ein höchst vornehmes..Prachtwerk den Schaulustigen wohl zu empfehlen. .. , .. . " . , , , L. G; ■; ■■ ■■• ' \\ :■■■ V,".Y — Trauungsgef ang (kau! sosam) von J o s eph Epstein. Im Verlage der Schlesingerschen Musikalienhandlung ist vor kurzem die neueste. Komposition von Herrn Kantor Joseph Epstein, ein Trauungsgesang mit hebräischem und deutschem Texte, erschienen. .Das gut harmonisierte, melodiöse und sehr wirkungsvolle Lied dürfte bald in weiteren. Kreisen die Verbreitung finden, die es nach Inhalt und Form verdient. F. Mcheremlsuk. Besprechung der Bücher Vorbehalten. Zurücksendung der Bücher findet in keinem Falle statt. K. C. Blätter, Monatsschrift der im Kartell-Convent vereinigten Corporation«.'«. 2. Jahrg. Nr. 6, Febr. 1912. Der Staatsbürger,. Halbmonatsschrift für politische Bildung, herausgegeben von Professor Dr. Hanns Dorn in München. Nr. 2. Zweites Januarheft 1912. Im deutschen Reich. Zeitschrift des Zentralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens. 18. Jahrg. Nr. 2. Gedenkrede auf Ludwig Philippson bei der Bonner Hundertjahrfeier seines Geburtstages (28. Dezember 1911). Von Rabbiner Dr. E. Kalischer. Veröffentlicht durch den Vorstand der Synagogengemeinde Bonn. Verlag von Richard Wolffberg, Bonn. - Dem Andenken weil. Bela Guttmann, Oberkantors der israel. Kultusgemeinde Wien. SprechsM. Wir erhalten folgende Zuschrift! nachdem in den letzten Jahren eine Reihe jüdischer Feldzugsoffiziere in das Grab gesunken ist — u. a. die ehemaligen Haupt leute Stern-Posen, (Infanterieregiment 32) Bvrchardt-Berlin, die - Oberleutnants und Leutnants Stilling (Husarenregt. 14), Salvmon (Jnfanterieregt. 35), "de la Parra .(Jnfanterieregt.. 25), Hermann (Grenadierregt. 109), Neustadt (Jnfanterieregt. 117), Binge (Dragonerregt. 5), Jaffo (Landwehrbataillon 10), ist ihnen jetzt in Worms der Hauptmann d. L. a. D. Gernsheim (früher Infanterieregiment 118) in den. Tod gefolgt. So lichtet sich immer mehr die Zahl der Offiziere jüdischen Glaubens, die im. Kriege 1870/71 für Deutschlands Größe den Degen führten und von denen viele für. Tapferkeit vor dem Feinde besondere Auszeichnungen erhalten haben. Auch in dem folgenden Jahrzehnt wurden zahlreiche Juden zu Reserveoffizieren der preußischen Armee befördert und erst als die Erinnerung an 1870 in den Ossizierkorps weniger lebendig geworden war, unterblieb ' mit Anfang der 80er Jahre die Beförderung glaubenstreuer Israeliten. Getaufte Juden sind auch seitdem in sehr vielen Fällen zu aktiven und Reserveoffizieren ernannt worden. Der gesunde Sinn des deutschen Volkes und das Gerechtigkeitsgefühl des preußischen Offizierskorps werden hoffentlich bald einem Zustand'em Ende machen, der weder vereinbar ist mit der Verfassung, noch mit einem wohlverstandenem Staatsinteresse und der stolzen preußischen Devise: 8uum cuique. . ■*. . der Nr. 5 dieses Blattes befindet sich ein Artikel aus der Feder des Herrn Rabbiner Dr. Tiktin-Oels, der den Kantorenstand stark angreist. Herr Dr. Tiktin möchte dem Kantorät kurzerhand den Garaus machen. Ich glaube nicht, daß die Amtsgenossen des Herrn Tiktin ihm aus diesem Wege folgen werden. Ich achte den Rabbinerstand zu hoch, um solches anzunehmen. Wenigstens ist ein Berliner Kollege, Herr Rabbiner Dr. Hochfeld, in einer eben im Druck erschienenen Passahpredigt iü warmherziger Weise für den Kantorenstand. eingetreten, dessen Bedeutung für den Gottesdienst er eingehend würdigt. , .. > -Zunächst berichtet Herr Dr. Tiktin als Novum, „die. Berliner -jüdische Gemeinde habe die löbliche. Einrichtung getroffen, den Gottesdienst zu. verkürzen." „Das Leinen," sagt er, „ist in vielen Synagogen durch einfaches Rezitieren der Torah ersetzt." Herr Dr. Tiktin meint dann weiter, „dieser verkürzte Gottesdienst könne vom Rabbiner allein geleitet werden, wie dies in den Gemeinden Amerikas schon der Fall sei." Was im „Lande der unbegrenzten Möglichkeiten" möglich ist, ist es bei uns noch lange nicht. „Jenseits des großen Teiches" .herrschen ganz andere Verhältnisse. Es gibt dort meist mir kleinere .Gemeinden, die sich nur einen „Reverend" oder „Minister", der nichts anvere-s als ein ist, halvru Dieser „Rev-'»e,id" branchk aber kein akademisch gebildeter Rabbiner zu sein. Die großen Gemeinden haben, ebenso wie hierzulande, besondere Kantoren. Der -Vergleich hinkt also. Herr Dr. Tiktin bekundet unverhohlen eine brennende Sehnsucht nach einem Gottesdienst in kirchlichem Stil. „Soll nicht gerade der Rabbiner," ruft er aus, „im Mittelpunkt des Gottesdienstes stehen, wie der evangelische oder katholische Geistliche?" Ich fürchte nicht, daß Herr Dr. Tiktin bei unseren Glaubensgenossen viel Gegenliebe mit derartigen Resormplänen finden werde. Herr Dr. Tiktin ist der Meinung,' „diese Frage (wohl der Verchristlichung des jüdischen Gottesdienstes?) habe die Reform gelöst." Das hindert Herrn Dr. Tiktin jedoch nicht, gleich hinterher zu erklären,' „er stehe nicht auf dem Standpunkt der. Resormgemeinde." „Bei einem in deutscher Sprache zu verrichtenden Gottesdienst," erklärt Herr Dr. Tiktin sehr zutreffend, „ist es doch naturgemäß, daß die Gebete vom Prediger deutsch vorgetragen werden." Aber auch dort, wo das Hebräische zum größeren Teil beibehalten ist,'ließe sich das nach der Meinung des Herrn Dr. Tiktin machen.' Warum muß denn aber der Gottesdienst ausschließlich dem Prediger zugesprochen und der Kantor aus dem Kultus eliminiert werden? Es liegt ja Herrn Dr. Tiktin, wie er beruhigend versichert, fern, seine Ausführungen gegen die Kantoren zu .richten. Er weiß, „daß sie Treffliches geleistet haben und noch leisten," und darum — fort mit, ihnen! Herr Dr. Tiktin schiebt dem seligen Lewandowski die Tendenz zu, den Schwerpunkt in den Chor- und Gemeindegesang gelegt zu haben.' Das ist nicht richtig. Möge er sich einmal die Mühe nehmen, das Vorworr zu Lewandowskhs „Lol rinnali üffillah“ durchzulesen. Er wird dann finden, daß Lewandowski den Chor lediglich als Unterstützung für den Kantor gedacht hat. * Wenn Herr Dr. Tiktin am Schlüsse seiner Ausführungen 'einer musikalischen Ausbildung der Rabbiner das Wort redet und ihm hierbei der messelesende katholische Priester als leuchtendes Vorbild vor Augen steht, so erübrigt sich wohl ein Kommentar hierzu. Im übrigen bin ich so optimistisch, der Hoffnung Räum zu geben, daß der Fortbestand des jüdischen Kantorats trotz Herrn Dr. Tiktin nicht gefährdet ist. A L u d w i g K a l i s ch e r , Y Kantor der Berliner jüdischen Gemeinde. Verehrliche Redaktion! Berlin, 22. Februar. ^^er Jüdische Turnverein Berlin 1905 feiert sein siebentes Stiftungsfest durch ein Schauturnen aller Abteilungen am Sonntag den 3. März 1912 nachmittags 4 Uhr in der Turnhalle Gormarm- ,straße 4. Der Verein gehört dem Kartell deutscher Turner jüdischen Glaubens an. Wir bemerken hierzu, daß die .Leiter unseres Vereins sich nicht als Nationaljuden, sondern als deutsche Staatsbürger betrachten, für die das Judentum nur der Glaube ist, der sie eint. Wir bitten Sie um Ihre geneigte Unterstützung. Mit vorzüglicher Hochachtung I. A.; Theodor Epstein v , Charlottenburg, Cauerstraße 31. .

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