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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1912-02-02 · Heft 5 (2.2.1912) · p. Seite 58

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
76 (1912)
Issue
Heft 5 (2.2.1912)
Date
1912-02-02
Page
Seite 58 (sequence 10)
Language
German
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Diego de Silva, nach Lissabon. .Der ganze königliche Hof wußte sich nun vor Freude überdiesen gewaltigen Sieg gar nicht zu fassen, und am 14. Juni .1632 erließ Joslo ein Dekret, welches nicht nur den Marannen das heimliche Verlassen Portugals, sondern sogar all jene Schiffskapitänemit der Todesstrafe bedrohte, wenn sie den Marannen zur Flucht verhelfen würden. Längst aber vor Erlassung obigen Dekrets hatten bereits zahlreiche Familien Portugal verlassen und sich zumeist nach Frankreich und dem südlichen Deutschland gewandt. Wegen ihres umfangreichen Besitztums mußten aber auch sehr viele in Portugal bleiben, um sich womöglich deselben entschlagen zu können. Für diese nun traten die direkt nach Rom geflüchteten mit aller Energie und mit allen ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln beim Papst ein. Duarte de Paz, welcher ursprünglich als Abgesandter JoLos am römischen Hof weilte und mit dem König nicht auf sehr gutem Fuß stand, tat schließlich ein klebriges für seine gequälten Brüder, und trotzdem der Kardinal Pucci seinen Einfluß zu erschüttern suchte, konnte er es dennoch nicht.verhindern, daß der Papst am 17. Oktober 1532 ein Breve erließ, welches vor allem den Befehl zur Einstellung der Inquisition enthielt. Dieses Breve paßte aber Duarte nicht, und er brachte Clemens soweit, daß er 7. April 1533 dem ersten Breve ein zweites folgen ließ, in welchem es ausdrücklich hieß: „Da die Marannen mit Gewalt zur Taufe geschleppt worden sind, so können sie auch nicht als Glieder der römischen Kirche be-. trachtet werden, sie dürfen aber auch deswegen wegen Ketzerei und Abfall gar nicht bestraft werden." Allein auch jene, welche bereits im Christentum geboren waren, dürfe man nichtallzustreng behandeln, weil sie gar keine Schuld träfe, da sie ja von ihren Eltern, wenn auch ganz im geheimen, doch im Judentum-erzogen worden wären. (Schluß folgt.) Lin Dilemma. (Nach einer wahren Begebenheit erzählt.) Von Ludwig Klausner-Dawoö. «aara V. ©ilberstein sprach noch über einige gleichgültige Dinge, machte etliche harmlose Bemerkungen, brachte es sogar über sich, den letzten „guten Witz" zu erzählen, den er gehört, und verabschiedete sich. Auf der Straße fühlte er sich wieder frei von dem Zwang, den er sich gegenüber dem Schwager in Amt und Würden auferlegen zu müssen geglaubt hatte. Er legte den Schein der Sorglosigkeit und Heiterkeit wieder ab. und sorgenvoll ging.er zum Rabbiner. Der Rat des Rabbiners ging dahin, alles zu tun, was man wolle,, nur nicht gegen, die Regierung zu handeln. Er zitierte eine ganze Reihe von Bibelversen und Talmudstellen, um seinen Rat zu begründen. Silberstein wies darauf hin, daß ja im Landtage Juden die Regierung bekämpften, und daß sie doch bei Christen und Juden sehr angesehen seien. Der Rabbiner entgegnete, das sei etwas ganz anderes. Im.Landtage würden nur Absichten der Regierung bekämpft oder verlangt, daß gewisse Gesetze und Einrichtungen abgeschafft werden, nicht aber zu Recht bestehen, den Geboten und Verboten zuwider gehandelt. Nicht, im geringsten erleichtert .verließ .Silberstein auch denNabbiner. Das mag alles ganz gut und schön sein,dachte er,was der Schwager und-der Rabbiner gesagt haben, über praktisch ist es nicht. Es "paßt alles nicht auf meinen Fall. Er glaubte sogar, er sei der bessere Bürger,, als der Bürgermeister und der bessere Jude als der. Rabbiner, wenn er ohne Anzeige aus dem Dilemma herauszukommen trachte. Denn es stand für ihn unbedingt fest, daß eine Anzeige nicht nur für ihn selbst, sondern auch für die jüdischen Einwohner, ja wahrscheinlich auch für andere Mitbürger schlimme Folgen haben würde. Wußten ja von der Rachsucht der Polen. sowohl Juden wie Deutsche manch Liedchen zu singen. : : Während er so sinnend nach Hause ging, fiel ihm plötzlich ein, daß es vielleicht das beste .wäre, den polnischen Geistlichen zu befragen. Dieser war zwar ein fanatischer Pole, aber eben deswegen hatte er ja auch ein Interesse daran, es nicht zu einer Untersuchung kommen zu lassen. Er selbst wollte nur, daß die Sachen aus feinem Hof weggeschafft werden. Was aus ihnen dann wurde, das sollteihn wenig kümmern. Gedacht, getan. ' „Nanu, Pani Silberstein, was führt Sie zu mir in so. später Abendstunde?" .fragte der Propst. „Ich komme", erwiderte . Silberstein, „um in einer wichtigen Angelegenheit Ihren Mat in Anspruch zu nehmen und eventuell Ihre geistliche Hilfe". „Und da gehen Sie zum Propst und nicht zum Rabbiner? Wollen Sie sich etwa taufen lassen?" - „Das nicht." „Sie wären nichtWerWHte Jude, der sich taufen ließe und werden gewiß auch nicht der letzte sein." „Ich weißMch weiß, man tut ja so viel dafür. Mbernch habe es Gott sei Dank nicht nötig." „Meinen Sie denn, daß die Juden, die sich haben taufen lassen, es immer nötig hatten?" . „So viel ich weiß, ist ihnen in unzähligen Fällen nichW anderes übrig geblieben, wenn sie nicht gleich vielen Hunderttausenden ihrer Glaubensgenossen einen, qualvollen Tod erleiden wollten." „Na, jetzt wird doch kein Jude verbrannt, wenn er M nicht taufen läßt, und doch treten so viele Juden über." „Die glauben es aus anderen Gründen nötig zu habend „Und Sie meinen, es lassen sich nicht auch Juden aus Ueberzeugung taufen?" „Auf das, was ich meine, kommt es ja nicht an." „Nun, ich kann Ihnen sagen, daß viele Juden aus Ueberzeugung zum Christentum übergetreten sind." „Daß, Herr Propst, können Sie ja nur glauben, aber nicht wissen- Wir Juden glauben das nicht." „Aber Herr Silberstein!", „Ebenso", fiel Silberstein ein, „glauben Sie nicht, daß Katholiken zum Protestantismus aus Ueberzeugung übergetreten sind. Doch entschuldigen Sie gütigst, Herr Propst, ich bin ja nicht hergekommen,, um darüber.mit Ihnen zu .disputieren. Das können wir ein andermal, wenn Sie wünschen. Heute; habe ich eine andere wichtige Angelegenheit vorzubringen.". „Na, dann, sagen Sie, was Sie auf dem- Herzen habem" . Silberstein erzählte. Der Propst hörte ihn ruhig an und fragte, als Silberstein geendet hatte: „Und was,, mein lieber Herr Silberstein, sollgerade ich, in der Sache tun?" - „Ich wollte," entgegnete - .Silberstein, „S i e bitten, mir Zu raten, was . ich: tun. soll. Ich habe nur die- Wahl, entweder gegen die Verordnungdie Waffen auf meinem Grund und Boden zu behalten und im Entdeckungsfalle eine schwere Strafe zu erleiden oder sie dem Obersten auszuliefern und so Stasiu unglücklich zu machen, was ich doch auch nicht möchte,

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