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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1912-02-09 · Heft 6 (9.2.1912) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
76 (1912)
Issue
Heft 6 (9.2.1912)
Date
1912-02-09
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
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finden, der Mitglied einer solchen Kommission sein'wolle. Schließlich wurde die Vorlage antragsgemäß zur Kenntnis genommen. — Dann erfolgte die Wiederwahl der ausscheidenden Herren der Waisenkommission und der Kommission für die festgottesdienstlichen und musikalischen Angelegenheiten, sowie der bisherigen Mitglieder des Vorstandes der Synagoge Rhkestraße. Zn das Kuratorium des 2. Waisenhauses wurden die ausscheidenden Mitglieder wieder- und an Stelle des verblichenen Herrn Emil Mosse Herr Dr. Alfred Witkowski neu gewählt. In den Vorstand der Altersversorgungsanstalt wurden dann die Herren Dr. Arthur Lewin und Dr. Heinrich Wittstock, in die Fürsorgekommission die ausscheidenden Mitglieder wieder- und Herr Oberlehrer Dr. Julian Hirsch neu gewählt, desgleichen Herr I. Mandelbaum in die Armenkommission und an Stelle des verstorbenen Herrn Alexander Lomnitz Herr Otto Cohen in die Durchreisendenkommission. .In den Schul- 'und Talmud-Thöra-Vorstand wurden die bisherigen Herren wiedergcwählt. Dem Vorstandsantrage, die seinerzeit zur Errichtung einer Blumenhallein Weißensee bewilligten 35000 Mark dem 3. Amortisationsfonds zu entnehmen, stimmte die Versammlung zu. Die für Anschaffung des Inventars im Erweiterungsbau des I. Verwaltungsgebäudes verausgabten 74 443.86 Mark sind dem Reservefonds zu entnehmen. Ferner werden bewilligt: Zur Abhaltung von Prüfungen für die Qualifikation von Religionslehrerinnen pro 1910/1911 60 Mark und von da ab jährlich 160 Mark, zur Einrichtung elektrischen Lichtes in der Rektorwohnung der Mädchenschule 496 Mark, für Honorare für die Mitwirkung bei Vorproben und Prüfungen von Bewerbern uni Kantoren- bzw. Dirigentenposten 1559.50 Mark, zur Drucklegung von Partituren und Chorfiimmen für die Orgelshnagogen und zur Honorierung der Mitarbeit bei der Neuredigierung des Notenmaterials 2885 Mark, für den Neubau des II. Waisenhauses in Pankow nach Maßgabe des Kostenanschlags der Baukommission 280 000 Mark, für das Wirtschaftsgebäude des neuen Krankenhauses ein Baukostenbeitrag von 458 400 Mark, für das Leichen- und Pförtnerhaus 163 000 Mark und zur Neubefchaffung von Mistbeetdoppelkasten nebst Fenstern für die Friedhofsgärtnerei 2544 Mark Der Mietung des großen Saals der Bötzow-Brauerei und des Saals der Brauerei Königstadt zur Veranstaltung von Hauptgottesdienst und des Saals des Logenhauses Joachimsthaler Straße 13 zur Veranstaltung von Jugendgottesdienst an den hohen Festtagen stimmt die Versammlung zu. — Der vom Vorstand vorgelegte Tarif für die Preise in der Synagoge Fasanenstraße, der im allgemeinen nach den Preisen der Plätze der Lützowstraßen-Synagoge normiert ist, wird angenommen. Sodann werden 'weiter bewilligt: 2500 Mark Halbjahrsbeitrag für die Deutsche Zentralstelle für jüdische Wanderarmenfürsorge, 800 Mark einmaliger Beitrag für das Beth Hamidrasch und den Synagogenverein Lew Jehudo, Franseckistraße 3, für den jüdischen Volksverein eine Extrasubvention von 1000 Mark und der Beitrag für die Reform gemeinde in der bisherigen Höhe von 20 000 Mark. — Schließlich gelangten noch zwei dringliche Vorlagen zur Erledigung. In Neukölln (Rixdorf) soll zum 1. April d. I. eine Gemeindereligionsschule mit vier Klassen eröffnet werden, zu deren provisorischer Leitung auf ein halbes Jahr Herr Professor Dr. Fiegel berufen werden soll. Zur Bestreitung der Kosten wird dem Schulvorstand ein Betrag bis zu 3000 Mark aus dem Fonds für neu zu errichtende Religionsschulen zur Verfügung gestellt. Endlich werden noch 250 Mark Teuerungszulagen für fünf verheiratete Gärtner des Friedhofs Schönhauser Allee bewilligt und dann in eine geheime Sitzung getreten, in der vorzugsweise Personalfragen zur Beschlußfassung gelangten. y. Berlin, 6. Februar, lieber die Feier des 25jährigen Nepräsentantenjubiläums der Herren Direktor Dr. Minden und Geheimer Rat Bumenthal haben wir bereits kurz berichtet. In Ergänzung sei hier noch folgendes hinzugefügt: An dem Gratulationsakt beteiligten sich fast der gesamte Gemeindevorstand und alle Repräsentanten. Außer der von dem Kalligraphen Herrn Senger ausgeführten künstlerischen Adresse war den Jubilaren auch eine prächtige Blumenspende von der Repräsentantenversammlung ins Haus gesandt worden. In dem so geschmackvollkünstlerisch ausgestatteten Heim des Herrn Dr. Minden fand beim Eintritt in die Villa, im Treppenhaus, das prächtige Wandgemälde Lesser Ury's: „Moses beschwört die Finsternis", das den Blick unwillkürlich auf sich lenkte, allgemeine Bewunderung. Desgleichen wurde der Blick auf die wunderbare Skulptur des „Messias" von Glicenftein, der beim Aufgang zum. Salon durch die breiten Scheiben aus dem Villengarten grüßte, hingelenkt, und man wurde sofort von dem Gefühl ersaßt, daß in diesem Hause ein warmes und nachahmenswertes Interesse für jüdische Kunst und jüdische Künstler waltet. Der Festakt selbst hatte auch andere Freunde des Hauses herbeigeführt und ging über den Rahmen einer nur gemeindlichen Ehrung hinaus. Außer den ungemein warmen Ansprachen, die der Redner des Vorstandes der Gemeinde, Herr Sanitätsrat Dr. Stern und der Vorsitzende der Repräsentantenversammlung Herr Louis Sachs an den Jubilar richteten, sprachen auch noch die Herren Willibald Loewenthal, der zugleich die Adresse der Repräsentanten überreichte, namens der liberalen Repräsentantenfraktion, Herr Emil Cohn überbrachte die herzlichsten Glückwünsche des Deutsch-Israelitischen Gemeindebundes, dessen geschäftsführendem Vorstand der Jubilar bekanntlich ängehört, Herr Benas Levh sprach für die Liberale Vereinigung und endlich Herr Dr. B. Holz namens der Reformgemeinde. — Herr Direktor Dr. Minden gab in seinen Dankesivorten zugleich ein Bekenntnis der Gesichtspunkte, die ihn in seiner Tätigkeit im Ehrendienste der Gemeinde leiten, die so bemerkenswert sind, daß wir sie hier nahezu wörtlich wiedergeben. Er führte unter anderem aus: „Durch meinen Eintritt in die Repräsentantenversammlung vor nun 25 Jahren bin ich vielfach in Kämpfe geraten, aber allmählich haben sich die Verhältnisse dann immer friedlicher gestaltet. Für meine Tätigkeit in Gemeindeangelegeuheiten ist immer das Bestreben maßgebend gewesen, unserer heiligen Religion diejenige Stellung zu verschaffen, welche sie befähigt, ihre welthistorische Mission zu erfüllen. Diese Mission fasse ich in zwei Sätze zusammen. Der erste ist der, daß unsere Religion berufen ist, das Gebot des mosaischen Gesetzes: „Du sollst Deinen Nächsten lieben wie Dich selbst" über die ganze Menschheit zu verbreiten. Der andere ist der, daß der jedem Menschenherzen'eingeborene Gottesbegriff zu höchster Reinheit ausgeftaltet und von allen abergläubischen Zutaten befreit werde, daß ein Gottesbegriff hingestellt werde, der Herz und Vernunft gleichermaßen befriedigt, der dem Kinde wie dem Erwachsenen, dem Höchstgebildeten wie dem einfachen Manne aus dem Volke verständlich ist!" Dann führt Herr Dr. Minden, anknüpfend an den gleichzeitigen Erinnerungstag der 200 jährigen Geburtstagsfeier Friedrichs des Großen die Gedanken auf einen anderen Fürsten des Hohenzollernhauses, dem die Geschichte gleichfalls den Namen des Großen zuerkannt hat. auf den Großen Kurfürsten, . dem insbesondere die Berliner jüdische Gemeinde viel zu verdanken habe, der fast als der Begründer der jüdischen Gemeinde erachtet werden müsse. Denn er sei es gewesen, der die aus den meisten Landen vertriebenen Juden hier nach Berlin zurückrief und so ermöglichte, daß ein Gemeinwesen erstand, welches in seiner Entwicklung unter den gerechten Fürsten des Hohenzollernhauses zur heutigen Größe gelangt sei. Er möchte daher als äußeres Zeichen seines Dankes eine von einem jüdischen Künstler herzustellende Büste des Großen Kurfürsten zum Geschenk machen und bitte, sie im Saale der Repräsentanten aufzustellen. Die gastfreundliche Frau des Hauses ließ es sich selbstverständlich nicht nehmen, die zahlreichen Gäste durch ein Frühstück zu bewirten, in dessen Verlauf Herr Prediger Dr. Lev in in herzlichsten Worten, die stärksten Widerhall bei allen Anwesenden fanden, auf das Wohl des Hauses Minden einen Toast ausbrachte. Kurz vor 1 Uhr begaben sich dann die meisten Herren nach dem Heim des Herrn Geheimrats Dr. Blumenthal, wo sich der feierliche Akt der Gratulationen und Ansprachen ebenfalls incherzlichster Weise vollzog. Berlin, 6. Februar. Die Beisetzung Julius P a g e l s, des hervorragenden Forschers auf dem Gebiete der historischen Medizin, der im Alter von 61 Jahren an den Folgen eines Schlaganfalls verstorben ist, fand am 2. dieses Monats aus dem Friedhof der jüdischen Gemeinde in Weißensee unter großer Beteiligung von Universitätsprosessoren und des Lehrkörpers der Kaiser-Wilhelm-Akademie statt. An der Spitze des Lehrkörpers der Universität nahm der Rektor der Universität, Professor v. Dr. Lenz, an der Spitze der zahlreich zur Trauermsi

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