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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1912-01-26 · Heft 4 (26.1.1912) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
76 (1912)
Issue
Heft 4 (26.1.1912)
Date
1912-01-26
Page
Seite 3 (sequence 15)
Language
German
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4996.14 Mark. Auf Antrag der.Revisionskommission, die. zuglei dem Schatzmeister Herrn BenasLevh für seine vorzügliche Geschäftsführung und. Mühewaltung den Dank des Vereins aussprach, erfolgte einstimmig die Entlastung. Bei den sodann vollzogenen Wahlen wurden in besonderen Wahlgängen Professor Dr. Philippson zum ersten, Dozent Dr. Elbogen zum zweiten Vorsitzenden sowie, der Gesamtvorstand wieder- und Dr. Rudolf Leszynski neugewählt. Durch Zuruf erfolgte auch die Wiederwahl der Herren W. Loewenth al und G. Spierokowski als Revisionskommission. Die Festsetzung des Haushalts für das Jahr 1912/13 und die Bewilligung verschiedener Subventionen bildeten den letzten Punkt der Tagesordnung, worauf die Generalversammlung geschlossen wurde. N, Berlin, 23. Januar. In der Generalversammlung der Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums, welche hier am 3. d. M. stattfand, sprach Herr Dozent Dr. I. Elbogen-Verlin über Ludwig Philippson. Der Redner ging vom Charakter Ludwig Philippsons aus, seiner unerschütterlichen Festigkeit und seiner unendlichen Menschenliebe, die ihn zu einer unvergleichlichausgedehnten und nachhaltigen Wirksamkeit befähigten. Unter seinen Werken stellt er die Begründung der „Allgemeinen Zeitung des Judentums" in den Vordergrund, die, an sich von epochemachender Bedeutung, wie ihr Jost schon 1847 bezeugte, das Mittel zur Beeinflussung der weitesten Kreise, wurde und Philippsons bewunderungswerten organisatorischen Ideen Verbreitung und Er- | folg sicherte. Unter diesen werden besonders die Bibelgesellschaft und das Institut zur Förderung der jüdischen Literatur hervorgehoben. Vor allem aber faßte Philippson es als eine.Mission auf, an der äußeren und inneren Befreiung der Juden zu arbeiten, zur äußeren trug er ganz besonders in Preußen bei, wo er wiederholt die Gemeinden veranlaßte für die Gleichberechtigung zu kämpfen, gegen reaktionäre Absichten der Regierung oder der..Parteien Sturm zu laufen. Aber auch außerhalb Deutschlands hielt er sein Augenmerk stets auf die politischen Verhältnisse gerichtet, um dadurch die Gleichberechtigung der Juden zu fördern. Die innere Befreiung erstrebte er durch Verbesserung des religiösen Unterrichts, für den er bahnbrechend wirkte, durch Veredlung des Gottesdienstes vermöge der Einführung der regelmäßigen deutschen Predigt, die das Gemüt erregen, den Glauben stärken sollte. Er war kein Reformer im Sinne der Bestrebungen seiner Zeit, er nahm in den Parteistreitigkeiten eine vermittelnde Stellung ein, begründete den Standpunkt des historischen Judentums, der bei aller fortschriltlichen Gesinnung an den ewigen und unvergänglichen Grundlagen des Judentums sesthielt, vor allem an den Lehren und Vorschriften der mosaischen Ueberlieferung. Ludwig Philippsons Bestreben war die Regeneration des Judentums, die Belebung des religiösen Geistes, \ die Stärkung des Glaubens, vor allem die Befestigung und Ver-; breitung der Grundideen des Judentums, seiner einzigartigen Gottesidee, seiner ethisch-sozialen Gesetzgebung, und vor allem seines Messiasglaubens, der bic Menschen verbrüdert, die Völker verbindet, den ewigen Frieden herbeiführt. Diese Gedanken wurde Philippson nicht müde, in seiner Zeitschrift und in besonderen Werken hervorzuheben; er hat dadurch nicht nur die Glaubenstreue der Juden gestärkt, sondern auch weiten christlichen Kreisen die Erhabenheit der jüdischen Religion nahegebracht. Dadurch hat sich Ludwig Philippson auch um die religiöse Entwicklung des Judentums unsterbliche f Verdienste und den Anspruch auf den Dank aller Zeiten erworben.—? In dem dem Vortrage vorangehenden, geschäftlichen Teil der Sitzung wurde nach Erstattung des Jahresberichtes der bisherige Ausschuß und Vorstand wiedergewählt. Der Jahresbericht ist wie früher kostenlos vom Bureau der Gesellschaft, Berlin N 24, Große Hamburger Straße 29, zu beziehen.' £ *** Berlin, 23. Januar. Der Nestor der deutschen Journalisten, I Herr MaxLö wenthal, beging gestern seinen 90. Geburtstag. Geboren zu Fordön bei Bromberg, wandte er sich in jugendlichem Alter nach Berlin, wo er durch Erteilung von Privatunterricht sich den Besuch des Gymnasiums zum Grauen Kloster und nach dessen Absolvierung H den der Berliner Universität ermöglichte. Durch, allzu eifrige und r offene Teilnahme als Student an dem erregten politischen Leben des Sturmjahres 1848 wurde er unter dem Minister v. Mühler relegiert 'tz - "ud auch vom Besuch aller anderen deutschen Universitäten ausgeschlossen- Es gelang ihm dann, in Amerika aus eigener Kraft sich eine Existenz als Kaufmann zu schaffen. . Nach Deutschland zurückgekehrt, wandte er sich der Journalistik zu und war zunächst Redakteur bei der „Bank- und Handelszeitung", später längere Zeit Redaktionsmitglied bei der damals neu gegründeten „Tribüne", ins- . besondere auf literarisch-kritischem Gebiete. Seine vielseitige Bildung und die außerordentlich gute Kenntnis der englischen Sprache brachte ihn mit vielen hervorragenden Persönlichkeiten in Beziehung. Nachdem er noch zwei Jahrzehnte als Verwaltungsbeamter im Dienste der hiesigen jüdischen Gemeinde tätig gewesen, trat er in den wohlverdienten Ruhestand, gehegt, von der Liebe und Pflege seiner einzigen Tochter, einer Lehrerin. Ad multos annos! ££5 WeiHensee, 19. Januar. Am 5. d. M. fand in der Israelitischen Taubstummenanstalt zu Weißensee eine Gedächtnisfeier für. die im vorigen Jahr verstorbene Erzieherin Fräulein Anna Reich statt. In dem herrlichen Speisesaal, in welchem das von Höxter gemalte Bild der Verklärten hängt, versammelten sich am Morgen Lehrer und Schüler der Anstalt. Herr Lehrer Meyer hielt die Gedächtnisrede. Später begaben sich die älteren Lehrer und Schüler zum Friedhof, um das Grab der Toten,, die einst den Kindern eine Mutter, den Lehrern eine beratende Freundin war, aufzusuchen. , W. Posen, im Januar. Die Repräsentantenversammlung der hiesigen jüdischen Gemeinde, wählte in ihrer ersten Sitzung in diesem Jahre Herrn Geheimen Kommerzienrat Herz zum Vorsitzenden, Kaufmann Manasse Werner zum Stellvertreter und Justizrat Mannheimer und Kaufmann Friedenthal zu Schriftführern. .— In der ersten Sitzung im neuen Jahre wurde in der Stadt, verordnetenversammlung Herr Justizrat Placzek im ersten Wahlgang wiederum zum Vorsteher einstinunig gewählt. — Einen schweren Verlust hat die hiesige Stadt, namentlich die israelitische Gemeinde, durch den Tod des Kaufmanns Max Rosenberg erlitten. Der Verstorbene stand seit 1899 im Ehrendienst der Armenverwaltung und war mit großer Pflichttreue und Umsicht in seinem Amt als Armenrat und zweiter Stellvertreter des Vorsitzenden der fünften Armenkommission tätig. Ten Armen war er stets ein wohlwollender Heiser und Berater. In der Verwaltung der Shnagogengemeinde hat der Heimgegangene längere Zeit der Friedhofskommission angehört und immer mit großem Eifer gewirkt. Länger als 30 Jahre war Max R o send erg im Vorstand des neuen israelitischen Vereins für Krankenpflege und Leichenbestattung und hat für .die Aufgaben und Interessen des Vereins unermüdlich und segensreich sich bewiesen. Auch in mehreren anderen Wohlfahrtseinrichtungen zeichnete sich der Dahingeschiedene durch vorbildliche Treue aus. Wie sehr der Betrauerte es verstanden, sich die Achtung und Verehrung allenthalben zu erwerben, bewies die rege Beteiligung seitens aller Berufsklassen und Stände bei der Beerdigung. Der Landwehrverein stellte die Trauerparade. Herr Gemeinderabbiner Professor Dr. Bloch hielt die Leichenrede und hob namentlich die großen Verdienste des braven Mannes in der bereiten Hilfe für die Armen hervor. 6b. W. Myslowitz, 19. Januar. Anläßlich des Scheidens des Herrn Lehrer Jacob Bach von der hiesigen Religionsschule fand in, der Aula der höheren Mädchenschule eine erhebende Abschiedsfeier statt. Nachdem ein Knaben- und Mädchenchor unter Leitung des Herrn Oberkantor Spandau mit Beethovens „Die Himmel rühmen" die Feier eingeleitet hatte, wurden verschiedene Gedichte vorgetragen und Ansprachen von Schülern gehalten. Talentierte Schülerinnen verschönten die Feier durch mehrere Geigenduetts. Oberkantor Spandau sang eine Arie aus Mendelssohns „Elias". Herr Rabbiner Dr. Winter feierte den Scheidenden als Lehrer, der in einer 40jährigen Tätigkeit nicht nur reiche Saat in das junge Gemüt unserer jüdischen Jugend pflanzte, sondern dem es auch während seiner langen, gesegneten Tätigkeit vergönnt war, diese Saat aufgehen zu sehen. Innige Liebe knüpfte ein festes Band um Lehrer und Schüler.' Diese sowie deren Eltern, die selbst noch zum größten Teil Schüler des'Herrn Bach waren, fühlten tiefen Dank für den Scheidenden und gaben diesem auch Ausdruck durch Ueberreichung einer silbernen L'aomim-Büchse^ die beim Scheiben des Sabbats Herrn Bach stets an die erhebende Scheidestunde erinnern soll. —

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