Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 76 (1912)
- Issue
- Heft 3 (19.1.1912)
- Date
- 1912-01-19
- Page
- Seite 32 (sequence 8)
- Language
- German
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Besondere Genugtuung muß es im 'Herzen eines jeden vorurteilslos denkenden Menschen erregen,' wenn er sieht, wie Deulschland/'tvelches so ängstlich bemüht ist, seine Juden „auf dem Verwaltungswege" niederzuhalten und zurückzusetzen, doch' nicht umhin kann, ihnen bei internationalen Wettbewerben die gebührende ' Stellung. einzuräumen, um bei dem Gesamtbilde, welches -von der deutschen Produktion geboten werden soll,' nicht hinter anderen-Nationen zurückzustehen. - Wie wäre es z. B) itn vorliegendem Falle möglich gewesen, die Entwicklung der deutschen Malerei in den letzten Jahrzehnten vorzuführen ohne Werke von Max Liebermann? Mit nicht weniger als 17 Arbeiten, der höchsten Zahl, die überhaupt von einem und demselben Meister ausgestellt, ist er vertreten. Unter ihnen kommen für unseren Gegenstand die Radierung „Simson und Delila" sowie die Kreidezeichnung „Juden gaffe in Amsterdam" in' Betracht. Uebrigens ist eine Bronzebüste Liebermanns in dernorwegischen Abteilung von dem in . Rom lebenden Bildhauer St. Hans Lerche ausgestellt. Aber nicht -nur mit dem einen hervorragenden Namen haben die deutschen Künstlerjüdischer Abkunst, zu denen wir hier gar nicht einmal mehr Männer wie Paul Meyerheim, deren Voreltern es 'für-gut' befanden, zwar dem Judentum aber nicht den Indem den Rücken' zu kehren, rechnen wollen, Ehre eingelegt. Von den drei von Leo Samberger in München aus-' gestellten-Porträts, nämlich das seines Vaters, des Malers' Büchner, und eines alten Mannes in der .Tracht des 17. Jahr-' Hunderts, dürfte es nicht leicht sein zu sagen, welches die be-' deutendste Leistung ist; doch würde wohl die Wahl schließlich auf das zuletztgenannte fallen: Farbe und kräftige Pinsel- ' führung erinnern an die Spanier der besten Zeit. Von Max Fabian in Berlin-sind zwei Damenbildnisse vorhanden: Das eine in Oel, eine blonde junge Dame im Lehnstuhl, den' linken Arm ungezwungen aufgestützt; das'andere, eine Lithographie, stellt eine am Klavier sitzende Frau-vor. Besonders die Lichteffekte sind genau studiert und kommen zu gutem Ausdruck. Wer an starkem Impressionismus Gefallen findet, wird die beiden Bilder Ernst Opplers „Strandleben in der Nor-' mandie" und „Tennis in den Dünen" zu schätzen wissen. Einen schönen Ferneindruck erzielt auch Max Stern mit seiner Darstellung einer kirchlichen Zeremonie. Doch beim italienischen Publikum' erregt kaum, ein anderes Bild der deutschen Abteilung solch Interesse wie -die lebensgroße Darstellung - der Tänzerin Miß Allan von Otto Marcus. Mit Kennermiene wird ,die meisterhafte Wiedergabe der graziösen Bewegungen besprochen und bewundert. Eines der schönsten Interieurs der ganzen Ausstellungen in Balle Giulia bietet Oppenheimer mit seiner wirkungsvollen Wiedergabe eines Magazins chinesischen Porzellans. Die von Alex Oppler ausgestellte Frauenbüste in Marmor verliert zwar durch den stark -nach vorn gebogenen Kopf an ästhetischem Reiz, gewinnt aber anderseits dadurch an Verismus. - Noch ist zu bemerken, daß der eine oder andere Künstler jüdischer Abkunft, wie z^ B. Nötheres vorgezogen hat, in der internationalen Abteilung des Hauptpalastes auszustellen. Alles in allem dürfte unsere gedrängte Uebersicht zur Genüge beweisen, daß das deutsche Judentum, aus dessen Reihen vor einem Jahrhundert die ersten Maler dieses Ursprungs, Friedrich Eduard Meherheim und Eduard Bendemann hervorgingen, die alten Traditionen noch bei weitem übertroffen hat. Was Motive jüdischen - Inhalts anbetrifft, so bietet die deutsche Ausstellung. Gelegenheit zueinem Vergleiche zwischen je 2 Pendants von Bronzestatuen, Adam und Eva darstellendbeide von Münchener Bildhauern herrührend: An die originelle Auffassung und Ausführung der beiden biblischen Persönlichkeiten durch Hermann Hahn reicht die von -Hans Schwegerle nicht heran.- Von Hermann Hahn istauch die bronzene Porträtbüste des Dr. Walter Rathenau in Berlin. Die Augenhöhlen sind sreigelassen, wohl für die einzusetzenden Glasaugen. - Nicht sonderlich wirkt, besonders nicht in Rom, wo man durch.voll wirkenden Klassizismus an -kräftige Formen gewöhnt ist, der im Garten des deutschen Pavillon ausgestellte marmorne David . von Schrehgögg. Stimmungsvoll dagegen ist das Oelgemälde, auf welchem Hoffmann-Fallersleben in Steglitz den Judenkirchhof in der Senne (Westfalen) dargestellt hat: Es ist Sommer. In der einsamen, verödeten Landschaft, durch die sich der gelbe Fahrweg hinzieht, ragen am Abhang eines mit Felsen durchsetzten Hügels, und gleichsam mit diesen wetteifernd, die verwitterten Grabsteine mit den hebräischen Buchstaben in die Höhe. ■ England ist, soviel wir wissen, der einzige Staat, welcher unter - seinen offiziellen Vertretern auf der Kunstausstellung von 'Valley Giülicr einen Juden zählt; natürlich ist dies ein Name von bestem Klange: Isidor Spielmann. Uebrigens war auch Liebermann von der italienischen Regierung zum Mitgliede der Annahmekömmission für die internationale Abteilung I ausersehen worden, lehnte aber ab. Von kompetenter Seite und; vielfach auch vom großen Publikum wird der englische Pavillon für die.künstlerisch bedeutendste Sammlung unter den hier vereinigten angesehen. Jedenfalls sind die Leistungen der jüdischen Meister hervorragend. Das einzige Oelbild von Simeon Solomon, welches ausgestellt ist, die Mutter des Moses, zeigt den großen Religionsftifter als kleinen Knaben an der Mutterbrust in dem Augenblick, in welchem er dem Schilskäftchen anvertraut werden soll. Hier - sowie auf den beiden Aquarellen, dem segnenden.griechisch-kätholischen Geistlichen, und dem Priester, welcher die Monstranz erhebt, sind die Eigentümlichkeiten der sogenannten präraphaelitischen Malerschule, sinnlicher Glanz und orientalischer Schmelz, sehr stark hervörtretend. Einer der Begründer " dieser Schule, doch kein Israelit, William Holman-Hunt, ist mit einer sehr interessanten Darstellung des. in die Wüste, getriebenen Sündenbocks vertreten. Auf dem Goldrahmen desBildes glänzt der siebenarmige Leuchter. Das große, Eva, betitelte Bild von Solomon Solomon macht darum keinen erfreulichen Eindruck auf den Beschauer, weil es auf den Effekt -berechn et erscheint und an die Verfallzeit der italienischen Malereü erinnert: die schöne, nackte Frauengestalt, in der Mitte voll erleuchtet, wird über den Körper eines Mannes hinweg, von zwei Engeln in die Lüfte getragen. . Viel bescheidener tritt auf und doch viel angenehmer wirkt die Ansicht der Stadt Segovia in Spanien von Hans Trier: in südländischem Glanz thront sie auf der Höhe. Als Clou der englischen? Ausstellung kann von jüdischem Standpunkt aus wohl das eine der beiden Gemälde William Rothensteins betrachtet werden, nämlich die Vorlesung aus dem Büche Esther: drei Israeliten, alle drei charakteristische Typen ihres Stammes, in Gebeimäntel gehüllt, stehen vor dem mit kostbarer Decke geschmückten Pulte. (Fortsetzung folgt.) ' »am Der Msndkkbrttk! im Talmud. Von Rabbiner-Dr. Tänzer-Göppingen. eit einer stattlichen Reihe von Jahren bildet der Wische Wanderbettler eine ständige Erscheinung-aufi 'den Tagesprogrammen der hervorragendsten deutschjüdischen Reichsvereinigüngen. —