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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1912-02-09 · Heft 6 (9.2.1912) · p. Seite 65

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
76 (1912)
Issue
Heft 6 (9.2.1912)
Date
1912-02-09
Page
Seite 65 (sequence 5)
Language
German
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schwächere Teil" genannt werden. Dennoch erleidet er schon nach einmaliger Mischehe eine beträchtliche Einbuße und verliert sich bei fortgesetzter Mischung mit nichtjüdischen Elementen gänzlich, wie zugegeben werden muß. Um dieser allerdings Problemhaften Erscheinung näherzutreten, wollen wir uns mit dem Entstellen und Bestehen des jüdischen Typus ein wenig befassen und werden dann auch leicht dem Phänomen seines fast plötzlichen Verschwindens in den Mischehen unserer Tage näherkommen. Der jüdische Typus, wie stellt er sich eigentlich dar? Ist es die Hakennase, das dunkle krause Haar, das Liesschwarze, auf bläulichem Grund schwimmende Auge? Nichts von alledem. Denn den kraushaarigen Juden stehen ebenso viele schlichthaarige, den Krummnasen Plattnasen, den dunklen Augen helle und den aufgeworfenen Lippen schmale, dünnlippige Umrahmungen des Mundes entgegen. Ebenso verhält es sich mit dem Wuchs der Juden; keine Nuance der Skala von engbrüstiger und zwergenhafter bis zu hochgewachsener und athletischer Figur, von sylphidenhaster bis robuster.Weiblichkeit fehlt — ganz ebenso wie bei jedem anderen Volk, in dessen Mitte sie leben Die Juden besitzen überhaupt — und dies kann allen Rassenforschnnßen entgegen nicht laut genug gesagt werden — nicht eine körperliche Eigentümlichkeit, welche ihnen speziell anhaften würde und ihnen als Juden anhaften müßte. Sie gleichen vielmehr körperlich vollkommen jenem Volk, innerhalb dessen sie lange genug leben, um die Einwirkungen, welche das Klima des Landes, die Luft, das Wasser und ungezählte Naturkräste auf die Typenbildung der gesamten Bevölkerung' ausgeübt haben, 'auch an ihrem eigenen Leibe zu erfahren. Die Bodenbeschaffenheit eines Landes und die' hierdurch bedingte Lebensweise seiner Bewohner ist es, welche das Aussehen der letzteren formt, und dementsprechend gleichen die Juden in den einzelnen Ländern mehr oder weniger vollkommen den nichtjüdischen Bewohnern derselben. Kann man diese ganz einfach durch Naturgesetze bewirkte Tatsache doch auch in der Tierwelt konstatieren. Sehr richtig benennt man die einzelnen Tierrassen nicht nach äußeren Merkmalen, sondern nach ihrer Herkunft; weil der Flecken Erde, auf welchem das Geschöpf geboren wurde und wo es schon in seinen Voreltern gelebt hat. es ist, welcher ihm die charakteristischen Merkmale aufdrückt und aneignet. Ganz ebenso ergeht es dem Animalischen im Menschen. Und so gleichen die russischen Juden den Muschiks, die Polnischen den Armeniern; der nordamerikänische Jude ist schon in der zweiten Generation ein vollendeter Iankee, der südamerikanische ein selbstbewußter Don; der Jude wird ein unverfälschter Wiener ebenso leicht wie ein waschechter Berliner; in England trägt er die Züge John Bulls, in Holland hat er die Gravität eines Mynheer; in Schweden wird er ein Hüne, in Frankreich ein Franzose, in der Türkei ein. Türke; in Ungarn ist er bes magyar ember katexochen. Die schwarzen Juden Indiens sind Hindu, die Fallasöhahs sind Lhbier. In den Landstrichen des Nordens ist der Jude groß von Bau und hell von Farbe, in jenen des Südens klein und dunkel, wie eben die Gesamtbevölkerung dieser Länder der Mehrzahl nach ist. Diese sich geradezu aufdrängende Beobachtung sollte die anthropologische Wissenschaft doch endlich dahin bringen, eine jüdische Rasse zu negieren, das Forschen nach jüdischen Rasseneigentümlichkeiten (welche von der Zugehörigkeit zum Judentum untrennbar wären), einzustellen und das ganze Spezialgebiet „jüdische Rasse" überhaupt gänzlich auszuschalten, da es eine jüdische Raffe wirklich nicht gibt. Daß aber die körperliche Uebereinstimmung der Juden mit ihren jeweiligen Nachbarn nicht erst von heute datiert und keineswegs der alles nivellierenden Moderne zuzuschreiben ist, sondern daß zu allen Zeiten der Jude in seinem Aeußeren den andern Bewohnern seines Aufenthaltslandes glich, dafür sei nur ein Beispiel aus der Bibel angeführt: Als die Söhne Jakobs dessen Leichnam untergroßenFeierlichkeiten nach: Kanaan brachten, sprachen die Völker, durch deren Gebiet der Zug sich bewegte: „Eine große Trauer ist dieses in Aegypten". Man hielt also die Söhne Jakobs für Aegypter, da sie gewiß den Aegyptern geähnelt haben. Auch Tacj.tus, der eine eingehende Schilderung der Juden entwirft und deren Sitten und Gebräuche entstellt und herabsetzt, weiß nichts von einer eigentümlichen Körperbeschaffenheit der Juden zu berichten. Was er, analog seiner Besprechung der Germanen, gewiß nicht unterlassen hätte, wenn ihm an. dem jüdischen Typus etwas Eigenartiges ausgefallen wäre. Und der Umstand, daß man im Mittelalter sich veranlaßt sah, die Juden zum Tragen von Abzeichen an den Kleidern zu zwingen, beweist ebenfalls, daß ohne diese Abzeichen, ein Unterscheiden von Jude und Christ nicht möglich gewesen wäre. Tatsächlich zeigen die wenigen aus dem Mittelalter aufbewahrten Porträts von Juden denselben Gesichtsschnitt wie die Bilder ihrer christlichen Zeit- und Landesgenoffen. Eine jüdische Raffe gibt es also nicht! Zu diesem Schlüsse können wir, ohne uns der Oberflächlichkeit zu zeihen, gelangen! Dennoch aber gibt es einen jüdischen Typus. Ein Etwas im Antlitz der Juden aller Länder, was sie trotz ihrer Ähnlichkeit mit ihren Nachbarn von diesen unterscheidet und eine Gemeinsamkeit des Gesichtsausdrucks unter den Juden der verschiedensten Länder und Zonen schafft. An diesem Zeichen, welches sie, wie der Engländer Walter Besant so trefflich sagt, „als Abglanz einer höheren Weihe" auf ihrer Stirne tragen, erkennen sie einander und werden auch von den Nichtjuden daran erkannt. r Es liegt in voller Wesenheit ein charakteristischer Zug in dem jüdischen Gesicht, der aber, trotzdem er unter Hunderten von Generationen sich unverändert erhalten hat, nun schön im ersten oder zweiten Grade der Mischehe verschwindet. Ist es seine Schwäche, die ihn unterliegen läßt? Rep. l?. Moses Benaim Oberrabbiner in Gibraltar.

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