Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1912-01-26 · Heft 4 (26.1.1912) · page 13

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
76 (1912)
Issue
Heft 4 (26.1.1912)
Date
1912-01-26
Page
– (sequence 13)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/3224737-3229015-3229020--68146-3280390
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

76. Jahrgang Nr. 4 Berlin, 26. Januar 1912 Der Gemeindevote. Vrilgge zur „Allgemeinen Leitung deß Judentums". Sorrelprmden?rn und Nachrichten. Deutschland. y. Berlin, 2.4. Januar. Die Sitzung der Repräsentantenversa m m lung am letzten Sonntag war fast ausschließlich geheimen Beratungen gewidmet, deren Gegenstand eine Vorlage des Vorstandes betreffend Bewilligung einer Ausgabe anläßlich der Säkularfeier der Emanzipation der preußischen Juden sowie daneben noch die Frage der Pensionierung eines Gemeindebeamten bildete. Vor Eintritt in die'Tagesordnung aber machte der Vorsitzende Herr Louis Sachs nach Verlesung und Genehmigung des Protokolls der vorigen Sitzung einige geschäftliche Mitteilungen. Der Gemeindevorstand hat der Repräsentantenversammlung die Mitteilung gemacht, daß er seine Konstituierung vollzogen und Herrn Julius Jacoby wieder zum ersten Vorsteher, die Herren Kommerzienrat Eisner und Sanitätsrat Dr. Stern zum ersten bzw. zweiten stellvertretenden Vorsteher wiedergewählt hat. Desgleichen gibt der Gemeindevorstand der Versammlung davon Kenntnis, daß nunmehr auch die Dr. Ephraim-Stiftung der Stiftungskommission unterstellt und das bisherige besondere Kuratorium dieser Stiftung aufgelöst worden ist. Dann vollzog sich auch noch die Verpflichtung der beiden wiedergewählten Vorstandsmitglieder, der Herren Netter und Badt, die von der letzten Sitzung für heute zurückgestellt war, noch in öffentlicher Sitzung. Herr Louis Sachs hielt an die beiden Herren etwa folgende Ansprache: »Sehr verehrte Herren.! Sie sind von uns in den Vorstand der Gemeinde wiedergewählt worden und haben die Wahl angenonmen. Nachdem die Bestätigung seitens des Herrn Polizeipräsidenten erfolgt ist, liegt mir nach § 34 der Gemeindestatuten ob, Sie für Ihr Amt neu zu verpflichten. Ich bitte Sie, mir durch Handschlag zu bestätigen, daß Sie wie früher, so auch fernerhin Ihr übernommenes Amt treu verwalten, die Arbeit und die Geschäfte treu vollführen werden, treu den gesetzlichen Bestimmungen. Ich brauche Ihnen hier in dieser Versammlung keine Lobeserhebungen zu widmen. Wir alle wissen, mit welcher Hingebung: und welchen großen Erfolgen Sie Ihre Kraft in den Dienst unserer Gemeinde gestellt haben, und wir danken Ihnen für alles. Durch die Zeitungen geht die Nachricht — eine offizielle Bestätigung ist allerdings bisher noch nicht an uns gelangt — daß dem Herren hause eine Gesetzesvorlage zugegangen ist, die die Möglichkeit einer Vermehrung der Vorstandsmitglieder und Repräsentanten und .die Anstellung besoldeter Vorstandsmitglieder schaffen soll. Wir möchten hoffendaß' die Vorlage der preußischen Regierung die Zustimmung, des Herrenhauses wie der Abgeordnetenkammer findet. Bis dahin aber bitte ich Sie Ihres Amtes in gleicher Hingabe, Pflichttreue und Liebe walten zu wollen wie bisher." Damit hatte die öffentliche.Sitzung ihr Ende erreicht, denn die geheimen Verhandlungen zogen sich bis zur dritten Nachmittagsstunde hin, so daß man sich zu dem Beschluß genötigt sah, sämtliche für die öffentliche Sitzung zur Beratung, gestellten Gegenstände zu vertagen und ihre Erledigung für die nächste Repräsentantensitzung zurückzustellen. — Kurz vor Schluß des Blattes erhalten wir folgende Mitteilung: - Heute feiern zwei Mitglieder der Repräsentantenversammlung, die. Herren Direktor Dr. Minden und Geheimer Sanitätsrat Dr. Blumenthal, das 25jährige Jubiläum ihrer Zugehörigkeit zur. Repräsentantenversammlung, Beide Jubilare waren darum Heute vor-, mittag der Gegenstand lebhafter Ovationen seitens unserer Gemeindekörperschaften. Der Vorstand hat an. beide Herren ein in herzlichem: Ton gehaltenes Glückwunschschreiben gerichtet und eine. Deputation zur. Gratulation in. die Wohnungen der Jubilare mit der Abordnung des Repräsentantenkollegiums entsandt. Diese Abordnung sowie die meisten anderen Mitglieder der Repräsentantenversammlung.b.egaben sich um. 11 Uhr vormittags in die Privatwohnung des Herrn Direktor Minden, wo Herr Louis Sachs dem Jubilar. - namens der Repräsentantenversammlung eine prachtvoll ausgestattete Adresse folgenden Wortlauts überreichte: „Hochgeehrter Herr Kollege! Sie .begehen heute den Erinnerungstag an Ihren vor 25 Jahren erfolgten Eintritt in die Repräsentantenversammlung der jüdischen Gemeinde zu Berlin. In diesem Vierteljahrhundert haben Sie mit unerschütterlicher Pflichttreue, größter Gewissenhaftigkeit und emsigem Fleiß in unserer Repräsentantenversammlung eine höchst ersprießliche Tätigkeit entwickelt. Sie sind allezeit in ehrenhafter Betätigung Ihrer Ueberzeugung für eine gesunde Fortentwicklung unserer großen Gemeindeverwaltung eingetreten. Sie haben in wichtigsten Zweigen unserer Verwaltung, insbesondere auf dem Gebiet unseres Schulwesens sowie der Waisenverwaltung als Mitglied des Kuratoriums des II. Waisenhauses, in der Fürsorge- und Rabbinerwahlkommission, sowie in vielen wichtigen Ausschüssen und Deputationen durch. Ihre Fachkenntnis und Erfahrungen eine umfassende, .nimmer ermattende, mühevolle und höchst erfolgreiche Tätigkeit entfaltet und in den Sitzungen unserer Versammlung stets Ihre Ueberzeugung vertreten. Ueber das Tätigkeitsgebiet unserer Gemeindeverwaltung hinaus haben Sie in allen die Interessen des Judentums und seiner Wissenschaft fördernden Einrichtungen mit größter Opferwilligkeit und Tatkraft segensreich mitgewirkt und sich dadurch in der Geschichte unserer Gemeinde ein unvergeßliches Gedenken gesichert So haben Sie durch Ihre Tätigkeit, trotz allem Gegensätze der Meinungen, sich in unserer Versammlung und bei unserenGemeindemitgliedern die höchste Achtung und Verehrung erworben. Nehmen Sie .daher, hochverehrter Herr Kollege, zu Ihrem Jubiläumstage die herzlichsten Glückwünsche unserer Versammlung freundlichst entgegen. Möge die Fülle der Kraft und Rüstigkeit, die Ihnen bis heute beschieden ist, noch viele Jahre hindurch Ihnen ungeschmälert verbleiben; mögen Sie in Ihrem weiteren Tun und Schaffen in unserer Gemeindeverwaltung zum Wähle der gesamten Gemeinde und zum Heile unserer Glaubensgenossen als ein wackerer nnd hervorragender Mithelfer, wie bisher, so auch auf eine lange Zukunft hinaus, sich segensreich bewähren. Berlin, den.24..Januar 1912. Die Repräsentantenversammlung der jüdischen Gemeinde. L. Sachs. Dr. Blaschke. Dr. Cohn. W. Loewenthal. Auch der Vertreter des Gemeinvevorstandes sprach dem Jubilar seine Glückwünsche Noch mündlich aus, worauf der Gefeierte seinen wärmsten Dank zum Ausdruck brächte. Um 1 Uhr mittags begaben sich - sodann die Abordnungen, Repräsentanten und Vorstandsmitglieder zu Herrn Geheimen Sanitätsrat Dr. Blumenthal. Auch hier überreichte Herr Louis Sachs die gleiche Adresse dem Jubilar. Nur heißt es im dritten-Ansatz, in' dem auf den- Betätigungs kreis des Jubilars Bezug genommen wird : „Sie haben in wichtigsten Zweigen unserer Verwaltung, insbesondere auf dem Gebiete der Waisenverwaltung -als Mitglied des Kuratoriums des Reichenheimschen Waisenhauses, an der Förderung des Schulwesens, in der Bibliothek-, Subventions- und Rabbinerwahlkommission, sowie als Vorsitzender des Ausschusses III unserer Versammlung eine umfassende, - nimmer ermüdende, mühevolle- und höchst erfolgreiche Tätigkeit ent« faltet und in den Sitzungen unserer Versammlung stets männlich und ohne Scheu Ihre Ueberzeugung vertreten."' Möge es beiden Herren vergönnt seinsich noch rechr lange dem Ehrendienst unserer Gemeinde widmen zu können, zum Wohls der Gemeinde und zum Segen der Judentums. ------ Berlin, 23. Januar. Das Bureau des Deutsch-Israelitischen Gemeindebundes versendet soeben an die Vorstände der ihm angeschlossenen Gemeinden folgendes Rundschreiben: „Eine Anzahl von Herren, die sich als »Komitee zur Wahrung der Rechte der kleinen und mittleren Gemeinden" bezeichnenin Wirklichkeit aber sich zum überwiegenden

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.