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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1912-01-19 · Heft 3 (19.1.1912) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
76 (1912)
Issue
Heft 3 (19.1.1912)
Date
1912-01-19
Page
Seite 3 (sequence 15)
Language
German
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die hiesige Synägögengemeinde einend erheblichen 'Zuschuß leisten. Die Verwaltung geschieht durch eine von der Gemeinde gewählten Kommission. Im Berichtsjahr sind 513 Patienten verpflegt worden.' Die Zahl der gesamten Verpflegungstage betrug 16567. Von den behandelten Kranken waren 442 Juden und 71 Christen. Die Anzahl der Insassen betrug., 7 Frauen- und 1 Mann mit 2920 Verpflegungstagen. Insgesamt beliefen sich im Berichtsjahr die Ausgaben auf -120453.31 Mark, die Einnahmen auf 117645.05 Mark, so daß aus Mitteln der Synagogengemeinde der Zuschuß 2808.26 Mark betrug. Gegen Ende des Berichtsjahrs wurde mit dem Bau des bisher entbehrten Pavillons für Infektionskrankheiten begonnen, der für etwa 20 bis 30 Betten eingerichtet, und in dem der Betrieb voraussichtlich im Laufe des Winters 1911/12 eröffnet werden wird. Der Wunsch, im Krankenhaus Versuche in der Behandlung von Gicht und ähnlichen Krankheitserscheinungen mittels Radiumemanation anzustellen, wie dies mit gutem Erfolg namentlich in der Berliner Universitätsklinik geschehen ist, hat die Verwaltung zur Aufstellung eines Emanatoriums veranlaßt. Wenn die Versuche auch noch nicht als abgeschlossen gelten können, so ist doch in vielen unter den zahlreichen Fällen der Anwendung, in denen der Apparat in unserer Anstalt bisher benutzt worden ist, ein Heilerfolg zu verzeichnen. Herr Moritz Gold ring, der vor Verlegung seines Wohnsitzes nach Breslau mehrere Jahrzehnte hindurch der Posener Jüdischen Gemeinde angehörte, hat der Anstalt eine elektromedizinische, hydrotherapeutische und elektrodiagnostische Einrichtung geschenkt. Diese Stiftung, die den Namen „Moritz und Regina Goldringsche Stiftung" führt, soll unbemittelten Kranken unentgeltlich zugute kommen, während Bemittelte für die Behandlung eine entsprechende Vergütung zu zahlen haben. Die Anstalt empfing ferner eine Spende von 200 Mark von Herrn Ed. Schönlank, einen Krankenahrstuhl von Kommerzienrat N. Kantorowicz, Betten und sonstige Utensilien von Herrn Dr. Ehrlich, den Hinterbliebenen von Frau Pauline Hamburger und der Amacitia-Loge, Bücher und Zeitschriften von Frau N. I. Kantorowicz, Frau Ella Bucka und Herrn Stadtrat Elkeles. Ein Bild zur Ausschmückung eines Krankenzimmers schenkte Frau Justizrat Asch. — Kitzingen, 12. Januar. Am 1. d. M. waren es 25 Jahre, seitdem Herr Benjamin Stern das Amt eines Knltusvorstandes in unserer Gemeinde bekleidet. Die Gemeinde ließ es sich nicht nehmen, ihrem Vorstande eine wohlverdiente Huldigung darzubringen. Da sich Herr Stern in seinen» bescheidenen Sinne jede größere Ehrung verbeten hatte,' mußte die Feier im engsten Nahmen stattfinden, gestaltete sich über zu einem Familienfeste, das allen Teilnehmern in lebhafter Erinnerung bleiben wird. Um 10 Uhr morgens begaben sich Vorstandsmitglieder, Kultuskollegium und Vertreter der vier israelitischen Vereine in die Wohnung des Jubilars.. Kultusvorsteher A. Reiß überbrachte die Wünsche der Gemeinde, rühmte die Verdienste des Jubilars um die Gemeinde und deren Wohlfahrtseinrichtungen und überreichte eine ansehnliche Summe zur Gründung einer „Benjamin Stern-Stiftung" nebst einer künstlerisch ausgeführten Adresse. Der Vorstand des Vereins „Harmonie" I. Feldhahn übergab ein Diplom dem Gründer desselben, der stets auf Harmonie in des Wortes echtester Bedeutung hingewirkt habe. Lehrer B a mberg er gedachte des verstorbenen Vaters des Jubilars H. Stern, als Mitbegründers der Gemeinde und Synagoge, in dessen Sinne der Jubilar als Förderer der Gemeinde-Einrichtungen das übernommene Erbe treulich verwaltet. Freudig erregt dankte Herr Stern für die Ehrungen, das Aufblühen der Gemeinde und die treue Anhänglichkeit seien ihm der schönste Lohn für die vielen Lasten und Arbeiten, welche das Amt eines Kultusvorstandes mit sich-bringe, sie seien ihm durch tatkräftige Unterstützung desKollegen Reiß und der anderen Mitglieder des Kollegiums stets erleichtert worden. Nach der offiziellen Feier fand eine solenne Frühstückstafel statt, bei der noch viele muntere mit Hurnor gewürzte Toaste ausgetauscht wurden, wobei auch die Gastgeberin Frau Stern geehrt wurde. N. T. Stuttgart, 12. Januar. Würdig in allen Teilen und für die große Zahl der Teilnehmer erhebend, verliefen die Veranstaltungen, welche die israelitische Gemeinde Stuttgart, wie bereits kurz mitgeteilt, zur Feier des 50 jährigen Bestehens ihrer Synagoge getroffen hatte. Der Festgottesdienst in dem reichgeschmückten,, hellbeleuchteten, schmucken Tempel erhielt .eineerhöhte Bedeutung durch die Teilnahme der Vertreter staatlicher und städtischer ( Behörden: -.Staatsminister w Fleischhauer, welcher'die Glückwünsche .Sr. Majestätdes Königs überbrachte, Min.-Dir. Dr. v. Bälg, .Stadtdir. Oberreg.- Rat v. Nickel, Oberbürgermeister Lautenschlager, Bürgerausschußobmann Dr. -Erlanger,.die Mitglieder der königlich. israelitischen Oberkirchenbehörde, die Vertreter der.israelitischen Nachbargemeinden Kannstatt, Ludwigsburg, Eßlingen, sowie die als Ehrengäste geladenen Veteranen aus: dem Jahre 1861 versammelten sich im kleinen Sitzungszimmer der Gemeinde, wo sie. von den beiden Rabbinern und sämtlichen Kirchenvorstehern begrüßt wurden. Als der Zug das Gotteshaus betrat, setzte die Orgel mit vollem Werk ein, hierauf der. Chor mit.dem Faißtschen: „Dies ist der- Tag, den der Herr gemacht" und dem gewaltigen: „Machet die Tore weit". Kirchenrat Dr. Kroner hielt die Festpredigt über Zacharia II, .14 unb 15. In wohlgesetzten Worten, klar gegliedert, zeigte er unter Aufführung all derjenigen Bezeichnungen, welche die hebräische Sprache für „Gotteshaus", kennt, was ein Gotteshaus ist und sein soll: ein Bethaus für alle Völker, eine Schule, ein.Lehrhaus, in dem Gott erkannt werden soll als der Gott aller Völker, als Herr aller Nationen. Der Gott der Juden ist kein Nationalgott, er ist universal, alle Menschen, welchen Glaubens sie auch sein mögen, mit gleicher Liebe umfassend. Diese Erkenntnis und die daraus resultiereyde Lehre der „Gleichheit aller vor Gott" durch ein gottgefälliges Tatenleben lebendig zu erhalten und zu verbreiten, dies ist die heilige Ausgabe des israelitischen Volkes. Mit innigem Dank für . all die Liebe und Güte, mit dev Gott die Gemeinde bis hierher geführt und behütet hat, schloß die eindrucksvolle Predigt. Bezirksrabbiner Dr. Stößel sprach sodann ein weihevolles Gebet für den.König und das k. Haus, für das Vaterland, die Stadt und die Gemeinde, für Lehrer und Schüler, für die Führer und Vorstände, für alle Bürger; Das von der ganzen Gemeinde gesungene Chanukalied bildete den Schluß des gottesdienstlichen Aktes., .— Einen glänzenden Verlauf nahm auch der Festabend im großen Königsbausaal, an dem alle Kreise der Gemeinde teilnahmen. --Stratzbirrg i. E., 12. Januar. Aus israelitischen Kreisen schreibt man der „Straßburger Post": „Bei der letzten Gehaltsreglung der Geistlichen im Landesausschuß sind -die Rabbiner nicht mit den. protestantischen Geistlichen gleichgestellt worden. Dies ist um so auffallender, als die Rabbiner ebenso wie die protestantischen Geistlichen ihrer Militärpflicht zu genügen und Familien zu unterhalten haben. Ebenso gut wie die israelitischen Elementarlehrer mit den Amtsgenossen anderer Kynfessionen, gleichgestellt sind, sollte auch kein Unterschied; im Gehalt zwischen den Geistlichen der verschiedenen-Konfessionen bestehen, insbesondere nicht zwischen dem Gehalt der Rabbiner und der protestantischen Geistlichen. Da alle Landtagsabgeordneten in ihren Wahlprogrammen für die Gleichberechtigung aller Konfessionen eingetreten sind, glaube ich, daß es ein Leichtes wäre, den Fehler im Landtag wieder gut. zu machen. Auch müßte der neue Landtag andere Bestimmungen für die Konsistorialwahlen einführen. Vor allem muß die Bestimmung fallen, daß neben dem Oberrabbiner noch vier Mitglieder des Konsistoriums in der Bezirkshauptstadt ihren Wohnsitz haben müssen. Infolgedessen hat z. B. die israelitische Gemeinde Mülhausen, die vielleicht 2^mal so groß ist als die Kolmarer, weniger Rechte-, als diese. Auch wäre es zweckmäßig, daß das Mandat der Konsistoriulmitglieder aller vier Jahre erneuert werden muß, während jetzt das Mandat eine Dauer von acht Jahren hat, und aller vier Jahre nur eine teilweise Erneuerung der Mandate stattfindet. Ferner ist hier noch als Unikum zu erwähnen, daß die Rabbiner nicht Mitglieder der Kirchenräte bzw. Verwaltungskommissioncn ihrer Gemeinde sein dürfen und nicht einmal das Recht haben,, deren Sitzungen . beizuwohnen, während in anderen Bundesstaaten, wie. z. B. Württemberg, Baden, Bayern, sogar die Lehrer und Kantoren, falls kein Rabbiner am Platze ist, so ipso Mitglieder der Kirchenräte sind. Möge der Landtag. bestrebt fein, auch, unseren Kultusverhältnissen mehr Aufmerksamkeit zu schenken, , da es darin viel zu. verbessern gibt, weil die - bestehende Gesetzgebung schon mehr als 100 Jahre.ohnejegliche Anpassung an neu eingetretene Verhältnisse in Kraft ist." .' V...’;’-’; .,... y J ,'y - ,

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