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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1912-02-02 · Heft 5 (2.2.1912) · p. Seite 60

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
76 (1912)
Issue
Heft 5 (2.2.1912)
Date
1912-02-02
Page
Seite 60 (sequence 12)
Language
German
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Denn das Feuer macht keinen Unterschied zwischen jüdischen, und christlichen Häusern, wenn es einmal losgelaffen und von unserer nicht sonderlich geschulten Feuerwehr mit ihren dürftigen Apparaten nicht gebändigt werden kann. Und wenn es zu ernsten Prügeleien kommt; dann fließt Blut auf beiden Seiten, zumal die Soldaten sich einmischen dürften und ihre Kugeln mehr Leute, d. h. Polen treffen würden als die Kugeln der weniger geübten Polen. Ich glaube daher —" Mas glauben Sie?" fragte der Geistliche hastig. „Bei dem Einfluß, den Sie als katholischer und polnischer Geistlicher, auf Ihre polnischen Beichtkinder haben, könnten Sie Stasiu vielleicht doch veranlassen, zu beichten, wer ihm in Wahrheit die Waffen gegeben und dafür sorgen, daß er sie dem Betreffenden wieder gibt." (Fortsetzung folgt.) Litrrsrilchr Mitteilungen. — Dr. Bruno Tannenwald': Die rechtlichen Verhältnisse der Juden in Hamburg. Verlag von C. Boysen. Hamburg 191t. Preis 3 Mark. Die Entwicklung der wirtschaftlichen und rechtlichen Ver. hältnisse der Juden in Hamburg beansprucht wegen ihrer besonders eigenartigen Gestaltung ein hervorragendes Interesse für sich. Die einzigartige, zum Teil geradezu glanzvolle Stellung, die die portugiesischjüdische Gemeinde seit Jahrhunderten innerhalb dieses Stadtstaates einnahm, die Veränderung derselben, die durch den Zuzug zahlreicher sogenannter deutscher Juden und die schließliche Bildung einer deutsch-israelitischen Gemeinde herbeigeführt wurde, und endlich die gemeinschaftliche Erwirkung einer politisch-kirchenrechtlichen Gleichstellung mit den nichtjüdischen Mitbürgern und Gemeinschaften sind Erscheinungen von großer Bedeutung für die jüdische Geschichte und das jüdische Leben. Sie sollten daher auch außerhalb Hamburgs bekannt sein. Günstige Gelegenheit, sich in dieser Richtung gut zu orientieren bietet das jüngst erschienene Werk Dr. Tannenwalds, das unter Vermeidung aller Weitschweifigkeiten in kurzen Zügen ein klares Bild des hamburgischen Judentums entwirft. Das Buch zerfällt in drei Teile, von denen sich der erste mit „den Verhältnissen der Juden in Hamburg" im allgemeinen beschäftigt und dabei eine Uebersicht der historischen Entwicklung sowie eine Darstellung der beiden in Frage kommenden Gemeinden gibt. Hervorzuheben ist dabei das einzigartige Verhältnis zwischen den Kultusverbänden und der Gemeinde, das sich dadurch kennzeichnet, daß erstere nicht Bestandteile der letzteren sind. Im zweiten Teil sind die die Verhältnisse der Juden betreffenden Gesetze und Verordnungen erschöpfend und durch Anmerkungen erläutert zusammengestellt. Der dritte Teil endlich enthält eine außerordentlich interessante Sammlung älterer und neuester Gerichtsentscheidungen über mehrere wichtige Fragen des jüdischen Lebens, vor allem auch über die Zulässigkeit der Bestattung von Aschenurnen in den auf den jüdischen Friedhöfen belegenen Erb- oder Familiengräbern, die durchgehend bejaht wurde. Nach allem kann das Werk, da8 sich Kollenfchers Darstellung für' Preußen ebenbürtig an die Seite stellt, aufs angelegentlichste empfohlen werden. Für die Hamburger Inden besonders wird das Buch ein unentbehrliches Nachschlagebuch werden. Dr. H. Pardo, Hamburg. — Theodor Fontanes Briefwechsel mit Wilhelm Wolfsohn. Georg Bondi. Berlin. Herausgegeben von Wilhelm Wolters. . Mit neun Bildern und einem Faksimile. 3 Mark, gebunden 4 Mark. Erführe man nicht aus der Einleitung dieses wunderhübsch ausgestatteten (mit den Bildern der Korrespondenten, der Wohnstätten und des Arbeitszimmers Wolfsohns geschmückten) Büchleins, daß Wolfsohn Jude war, und zwar ein treuer und überzeugter Jude, so würde man es aus den Briefen kaum merken. Der Brief-. Wechsel, der von 1841 bis 1861, freilich mit großen Pausen, reicht (Wolfsohn starb 1865, er war 1820 zu Odessa geboren), ist der zweier Jugendfreunde,^die das trauliche Du miteinander tauschen, zweier Literaten, die sich von ihren Arbeiten und denen anderer unterhalten. Fontane bewundert die Vorlesungen, Sprachkenntnisse und auch die Gedichte des Freundes, Wolfsohn wirkt für den Genossen dadurch, - daß er ihm Verleger schafft, seine Beiträge bei Zeitungen. unterzubringen sucht und um Korrefpondentenstellen für ihn wirbt. Auch das persönlich^ Interesse tritt hervor: die Bräute schreiben an die Freunde, Fontane gibt einmal von seiner Braut eine .sehr schöne Schilderung. Auch über Politik kommt manches vor: ein bisher ungedruckier, politischer Artikel Fontanes, (1849) „Preußen ein Militär- oder Pplizeistaat^,' den man heute noch aktuell nennen möchte, wird veröffentlich?.- Fontanes Briefe sind unendlich viel zahlreicher als die Wolfsohns, was für unsere Zwecke schade ist. Wolfsohn ist in seinen Briefen von einer so rührenden Innigkeit, daß man mehr solche Bekenntnisse lesen möchte. Er trat in Zeitungen und Zeitschriften wo er nur konnte, für Fontane ein, während sich dieser zwar mit warmer, aber nur privater Anerkennung Wolfsohns begnügte; dagegen hat Fontane in seiner Selbstbiographie an verschiedenen Stellen des damals längst verstorbenen Freundes öffentlich gedacht. Von seinen Dramen hatte eines „Nur. eine Seele" auf verschiedenen Bühnen großen Erfolg. Seine Vorlesungen über ^Goethe und Schiller in Dresden, die .letztere vor 500 Zuhörern gehalten, wurden sehr gerühmt; seine Versuche, in Zeitschriften und Sammelwerken die russische Literatur in Deutschland einzubürgern, haben eine große kulturelle Bedeutung. In seinen Schriften hob er das Jüdische nicht übermäßig hervor (vgl. Allgem. Deutsche Biographie 44, S. 132 ff), im Leben bewahrte er seinen Glauben. 1845 lehnte er eine ihm in Moskau angetragene Professur ab, weil er.sich nicht taufen lassen wollte; er blieb Jude, auch als er 1851 nach schweren Kämpfen ein christliches Mädchen heiratete. Für das. Jüdische ist besonders wichtig eine jugendliche Sammlung „Sternbilder", die er unter dem Pseudonym C. Maien herausgab. Lasalle hat diese Sammlung ungemein gerühmt. „Carl Maien ist in der Poesie, ^vas Gabriel Riesser in der Prosa ist." Außerdem ist ein Taschenbuch „Jeschurun", in dem er eine größere Anzahl Dichtungen jüdischen Inhalts erscheinen ließ, erwähnenswert. L G. Mchereinlsuk. Besprechung der Bücher Vorbehalten. Zurücksendung der Bücher findet in . keinem Falle statt. Die Güldenkammer. 2. Jahrgang, Heft 4, Januar 1912. Verlag Kaffeehag, Bremen. Verwaltungsbericht über das Jüdische Kranken- und Siechenhaus, Abraham und Henriette Rohr'sche Stiftung zu Posen für das Jahr 1910/11. Posen 1912. Ostdeutsche -Buchdruckerei und Verlagsansialt A.-G. Der Zusammenbruch des Vatikans. Von Josef Sonntag. Frankfurt a. M. 1912. Neuer Frankfurter Verlag G. m. b. H. Interessante Kriminal-Prozesse von kulturhistorischer Bedeutung. Darstellung merkwürdiger Strafrechtsfälle aus Gegenwart und Jüngftvergangcnbeit. Nach eigenen Erlebnissen von Hugo Friedländer, Gerichtsberichterstatter. Eingeleitet von Jnstizrat Dr. Sello, Berlin. Berlin W 30, 1912. Hermann Barsdorf Verlag. Itie Jewish Review, Edited by Norman Bentwich. Dr. Joseph? Hochman, Val. II, No. 11, Jan. 1912. Price!/e net. London. Geo Routledge & Sons. : Bibliothek der Gesamtliteratur des In- und Auslandes. . Ewige Weisheit, Sprüchpoesie des Talmud. Uebersetzt von Max Weinberg. Dritte Auflage. 8. bis 12. Tausend. Verlag von Otto Hendel, Halle a. S. Schauspieler und Direktoren. Von Gustav Rickely Berlin- Lichterfelde, Dr. P. Langenscheidt. J iz&L üüii

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