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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1912-01-26 · Heft 4 (26.1.1912) · p. Seite 46

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
76 (1912)
Issue
Heft 4 (26.1.1912)
Date
1912-01-26
Page
Seite 46 (sequence 10)
Language
German
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46 Stellung einnehmenden Künstlerin, erheben sich weit überden gewöhnlichen Durchschnitt. Auf beiden sind Damen in den modernen großen Hüten dargeftellt: das eine ist das Brustbild einer stattlichen Erscheinung in kostbarem Zobelpelz, das andere eine knochige Figur, einem Klavierv ortrage lauschend. Weniger hervorragend erscheint die Leistung Carlo Passiglis: Ein weibliches Modell im Begriffe sich anzukleiden. Von demselben Künstler befindet sich im 11. Saale eine ebenfalls nicht allzusehr hervorragende Arbeit: Mädchen am Meeresstrände in stumpf gehaltenen Farben. In der Idee wie Ausführung originell ist im fünften Saale das große Gemälde, auf welchem Annie Nathan, eine der Töchter des Bürgermeisters von Rom, das Anprobieren eines dunkelblauen Gesellschaftskleides darstellt. Die Schneiderin, in Begleitung eines kleinen Mädchens, auf dessen Gesicht sich merkwürdige Lichteffekte ergeben, ist dagegen hellblau gekleidet. Wer übrigens das neueste Bild Nathans sehen will, findet es, von der Hand des christlichen Künstlers Giacomo Balla, neben dem oben erwähnten Gemälde Passiglis im 11. Saale. Von dem römischen Bildhauer Giuseppe Guastalla, aus der Schule Ettore Ferraris hervorgegangen, sind zwei Arbeiten vorhanden: Die im fünften Saale aufgestellte Bronzestatuette einer Jtalia, mit Schwert und Schild angetan, ist wohl weniger glücklich als im zwölften, die kräftig aus dem Marmor gehauene Büste eines stark empfindenden Weibes, das den Kopf etwas nach links zurücklehnt, so daß die rechte Halsader stark hervortritt. Giuseppe Guastalla ist wohl auch der einzige Künstler jüdischer Abstammung, welcher am großen Nationaldenkmal für Viktor Emanuel auf dem Kapitol mitgearbeitet hat. Er lieferte dafür eine „Fama" betitelte Statue. Unter den italienischen. Künstlerinnen jüdischen Blutes ist seit Jahren die hervorragendste Corinna Modigliani. Sie hat im Saal 14 eine Gruppe lachender Kinder ausgestellt, welche im Begriffe sind, die Tauben auf dem Markusplatze in Venedig zu füttern. Das Gemälde zeichnet'sich durch schöne Farbengebung aus. Einfach in ftinen Farbenmitteln, aber gerade darum anziehend ist im 15. Saale das Porträt einer reifen, sitzenden Dame von Vittorio Almagiä. Als Landschafter bewährt sich Alberto Neuschüler in seinem „Sterbende Sonne" benannten Oelgemälde: An. den obersten Spitzen eines Hochgebirges brechen sich die letzten Strahlen der untergehenden Sonne. In demselben 25. Saal hat auch Elemente Pugliese Levi drei Landschaften ausgestellt: Ein müder Bach, in welchem sich am Morgen das Herbstlaub spiegelt; ein See, darüber ein bewölkter Berggipfel, hinter dem die Sonne untergeht; ein See in bläulich flimmernder Mondnacht. Ueberall ist auf Wiedergabe der Lichteffekte viel Fleiß verwendet. Ebenfalls ein landschaftliches Motiv, der Herbst, in welchem der Sommer erstirbt, ist mit weniger . Glück von Pierina Levi behandelt. Im internationalen Saal 28 (und nicht wie der Katalog irrtümlicherweise sagt 29) ist der schon bei Nordamerika hervorgehobene Elihu Vedder mit drei Arbeiten vertreten: Der Mond, welcher die Sonne verdunkelt; Adam und Eva nach dem Tode Abels, in einer echt orientalischen Landschaft zwischen zwei mächtigen Altären sitzend; der Todesengel, welcher in einer Mondnacht ein junges Mädchen durch die Lüste entführt. Im Saal 29 hat Ernst Noether eine gute Zeichnung des Kopfes seiner Gemahlin sowie eine weniger intei effante Landschaft ausgestellt. Der nahe dabei befindli Saal der Schweiz enthält ein Oelbild von LoUise Breslau Spitzenklöpplerin mit rotem Haar in heller Bluse. In der dänischen Abteilung hat Georg Seligmann auf sinem Bilde „Kopenhagen im Winter" die ernste Ruhe, der nordischen Schneeländschaft gut wiedergegebeu. Außerdem ist er mit einem Genrebild vertreten. Eine Mutter mit Kind im .Arm schaut einem etwas größeren, welches die ersten Schreibversuche anstellt, über die Schulter. Zu den aus der Ausstellung nicht gerade zahlreich vertretenen biblischen Motiven gehört eine Darstellung des Propheten Hiob und seiner Freunde. Sie ist von Kristian Zahrtmann. In dem anderen skandinavischen Lande Schweden scheint eine besondere Vorliebe für Karikierung von Motiven des Alten Testaments vorhanden zu sein.' Jvor Arosenius stellt auf einem Aquarell etwa in der Weise der „Fliegenden Blätter", die Ankunft des Propheten Jonas in Ninive, Artur Sahlin in etwas weniger geistloser Weise in Zeichnungen andere Szenen des Alten Testaments dar, während auf Hillgren Brors kleinem Oelbild „Adam und Eva" das Bläu des Himmels und das Grün der Bäume sehr stark aüfgetragen und Eva mit dem Rücken zum Beschauer gestellt ist. Holland gehört zu den Ländern, welche keine eigenen Pavillons errichtet, sondern die'hervorragendsten Werke ihrer Künstler in besonderen Abteilungen des Hauptgebäudes ausgestellt haben. Wie in der deutschen der Name Max Liebermann nicht eine einzelne Persönlichkeit, sondern ein ganzes Programm umfaßt, so in der holländischen der von seinem Meister und Freunde, Joseph Israels. Würdig ist er vertreten mit nicht weniger als acht Gemälden; in der Mitte von ihnen, mit schwarzumflortem Lorbeerkranz geschmückt, sein im 85. Lebensjahre entstandenes Selbstporträt, welches den Künstler im Schlapphut vor seinem Gemälde „David und Saul" zeigt. Die ausgestellten Bilder sind gut gewählt; sie bieten dem Beschauer das Charakteristische seiner Malweise und seiner Motive: Die junge Bäuerin mit dem Kind im Arme, welche auf der Schwelle ihrer einfachen Behausung aus die Rückkehr des Mannes wartet; eine andere mit dem wohlgenährten Blondkopf an der Brust und eine dritte, ebenso glückliche mit ihrem Kind im Schoß. Dann das Volk bei der Arbeit: Eine Bäuerin, die nach des Tages Mühe schwer bepackt und vom Töchterchen begleitet ein Aehrenfeld durchschreitet; ein Fischermädchen barfüßig im Seehafen; eine Harsnerin am Fenster; Frauen, die aus den Dünen sitzen und stricken. Bei einem solchen Vater, der wohl der erste jüdische Maler von Weltruf gewesen, hat es der Sohn, Jsaac Israels, nicht leicht. Und tatsächlich fällt seine in demselben Saale befindliche „Toilette von Sancta Catherina in Paris", b. h. Mädchen, sich mit ihrer Festtoilette beschäftigend, gegen die Werke des Vaters ab. Es ist stark impressionistisch. Unter den holländischen Lithographien fallen zwei Köpfe alter Männerauf, der eine kräftig gezeichnet auf Hellem Untergrund, der andere viel zarter auf dunklem: sie sind von Gosschalk Cohen. Die einzigen Pavillions der Ausstellung in Balle Giulia in deneri wir nichts auf unseren Gegenstand Bezügliches gesunden haben, sind der serbische, der japanische und der spanische. Bei Betrachtung des letzteren, welcher für ein so armes, ausgesogenes Land, wie das der pyrenäischen Halbinsel wirklich bewundernswert ist, kommt uns der Gedanke, ob nicht zu der künstlerischen Blüte das jüdische, mit Gewalt in die dortige Nationalität aufgenommene Blut beigetragen haben mag. ' Kehren wir nun, nachdem wir so viel der schönen Künste gesehen, in die Stadt zurück, um uns in dem nach seinem Begründer benannten, am Corso Umberto I gelegenen Caf6 Aragno zu neuen Streifzügen durch die Ausstellungen zu stärken, so rblicken wir gegenüber davon eine Bekanntmachung, welche '1

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