Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 76 (1912)
- Issue
- Heft 6 (9.2.1912)
- Date
- 1912-02-09
- Page
- Seite 66 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3224737-3229015-3229022--68179-3280425- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
iipps -- 66 - * Nein, der typisch-jüdische Zug verschwindet, sobald durch die Mischehe jener seelische Vorgang erloschen ist, dessen körperlicher Ausdruck er war. Ein Dichterwort wird dies am treffendsten erklären: „Es ist der Geist, der sich den Körper baut". Der jüdische Geist ist es, welcher den jüdischen Typus hervorbringt, und mit dem Erlöschen des jüdischen Geistes hat auch das Antlitz das Besondere, das Auszeichnende des jüdischen Typus verloren. Was wir jedoch hier „jüdischer Geist" nennen, wird nicht durch die mehr oder minder peinliche Einhaltung jüdisch-religiöser Vorschriften umschrieben. Es ist etwas weniger und doch unendlich viel mehr. Der jüdische Geist ist -allein das Bekenntnis des reinen Monotheismus, das Festhalten an dem Ideal vom einig-einzigen, unsichtbaren Gotte, die Fähigkeit, ein den Sinnen nicht wahrnehmbares, höchstes Wesen zu denken, von welchem unser Tun und unser Sein gelenkt und beeinflußt wird. Diese Fähigkeit, von der jüdischen Religion zugleich gefördert und ausgebildet, stellt an sich das höchst entwickelte Denksystem dar und kommt im jüdischen Antlitz zum Physiognomischen Ausdruck. Die jüdische Religion, welche seit Anbeginn der Geschichte die einzige ist, welche die erhabensten Begriffe der Seele von den rohsinnlichen Behelfen einer beschränkten Vorsiellungsweltlos gelöst und das abstrakte Denken geschaffen hat, verlieh damit ihren Bekennern jene geistige Kraft, die auch die Züge derselben durch eine edle Besonderheit auszeichnet. Und so ist das Judentum weder als Rassenfaktor zu behandeln, noch entsprechen ihm nationale oder politische Ambitionen; das Judentum ist eine, in das Gewand religiöser Gebote gekleidete, von allen Schlacken sinnlicher Fassungskraft geklärte Weltanschauung, welche die vollendetste Ethik in sich birgt und den menschlichen Intellekt zu den höchsten und edelsten Aufgaben heranbildet. An dieser Weltanschauung festzuhalten, genügt, um auch den Fortbestand des jüdischen Typus zu sichern! Nur da, wo auf die Errungenschaft des reinen Monotheismus leichtsinnig oder verständnislos verzichtet wird, wo grobsinnliche Handhaben zur Schaffung eines religiösen Gefühles herangezogen werden müssen, wie dies in allen nichtjüdischen Bekenntnissen geschieht, nur da, wo der menschliche Intellekt durch diese ihm nur allzu greifbar gebotenen Gottheiten gelähmt und erniedrigt wird, muß auch der jüdische Eesichtsausdruck sich verlieren, da innerlich nichts mehr vorhanden ist, was äußerlich in Erscheinung treten könnte. Tatsächlich erhält sich der jüdische Typus in jenen Mischehen, deren Sprößlinge noch in jüdischem Jdeenkreise, wenn auch nicht gerade religiös, erzogen werden. . Nur wo durch den Uebertritt zu! einem anderen Bekenntnisse die Fähigkeit, abstrakt zu denken, in den allzu konkreten Kulten jener anderen erstickt und ertötet wird, muß auch der jüdische Typus ausgelöscht und vernichtet werden. Nicht also infolge seiner Schwäche unterliegt der jüdische Typus in der Mischehe, sondern er verschwindet, sobald die Fesseln einer lähmenden Sinnenwelt die Fähigkeit des abstrakten Denkens unterdrückt und vernichtet haben. Lassen wir. auch den Sprößlingen aus Mischehen jene Fesseln nicht anlegen und wir werden den Adel des jüdischen Typus auch in deren Antlitz wiederfinden! ■ Drr ksmpk um die InquMtion in Dortugsl 1522—1557. Vvn D>. Sch. O ch s e r-Kutleiipla». II. Wiewohl der Papst den strengen Auftrag gegeben hatte, das Breve unverzüglich in ganz Portugal bekanutzumacheu, wurde ihm dennoch nicht Gehorsam geleistetder portugiesische Hof entsandte vielmehr Hencique de Muesis nach Rom mit der Bitte, die ganze Sache nochmals genau durchzuberaten. - Dieser Bitte durfte Clemens keinen Widerstand entgegensetzen. Er ernannte deswegen eine Kommission, und als auch diese die Notwendigkeit der Inquisition befürwortete, da riß dem Papst die Geduld, und schon auf dem Totenbette erließ er noch am 26. Juli 1534 sein letztes Breve, in dem er die Befreiung von 1200 Marannen von den Jnquisitionskerkern anbefahl; kurze Zeit darauf starb er, am 25. September 1634. Die Wahl Pauls 111., Farneses (1534 bis 1549), schien für die Inquisition der Todesstoß zu sein, da kein zweiter Papst vor oder nach ihm der Juden sich in solchem Maße angenommen hatte, wie Paul III.. gerade. Gleich nach seinem Regierungsantritt setzte er.neuerlich eine Kommission zur Beratung der Marannenangelegenheit in Portugal ein und erließ am 2. Oktober 1535 eine Bulle, in der er sämtlichen Marannen vollkommene Absolution erteilte und sie gegen alle Arten der Bestrafung wegen Apostasie in Schutz nahm. Dieser Bulle, welche mit aller Strenge durchgeführt werden sollte, konnte sich der Königshof nicht widersetzen und so wurde im Dezember 1535 achtzehnhundert Marannen die Freiheit wiedergegeben. Diesen Schlag glaubte Joao überhaupt nicht überleben zu können, und als Duarte de Paz kurze Zeit hernach im Borgo meuchlings überfallen und fast ermordet wurde, hielt man Joao für den Anstifter. Als aber auch dieser Plan gescheitert war, wandte sich der König an Kaiser Karl V. Dieser war damals gerade von einem. siegreichen Kampfe gegen die Türken auf dem Heimwege. Zur Entlohnung durfte ec nun einen ihm besonders naheliegenden Wunsch äußern, den der Papst nicht ausschlagen durfte. Er wünschte die Erlaubnis zur Einführung der Inquisition in Portugal. Zwar sträubte sich Paul sehr, als er aber einerseits von dem Kardinalkollegium die Nachricht erhielt, die Geldsendungen der Marannen seien spärlicher denn je zuvor und er anderseits dem Kaiser den Wunsch nicht abschlagen zu dürfen glaubte, sanktionierte er schließlich die Glaubenstribunale für ganz Portugal. Die Freude Joaos war eine so große, daß er gegen die Neuchristen noch strenger vorging,. als man es schon in Spanien getan und sie sogar zwang, ein Abzeichen aus ihren Gewändern zu tragen. Der Jubel des Königs war aber etwas verfrüht, da die Marannen in einem öffentlichen Sendschreiben den Papst der Ungerechtigkeit ziehen und offen aussprachen, sie würden, wenn ihnen keine Gerechtigkeit widerfahren sollte, erst recht das Christenbekenntnis ableugnen und sich offen dem Judentum wieder zu- . wenden. Das Sendschreiben war auch von klingender Münze begleitet, weswegen Paul im August 1537 ein Breve erließ, in welchem es streng verboten wurde, den Neuchristen auf ihrer Auswanderung irgendwie behinderlich zu sein, ebenso beim Verkauf ihres liegenden Besitzes. Dieses Breve hatte auch eine volle zweijährige Ruhe zur Folge, welche leider durch einen Marannen gestört wurde. Eines Tages (Februar 1539) ward am Haupttor der Lissabonner Kathedrale ein Plakat angebracht, in welchem das Christentum der Lüge geziehen wurde, da Jesus nicht der Messias gewesen sei. Voll Erbitterung schrieb Joao eine Belohnung von 10 000 Dukaten zur Ergreifung des Täters aus, und dieser wurde nach kurzer Zeit in der Person des Marannen Manuel da Costa festgestellt. Damit war das Schicksal der Neuchristen in Portugal