Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1912-03-01 · Heft 9 (1.3.1912) · p. Seite 107

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
76 (1912)
Issue
Heft 9 (1.3.1912)
Date
1912-03-01
Page
Seite 107 (sequence 11)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3224737-3229015-3229025--68239-3280488
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

— Gedichte religiösen Inhalts von Anna Sal'zb e r g e r. Frankfurt a. M., Verlag von. I. Knuffmann. 1912. Die Gedichte sind in echt jüdischem Geiste, in rechter Liebe und Begeisterung geschrieben, so daß sie auch Begeisterung in den Herzen anderer erwecken können. Stimmungsvolle Lieder sind Sabbat und Festtagen geweiht, und noch manch anderer Sang ist verschiedenen religiösen Momenten entsprossen. Dem frommen Herzen einer vortrefflichen Gattin und Mutter entstammen diese poetischen Erzeugnisse, die, von dankbaren Kindern gesammelt und zu einem Blütenkranz vereinigt, „den geliebten Eltern zur Feier sünsundzwanzigjährigeu gemeinsamen Wirkens in ihrer Gemeinde" überreicht worden sind. Einige Gedichte eignen sich sehr wohl zu Vorträgen für Kinder bei festlichen Gelegenheiten, wie „Die neun Chanukälichtchen". -- Wandertour und Ferienkolonie. Von H. R o e d e r, Berlin. Sonderabdruck aus „Medizinische Reform", Halbmonatsschrift für soziale Hygiene und Praktische Medizin; herausgegeben und redigiert von Professor Dr. Rudolf Lennhoff und Dr. Benno Latz. Zweite, unveränderte Auflage. Allgemeine Medizinische Verlagsanstalt, G. m. b. H., Berlin 1911. Rach Z u n tz ist es im wesentlichen die durch Uebungsmärsche zu erwerbende Geschicklichkeit in der besonderen Art des Gehens, welche beim Wandern, namentlich bei der Steigung, notwendig wird und einen geringeren Stoffverbrauch bewirkt. Hierüber hat er zusammen mit Lvewy, Caspari und Müller grundlegende Forschungen angestellt und in seinem Werke „Höhenklima und Bergwanderungen in ihrem Einslutz auf den Menschen" niedergelegt. Demzufolge waren die Erfolge sechstügiger Wanderungen von Schulkindern sowohl im Gebirge wie in der Ebene für die Hebung des Ernährungszustandes und für die Förderung der Entwicklung und Festigung der Gesundheit ganz ungewöhnliche. Die Gewichtszunahmen waren zum Teil sehr bedeutende. Mit Recht fordert der Verfasser daher einen weiteren Ausbau der Bestrebungen für Schülerwanderungen, zumal in den Großstädten, in denen, wie sestgestellt, etwa 50 Prozent der Schulkinder unterernährt, blaß und blutarm sind und sonstige gesundheitliche Fehler aufweisen. Für viele Kinder, die jetzt in die Ferienkolonien geschickt werden, würde noch mehr die Teilnahme an Wandertouren in Betracht kommen. Die Ferienkolonien könnten dadurch teilweise entlastet werden und dadurch noch segensreicher wirken als bisher, weil sie sich einer größeren Anzahl bedürftiger Kinder zuwenden könnten: Schülecwanderungen können daher neben den Ferienkolonien als ein souveränes Hilfsmittel für die physische Erziehung, für eine vernunftgeinütze Körperpflege und für die Erhaltung der Wehrfähigkeit des Nachwuchses betrachtet werden. Das Schristchen verdient, sorgsamste Beachtung auch in jüdischen Kreisen zu finden, die ja der Frage der Ferienkolonien lvie überhaupt der gesundheitlichen Förderung und Kräftigung unserer Schuljugend stets wärmstes Interesse und tatkräftigste Unterstützung entgegengebracht haben. Sanitütsrat Dr. S ch e r b e l, Lissa. * — D i e Juden in der m o d e r n e n R a s s e n t h e o r i e von Dr. Max Besser. Jüdischer Verlag G. m. b. H. Köln und Leipzig 1911. Eine flott geschriebene Darstellung der wichtigeren, das Judentum betreffenden Fragen der modernen Rassentheorie. Besonders zu empfehlen ist die Broschüre dem Laien, dem Zeit und Kenntnisse fehlen, um Z o l l s ch a u s Buch zu studieren. Wenn man auch des Verfassers positiven Anschauungen, deren Grundlage eine national-jüdische ist, durchaus nicht immer beistimmen kann, ist dennoch der kritische Teil seiner Ausführungen so eindringlich und treffend, datz eine möglichst weite Verbreitung der schön ausgestatteten Schrift in jüdischen und christlichen Kreisen erheblichen Nutzen stiften würde. . Goldmann - Oppeln. * Der Deutsch nationale Handlungsgehilfenverband. Sonderabdruck der „Mitteilungen aus dem Verein zur Abwehr des Antisemitismus". 1911. Preis 40 Pf. In sieben Kapiteln, von denen ein jedes durch die Fülle und geschickte Anordnung des Materials ein Agitationsmittel ersten Ranges darstellt, wird das antisemitische Demagogentum des „Deutschnationalen Handlungsgehilsenverbandes" in seiner ganzen Heuchelei und Erbärmlichkeit geschildert, und da der angegriffene Teil durch eine erstaunlich zähe und geschickte Handhabung des Berichtigungsparagraphen jedes Detail, das auch nur entfernt angreifbar erschien, von der Veröffentlichung auszuschließen gewußt hat, bedeutet die vorliegende Broschüre unantastbar historische Wahrheit. Allen Prinzipalen, seien sic nun Juden oder Christen, sei diese vortreffliche Charakteristik der zersetzenden Tendenzen und gehässigen Kampfesweise des „Deutschnationalen Handlungsgehilfenverbandes" dringend' zu ernstester Beachtung empfohlen. G o l d m a n n. * — D i e Medizin und Hygiene der Iud en in Elsaß- Lothringen. Vortrag von Dr. M. Ginsbnrger. (Aus den Schriften der Gesellschaft für die Geschichte der Israeliten in Elsaß- Lothringen.) Gebweiler. Druck von I. Dreifus. 1911. Der Verfasser weist in' seinem Vortrage nach, datz die Juden in Elsaß-Lothringen auf dem Gebiete der Medizin und Hygiene Hervorragendes geleistet haben, und daß jüdische Aerzte und Aerztinnen durch die Ergebnisse ihrer Forschungen die medizinische Wissenschaft bereichert haben. Das sei aber eine in dem Wesen des Judentums begründete Erscheinung. Denn das Judentum mache es seinen Bekennern zur heiligen Pflicht, alle geistigen Bestrebungen zur Erhaltung und Pflege der Gesundheit und zur Förderung der allgemeinen Wohlfahrt in dem Staate, in dem sie leben, zu unterstützen. Sanitätsrat Dr. S ch e r b e l, Lissa. * — Biedermeier. Deutschland von 1815 bis 1847. Von Max v. Boehn. Berlin, Verlag von Bruno Cassirer. Preis 25 Mark, gebunden 28 Mark. Ein wundervoll ausgestattetes Buch, dessen Papier und künstlerische Ausstattung eine wahre Augenweide sind. Nur mutz man sagen, der Titel Biedermeier ist nicht richtig gewählt, da er etwas verspricht, was das Buch gar nicht hält, auch nicht einmal halten will. Unter Biedermeierzeit verstehen wir, so sehr auch die Möbel und Zimmerausstattungen jener Zeit jetzt wieder in Ausnahme gekommen, ja geradezu Mode geworden sind, doch eine Kulturepoche, die für uns durchaus überwunden ist. Was in unserem Buche dargestellt ist oder richtiger werden soll, die Zeit von 1815 bis 1847, kann man nicht als überwunden bezeichnen. Denn diese Epoche bedeutet die Anfänge einer Kultur, an deren Fortführung und Entwicklung wir noch jetzt arbeiten. Das kann man schon daraus erkennen, wenn man die Kapitelüberschriften des Werkes liest: Politische Zustände; soziale Verhältnisse; der Verkehr; Kirche und Schule; Literatur und Wissenschaft usw. Man mutz z. B. daran denken, daß das Zweite Kapitel von den Anfängen der sozialen Frage, dem Beginn der Einführung der Eisenbahnen und Dampfschiffe handelt, um zu erkennen, daß hier nicht von einem behaglichen Stilleben gesprochen wird, wie wir es mit Recht unter Biedermeierzeit verstehen, sondern von einer großen Umwälzung, die von der allerhöchsten Bedeutung ist. Wenn wir an dieser Stelle das Buch anzeigen, so geschieht es wegen einiger Seiten, die den letzten Abschnitt des vierten Kapitels bilden und „Judentum" überschrieben sind- Die einzelnen Ueberschristen der Abschnitte sind die folgenden: „Die Juden und ihre Lage nach dem Krieg"; „Unser Verkehr"; „Moses Mendelssohn"; „Heinrich Heine und Ludwig Börne"; „Die Emanzipation"; „Lassalle". Man muß zunächst den Verfasser darauf Hinweisen, daß Moses Mendelssohn, der 1786 starb, doch nicht gut in einer Geschichte von 1815 bis 1847 zu behandeln ist, und mutz sodann bei der Besprechung der Posse „Unser Verkehr" sich einigermaßen wundern, daß die ganz falsche Vermutung Treitschkes, unter dem Autornamen Sessa verberge sich der Superintendent Mertens aus Halle — eine Vermutung, die ich vor einigen Jahren in diesen Blättern zurückgewiesen habe —, gläubig als Tatsache angenommen wird. Abgesehen'aber von solchen Jrrtümern. wie dürftig und nichtssageird ist der ganze Abschnitt. Unter den Aufklärern und Begründern der neuen Richtung wird, wie ich gern mitteile, Abraham Geiger genannt und auch Heine, selbst Börne werden recht verständig gewürdigt. Aber was soll man dazu sagen, daß weder der Name Gabriel Rießer, noch der von Leopold Zunz überhaupt genannt wird. Welchen Anteil die Juden an Malerei, Dichtung, Musik, am Schauspielerberuf nahmen, wenn auch viele der in diesen Fächern Wirkenden später die Taufe annahmen, wird gar nicht erwähnt. Eine noch so kurze Kulturgeschichte der Juden in dem Zeitraum von 1815 bis 1847, die der großen Männer Rießer und

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.