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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1912-01-19 · Heft 3 (19.1.1912) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
76 (1912)
Issue
Heft 3 (19.1.1912)
Date
1912-01-19
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
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schließlich den Vorschlägen seiner freiheitlicher: gesinnten Minister 'zustimmen. Die Gleichberechtigung fiel den : preußischen Judew nicht in den Schoß. Im Gegenteil, sie mußten viel Arbeit darauf verwenden. Eine ganze Galerie interessanter Persönlichkeiten, die für die Judenemanzipation -eintraten, zog nun an der Hörerschaft vorüber, darunter David Friedländer und -Jacobson, der -unter. König JSrome von Westfalen Präsident des jüdischen Konsistoriums in diesem Königreich wurde; Graf Dohna, der sich dahin äußerte, daß der »Zustand der Unterdrückung nicht fortdauern dürfe", sondern die Juden zu gleichberechtigten Bürgern gemacht werden müßten. Die Lichtgestalt Wilhelm v. Humboldts tauchte vor uns auf, der dem König eindringlich zu Gemüte führt: «Nur als Minderberechtigte können' die Juden dem Staate zum Schaden gereichen, und die Fehler, die man ihnen vorwirst, sind die notwendigen Folgen der Unterdrückung, deren Opfer sie lange wären". Der Redner zeigte uns Hardenberg am Werke, die Gleichberechtigung der Juden zu erwirken, bis endlich am 11. März 1812 das Edikt veröffentlicht wird, das ihnen die völlige bürgerliche Gleichberechtigung zugesteht, gegen die Verpflichtung, bleibende Familiennamen anzunehmen; in deutscher oder in irgendeiner lebenden Sprache die Geschäftsbücher zu führen usw. Diese Gleichberechtigung, vor 100 Jahren zugestanden, ist freilich heute noch immer nicht durchgeführt. Der Vortragende schloß mit einem kraftvollen Wort gegen die Praxis, die heute den Juden die verfassungsmäßig gewährleistete Gleichberechtigung von Aemtern in Heer und Verwaltung vorenthält, und mit einer warmherzigen Aufforderung zum Kampf für die endgültige Durchführung der nun hundertjährigen Emanzipation. Das zahlreich erschienene Publikum spendete dem Redner für seine lehrreichen und fesselnden Ausführungen lebhaften Beifall. — Aus den - auswärtigen Literaturvereinen: In Dresdensprach Professor Dr. Ludwig Stein-Berlin über „Das Wesen des Judentums"; in Bruchsal Bezirksrabbiner Dr. Grzymisch über „Die Geschichte des Großherzoglichen Oberrats der badischen Juden"; in Tilsit. Rabbiner Dr. Zlocisti-Pr. Stargard über „Die geschichtliche Bedeutung der Ethik des Judentums"; in Memel Dr. Leopold Hirschb erg-Berlin über „Biblische Heldengestalten in der Musik"; Schauspieler Fritz Richard-Berlin: Rezitationen; in GraUdenz Rabbiner Dr. Lo ew y: „Aberglaube und Judentum"; in Schwetz a.d.W. Rechtsanwalt Blumenthäl-Culm über „Namen der Juden"; in . Lauenburg i. P. Rabbiner Dr. Kälter-Danzig über „Die Juden Preußens im 18. Jahrhundert"; nt Prenzlüu Redakteur Albert Jäcoby-Berlin: „Die jüdische Frau und die moderne Frauenbewegung"; in Rogasen Rabbiner Dr. Dünner über „Judith Löhrach"; in Hamburg Dozent Tr. I. Elb ogen über „Die geschichtliche Bedeutung des jüdischen Gottesdienstes"; in Köln Herr Moritz Levh über „Ein blutiges Kleeblatt, Vorläufer der spanischen Inquisition"; in Alzey Rechtsanwalt Sinsheimer-Ludwigshafen über „Der Jude als dramatische Figur", Referendar Richard Gatzert- Köln über „Sombart: Die Juden und das Wirtschaftsleben"; in Tuchel und Schlochau Prediger Lion Wolfs, Tempelburg über den „Ursprung der Fräuenemanzipation in dem biblischen Zeitalter." LQ Berlin, 12. Januar. Am 2. d. M. fand hier im Repräsentantensaale der jüdischen Gemeinde, eine Sitzung des Aus- -schusses des Allgemeinen Rabbiner-Verbandes statt. An der Sitzung nahmen 16 Ausschußmitglieder teil. Der Vorsitzende, Rabbiner Prösessor Dr. Guttmann-Breslau gedachte in seinem Bericht zunächst des so unerwartet dahingeschiedenen Rabbiners Dr. V og el fte in-Stettin, der seit vielen Jahren dem Verbandsvorstande angehört und durch sein versöhnliches und treuherziges Wesen sich stets gleicher Beliebtheit bei allen Richtungen zu. erfreuen gehabt hat, mit ausführlichen, anerkennenden, warmen Worten. Mit ihm sei eine Zierde des Rabbinerstandes, dem Verbände besonders ein treuer,- unermüdlicher Mitarbeiter dahingegangen.' Sodann gab der Vorsitzende einen Bericht über die Tätigkeit des Vorstandes seit der letzten Ausschußsitzung und erörterte: kurz die einzelnen auf der Tagesordnung stehenden Punkte. Der auf. der letzten Generalversammlung von Dr. Kaelter und Genossen -gestellte Antrag, auf Einführung des jüdischen Religionsunterrichts an den Lehrer- und Lehrerinnenseminaren hinzuwirken, gab Anlaß zu einer eingehenden Besprechung. Der Antrag wurde schließlich einer Kommission, überwiesen,--die auch .weitere/^ Schritte, in der Angelegenheit der Einführung des obligatorischen jüdischen Religionsunterrichtes an den höheren Schulen in Erwägung ziehen -soll. Dr. Eschelbacher-Berlin berichtete über die Beratungen im Aus schusse des Verbandes - der Deutschen Juden, betreffend einen beim . Ministerium einzureichenden Antrag auf Einsetzung einer Summe in den Etat zur Unterstützung^.notleidender Rabbiner. Auch an diesen Bericht knüpfte sich ' eine lebhafte Besprechung. Die Versammlung gab dabei der Erwartung Ausdruck, daß in Zukunst derartige, die Interessen der Rabbiner betreffende Maßnahmen vom Verbände der Deutschen Juden nicht beschlossen werden, ohne daß die Rabbiner selbst vorher gehört werden. Auf Antrag Dr. Werner-München würde die Herausgabe einer Schrift gegen die Taufe, respektive gegen den Austritt aus dem Judentum beschlossen und auch diese Angelegenheit einer Kommission überwiesen, in die Dr. Werner- München, Dr. Samuel-Essen und Dr. Jacob-Dortmund gewählt würden. Dr. Freudenthal-Nürnberg, der inzwischen an einer gleichzeitig tagenden Versammlung zur Begründung einer. Ersatz- Versicherungskasse für die jüdischen Gemeindebeamten teilgenommen, gab sodann kurzen Bericht über die dort gefaßten Beschlüsse und ersuchte um Beschlußfassung darüber, wie sich die Rabbiner-Reliktenkasse dazu verhalten solle. Die Versammlung war der Ansicht, daß darüber zu entscheiden nicht Sache des Ausschusses sei, sondern die des Kuratoriums oder der Mitglieder der. Reliktenkasse. Es wurde dieser aber empfohlen, die Aenderungen in den Bestimmungen der Kasse vorzunehmen, durch welche der Anschluß derselben an die geplante allgemeine Ersatzkasse ermöglicht wird. Nachdem dann noch an Stelle von Vogelstein-Stettin. Professor . Dr. Bloch-Posen vom Ausschuß kooptiert und in den Vorstand gewählt worden, und der Ausschuß mit Bedauern von den zwischen dem. Westpreußlschen Rabbiner- und Gemeinde-Verbände entstandenen Differenzen Kenntnis genommen, schloß der Vorsitzende die Sitzung. .. . y. Berlin, 16. Januar. Wie wir. erfahren, ist das deutsche BNreau der Alliance, dessen Leitung bisher der Deutschen Konferenzgemeinschaft unterstand, vom 4. Januar, d. I.' direkt dem Pariser Zentralkomitee unterstellt worden. In der letzten Sitzung des Zentralkomitees vom 3. d. M. sind eine, ganze Reihe einschneidender Beschlüsse gefaßt worden,, die unter der Rubrik : „Regelung des Verhältnisses des Zentralkomitees, zur Deutschen Konferenzgemeinschast" darauf hinauslaufen, der letztgenannten, deutschen Organisation jede Einflußnahme auf die Alliance zu nehmen. . Vor allem ist der Deutschen Konferenzgemeinschaft ausdrücklich die Vertretungsbefugnis der Alliance in Deutschland entzogen. Die Lokalkomitees werden darauf hingewiesen, .daß sie fortan nur direkt mit dem Pariser Zentralkomitee zu korrespondieren haben. Die Beiträge sind nach Paris direkt.abzuführen -oder können auch an das, Bureau der Alliance,^ das bestehen, bleiben soll, nach - Berlin gesandt werden. Die Zeitschrift „Ost und West", das offizielle Organ der.Alliance für- Deutschland, wird der Kontrolle der Pariser .Herren gleichfalls direkt unterstellt. Das Präsidium der Deutschen. Konferenzgemeinschaft, deren rechtliche Existenzmöglichkeit von Paris nicht bestritten wird, hat gegen diese Beschlüsse einen eingehend begründeten Protest bereits nach Paris abgesandt und auch sämtlichen Lokalkomitees, eingehende Informationen übermittelt. Der Protest stützt sich vorzugsweise aus den Artikel 18 der Alliance-Statuten und § 6 der Statuten der Deutschen Konferenzgemeinschaft, die seinerzeit von Paris.anerkannt worden sind. — Man sieht, die Verwirrung und die.Unstimmigkeiten haben statt einer Milderung nunmehr eine Schärfe angenommen, die jeden friedlichen Ausgleich nahezu ausschließt. Dem Alliancegedanken in Deutschland können solche Zustände allerdings kaum dienlich sein. , . Posen, 12. Januar. Der Todestag des Philantropen M o r. Rohr. Stifter des jüdischen Kranken- und Siechenhauses hier-, wurde am 4. d. M. in der Anstalt in.ernstwürdiger Weise begangen. Vor etwa 26 Jahren stiftete Herr Rohr zur Erinnerung seiner ver- ..stvrbenen Eltern einen Betrag von 600000 Mark , zu gedachtem Zweck. Das Stiftungskapital ist durch . Spenden seinerzeit von anderer Seite bedeutend verstärkt worden. Die . uns dew. Gesamt- Legaten fließenden Einnahmen, welche zur Bestreitung der Ausgaben verwendet, werden, reichen nicht aus, es muß vielmehr

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