Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1912-01-26 · Heft 4 (26.1.1912) · p. Seite 40

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
76 (1912)
Issue
Heft 4 (26.1.1912)
Date
1912-01-26
Page
Seite 40 (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/3224737-3229015-3229020--68137-3280381
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

daß Hahn ein ausgesprochener Antis emit ist? Würde das Zentrum einem Manne von der 'Richtung Dr. Hahns oder einem sonst judenfeindlichen Redner auch weiterhin die Bürgergesellschaft zur Verfügung stellen? Warum hat das Zentrum gegen.die Resolution gestimmt, die den Juden die staatsbürgerliche Gleichberechtigung auch im Heere gewährleisten wollte? Warum unterstützt das Zentrum fast alle offiziellen antisemitischen Kandidaten? Die Fragen wurden gründlich und eingehend von Herrn Justizrat Trimborn und von Herrn Giesberts gelesen. Mit keinem Worte gingen die Herren, insbesondere Justizrat Trimborn, der das Schlußwort hatte, auf die an ihn gerichtete Fragen ein. Ich erspare mir hierzu jeden Kommentar. Es bleibt mir nur übrig zu sagen: Keine Antwort ist auch eine Antwort. £ ' Eine außerordentlich wichtige Nachricht entnehmen wir den politischen Blättern: Dem Herrenhause ist ein Entwurf, betreffend die Vertretung der Berliner Synagogengemeinde, zugegangen. Danach soll die Zahl der Vorstandsmitglieder der Berliner Synagogengemeinde durch die Satzung dieser Gemeinde auf die Höchstzahl von 15, die Zahl der Repräsentanten auf die. Höchstzahl von 45 festgesetzt werden können. Auch kann, die Satzung bestimmen, daß die Vorstandsmitglieder bis zu einem Drittel ihrer Gesamtzahl gegen Besoldung angestellt werden. In der Begründung dieser Vorlage wird darauf hingewiesen, daß die Höchstzahl von sieben Vorstandsmitgliedern, die durch die bisherige Gesetzgebung der preußischen Synagogengemeinden gestattet war,- und die Bestimmung, daß die Mitglieder ihr Amt unentgeltlich zu verwalten haben, der Berliner Synagogengemeinde die außerordentlich umfassende Verwaltung fast unmöglich machen. Deshalb hat die Berliner Synagogengemeinde beantragt, ihr durch Gesetz die Erhöhung der Zahl ihrer Vorstandsmitglieder zu ermöglichen. Diesem Wunsch, der nach Latze der Verhältnisse als berechtigt anerkannt werden muß, soll durch die Vorlage Rechnung getragen werden. ' Die Nachricht ist so bedeutsam, daß wir ihr auch an dieser Stelle Raum geben. Denn Berlin bleibt nun einmal die Hauptgemeinde Deutschlands, und die wichtigen Vorgängedie dort geschehen, haben für das ganze Vaterland große Bedeutung. * Die Deutsche Orient-Gesellschaft erstattet in dem soeben ausgegebenen, reich illustrierten 47. Heft ihrer „Mitteilungen" ihren Mitgliedern Bericht über den Fortgang der Grabungen in Mesopotamien. In Babylon wurde unter Professor Koldeweys Leitung in den Monaten Mai bis November 1911 an vier Stellen gearbeitet. Im Nordosten desjenigen Trümmerhügels, der noch heute Kasr, d. h. „die Burg" genannt wird, weil er einst die stolzen Paläste Nebukadnezars und seines Vaters trug, kamen die mächtigen Bastionen immer klarer heraus, in denen die beiden die prächtige Prozessionsstraße begleitenden Mauerzüge endigen, und an deren eine die aus riesigen Kalksleinblöcken gefügte, inschristgeschmückte nördliche Außenmauer der Feste sich anschließt. — An der Südseite des gleichen Ruinenhügels konnten die den Fuß der Burg bespülenden Wasserläufe und schiffbaren Kanäle verfolgt werden. Niveau-Unterschiede waren durchDchleusenanlagen überwunden. — Die Untersuchung des großen Hauptheiligtums Esagila hat zu der Feststellung geführt, daß dieser berühmte Tempel ein großes nahezu quadratisches Rechteck von ungefähr 80 Quadratmeter bildete und in der Mitte jeder Seite ein monumentales Tor besaß; die Hauptfront lag nach Westen. — In dem eigentlichen Wohnbezirk der Stadt, dem sogenannten Merkes, erstreckten sich während der Berichtszeit die Arbeiten einerseits auf die weitere Aufdeckung der Straßenzüge und der Privathäuser aus verschiedenen Bauperioden, von der'hellenistischen Zeit, der auch interessante Ziegelgräber angehören, bis hinab zur ältbabhlonischen, anderseits auf den kleinen Tempel, der durch einen in der Mitte einer Mauer niedergelegten Bauzylinder Nabonids als der Göttin Jschtar geweiht erwiesen wurde. — In Affur war Herr Dr. Andrae den Sommer hindurch mit einer Anzahl von Einzeluntersuchungen und Nachprüfungen beschäftigt. Der Vorplatz südlich des Asur-Tempels, des auf gebietender Höhe belegenen Nationalheiligtums, mit dem interessanten System von fließendes Wasser führenden Bassins wurde noch einmal durchforscht und ist in allen noch so verwickelten Einzelheiten seiner verschiedenen Bauperioden verständlich geworden. An der Nordwestfront des gleichen Tempels stieß man auf Mauern, die auf Jrifum, also bis in das dritte Jahrtausend v. Ehr. zurückgehen. Auch die Arbeiten an der Zikurrat, dem mächtigen massiven Tempelturm, ergaben eine Reihe von wichtigen Aufschlüssen. Unter den Grüften, die an mehreren Stellen aufgedeckt wurden, enthielt eine den noch in seinen Angeln hängenden steinernen Flügel einer Verbindungstür zwischen zwei Gewölben. Hier wurde unter anderem ein Prisma aus Gipsstein gefunden, dessen Seiten mit einer langen, für die Baugeschichte des Asur-Tempels sehr wichtigen Inschrift des Königs Sanherib bedeckt sind. — Den Schluß des Heftes bildet ein Aufsatz von Geheimrat F. Delitzsch über Warka. Man findet darin in Kürze dasjenige zusammengestellt was bisher über diese im südlichen Teil der babylonischen Tiefebene belegene Ruinstätte bekannt war, unter deren Trümmern die uralte Stadt Uruk (in der Bibel, I. Mos. 10, 10, wird sie als Erech erwähnt) begraben liegt.. Durch die Ausgrabungen an dieser Stätte, die die Deutsche Orient-Gesellschaft demnächst in Angriff zu nehmen sich anschickt und bei denen ungewöhnliche Schwierigkeiten zu überwinden sein werden, soll, so hofft die Altertumswissenschaft, in erster Linie neues Licht verbreitet werden über die allerälteste Kultur im Zweistromlande/ deren Träger das immer noch rätselhafte Volk der Sumerer gewesen ist. £ Von dem Präsidium der Allgemeinen Jüdischen Kolonisations-Organisation geht uns folgender Bericht zu: Die A. I. K. O., 'welche, -wie aus ihrem letzten Jahresbericht zu ersehen war, bereits konkrete Kolonisations-Unternehmungen in Angriff genommen und organisatorisch in England, Deutschland und Rußland Fortschritte gemacht hat, eröffnete nun ihre Aktion auch in Oesterreich. Unter der Aegide des Vorstands des Jüdischen Kylonisationsvereins in Wien-, der österreichischen Mitglieder des Zentralrats der A. I. K. Ö.. des Präsidiums der Wiener Kultusgemeinde, des Oberrabiners Dr. Güdemann und eines . Kreises von Wiener Industriellen. und Großkaufleuten fand am 15. Januar im Sitzungssaal der Wiener Kultusgemeinde eine gut besuchte Versammlung namhafter Mitglieder der Gemeinde statt. Den Vorsitz führte Universitätsprofessor Dr. S. Ehrmann. Als Referenten waren Dr. Alfred Nossig, der Vorsitzende des geschäftsführenden Ausschusses der Ä. I. K. O. und Herr Ernst Löwenberg aus Berlin eingetroffen. Im Namen der Kultusgemeiude begrüßte Präsident Dr. Alfred Stern die Erschienenen mit einer herzlichen und aufmunternden Ansprache. Dr. Nossig entwickelte in seinem Referat die leitenden Gesichtspunkte der neuen Orientkolonisationsbewegung. Er schilderte die Bedeutung der Kolonisation im Verhältnis zur Emigration, die spezielle Eignung des Orients zum jüdischen Siedlungsgebiet, den gegenwärtigen Stand der Kolonien und die organisatorischen Maßnahmen, welche die A. I. K. O. zur Fortführung des Ansiedlungswerks aus kaufmännischer Grundlage getroffen hat. An diese Ausführungen knüpfte Herr Ernst Löwenberg einen Bericht über die von der A. I. K. Ö., bzw. von ihrem. Finanzinstitut, der „Orient Colonising Go.“

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.