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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1912-02-16 · Heft 7 (16.2.1912) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
76 (1912)
Issue
Heft 7 (16.2.1912)
Date
1912-02-16
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
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Handlung .'Don' Wunder-armen, die verkrüppelt sind, angeregt. Sehr interessant gestaltete sich auch die Debatte über Abfertigungs- und Meldewesen. Dann folgte ein gleichfalls sehr bedeutsames Referat des Herrn Schräge n h e i m - Bremen über „Arbeitsbeschäftigung und Arbeitsnachweis", an das sich eine sehr lebhafte Diskussion knüpftE deren Resultat aus. der dann angenommenen Resolution ersichtlich ist. Dieselbe, von Herrn Senator Fischer beantragt, hat folgenden Wortlaut: „Die Versammlung empfiehlt den Provinzialkomitees als eine ihrer vornehmsten Ausgaben dringend die Errichtung von Arbeiterkolonien in den Großstädten, von Arbeitsstätten an kleineren Plätzen —- entsprechend dem jeweiligen Sitze der ' Provinzialkasse — und zu diesem Zwecke tunlichst mit den von den Bno Brit Logen errichteten beziehungsweise noch zu schassenden Organisationen und sonstigen Institutionen mit ähnlichen Zwecken in Verbindung zu treten. Auch ist die Stellenvermittelung anzustreben. Zu diesem Zweck sollen nach Möglichkeit die Obmänner der Logenarbeitsnachweise in den Vorstand der Provinzialkasse gewühlt werden. Wie bei den übrigen Institutionen der Zentralstelle ist auch Hierbei auf rituelle Verpflegung und Sabbatruhe Rücksicht zu nehmen. Die deutsche Zentralstelle wird ferner beauftragt, mit der Alexander- und Fanny-Simon-Stiftung und mit der von ihr begründeten Land- und Leh.r gut G. m. b. H. in Steinho r st wegen Beschäftigung und Ausbildung einer größeren Anzahl Arbeiterin'Verbindung zu treten." Sodann referierte noch Herr CH a im-Köln über „Abkommen und Verrechnung mit dem Ausland". Zum Schluß erstattete Herr Generalsekretär Dr. Neu mann einen Bericht über das Verhältnis der Zentrale zu den noch nicht angeschlossenen Gebieten. H; Berlin, 13. Februar. Im Verein f ü r jüdische Geschichte und Literat u r sprach am 6. d. M. Schriftsteller J u liu s B ab über das Thema: „Der Jude als dichterisches Motiv." Er wolle nicht, so führte der Redner aus, von den unzählbaren Literaturwerken sprechen, in denen Juden oder jüdisches Milieu geschildert werden, sondern lediglich von Werken, in denen der Dichter einen Juden darstellen mußte, in denen der Jude eine ganz bestimmte Lebenskraft verkörpere." Der Redner gab sodann einen kurzen historischen Ueberblick über diese Werke. Marlows Tragödie „Der Jude von Malta" sei das erste literarische Erzeugnis, in dem ein Jude als Mensch mit eigenem Seelenleben vorkomme, während er in den mittelalterlichen Theaterstücken nur als Hanswnrft dargestellt wird. Auch bei Shakespeare, im „Kaufmann von Venedig", wird Shylock als ein Mensch mit einem erschütternden Schicksal dargestellt, aber nur als Mensch. Den Juden, der durch keine andere -Persönlichkeit ersetzt werden kann, führte erst Lessing in die Literatur ein. Im „Nathan den Weisen" handelte es sich um die höchste Wahrheit, als deren Träger Lessing sich nur einen Juden denken kann. In der romantischen Epoche finden wir zwei jüdische Typen, die direkt entgegengesetzte Charaktere darstellen. Bei Achim von Arnim, bei Gutzkow, und weiter hinauf bis zu Frehtag, Raabe, Anzengruber und Zola finden wir den Juden als Repräsentant des Materiellen, als Hausierer und gleichzeitig als den des höchsten geistigen Ideals. Dies ist vor allem in Hebbels „Judith" der Fall, wo der Satz „Was wider die Natur ist, ist gegen Gott" abgelehnt wird. Und als Vertreter des Abstrakten, des allem Realen Äbgewandtcn wird uns der Jude auch in der zeitgenössischen Literatur dargestellt, so bei Hauptmann, Shaw, Tolstois Der Jude als der typische Vertreter, des Handels hat in einem Werke von bleibendem Werte keine Darstellung, gefunden, woraus erhellt, daß auch heute in unseren besten Köpfen der Jude als der Träger des geistigen Ideals empfunden wird. Reicher Beifall lohnte den Redner für seine interessanten, durch viele Zitate belebten Ausführungen.. — Aus den auswärtigen Literaturvereinen. In Bruchsal sprachen. Professor Dr. G o l d st e i n - Darmstadt über das deutsche Geistesleben und die Juden; Rechtsanwalt Rotschild-Bruchsal über den-Zionismus, Vezirksrabbiner Dr. Grzymisch: Zur Geschichte des großh. Oberrars der badischen Israeliten; in Eisenach sprach Albert K a tz - Berlin über Lord Byron und seine hebräischen Melodien; in Köslin Rabbiner Dr. Worms über Hiob und Faust; in Mainz Herr Moritz Berney über die Glücket von'Hameln; in Göttingen. Koburg und Gotha Rabbiner Dr. L o e v y - Graudenz über „Judentum und Arbeit", „Aberglaube und Judentum" und die Geschichte Israels an der Hand alter Denkmäler (mit- Lichtbildern); in Kattowitz, Beuthen, Königshütte, Gr. Strehlitz, Oppeln und Ratibvr Schauspieler Fritz Richard-Berlin: Rezitationen; in Meschede (Ruhr), wo ein neuer -Verein begründet wurde, Prediger Käxl R ose n t h a l - Detmold über Baruch Spinoza. — Berlin, ll$. Februar. Das jüdische Genesungsheim imSolbad Elmen in Gemeinschaft mit dem Kindersparverein haben ihre Generalversammlung abgehalten und über ihre Wirksamkeit im letzten Jahre berichtet. Der Vorsitzende Herr Moritz Manheimer begrüßte die Versammlung und machte die erfreuliche Mitteilung, daß nach dem Bericht des Badearzfes Sanitütsrat Diu Fricke die Resultate der Anstalt besonders -zufriedenstellend waren. Sämtliche Kinder, 268 an der Zahl, konnten zur Freude ihrer Eltern gestärkt und gekräftigt wieder heimkehren. Die Vorsitzende des Kindersparvereins, Frau Cäcilie Friedländer, begrüßte das neueingetretene Mitglied des Vorstands Herrn Siegfried Sachs mit einer herzlichen Anrede und dankte ihm für sein reges Interesse für die Anstalt. Herr Behrens berichtete über die Eingänge der Sparkästchen, denen 8271 Mark entnommen wurden. Herr Jacob teilte mit, daß die Ausgaben 17539' Mark und die Gesamteinnahmen 18174 Mark betrugen. Der eiserne Fonds enthält (179‘168 Mark. Das Kindergenesungsheim, dessen Anstaltsgeliäude nicht zu Buch steht, liegt ganz nahe dem weit ausgedehnten Gradierwerk, weshalb die kühle, heilsame Ozonluft auf die Gesund» h it der Kinder besonders günstig einwirkt. Auch das Turnen und Spielen in dem großen Anstaltsgarten übt einen wohltuenden Einfluß auf das Wesen der Kinder aus. Bei schlechterem Wetter und im Winter belustigen sie sich auf der im Garten hergestellten Eisbahn oder in den geräumigen Spielsälen. Herr Sachs berichtet, daß er,' Frau Bertha Mannheimer und Herr Jacob einen unangemeldeten Besuch in der Anstalt Elmen gemacht und dabei die angenehmsten Eindrücke empfangen habend Den Damen und Herren des Vorstandes wurde der Dank für ihre Mühewaltung ausgesprochen. . ' W. J. Berlin, 12. Februar. Der Jüdisch - liberale I u g e n d v e r e i n Berli n hat durch seine V o r t r ä g e und das . W i n t er v e r g n ü g e n viele neue Mitglieder gewonnen, so daß der- - jüngste jüdische Jugendverein bald der größte sein wird. Ueber die Vorträge ist bereits berichtet worden. Das Winterfest bot den Mitgliedern und Gästen reichen musikalischen Genuß und hielt sie bis spät nach Mitternacht zusammen. Zum Gelingen des schönen Festes trug vor allem Herr K a p e l l m e i st e r Kellermann bei, der nicht nur selber mitwirkte, sondern uns den Kunstgenuß bereitete, die Konzertsängerin Fräulein Fanny O P f e r und den zwölfjährigen Violinvirtuosen K r o p t zu hören. Auch die Klaviervorträge des' Fräulein Rose sowie die Ansprache des Schuldirigenten Herrn L e v h fanden großen Beifall. Regster Beteiligung erfreuen ' sich die im Dezember v. I. eingeführten D i s k u t i e r - A b e n d e , die zunächst nur für unsere Mitglieder stattfinden und durch Referate, die unsere Mitglieder selbst halten, das Interesse für jüdische Fragen wecken sollen.. Die Beteiligung an dieser neuen Veranstaltung des Jüdischliberalen Jugendvereins ist so rege, daß wir bis zum kommenden Winter mit Vorträgen und Referaten versehen sind. Mit großer Freude .sei die Tatsache erwähnt, daß auch von seiten der Lehrer unserem Verein das größte Interesse entgegengebracht wird, und die Herren Lehrer H i r s ch s e l d , A b r a h a m, G e i s m a r und andere haben bereits Vorträge zugesagt. — Am ersten Diskutierabend sprach Herr Dr. John Wertheim über das Thema: „Die Kunst des Diskutierens". Seine schönen Ausführungen über die Kunst des Diskutierens waren selber eine Kunstleistung. Die beiden folgenden Abende waren der Propaganda unseres Vereins gewidmet. In der ersten Veranstaltung in diesem Jahre gedachte der Leiter der Diskutierabende Herr Lehrer S i m s o n Ludwig Philippsons und gab ein Bild seines Lebens und seines vor allem auf praktische Arbeit gerichteten Strebens. In den nächsten Wochen werden sprechen: Herr Diplom-Ingenieur Hans I'. R e m a k über „Jüdische Strömungen in der Studentenschaft", Herr . E h o ike, „Der Verbandstag der deutschen Juden", Herr Dr. L e v h, N n t io n ali smus ", die Herren ZiPPert und B e r n st e i n, „Die Vorträge Sombarts", Fräulein R o s e n b e r g, „Die Kunst und die Juden" u. a. Zu den öffentlichen Veranstaltungen sind Nichtmitglieder herzlichst eingeladen und erhalten Karten durch den Schriftführer Herrn Rechtsanwalt Dr. Abraham, W. 8, Jägerstraße 10. Berlin, 12. Februar. Der Verein für Arbeitsnachweis, begründet von den Berliner Logen

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