Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 76 (1912)
- Issue
- Heft 7 (16.2.1912)
- Date
- 1912-02-16
- Page
- Seite 84 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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merkungen des Herausgebers über das Oberrabbinat, die kirchliche Verwaltung der englischen Judenheit, durchaus moderne Gegenstände. Der Wissenschaft sind außer wichtigen Rezensionen, z. B. des Sombartschen Buches, das stark bestritten wird, zwei Aufsätze gewidmet, von denen der eine die Leistungen der Juden auf dem Gebiete der Medizin in der älteren Zeit, der andere den Einfluß einiger jüdischer Ueberläufer aus die Reformation behandelt. Der letztere spricht über Servet, Pfefferkorn, Victor v. Carben, Levita, Mathäus Adrianus und Johann Em. Tremellius. Die Skizze gibt nicht viel Neues; nach' Ineiner Ueberzeugung ist der Titel falsch, denn die Genannten haben zwar in christliche Kreise manche Kenntnis über das Judentum gebracht (viel Falsches neben einzelnem Wahren), aber einen Einfluß auf die Reformation haben sie gar nicht geübt und eine Einwirkung aus das Schicksal der Juden in jener Zeit nur zum geringen Teil gewonnen. L. G. Lücheremlsuk. Besprechung der Bücher Vorbehalten. Zurücksendung der Bücher findet in keinem Falle statt. Sälomon Maimons Lebensgeschichte. Mit einer Einleitung und mit Anmerkungen neu herausgegeben von Dr. Jakob Fromer. München, bei Georg Müller. Festschrist zum 50jährigen Jubiläum der Synagoge zu Stuttgart. Herausgegeben, vom Israelitischen Kirchenvorfteheramt Stuttgart. 37. Jahresbericht über die Verwaltung des Jüdischen Kurhospitals im Sool- und Seebade Kolberg im Jahre 1911. (Stimmen aus Maria-Laach. Jahrg. 1911. 10. Heft.) Die deutsche Literatur und die Juden von I. Overmans. Freiburg i. Br. 1911. Herdersche Verlagsbuchhandlung. Der Staatsbürger, Halbmonatsschrift für politische Bildung. Herausgeber Prof. Dr. Hanns.Dorn. München, Verlag von Fr. Wilh. Gr'unow in Leipzig und Berlin. He’Atid (Die Zukuusi). Hebräische Zeitschrift für Literatur und Wissenschaft des Judentums. Verlag „Sinai" (S. Hurwitz), Berlin, Kurfürstendainm 51. 3 Baude, Berlin 1908, 1909, 1910/11. Sprechsaal. Aussprache der hebräischen Vokale und Konsonanten ist die historisch richtige, die der Portugiesen, der deutschen oder der polnischen Juden? Antwort erbeten im Briefkasten der „Allgemeinen Zeitung des Judentums" unter G. Schönebeck. "V^olksschriften über die israelitisch-jüdische Religionsge schichte. Durch einen Setzerfehler ist in dem vorwöchentlichen Artikel der Preis des Jahresabonnements verwischt gewesen. Das Jahresabonnement der Volksschristen beträgt nur 5 Kronen 4.25 Mark. Man abonniert bei dem Unterzeichneten. Karlsbad, den 3. Februar 1912. Dr. I. Ziegler, Rabbiner. mit jedem Jahre häufen sich die Ge'uche um Aufnahme in das jüdische Genesungsheim zu Lehnitz für Frauen und Mädchen derart, daß trotz der bedeutenden Mehraufnahmen im letzten Jahre-wegen bes so großen Andranges zahlreiche Gesuche unberücksichtigt bleiben mußten. Daher ist es zu empfehlen, Eingaben um Aufnahmen in das Heim, welches am 1. März wieder eröffnet wird, baldigst unter Einreichung eines ärztlichen Attests an das Bureau des Vereins Jüdisches Genesungsheim, Rosenstraße 2/4, zu richten. * Dessau, den 7. Februar 1912. An die Redaktion der „Allgemeinen Zeitung des Judentums" . Berlin. Im „Berliner Tageblatt", Abendausgabe vom 17. Januar, ist folgende Berichtigung abgedruckt: „Im Artikel „Die Stichwahlsituation in Dessau" in Ihrer heutigen Morgennummer ist behauptet, daß der in Anhalt 1 in die Stichwahl gelangte nationalliberale Kandidat North „antisemitischer' Reaktionär" und durch „antisemitische Flugblätter und ähnliche Mittelchen" in die Stichwahl gelangt sei. Beide Behauptungen sind durchaus unrichtig und beruhen auf falschen Informationen. Herr North gehört nicht zum agrarischen Flügel der Nationalliberalen, er hat sich darauf verpflichtet, gegen jede Erhöhung der Lebensmittel einzutreten. Es ist auch nicht der geringste Umstand eingetreten, der belegen könnte, daß ^Herr North. Antisemit sei. Gewiß haben hier und da unverantwortliche Freunde seiner Kandidatur gegen unseren Kandidaten Dr. Preuß auch seine Konfession ausgespielt, aber die uat:onalliberale Partei ist auf meine Frage sowrt und öffentlichscharf von diesen Praktiken — noch vor der Hauptwahl — ab gerückt. Von der Verteilung antisemitischer Flugblätter ist mir nur ein einziger Fall aus einer Defsaner Versammlung bekannt, die am Abend vor der Wahl stattfand. Urheber waren nicht die Nationalliberalen, sondern der allgemeinen Annahme nach im Kreise der Deutschnationalen Handlungsgehilfen zu suchen. Wäre Herr North im geringsten antisemitischer Neigungen verdächtig, so wäre ich, der ich im Ausschuß des Verbandes der Deutschen Juden sitze, der Letzte, der bei der Stichwahl für ihn eintreten würde. Ich bemerke noch, daß in Anhalt I ein Kandidat der Konservativen nicht ausgestellt war. Diese traten für Roth ein, aber, wie sie in ihrem Wahlaufruf deutlich durchblicken ließen, weil er in ihren Augen gegen Dr. Preuß das kleinere Nebel sei. Schuldig am Verlust des Wahlkreises sind lediglich die Anhänger der demokratischen Vereinigung, die mit grenzenlosem Fanatismus gegen Dr. Preuß kämpften, von etwa 34 500 abgegebenen Stimmen nur 17 000 erhielten, aber damit die fortschrittliche Volkspartei aus der Stichwahl brachten. Sie halten auch ganz offen verkündet, daß sie in der Stichwahl gegen Dr. Preuß für den Sozialdemokraten stimmen würden. Der Wahlkreis Anhalt I wird für die bürgerlichen Parteien inskünftig nur von einem Fortschrittler, der sofort nationalliberale Unterstützung findet, gewonnen werden. Mit vorzüglicher Hochachtung Rechtsanwalt Dr. Cohn-Dessau, Vorsitzender des liberalen Wahlvereins für Anhalt „Richard Roesicke." Trotzdem wurde ich aufs neue beschuldigt, ich unterstützte in North den Antisemiten. Die fortschrittliche Organisation für Dessau, der liberale Verein „Kaiser Friedrich" beschloß daraus in einer äußerst zahlreich besuchten Versammlung, an die Redaktion des ,,Berliner Tageblatts" folgende Resolution zu senden: „Der liberale Verein Kaiser Friedrich in Dessau hat in seiner am 29. Januar 1912 abgehaltenen zahlreich besuchten Versammlung einstimmig festgestellt, daß es durchaus unzutreffend ist. daß Herr Rechtsanwalt Dr. Cohn in Dessau in Kenntnis, daß der Nationalliberale Kandidat North Antisemit sei, eine Stichwahlparole zu seinen Gunsten beantragt habe. Daß Herr North Antisemit ist, ist nicht erwiesen, wohl aber, daß hie und da mit antisemitischen Mitteln für ihn gearbeitet ist. Doch ist dies in größerem Umfange erst bekannt geworden, nachdem über die Stichwahlparole bereits Beschluß gefaßt war." Diese Resolution ist von einer Versammlung gefaßt worden deren Mitglieder zu ®/io — im Gegensatz zu mir, ebenso im Gegensatz zum Zentralvorstande der Partei — zu einer offenen Wahlparole für North aus taktischen Gründen nicht zu bringen waren. Sie hätten mich aber wahrlich nicht einstimmig aufs neue zu ihrem Vorsitzenden gewählt und mir nicht einstimmig eine Vertranenskundgebung zuteil werden lassen, wenn ich der seit einem Jahrzehnt in der Leitung der für die Gleichberechtigung der deutschen Juden kämpfenden Korporationen sitze, bewußtermaßen einem Antisemiten bei Reichstagswahlen Vorspanndienste leistete. Um eine Legendenbildung, die der Sache der Fortschrittspartei wie der deutschen Juden schädlich werden kann, zu verhindern, bitte ich Sie um Abdruck dieser Zeilen. Hochachtend Rechtsanwalt Dr. Cohn.