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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1912-02-23 · Heft 8 (23.2.1912) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
76 (1912)
Issue
Heft 8 (23.2.1912)
Date
1912-02-23
Page
Seite 3 (sequence 15)
Language
German
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planmäßig ihren Religionsunterricht genießen, wird seitens der Schulverwaltung für den Unterricht der jüdischen Schülerinnen nichts getan. . Es sind, zwar innerhalb der Synagogengemeinde zwei Religionsschulen, aber diese Schulen befassen sich mehr mit dem Erteilen des hebräischen Unterrichts, und dann besuchen.auch nicht alle jüdischen Atädchen der Wegnerschen Schule die Gemeinde-Religionsschulen. Die Wegnersche Schule erhält wie die anderen privaten Mädchenschulen von der Stadtgemeinde eine jährliche Subvention. Dürste da nicht auch der jüdische Religionsunterricht ebenfalls eine Berücksichtigung verlangen? — Herr Stadtverordneter Hugo Brodnitz ist. zum Abgeordneten der Stadt Posen für den Provinziallandtag gewählt worden. — Wollstei n. Der hiesige jüdische Krankenpfleger- und Beerdigungsverein feierte in diesen.Tagen sein 17 jähriges Bestehen. Die ganze Gemeinde beteiligte sich an dieser seltenen Feier. Die Festrede hielt 'Herr Rabbiner Dr. S a l o m o n s k i aus Frankfurt a. O. M. Hamburg, 15. Februar. In der im Logenheim abgehaltenen Generalversammlung der Vereinigung für d a s l i b e r a l e Judentum in Deutschland, Ortsgruppe Hambur g, erstattete der Vorsitzende einen Bericht über die VereinstätigIeit nn Jahre 1911. Aus diesem Bericht ist zu entnehmen, daß die Zahl der Mitglieder jetzt 141 beträgt und daß im verflossenen Jahre eine rege Tätigkeit entfaltet wurde; insbesondere seien die Diskussionsabende von gutem Erfolg begleitet gewesen. Die Bemühungen betreffs Einführung des jüdischen Religionsunterrichts in den gehobenen Schulen seien fortgesetzt worden. Der Vorstand der deutsch-israelitischen Gemeinde habe bereits an den Senat einen entsprechenden Antrag gestellt. In der Debatte, welche sich dem Berichte anschloß,, wurde von verschiedenen Seiten die Anregung gegeben, Kurse im Religionsunterricht für die schulentlassene Jugend einzurichten. Bei der Neuwahl des Vorstandes wurden gewählt die Herren Louis David, Leopold M. Durlacher, M. Heule, Daniel Münden, Dr. Ri eg er, Dr. Sonderling, Dr. Ten t l e r sowie Frau A. Lev tn und Frau Emil M a g n u s. Als Ersatzvorstandsmitglieder wurden gewählt die Herren Max Friedländer, Max Jelenkiewicz sowie Frau Dr. Michael. In die Jugendkommission, welche der Ortsgruppe angegliedert ist, wurden gewählt die Herren G o e tz, M a g n u s jun., O p P e n h e i m und Hermann U r i a s. '£2 Dresden, 16. Februar. In den Vorstand der Sozialen Stiftung wurden auf das Jahr 1912 feitens des Rates der Stadt Dresden folgende Herren gewählt: der Vizepräses des Evangelischen Landeskonsistoriums, Oberhofprediger D. Dibelins, Magnifizenz, der Präses des Katholischen Konsistoriums, Hofprediger Kummer, seitens des Vorstandes der Israelitischen Religionsgemeinde Kommerzienrat Elb, seitens ihres Gemeinderates Rabbiner Dr. Winter und Kommerzienrat Georg A r n h o l d. Das vom Vorstand der Israelitischen Religionsgemeinde gewählte Mitglied Kommerzienrat Elb führt den Vorsitz. Sonach sitzen im Vorstand dieser nach den letztwilligen Bestimmungen des Kommerzienrats Max Arnhold begründeten Stiftung die Geistlichen von drei verschiedenen Konfessionen mit Vertretern der Israelitischen Religionsgemeinde einträchtig zusammen, um solchen. Vereinen und Anstalten Unterstützungen Ki gewähren, die Wohltätigkeit und Gemeinnützigkeit ohne Unterschied der Konfession ansüben. Die Stiftung ist auch noch dadurch eigenartig aufgebaut, daß das Kapital in zwei Hälften zerlegt ist, deren eine ihren Ertrag ausgibt, während der der anderen Nun Kapital geschlagen wird, und daß immer nach 60 Jahren die Hälfte des sogenannten gesperrten Kapitals zum freien Kapital hinzugeschlagen wird. Außer dem nach der Stiftungsurkunde zunächst zu berücksichtigenden Verein zur Speisung bedürftiger Schulkinder und der Kinderheilanstalt erhielt aus einer ergänzenden Stiftung des Bruders des Begründers, Kommerzienrat Georg Arnhold, der Verein für Walderholungsstätten und der Freie Ausschuß für Lungenfursorge Jahresunterstützungen zuerkannt. — Bingen, 16. Februar. Gegen die seinerzeit in dem Entwurf der neuen städtischen Friedhofs- und Begräbnisordnung durch Beschluß der Stadtverordnetenv-erfanrmlung dem neu errichteten hiesigen Friedhof gegebene Benennung „ C h r i st l i ch e r F r i e d h o f", hatte damals der Vorstand der Jfraelitifchen. Religionsgemeinde Bingen in einer Eingabe an das Ministerium Widerspruch erhoben und. beantragt, die ursprüngliche Bezeichnung „Städtischer Friedhof" wieder in. das Statut einzusetzen. Diesem Antrag hat das.Ministerium nunniehr stattgegeben und der hiesigen Stadtverwaltung aufgegeben, den neuen Friedhof mit „Städtischer Friedhof" zu bezeichnen. — Stuttgart, 15. Februar. Der V o l k s s ch u l a u s s ch u ß d e r A b g e o r d n e t e n kam m e r erledigte kürzlich die letzten Artikel des Lehrergesetzes. Artikel 15 bestimmt in Uebereinstimmung mit dem bisherigen Recht, daß den israelitischen Volksschullehrern bei Versetzung in den bleibenden Ruhestand auch die Jahre auf die pensionsberechtigte Zeit angerechnet werden, die. sie als ausschließliche Vorsänger in ständiger Anstellung oder vom zurückgelegten 23. Lebensjahre an in unständiger Stellung Zugebracht haben. Dem Artikel wird Zugestimmt. Artikel 16 ist durch Uebernahme in das israelitische Kirchengesetz erledigt und wird gestrichen. Der Ausschuß nahm fi> dann noch zwei Resolutionen des Berichterstatters Löchner an. Die eine Resolution ersucht die Negierung, um Aufstellung einheitlicher Grundsätze für alle Departements, aus welche Dauer den staatlichen Funktionären im Falle der Erkrankung die Dienstbezüge weiter gewährt werden sollen, die andere ersucht die Regierung um Erwägung, ob an die Stellender einseitigen Verpflichtung der Volksschullehrer zur Besorgung des Organisten-, Kantor-, Chordirigenten- und Vorsängeramtes ein freies Vertragsverhältnis treten kann. — Der „Beritz old - A u e r b a ch-V e r e i n" veranstaltete am 6. Februar einen Vortragsabend, zu welchem sich ein überaus zahlreiches Publikum, Herren und Damen, eingesunden hatte. Herr. Lehrer Leo Adler als Vorstand begrüßte die Versammlung und betonte, daß der Verein sich in den verschiedenen Strömungen im Judentum durchaus neutral verhalte. Herr Rabbiner Dr. Tänzer aus Göppingen hielt hieraus einen einstündigen hochinteressanten Vortrag über: „Die Zukunft des Judentums". Er beleuchtete das aktuelle Thema nach allen Richtungen hin und zeigte unter Hervorhebung zahlreicher neuer Gesichtspunkte, daß für uns Juden kein Anlaß vorliege, wegen der Zukunft besorgt zu sein. Die vorzüglichen Ausführungen des bewährten Redners fanden allerseits langanhaltenden Beifall. Kolmar, 15. Februar. Die kürzlich stattgesundene Wahl zumisraelitischen Konsistorium im Oberelsaß hatte das Ergebnis, daß die fortschrittliche Liste bis aus einen Kandidaten siegte. Von 1900 eingeschriebenen Wählern machten etwa 1400 von ihrem Wahlrecht Gebrauch. Es erhielten im ganzen Bezirk Bankier M a n h e i m e r - Kolmar 767, Rechtsanwalt B u r g - Kolmar 9 0 4, Dr. H i r tz - Kolmar 735, Kaufmann W o v m s e r - Kolmar 800 Stimmen; Gintzb u r g e r- Mülhausen unterlag mit 601 Stimmen gegen den Kaufmann I. Meyer-Mülhausen, der 722 Stimmen erhielt. Meyer ist orthodox. Bon der Gegenliste der orthodoxen Partei erhielten außerdem Picard-Kolmar 601, Ruefs-Kolmar 449, Wnrmser-Kolmar 420. Llpotheker Zivi-Kolmar 347 Stimmen. England. 2. London, 15. Februar. Auf seiner Rückreise aus Indien empfing König Georg in Gibraltar eine Deputation der dortigen Judenschast. Der Führer der Abordnung, Gemeindepräsident Berget, begrüßte den König in einer Huldigungsansprache, in welcher er namens der Judenschast von Gibraltar der Freude darüber Ausdruck gab, daß der König von dieser historisch denkwürdigen Reise glücklich heimkehre. König Georg, der die Deputation huldvollst empfangen hatte, antwortete wie folgt: „Während unserer Reise durch die Kolonien jenseits der Seen konnten wir ständig die befriedigende Wahrnehmung machen, daß unsere jüdischen Untertanen dem Reiche und unserm Hause in Treue ergeben sind und die großen Dienste beobachten, welche' sie dem Reiche geleistet haben. Ihre Glückwünsche haben uns sehr gefreut und ich danke Ihnen herzlichst für die Aufrichtigkeit derselben."— Am Tage der Ankunft König Georgs in London wurde in der Hauptsynagoge ein Danksagungsgottesdienst veranstaltet, bei welchem Rabbinatsassessor H h a m s o n die Festrede hielt. Er sagte unter anderem: „Die Gebete, die wir heute emporsenden, verrichten wir nicht nur als englische Bürger, sondern auch als Juden. Loyalität war stets die Ureigenschast unserer Glaubensgenossen in allen Ländern, in denen sie lebten, selbst in jenen, wo die Judenverfolgung in Blüte steht. Um so mehr sei es für die Juden in England ein Herzensbedürfnis, Treue zu halten zu dem Staate und dem königlichen Hause. Diese Gefühle seien aber nicht ein Monopol bloß der in. England geborenen Juden, sondern werden auch von den Einwanderern geteilt, die in diesem Lande einen neuem Himmel und eine neue Erde gefunden haben. Auch diese hegen den aüfrichtigen Wunsch, daß Ihre Majestäten ihre hohen Ziele mit Erfolg gekrönt sehen mögen, und daß dieses Land ein Muster werde für andere Länder durch den höchsten Grad des Fortschritts."

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