Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 76 (1912)
- Issue
- Heft 5 (2.2.1912)
- Date
- 1912-02-02
- Page
- Seite 52 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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die Vermehrung in 120 Jahren unendlich klein. Damals lebten die Juden hauptsächlich auf dem Lande, es gab nicht weniger als 150 israelitische Landgemeinden, jetzt hat sich diese Ziffer so stark vermindert, daß in manchen dieser Gemeinden die. Juden überhaupt geschwunden oder auf die Hälfte, manchmal sogar auf das Viertel zurückgegangen sind. Dagegen hat sich die Stadtbevölkerung außerordentlich vermehrt, in Straßburg zählte man 1784 68, jetzt über 5000 Indern ■ ■ Iudm als LrKnder und Entdecker. Von Dr. Max Grunwald. . HI. / Anton Pollak, -er Lrfin-er -er Schnelltelegraphie. ls Sohn des Konntatsoberarztes Alexander Pollak am 29. März 1865 in Szentes (Ungarn) geboren, absolvierte Pollak daselbst das Gymnasium, hierauf in Graz aus der Akademie für Handel und Industrie den kommerziellen und den chemischen Kurs. Zwölf Jahre lang betrieb er sodann in seiner Heimatstadt einen Getreidehandel. Während dieser Zeit vervollständigte er seine physikalischen und elektrotechnischen Kenntnisse, befaßte er sich ferner eingehend mit der Optik und auch, so weites nur möglich war, mit Astronomie. Seine ersten erfinderischen Bemühungen richteten sich auf Erhöhung der Lichtstärke, astronomischer Fernrohre, hatten aber nur theoretisches Interesse.. Sie fanden den Beifall Abbes in Jena und Löwys in Paris. Nachher wandte sich Pollak noch dem Gebiet des elektrischen Fernsehens zu, das ihn ungemein interessierte. Die großen, heute noch beinahe unlösbaren Schwierigkeiten dieses Problems drängten ihn zum Bilder¬ und Depeschenübertragen auf Telegraphendrähten mittels Photographie. Bereits im Jahre 1895 konstruierte er einen solchen Apparat, doch trat er erst — auf Drängen meiner Freunde — 1897 damit hervor, und da die Idee von kompetenten Sachverständigen sehr günstig beurteilt wurde, nahm er die Ausführung dieses Projekts (des „Telautographen") noch im selben Jahr in Angriff in einem bei der Vereinigten Elektrizitäts - Aktien - Gesellschaft in Budapest errichteten Laboratorium. Sobald die Versuchsarbeiten soweit fortgeschritten waren, daß sich ein Praktisches Resultat voraussehen ließen, lud Pollak Herrn Josef Viräg* 2) ein, an der Durchführung teilzunehmen. 1) In der Hauptsache nach Angaben Pollaks selbst und des Herrn Rabbiners Dr. G. Friedmann in Szentes. 2) Zosef Viräg (Katholik), Maschineningenieur, wurde 1870 in Földvär geboren, und starb am 21. Oktober 1901 in Budapest. Sein Diplom erhielt er an der Josestechnik von Budapest. Bei der Organisierung des Patentamts wurde er zum Patentunterxlchter, später zum Patentrichter ernannt. Seine freie Zeit widmete er den experimentellen Untersuchungen. der Telephonprozesse. Seit 1898 arbeitete er mit Anton Pollaks geplantem Telautograph. Die Arbeit ging rasch vorwärts und der Apparat war schon im Jahre 1898 soweit entwickelt, daß man damit vertikale, horizontale und schräge Liniensetzen konnte. Anstatt aber den Apparat ganz fertigzustellen, hielten es die beiden Erfinder für praktischer und schneller realisierbar, ihn derart abzuändern, daß man damit die Zeichen des Morsealphabets telegraphisch photographieren konnte, wodurch eine Geschwindigkeit von 70—80 000 Worten pro Stunde erreicht werden konnte. Dieser Apparat wurde auf zahlreichen ungarischen Telephonleilungen, dann zwischen Berlin und Budapest und zwischen New Jork und Chikago mit bestem Erfolge erprobt. Im Jahre 1900 wurde der Apparat derart umgestaltet, daß er anstatt Morsezeichen die gewöhnliche Kursivschrift wiedergeben konnte. Im Jahre 1901 starb Viräg, was die Fertigstellung aller technischen Details wesentlich verzögerte. Die ersten Versuche konnten mit dem neuen Apparat erst Ende 1902 stattfinden. In der „Zeitung des Vereins Deutscher Eisenbahnverwaltungen" 1902 Nr. 91 und 93 schrieb Regierungsrat a. D. G. Kemmann über die telegraphischen Versuche im Budapefter Hauptpostamt mit dem Apparat Pollak-Viräg auf der rund 215 km langen Linie Prosby—Budapest: „Es handelt sich hier zweifellos um einen bahnbrechenden Fortschritt auf dem Gebiete des Telegraphenwesens, und wer den Schnelltelegraphen bei der- Arbeit sieht, wird unwillkürlich fortgerissen von dieser in den Grundgedanken so genialen, in der Ausführung so überaus einfachen, in der Leistung geradezu verblüffenden technischen Schöpfung. In ähnlicher Weise, wie man mit einem Spiegel einen Sonnenfleck auf der Wand eines Zimmers spielen lassen kann, und wie man mit diesem Lichtbild durch geeignete Bewegung des Spiegels beliebige Figuren oder Schriftzüge auf der Wand zeichnen und, wenn das Spiel sich in einer Dunkelkammer vollzieht, auf lichtempfindliches Papier niederschreiben und durch einen photographischen Entwickler sichtbar machen kann müßte sich, wie die Erfinder sich sagten, die Möglichkeit finden lassen, von einem Orte A aus in einen Ort 8 aus telegraphischem Wege durch geeignete Bewegung eines in 6 befindlichen Spiegelchens einen Lichtpunkt in eine Dunkelkammer zu werfen, der in dieser aus lichtempfindlichem Papier eine Depesche aufschreibt, die sofort, durch Entwicklung sichtbar gemacht wird. Der Apparat schreibt 50-60, ja bis zu 100 Worte und darüber in der Stunde, je nach den baulichen Abmessungen des Apparates. , Alle störenden Einflüsse sind in einwandfreier Weise beseitigt; auch atmosphärische Einflüsse, wie sie bereits Telephonleitungen zu beeinflußen vermögenhaben auf diesen Schnelltelegraphen keinen erheblichen Einfluß. In Amerika bewährter sich auf einer 1600 km langen Leitung unter, sehr ungünstigen Witterungs- Verhältnissen, unter denen selbst der Morseapparat und das Telephon nur noch mangelhaft arbeiteten." Anton pollak. 1ÄM MM ■■■ MM